6 Gründe, als Familie kein Fleisch zu essen


„Mama, ist das totes Tier?“ Diese Frage bekomme ich in letzter Zeit von meinem 3-jährigen immer öfter, wenn er oder sein Papa Fleisch essen. Denn ich selbst esse seit einigen Wochen keines mehr und natürlich hat das bei ihm Fragen aufgeworfen. Fragen, die ich besser beantworten kann als die, warum wir eigentlich tote Tiere essen. Oder, warum wir manche Tiere essen und andere nicht.

Vom tote Tiere essen

Denn natürlich ist es nicht schön, dass Tiere sterben müssen, damit wir sie essen. Doch noch unschöner ist es, wie die Tiere dafür gezüchtet und behandelt werden. Da erzähle ich bestimmt niemandem etwas neues. Nun ist es so, dass ich jahrelang, wie vielleicht viele, darüber einfach nicht nachdenken wollte. Dass ich mich mit Argumenten tröstete wie „Wir essen ja eh kaum Fleisch“ oder dass wir in Berlin fast nur beim Neuland-Fleischer eingekauft hatten. Lange Zeit sagte ich mir selbst, dass ich eh schon so viel nicht essen kann wegen meiner Histaminintoleranz, da könne ich unmöglich auch noch auf Fleisch verzichten.

Leider machte es das nicht wirklich besser. Der Fakt, dass ich Fleisch esse, obwohl ich es eigentlich für falsch halte, blieb. Viele Jahre. Auch, wenn ich in meiner Stillzeit schon einmal komplett vegetarisch lebte – mir fiel und fällt es wahnsinnig schwer, dauerhaft auf Fleisch zu verzichten. Weil es in unserer Kultur einfach üblich ist, Fleisch zu essen. Weil so viele leckere Gerichte Fleisch enthalten. Weil ich es einfach gewohnt bin.

Wie ich aufhörte, Fleisch zu essen

Dann kam ich nach Bali. Auf dieser Insel ist es gleichzeitig so einfach und so schwierig wie nie, ohne Fleisch auszukommen. Denn erst einmal scheint Huhn hier das Grundnahrungsmittel schlechthin zu sein. Alle tradititionellen Gerichte, die wir in unserem ersten Monat auf Bali fanden, basierten auf Huhn. Wenn hier kein Huhn im Essen ist, ist es quasi kein Essen. Das wird dann serviert zusammen mit Reis oder Nudeln und einem Hauch von Gemüse.

Und je länger dieses Überangebot an Fleisch auf mich wirkte, desto größer wurde meine innere Abneigung. Vielleicht auch, weil ich Geflügel nicht sonderlich lecker finde. Jedenfalls entwickelte ich allmählich einen richtigen Ekel vor Fleisch.

Und dann kamen wir nach Ubud. Hier ist gibt es ein irre großes Angebot an vegetarischen und veganen Restaurants. An jeder Ecke bekommst Du fleischlose Alternativen, die wirklich lecker und abwechslungsreich sind.


Und so habe ich nach einigen Wochen in Ubud beschlossen, es mal wieder zu versuchen: Ich will künftig kein Fleisch mehr essen. Kein totes Tier mehr für mich. Das macht nicht nur für mich Sinn, sondern ich finde es auch für mein Kind richtig. Das bedeutet jetzt nicht, dass er kein Fleisch mehr essen darf. Dieser Junge liebt Chicken Saté (gegrillte Hähnchenspieße).

Aber ich möchte ihm ein gutes Vorbild sein, denn Vorbild ist in der Erziehung immerhin alles, und es gibt wirklich gute Gründe, als Familie kein Fleisch zu essen, wie ich finde.

6 Gründe, als Familie kein Fleisch zu essen

1. Ethische Werte konsequent vertreten

Wie alle Eltern habe ich bestimmte Grundwerte, die ich meinem Sohn mitgeben möchte. Dazu gehört auch der Respekt vor anderen Menschen und Lebewesen. Empathie für das Leiden anderer. Aufzustehen, wenn jemand ungerecht behandelt wird. Sich einsetzen für eine gerechte Verteilung von Ressourcen unter allen Menschen. Gegen Ausbeutung und Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen oder Nationen.

Was das nun mit Fleisch zu tun hat? Sehr viel! Wie kann ich meinem Sohn beibringen, dass es grausam ist, Tiere zu quälen, wenn er spätestens in der Pubertät herausfinden wird, dass genau das passiert und ich es unterstütze? Wie soll ich ihm eines Tages erklären, dass ich mich nicht nur nicht einsetze für die Rechte von Tieren, sondern aktiv dazu beitrage, dass diese mit Füßen getreten werden, im wahrsten Sinne des Wortes?

„Weil das alle so machen“ zählt dabei nie für mich als Argument.

Auch mit der Verteilung von Ressourcen auf unserem Planeten hat Fleisch sehr viel zu tun. Denn während wir, in unserer westlichen Welt, auf einem Übermaß an Reichtum und Energie sitzen, geht das auf Kosten ärmerer Entwicklungsländer. Wenn Du das nicht glauben willst, befasse Dich mal ein wenig mit der Thematik. Wie viele Kriege, Hungersnöte und wie viel Armut denkst Du, wird erzeugt, weil die Menschen in ärmeren Regionen der Erde ausgebeutet werden, um pflanzliche Nahrungsmittel für unseren Fleischkonsum zu erzeugen?

2. Umwelt und Ressourcen

Doch was hat Fleisch nun mit unseren Ressourcen zu tun? Wusstest Du, dass es sieben Mal so viel Ressourcen (Wasser, Ackerfläche, Zeit) braucht, Energie aus Fleisch zu gewinnen, als aus pflanzlichen Nahrungsmitteln? Statt 100 kcal aus Fleisch zu erzeugen könntest Du also 700 kcal aus Pflanzen, z.B. Getreide, bekommen.

Das bedeutet, dass für das Masten von Tieren und Erzeugen von Fleisch für den Endverbraucher unsere Ressourcen und unsere Umwelt unnötig in Mitleidenschaft gezogen werden. Ressourcen, die unseren Kindern möglicherweise eines Tages fehlen werden. Eine Umwelt, die es so dann vielleicht nicht mehr geben wird.

Auch Regenwald wird für die Erzeugung von Fleisch abgeholzt und der Klimawandel durch die hohe Co2-Produktion vorangetrieben.

Und dass auch manche pflanzlichen Lebensmittel wie Avocado oder Mandeln irre viel Wasser verbrauchen oder einen hohen Energieverbrauch für den Transport erfordern, zählt dabei für mich nicht als Gegenargument.

3. Fleisch ist ungesund

Auch wenn viele Paleo-Diäten auf Fleisch basieren, so ist Fleisch in der Form und Menge, wie sie in vielen Familien auf den Tisch kommt, definitiv nicht gesund. In der herkömmlichen Tiermast werden große Mengen an Hormonen und Antibiotika gefüttert, um den Verlust durch Krankheiten gering zu halten und die Tiere möglichst schnell an Gewicht zunehmen zu lassen. (Und ja, auch Antibiotika ist ein Mastmittel, denn es verändert die Darmflora in einer Weise, die viele Lebewesen dick werden lässt.)

Auch, dass Fleisch an sich gesund sein soll und dem Menschen einen evolutionären Vorteil verschafft hat, wird unter Wissenschaftlern immer wieder angezweifelt.

Dass die präventive, meist unnötige Gabe von Antibiotika in der Tierhaltung zu einer Zunahme an multiresistenten Keimen geführt hat, ist leider traurige Realtität.

4. Vegetarische Küche ist gesünder

Das hört sich etwas pauschalisiert an, ist aber meiner Erfahrung nach tatsächlich so. Denn durch die Notwendigkeit von fleischlosen Protein-Alternativen kommt meist viel mehr Abwechslung auf den Tisch. Und Abwechslung bedeutet auch mehr Nährstoffe.

5. Echte Wahlfreiheit

Übrigens gilt das nicht nur für die Kindheit meines Sohnes, sondern für sein ganzes späteres Leben. Denn das, was er in seinen ersten Lebensjahren (Angaben schwanken da zwischen 2 und 8 Jahren) isst, prägt seinen Geschmackssinn vermutlich für sein restliches Leben. Selbst, wenn er weiterhin Fleisch isst, wird er allein durch das Mitessen von meinem Teller eine viel größere Vielfalt an Nahrungsmitteln zu sich nehmen.

Dadurch hat er später wirklich die Wahl und sein Geschmackssinn ist weniger stark als beispielsweise mein eigener auf Fleisch geprägt.

6. Darmgesundheit

Wie wichtig die Darmflora für das Leben und die Gesundheit des Menschen ist, wird in den letzten Jahren immer deutlicher. Für den Aufbau und die Aufrechterhaltung einer gesunden Darmflora sind Ballaststoffe, langkettige Kohlenhydrate, von großer Bedeutung. Diese finden sich häufig in pflanzlichen Lebensmitteln. Auch Probiotika aus fermentierten Lebensmitteln wie Joghurt oder Sauerkraut sind sehr hilfreich. In Fleisch dagegen befinden sich zwar Proteine, aber keinerlei Unterstützung für die Darmflora. Im Gegenteil können Schadstoffe, Medikamente und Hormone, die sich im Gewebe der Tiere anlagern, der Darmflora zusätzlich schaden.

Musst Du jetzt ein schlechtes Gewissen haben, wenn Du Fleisch isst?

Will ich damit jetzt sagen, dass alle Fleischesser schlechte Menschen sind, nur weil ich selbst seit ein paar Wochen keines mehr esse? Ja und nein. Ob Du ein schlechtes Gewissen hast, weil Du Fleisch isst, kannst nur Du selbst beurteilen. Ich hatte eins. Fast jedes Mal.

Würde ich mir wünschen, dass es alle Menschen schaffen, viel weniger oder kein Fleisch mehr zu essen? Ja, natürlich. Trotzdem würde ich auf keinen Fleischesser mit dem Finger zeigen. Ich hab ja selbst zwei davon im Haus und ich weiß, wie schwierig es ist, auf eine fleischlose Ernährung umzusteigen.

Mir hat es sicherlich auch geholfen, dass meine zwei kleineren Brüder diesen Weg schon lange vor mir gegangen sind. Immer wieder damit konfrontiert zu werden, worüber ich nicht nachdenken will, hat das Thema für mich aktuell gehalten.


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