Vom Abstillen und Problemen mit der Brust


Gastbeitrag: Das unerwartete Ende einer Stillbeziehung

Unser Rubbelbatz bekommt nach wie vor ausschließlich Muttermilch und mit dem Stillen klappt alles gut. Dass Stillen nicht für alle Mütter so unproblematisch funktioniert und Nichtstillen bzw. Abstillen manchmal sogar unter Druck setzen kann, habe ich auch bereits in unserem Beitrag über stillende Mütter erwähnt. Maria, eine Leserin und Mit-Weddingerin, musste eine solche Erfahrung durch Probleme mit der Brust leider kürzlich machen. Was genau passiert ist und wie sie sich damit fühlt, hat sie in einem Gastbeitrag für euch beschrieben:

 


 

Vorab ein riesiges Dankeschön an die lieben Rubbelbatz-Eltern, die es mir ermöglichen, einen Gastbeitrag auf ihrer Plattform zu veröffentlichen.

Weiterhin sei gesagt, dass Traurigkeit mich diesen Beitrag schreiben ließ und Humor mich das folgende Thema des unfreiwilligen Abstillens verarbeiten lässt, daher hoffe ich, dass mein Stil nicht verurteilt wird.

 

Das unerwartete Ende einer Stillbeziehung

Ein neuer Tag im Leben der kleinen, hungrigen Mathilde und ihrer beiden Freundinnen, die Brüste „Un petit apéritif“ und „das Galadinner“ begann. Es war der 3. August, Wetter wie immer Bombe, Mama scherte sich ein Teufel darum, dass es ein Montag war – und auch Papa, denn er hatte endlich Urlaub!

Die Frühstücksmahlzeit stand an. Es sei vorweg gesagt, dass aufgrund der gespendeten Milchmenge meine linke Brust von Anfang an nur die Vorspeisebrust und die rechte Brust das Mekka der Muttermilch war. Nun versagte aber seit einigen Tagen die Vorspeisebrust ihren Dienst und die Hauptspeisebrust musste volle Arbeit leisten. Und aufgrund dieser Mehrbelastung hatte ich auch seit einigen Tagen echte Schmerzen in der rechten Brust und ihrer Umgebung. Ich hatte das Gefühl, Mathilde zieht mir die Milch schon aus dem Rücken- und Schulterbereich.

Nun ja, das Kind hatte den nächsten Schub und war wirklich hungrig, aber egal, wie häufig die Raubtierfütterung erfolgte, sie war nicht satt zu bekommen und weinte jedes Mal nach dem Stillen. Sie hatte auch schon seit 3 Wochen nicht zugenommen und es passierte nun an diesem Montag, dass die Milchquelle plötzlich gänzlich versiegte. Es brach mir das Herz, dass unsere Kleine solchen Hunger hatte. Ich kramte meine Ökotest hervor, die Anfang diesen Jahres Muttermilch-Ersatznahrung getestet hat. Das Ergebnis war ernüchternd. Alle Ersatzprodukte hatten einen zu hohen Gehalt an bedenklichen Fettschadstoffen und somit kam keine Milch über das Testergebnis „befriedigend“ hinaus. Ich legte Mathilde wieder an. Es kam nichts. Und so trat ich den schweren Gang in die Babynahrungsabteilung von dm an. Ich nahm mir die Ersatznahrung, die am wenigsten Fettschadstoffe im Test hatte (auch wenn das am Gesamtergebnis der Ökotest nichts änderte) und mischte Zuhause ein Fläschchen davon an. Sie trank es binnen kürzester Zeit gierig leer und rülpste mich danach zufrieden an. Es machte mich glücklich, dass sie nun satt war, aber der Beigeschmack war bitter.

Die Muttermilch wollte auch in den Tagen danach einfach nicht wieder einschießen. Mathilde schien das reichlich egal zu sein, die Flasche war nun ein Objekt, das mit wedelnden Armen ungeduldig in die Schnute geschoben wurde und die Rülpser danach machten denen von Papa Konkurrenz. Ein witziger Moment war, als mein Mann ihr freudestrahlend die Flasche geben wollte und Mathilde den Zusammenhang „Papa=Futter“ rigoros ausschloss und reichlich skeptisch dreinblickte. Mein Blick über die Schulter von Papa half und sie schlürfte drauf los.

Der Tag des 18. August brach an. Wir hatten uns, wenn auch meinerseits schweren Herzens, an die neue Nahrung gewöhnt. Mathilde nahm wieder zu und war – trotz weiterhin andauernden Schubes – wieder ein zufriedenes Baby. Am Frühstückstisch sagte dann mein Mann plötzlich, dass ich „auslaufen“ würde. Ich starrte auf mein Shirt und tatsächlich! Es sah aus wie das eines dicken, schwitzenden Fernfahrers. Unter beiden Brüsten formten sich große Flecken. Ich konnte es gar nicht fassen und in meinem Kopf ratterte es stundenlang. Ich sah folgende Schlagzeile:

Abstillen Probleme mit der Brust

 

Ich holte meine Handmilchpumpe und pumpte wie wild drauf los. Es kamen sage und schreibe 10ml zusammen. Sollte es das wieder gewesen sein? Ich machte eine Pro- und Kontraliste:

 

Pro: Kontra:
Muttermilch Wiedereinsetzung des Milchflusses nur temporär?
Muttermilch Wird sie satt?
Muttermilch Saugverwirrung
Muttermilch Papa verliert wieder das Fütterungsrecht
Muttermilch Hier auch mal was egoistisches: Erneute Zerstörung der Koffein-Mensch-Beziehung

 

Mist! Die Pro- und Kontraliste war gleich lang! Viele Mütter werden sich nun sagen: „Ist die denn bekloppt da zu überlegen, natürlich kann jetzt wieder drauflos gestillt werden!“ Aber ich glaube, nicht viele dieser gut-situierten Mütter teilen diese Erfahrung, dass ihr Baby wochenlang nicht satt wurde.

Im Übrigen sei angemerkt, dass Stillen und anschließendes Zufüttern ebenfalls nicht infrage kam, denn wir hatten bereits eine Saugverwirrung in den ersten Lebenswochen mit Mathilde durch. Auch hier kann man es auf den Versuch ankommen lassen und hoffen, dass sich die Kleine an Brust und Sauger gleichermaßen gewöhnt, aber diese Übergangszeit bedeutete wieder : Hunger! Und das während eines Schubes.

Ich entschied mich, ihr die Flaschennahrung zu lassen. Dennoch versuchte ich es noch mehrere Tage mit Abpumpen, aber bis auf diese bereits erwähnten 10ml kam ohnehin gar nichts mehr.

Ich sage mir ständig, dass ich sie nun 4,5 Monate voll gestillt hatte und freue mich sehr darüber, dass sie nicht mehr weint nach dem Trinken. Natürlich ist Muttermilch immer das Beste für unsere Babys, aber ist es nicht noch wichtiger, dass unser liebster Schatz gut wächst und gedeiht?

Trotz aller reiflichen Überlegungen male ich mir in meinem Kopf aus wie ich beim Ersatznahrungskauf insgeheim von der dm-Kassiererin verurteilt werde. Neidisch schaue ich anderen Müttern im Park auf die gerade stillende Brust. Es setzt einen doch enorm unter Druck, wenn es um das Stillen geht, vom unerwarteten Abstillen ganz zu schweigen. Aber das zufriedene satte Lachen meiner Tochter tröstet mich jeden Tag aufs Neue darüber hinweg, wenn auch noch nicht gänzlich. Vorerst.


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