Was macht eigentlich der Mann?


 

Ihr könnt hier regelmäßig von mir und meiner Schwangerschaft lesen. Aber was macht eigentlich mein Mann?

Vor allen Dingen ist er eins: er ist da. Jeden Tag versucht er sein Bestes, für mich und den Kleinen da zu sein und ein guter Papa zu werden. Er bastelt fleißig an seiner Karriere, um seine kleine Familie gut ernähren zu können; er hilft nebenbei im Haushalt, erledigt den Einkauf und kümmert sich um mich, wenn es mir nicht gut geht. Er begleitet mich zu Arztterminen, zum Geburtsvorbereitungskurs, zur Kreißsaalbesichtigung. Er liest sogar ein Buch über’s Vater werden (das erste Buch jemals, das ich ihn lesen sehe). Aber die größte Unterstützung gibt er mir ganz ehrlich durch seine Vorfreude. Egal, wie skeptisch, panisch oder deprimiert ich in den letzten Monaten manchmal war über alles, was sich in unserem Leben ändern wird: er hat es noch jedes Mal geschafft, mir wieder ein positives Bild und Vorfreude auf unsere kleine Familie zu vermitteln. Mit einer wahnsinnigen Ausdauer ignoriert er meine Negativ-Gedanken und schildert in kleinen Phantasie-Szenen, was alles schön sein wird an unserem neuen Leben. Mit seinem entwaffnenden Humor bringt er mich auch in den schlimmsten Zuständen zum Lachen.

Auch jedes Gejammer über meinen „schlimmen Tag“, den ich pendelnd zwischen Couch, Schreibtisch und Bett verbracht habe, hört er sich mit aufrichtiger Teilnahme an. Und das, nachdem er von einem 10-Stunden-Arbeitstag nach Hause kommt.

Bei unserer Kreißsaalbesichtigung bin ich ins Gespräch gekommen mit einer werdenden Mutter in der 23. SSW. Es hat sich schnell herausgestellt, dass sie ganz alleine ist und daher ziemlich verunsichert und ängstlich. Wenn sie nachts Krämpfe bekommt, ist niemand da, auf den sie sich verlassen kann. Sie muss ihre Einkäufe selbst tragen und ihre Zukunftsängste allein durchstehen. Ich habe nicht gefragt, warum sie alleine ist und ob sie sich vielleicht so entschieden hat. Für mich wäre das die schlimmste Strafe, die Unterstützung meines Mannes nicht zu haben.

In unserem Geburtsvorbereitungskurs für Paare war eine Frau alleine. Der Vater ihres Kindes wollte sie nicht begleiten. Er hat bereits eine Tochter mit einer anderen Frau und ist der Meinung, er weiß, was zu tun ist: Händchen halten und mit dem iPod Musik abspielen. Sie war sehr traurig über die Tatsache, hat aber auch ehrlich zugegeben, dass es schön ist, zu sehen, dass es auch Männer gibt, die ihre Frauen unterstützen möchten. Männer wie meinen.

Mein Gynäkologe hat mal scherzend in den Raum gestellt, dass Männer in unserer Gesellschaft überflüssig werden – und er war sichtlich erleichtert, als ich ihm nicht wie viele andere Frauen recht gegeben habe. Ich brauche meinen Mann an meiner Seite. Egal, ob ich es faktisch auch alleine schaffen würde – es wäre ein nicht halb so schönes Leben, das weiß ich mit Sicherheit.

So, jetzt denken wahrscheinlich alle, ich habe den perfekten Mann. Für mich ist er das meistens auch. Trotzdem möchte ich, um ein faires Bild zu zeichnen, auch erwähnen, dass er Macken hat. Und da fängt in meinen Augen genau die Antwort auf die Frage an, warum auf unseren Blogs unsere Männer so wenig Erwähnung finden: Die Persönlichkeit von Menschen, die uns nahe stehen, in der Öffentlichkeit zu präsentieren, fühlt sich nicht wirklich richtig an, vor allem wenn es sich um negative Charakterzüge oder Erlebnisse handelt. Für mich selbst kann ich entscheiden, wie viel und was ich von meinem Leben preisgebe. Gegen eine kleine Online-Liebeserklärung haben wohl auch die wenigsten unserer Männer etwas einzuwenden. Von sich selbst zu lesen und vielleicht nicht im allerbesten Licht dazustehen (und die Interpretationen können da schnell auseinander gehen) ist dann wieder eine andere Sache.

Aus diesem Grund wird es auch in Zukunft von meinem Mann nur spärliche Informationen auf meinem Blog geben. Allerdings überlegen wir, nach der Geburt einen Familienblog zu führen – da würde es dann von ihm hoffentlich auch jede Menge zu lesen geben…

2 Kommentare zu „Was macht eigentlich der Mann?“

  1. Schöner Post 🙂 Du hast echt Recht, mittlerweile könnte es den Anschein machen, dass man es auch (genauso) gut ohne Mann schaffen würde… Auch wenn es theoretisch möglich wäre, bin ich doch so wie du sehr dankbar, dass ich trotzdem meinen Mann an meiner Seite habe, da er mich so sehr unterstützt… Und so seine Macken hat ja jeder… 😉 Kann mir gut vorstellen, dass dein Mann gerne gelesen hat, was du hier Schönes über ihn geschrieben hast :)))

    1. Danke 🙂 ich hoffe doch, dass er sich gefreut hat. Vor allem in den letzten Tagen, in denen ich mit Erkältung und Vorwehen flach liege, hat er sich wirklich unverzichtbar für mich gemacht…

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.