Buchrezension Geburtstrauma


Heute ist es ein Jahr her, dass ich mein zweites Baby zu Hause in unserem heutigen Wohnzimmer zur Welt brachte. Ich sehe ihm zu, wie er sein erstes Geschenk begutachtet und ziemlich genau an der Stelle sitzt, wo er geboren wurde. Ich erinnere mich an jeden Augenblick dieser Geburt. Und das, obwohl die Wehen fast ebenso schmerzhaft waren, wie bei der ersten Geburt. An einem Wehensturm bin ich auch diesmal nur knapp vorbei, denke ich. Wie ich das geschafft habe, so vertrauensvoll in eine zweite Geburt zu gehen, nachdem meine erste Geburt für mich sogar traumatisch war?

Intuitiv habe ich in den Wochen nach der Geburt meines ersten Kindes das Trauma aufgearbeitet. Mit viel Unterstützung und Verständnis meines Mannes und ganz ohne den Begriff Geburtstrauma zu kennen. Erst später las ich zufällig darüber.

Pünktlich zur zweiten Schwangerschaft kam das Thema dann wieder hoch und ich bestellte ein Buch, um mir weitere Hilfe zu holen: „Es war eine schwere Geburt. Wie schmerzliche Erfahrungen heilen“ von Viresha J. Bloemeke. Die Autorin ist eine erfahrene Hebamme, die sich auf die Begleitung von Frauen spezialisiert hat, die Unterstützung bei der Verarbeitung der Geburt benötigen.

Zunächst einmal erklärt sie in ihrem Buch verständlich und nachvollziehbar, was eigentlich ein Trauma ist und wie es sich anfühlt. Auch auf die Ursachen, die im Rahmen einer Geburt zu einem Trauma führen können, geht sie ein. Ich habe mich sehr gut wiedererkannt unter „Komplikationen und Eingriffe“:

 

  • eine endlos lange, schwierige Entbindung

  • Schmerzen, Kontrollverlust, überrollt von der ‚Gewalt des Gebärens‘

Genau so habe ich den Wehenschmerz und die gesamte Geburt empfunden damals. Ich habe es sogar mit dem Wort „überrollt“ beschrieben. Ich konnte damit nicht umgehen, hatte keinen Moment, um zu verschnaufen oder Kraft zu tanken. Ich fühlte mich machtlos und wie gelähmt vor Schmerzen.

Dabei muss klar sein, dass es hier nicht darum geht, wie schwerwiegend die Erlebnisse objektiv betrachtet sind. Niemand hat mehr oder weniger Anrecht auf ein Geburtstrauma. Es geht nur darum, wie man damit umgeht – das ist Thema des Buches.

Welche Methode jeweils die beste ist, hängt von der Leserin selbst ab. Behandelt werden folgende Möglichkeiten:

  • Bewegungsübungen
  • Imaginationsreisen
  • Geistige Arbeit
  • Ausdruck und Stimme
  • Schreiben
  • Kreatives Gestalten
  • Selbstmassage
  • Bonding fördern
  • Rituale gestalten

Intuitiv habe ich wohl damals das Schreiben gewählt. Das ist meine Form der Reflexion, der Aufarbeitung. Ich weiß noch, wie ich das erste Mal darüber schrieb, dass mir als frischgebackene Mama nicht den ganzen Tag nach jubeln zumute ist. Dass ich das erste Mal, als ich mein Baby sah, nicht von Glückshormonen durchflutet den Moment genießen konnte, sonder einfach nur überfordert und total fertig von der Geburt war. Das war für mich eine große Sache, denn irgendwie schämte ich mich dafür, dass es bei mir nicht war, wie im Film. Ich dachte mit mir wäre vielleicht etwas nicht in Ordnung. Und das tolle an einem Blog ist, dass man dann direkt Rückmeldung bekommt. Viele Mütter waren froh, dass ich es ausgesprochen hatte, denn es ging ihnen ebenso. Mir wiederum tat es gut, zu sehen, dass ich nicht allein war – und dass es völlig in Ordnung ist, anfangs überfordert zu sein. Oder eben starr von einer Traumatisierung.

Ich habe es damals auch ohne das Buch geschafft, die Geburt zu verarbeiten und eine gute Bindung zu meinem Sohn aufzubauen. Allerdings wäre es sicher gut gewesen, es als Unterstützung zu haben. Wenn es Dir also ähnlich geht und Du an einer vergangenen Geburt zu knabbern hast, von mir eine klare Empfehlung!

Diese Buchrezension ist Teil der Blogparade „Die besten Ratgeber und Sachbücher“

1 Kommentar zu „Buchrezension Geburtstrauma“

  1. Hallo, Hanna, vielen Dank für deinen ehrlichen Bericht, deine Buchempfehlung und die Teilnahme an meiner Blogparade. Ich freue mich, dass du dabeibist.
    Beste Grüße
    Cordula von expertenbuch-schreiben.de

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