Buchrezension: Mama Held – Jedes Kind hat ein Recht auf Familie


Gespannt und ehrfürchtig befreite ich das neu erschienene Buch „Mama Held – Jedes Kind hat ein Recht auf Familie –„ aus der Verpackung.

Auf dem Buchumschlag zu sehen: Die Autorin Kerstin Held mit einem ihrer Pflegekinder am Sandstrand.

Ich persönlich liebe Sandstrand, am besten barfuss, am liebsten mit meinen großen, kleinen und meinen vierbeinigen Lieblingslebensgefährten, on top noch mit ganz viel Sonne!

Kerstin Helds Buchcover finde ich daher sehr ansprechend. Aber der Umschlag war nicht der Grund, warum ich dieses Buch unbedingt lesen wollte sondern vielmehr das Thema: Behinderte Pflegekinder.

Thema: Behinderte Pflegekinder

Kerstin Held als Pflegemama von behinderten Kindern hat einen Lebensweg eingeschlagen, welcher bildlich gesehen typischem Aprilwetter ähnelt: Eine Mischung aus Sonne, Wolken, Wind, Gewitter, Regenbruch und Regenbogen.

Kerstin Held, die bereits mit 25 Jahren ein besonderes, ein behindertes Kind aufnimmt. Sich nicht von Bürokratie, Absagen und Arbeit fürchtet. Ihr Privatleben aufgibt, um sich etwas Wichtigem zu widmen. Nämlich Kindern, die extra viel Liebe, Einfühlungsvermögen und Geborgenheit benötigen, da sie geistig und/oder körperlich beeinträchtigt sind. Dadurch, dass Kerstin Held statt eigener und/oder gesunder Kinder sogenannte Herzenskinder mit Behinderungen aufnimmt, wird sie sozusagen zur Pionierin. Neben dem Alltag mit ihren Herzenskindern ist sie als Hilfsmittelberaterin aktiv, Vorsitzende des Bundesverbands für behinderte Pflegekinder und nun auch noch Autorin. Ob sie auch mal schläft bezweifle ich.

Der Inhalt des Buches ist kein unbeschwerter Spaziergang am Sandstrand. Kerstin Held nimmt den Leser mit und erläutert, wie sie zur Heldenmama wurde, was sie dazu bewegte und schildert aus dem Alltag der Patchworkfamilie.

Eigentlich erwarte ich bei Heldengeschichten stets ein Happy End. Aber es ist keine Geschichte sondern pures Leben! Mit Freudentränen und Trauertränen.

Wer schon einmal an einem Sandstrand barfuss entlang flaniert ist, der weiß, dass es dort auch spitze Steine gibt, dass das Wetter schnell mal umschlagen kann und nicht alles heiter ist sondern eher heiter bis wolkig.

Nach dem Lesen bin ich empört und ehrfürchtig

Ich bin nach dem Lesen des Buches empört, dass es in unserer modernen angeblich toleranten Gesellschaft immer noch nicht angekommen ist, dass es Menschen gibt, die eben anders sind. Dass diese Menschen in teure Heime gesteckt oder versteckt werden statt in der Gesellschaft aufgenommen und akzeptiert. Es ist für mich erschreckend, dass es vermeidbare Behinderungen gibt, die aufgrund Alkohol- und/oder Drogenkonsum verursacht werden.

Ich habe große Ehrfurcht vor Kerstin Held, die in ihrem Buch die Mütter der behinderten Kinder nicht verurteilt. Sondern einfach das Richtige, das heldenhafte unternimmt, nämlich ein paar besonderen Kindern ein Zuhause gibt. Egal, was ihr Umfeld dazu sagt! Egal, wieviel Zeit und Nerven sie mit dem ewigen Behörden- und Krankenkassenpapierkram zusätzlich meistern muss! Ich habe auch großen Respekt empfunden, als ich gelesen habe, dass auch ein Held mal an Grenzen kommt und sich eingestehen muss, dass sie nicht allen Kindern ein Zuhause geben kann.

Was mir missfallen hat

Aber so wir mir an manchen Superhelden z.B. die Farbe der Boxershort nicht gefällt, ist mir beim Lesen des Buches von Kerstin Held aufgefallen, dass mir die Passagen über ihr Elternhaus insbesondere über ihre Mutter nicht gefallen haben. Die Mutter von Kerstin Held kommt meiner Ansicht nach nicht besonders gut weg. Auch bzw. insbesondere als Herzensmama sollte Kerstin Held wissen, dass eine Mama nicht immer perfekt ist. Vielleicht hat es Kerstin Held gut getan, über das Verhältnis mit ihrer eigenen Mutter zu schreiben, aber ich als Leserin hätte diese Absätze nicht benötigt. Vielmehr hätte ich stattdessen bevorzugt, mehr von ihren zwölf Pflegekindern zu lesen. Zum anderen beschreibt sie mitten im Buch, dass sie Pflegesohn Paul schweren Herzens abgeben musste, etwas weiter hinten taucht er in den Erzählungen wieder auf. Diese Zeitsprünge fand ich etwas verwirrend. Aber vielleicht bin ich da nicht ganz so flexibel wie es Kerstin Held eben naturgemäß mit ihrer bunten Patchworktruppe ist.

Fazit: Lesenswerte Geschichte

Mein Fazit: Zwar wegen den Stories über ihr Mama und den Zeitsprüngen keine volle Sternenanzahl, aber trotzdem sehr lesenswert. Auch deswegen, weil ich Bücher mag, die mich zum Nachdenken bewegen und Themen aufgreifen, die die Gesellschaft und Politik gerne mal beiseite schiebt.

Hier nochmal die Fakten in Kürze:

Titel: Mama Held – Jedes Kind hat ein Recht auf Familie –

Autorin: Kerstin Held

Verlag: Kösel-Verlag

Seiten: 240

Erschienen: März 2020

 

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