Digitales Nomadentum: Abmeldung aus Deutschland?


Immer mal wieder – vor allem, wenn ich meine vierteljährliche Umsatzsteuererklärung oder die jährliche Steuererklärung machen muss – überlege ich, ob es nicht besser wäre, wenn wir uns aus Deutschland abmelden. Abmeldung aus Deutschland? Ja, das geht tatsächlich – und bringt einige Vorteile mit sich, aber leider auch Nachteile. Was genau „abmelden“ meint und warum wir es noch nicht gemacht haben, erkläre ich hier.

Abmeldung aus Deutschland – das geht?

Wer sich nicht dauerhaft in Deutschland aufhält, kann sich abmelden. Das heißt, man gibt zwar nicht die deutsche Staatsbürgerschaft auf, aber die meisten Rechte und Pflichten ab, die damit zusammenhängen. Wer richtig auswandert, d.h. in einem anderen Land einen festen Wohnsitz hat und dort auch sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, der muss sich laut Bundesmeldegesetz sogar aus Deutschland abmelden.

Konkret muss man dazu ein Formular bei der Meldebehöre der Gemeinde / des Bürgeramtes abgeben. Daraufhin erhält man eine Abmeldebescheinigung, mit der man dann auch viele Verträge vorzeitig kündigen kann und aus der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht entkommt. Auch eine nachträgliche Abmeldung wäre möglich, wenn wir das Formular per Post schicken oder jemanden damit beauftragen.

Der große Vorteil: Steuerfreiheit für digitale Nomaden

Wer nicht in Deutschland gemeldet ist, muss dort auch keine Steuern abführen. Ein Gewerbe wie meines müsste ich ebenfalls abmelden. Wenn das „Unternehmen“ – das in unserem Falle ja ortsunabhängig und online ist – sich nicht in Deutschland befindet, fallen auch keine Unternehmenssteuern und Umsatzsteuer an.

Es soll ja Leute geben, ich kenne sogar eine, die finden Steuern ganz einfach. Ich finde Steuererklärungen eine Katastrophe und habe jedes Mal bei Abgabe Sorgen, irgendwas aus Versehen falsch angegeben oder vergessen zu haben. Die Tatsache, dass ich dazu eine Buchhaltungssoftware verwende, macht es zugegeben ohne große Einarbeitung etwas einfacher. Aber auch die muss ja richtig gefüttert werden. Zu einem Steuerberater konnte ich mich bisher aus finanziellen Gründen nicht durchringen, obwohl es vermutlich vieles einfacher machen würde und die Kommunikation mit Schnittstellen auch über Ländergrenzen hinweg funktionieren würde – dennoch konnte ich bisher alles alleine bewältigen, auch weil es mit der Software etwas übersichtlicher wird. Und immerhin kann ich die Software sogar steuerlich absetzten.

Trotzdem klingt es natürlich verlockend, das alles einfach hinter sich zu lassen. Aber muss ich dann nicht dasselbe in einem völlig fremden Land mit fremder Sprache und vielleicht noch komplizierterem System machen? Tatsächlich ist das eine Art internationales Schlupfloch für digitale Nomaden. Denn Steuern muss man an dem Ort abführen, an dem man sich jeweils länger als sechs Monate pro Kalenderjahr aufhält. In unserem Fall also bisher nirgends. Nach 6 Monaten verlassen wir ja auch Indonesien wieder und auch in Thailand werden wir wohl nicht lange genug sein.

Einen weiteren Vorteil hätte eine Abmeldung aus Deutschland außerdem: Wir könnten einfacher und günstiger von überall auf der Welt aus neue Reisepässe beantragen. Denn sobald man den festen Wohnsitz aus Deutschland abgemeldet hat, ist die jeweilige Botschaft im neuen Land zuständig. Wenn man allerdings davon ausgeht, dass unsere Pässe nicht abhanden kommen, ist das bei uns erst in etwa 5 Jahren so weit.

Auch offizielle Schreiben, die mit Fristen verbunden sind, Strafbescheide (vom Finanzamt!) etc. können nicht mehr zugestellt werden, wenn man aus Deutschland abgemeldet ist. Das kann unter Umständen auch von Vorteil sein. Wir für unseren Fall haben zum Glück einen zuverlässigen „Postservice“ in der Familie, d.h. meine Eltern in Bayern oder mein Bruder in Berlin öffnen die Post, fotografieren sie und leiten sie unmittelbar an uns weiter.

Nachteile oder warum wir uns nicht aus Deutschland abmelden

Obwohl also die Steuerfreiheit winkt – und das ist bei den deutschen Steuersätzen schon eine große Verlockung – haben wir uns erst einmal nicht aus Deutschland abgemeldet. Vor allem, weil wir uns bei Abreise und auch heute noch gar nicht sicher sind, wie lange wir tatsächlich wegbleiben möchten. Würden wir Stand heute schon wissen, dass wir mindestens zwei oder drei Jahre aus Deutschland weg sind, hätten wir es wahrscheinlich schon zum Abreisetermin getan. Für den Fall, dass wir nach vier Wochen haareraufend nach Deutschland zurückfliegen, wollten wir uns die ganzen Behördengänge bei Wiedereinreise gerne ersparen.

Denn mit einer Abmeldung aus Deutschland entfallen auch soziale Leistungen wie Kindergeld oder das Erziehungsgeld, das es in Bayern immer noch gibt. Grundlage dafür ist, dass man in Deutschland einen Wohnsitz hat bzw. unbeschränkt steuerpflichtig ist. Wenn man bedenkt, dass wir künftig nicht mehr das hohe Einkommen plus die Einnahmen durch den Blog zu versteuern haben, sind wir vermutlich nicht weit über der Steuerfreigrenze und es lohnt sich für uns mehr, Kindergeld und Erziehungsgeld zu behalten und dafür Steuern abzuführen.

Auch ein uneingeschränktes Wahlrecht hätten wir mit einer Abmeldung aus Deutschland nicht mehr. Für Bundestagswahlen könnten wir zwar Briefwahl beantragen, bekämen aber keine Wahlbenachrichtigung mehr (an welche Adresse auch?).

Neue Konten oder andere Verträge könnten wir bei einem Heimaturlaub nicht abschließen. Manche Banken (fidor bank, DKB und comdirect, die Banken unserer Wahl sind davon meines Wissens aber nicht betroffen) verlangen mit der Abmeldung aus Deutschland auch eine Auflösung des Kontos. Aktuell können wir unsere Konten problemlos vom Ausland aus bedienen, selbst wenn wir uns abmelden würden. Allerdings würde es schon schwierig, wenn wir eine neue Karte benötigen oder sonstige Vorgänge durchführen, die eine Bestätigung per Brief-TAN brauchen.



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