Fleischlose Ernährung in der Stillzeit


Ich & fleischlose Ernährung | Zwei meiner drei Brüder sind schon lange Vegetarier und essen kein Fleisch mehr. Ich habe diese Einstellung immer bewundert aber war mir eigentlich sicher, dass ich nicht der Typ für so eine konsequente vegetarische Ernährung bin. Immerhin gab es schon so viele Dinge, die ich aufgrund meiner Histaminintoleranz nicht essen kann. Fleisch war eines der wenigen verbliebenen „sicheren“ Nahrungsmittel. Bei einem schönen Steak mit Pommes habe auch ich mich im Restaurant gut aufgehoben und ’normal‘ gefühlt. Und dann war ich schwanger. Und die Histaminintoleranz war weg. Und ist bis heute weg geblieben. Fleisch habe ich trotzdem noch gegessen.

Was spricht gegen Fleischkonsum?

Ist Fleisch gesund?

Das Thema gesunde Ernährung ist seitdem wichtiger denn je – sowohl was meine Ernährung angeht, als auch die Lebensmittel, die wir dem Rubbelbatz geben. Deshalb esse ich sehr bewusst, möglichst biologisch-dynamische Lebensmittel und lieber etwas weniger, dafür hochwertig. Grundsätzlich ist Fleisch nicht ungesund, aber vor allem billig produziertes Fleisch ist oft voll mit Antibiotika und/oder Schadstoffen. Ansonsten gilt wie bei allen Lebensmitteln: Die Dosis macht das Gift. D.h. Fleisch ist natürlich nicht ungesund, in großen Mengen aber meiner Meinung nach schon bedenklich.

Glaubt man sogar der Oxford University und ihrer Studie von 2013 dann wirkt sich eine fleischlose Ernährung sogar positiv auf die Lebenserwartung aus. Denn Fettleibigkeit, Herzinfarkt und erhöhter Blutdruck sind zum Großteil bei Fleischessern nachgewiesen worden.

Fleisch essen aus ethischer Sicht

Ich habe schon immer relativ selten Fleisch gegessen und sehr ungern selbst zubereitet. Irgendwie fühlt sich das für mich merkwürdig an, so ein Stück totes Tier in der Hand zu halten. Dass die Rechte von Tieren so mit Füßen getreten werden, um für uns billiges Fleisch oder Helal-Fleisch zu produzieren, fühlt sich für mich einfach falsch an. Sehr falsch! Trotzdem aß ich weiterhin hin und wieder Fleisch.

Interessanterweise stehe ich damit nicht allein dar. Im Gegenteil. Aus der Vegetarierstudie der Uni Jena geht hervor, dass fast jede zweite Person, die sich fleischlos ernährt, das in erster Linie aus Schutz und Respekt vor dem Tier macht. Erst danach werden gesundheitliche Gründe für den Fleischverzicht angegeben.

WARNUNG: Gewalt an Tieren im Video „Earthlings“

Wir haben lange überlegt, ob wir überhaupt die Doku „Earthlings“ hier thematisieren wollen. Und ja, das wollen wir. Gleichzeitig warnen wir aber auch ganz extrem davor, denn die Doku enthält wirklich sehr grausame Bilder und Sequenzen aus der Tierhaltung und Nahrungsmittelindustrie, die man erst mal verarbeiten muss. Nichtsdestotrotz befürworten wir die Grundmessage der Doku und möchten Sie auch Gleichgesinnten, die sie nicht kennen, ans Herz legen.

Auch die Doku namens „Earthlings“ (eingesprochen von PETA-Anhänger Joaquin Phoenix) hat mich nachhaltig in meiner Einstellung bestärkt. Der Rubbelpapa hat die Doku schon kurz nach ihrem Erscheinen gesehen und prompt für sich entschlossen, vorerst auf Fleisch zu verzichten. Nicht, weil er jetzt auf einmal Vegetarier sein wollte, sondern weil er einfach über seinen Fleischkonsum und die Notwendigkeit nachgedacht hat. Auch er isst heute nur noch selten Fleisch.

Die komplette Earthlings-Doku als Youtube-Stream

 

Fleischkonsum und Umwelt

Tatsache ist allerdings, dass wir Europäer viel zu viel Fleisch essen. Es müssten gar keine Menschen vegetarisch leben, es würde schon einen riesen Unterschied machen, wenn wir einfach weniger Fleisch essen würden. Das würde die Haltungs- und Schlachtbedingungen der Tiere enorm verbessern, es würde dem Klima und der Umwelt helfen und letztlich sogar gegen den Welthunger wirken. Die Energie, die man für die Erzeugung von Fleisch braucht, ist nämlich sieben Mal so hoch wie für die Erzeugung vegetarischer Produkte. Es wird unheimlich viel Wasser und andere Ressourcen verschwendet, um unseren hohen Fleischkonsum zu ermöglichen. Die Tiere werden mit Antibiotika und Hormonen behandelt, damit sie in den unzumutbaren Bedingungen möglichst zahlreich überleben und dadurch den Ertrag steigern. Diese Stoffe nehmen auch wir zu uns und sie beeinflussen unser System. Führen zu Antibiotika-resistenten Keimen usw.

Wie ich plötzlich kein Fleisch mehr esse

Vegetarier durch Hormone?

Und dann, eines Tages, vor ein paar Wochen, stellte ich fest, dass ich eigentlich aufgehört hatte. Das letzte Fleisch, das ich noch gegessen hatte, war eine Bio-Rinder-Salami von glücklichen Kühen auf dem Freiland-Hof einer Freundin. Obwohl ich wusste, dass die oben erwähnten untragbaren Zustände aus der Fleischindustrie auf diese Salami nicht zutrafen, konnte ich sie plötzlich nicht mehr essen. Ich ekelte mich. Vor der Tatsache, saftiges totes Tier in meinem Mund zu haben. Es fühlte sich einfach mit jeder Faser meines Körpers falsch an.

Fleischlose Ernährung in der Stillzeit

Ich hatte mir nie vorgenommen, kein Fleisch mehr zu essen oder mich eingehend mit dem Thema beschäftigt, es war einfach so passiert. Oder sind das die Bindungshormone vom Stillen? Oder mein Unterbewusstsein? Jedenfalls esse ich seitdem kein Fleisch mehr. Ich würde nicht sagen, dass ich Vegetarier bin, ich esse eben nur kein Fleisch. Vielleicht ändert sich das ja wieder, vielleicht lebe ich jetzt auch vegetarisch. Ich kann es nicht sagen.

Worauf ich allerdings achten muss, ist, dass ich grade jetzt in der Stillzeit keine Mangelerscheinungen aufgrund meiner fleischlosen Ernährung bekomme. Zum Glück ernähre ich mich nicht vegan, denn dann müsste ich vor allem auf ausreichend Vitamin-B-12 achten. Dadurch, dass ich aber nicht auf tierische Produkte wie Milch und Eier verzichte, bilde ich mir ein, das ganz gut kompensieren zu können. Viele Vitamine und andere Nährstoffe hole ich mir hauptsächlich über Obst und Gemüse rein. Und davon gerne reichlich!

Vegetarische oder vegane Ernährung für das Baby?

Muss der Rubbelbatz dehalb jetzt ohne Fleisch aufwachsen? Nein, natürlich soll er eines Tages selbst entscheiden können. Bis dahin versuche ich aber zumindest auf die Qualität des Fleisches, das er bekommt, zu achten und ihm ein gesundes Verhältnis zu tierischen Produkten beizubringen. Im Endeffekt wird er direkt mit unserer Einstellung zum Fleischkonsum aufwachsen. Wir wollen aber dennoch, dass er alles probieren kann, um für sich seine Lieblingsspeisen und Lebensmittel zu finden. Sollte er irgendwann selbst die Entscheidungb treffen wollen, lieber vegetarische Gerichte zu essen oder gar vegan, dann werden wir ihn darin unterstützen.

Alleine die Vorstellung ihn bewusst vegetarisch oder sogar vegan aufzuziehen, fühlt sich nicht richtig an. Ich hätte Bedenken, dass er vor allem im Wachstum und in seiner Entwicklung nicht alle Nährstoffe bekommen könnte, die er braucht. Und das ist das aller letzte was ich für mein Baby möchte.

 

 

Alle Kommentare (6)

    Ich verstehe eure Gedanken, aber es geht eben auch „andersrum“. Die Logik, er soll eines Tages selbst entscheiden, deswegen kriegt er Fleisch / deswegen soll er nicht vegetarisch oder vegan aufwachsen, erschließt sich mir nicht. Selbst entscheiden sollen meine Kinder eines Tages selbstverständlich auch, dennoch leben sie jetzt, wie ich und ihr Vater, vegan bzw. vegetarisch (für sie als Kompromiss). Und wenn sie eines Tages Fleisch essen möchten, dann werde ich sie ohnehin nicht davon abhalten können, aber dann wird es sie nicht stören, bis dato keins gegessen zu haben. Andersrum aber Vllt schon. Noch ausführlicher, hier: https://www.oeko-hippie-rabenmuetter.de/das-essen-wir-nicht-ethisch-moralische-werte-in-der-kinderernaehrung-und-wie-wir-sie-vertreten/
    Und was die Sorge um einen möglichen Nährstoffmangel angeht, so kann ich nur sagen, dass sich das Wissen über ausgewogene Ernährung, die Nährstoffgruppen tierischer Herkunft ausschließt, durch wirklich gute Literatur relativ schnell anlesen und beibringen lässt. Es ist nicht schwer, kein Hexenwerk und ganz bestimmt ist man nicht automatisch abgesichert, weil man Fleisch und tierische Produkte zu sich nimmt. Im Gegenteil, es ist sogar wahrscheinlicher, dass bei omnivorer Ernährungsform ein Mangel vorliegt. Warum? Weil Menschen so essen, wie sie es immer schon getan haben, eben OHNE Literatur zu lesen und sich über Nährstoffe zu informieren. Veganer sind meist ähnlich gut informiert wie Ernährungsberater, zumindest, wenn sie es aus tiefer Überzeugung tun. Schon alleine, weil man sich ständig rechtfertigen und diskutieren muss….
    Trotzdem: ich wünsche euch für euren selbstgewählten Weg mit eurem Rubbelbatz alles Liebe und stoße hier nur Gedanken an. Ihr werdet als Eltern die richtige Entscheidung treffen 🙂
    Liebe Grüße!

    Hallo Kathrin,

    unsere Logik ist eingentlich relativ einfach: Wir lassen den kleinen alles probieren, was er will. Auc Fleisch. Wenn er z.B. mit seinen Großeltern, bei Freunden oder sonstwo ist, dann soll er nicht indoktriniert sein von uns. Auch ich esse mittlerweile hin und wieder (selten) Fleisch. Daher wird er es auch so von mir kennen. Unser Idealbild ist also, dass es für ihn kein „bewusster“ Unterschied sein soll, ob wir Fleisch essen oder nicht.

    Mangelerscheinungen und Co. sind zwar durchaus ein Thema, aber keines welches vor allem die Rubbelmama aufgrund der HIT nicht kennt. Ich bin ja auch hier ien großer Fan von „Die Antwort steckt in uns drinnen“. Unser Körper signalisiert uns schon, was er grade braucht (Salzig, deftig, frisch, saftig etc.). Ob das auch wirklich so ist oder nicht, darüber lässt sich gewiss streiten. Solange Mangelerscheinung nicht gleich mit gesundheitlichen Problemen gleichzusetzen ist, bewegt man sich hoffentlich auch in einem vertretbaren Rahmen.

    Danke für deinen Link zum Artikel, ich werde da sicher heute nochmal reinlesen. 😉

    LG

    Hallo Indro,
    naja, tatsächlich lasst ihr den Kleinen ja nicht alles probieren. Zucker enthaltet ihr ihm ja vor, eben weil ihr als Eltern entscheidet, was eurer Meinung nach am besten für ihn ist.
    Auf dieser Grundlage könnte/müsste auch argumentiet werden, dass ein Kind, eben nicht alle Folgen von „Ich esse das Würstche da auf dem Tisch“ abschätzen kann, man also mit seinem elternlichen Urteil an dieser Stelle interveniert, um ihn vor den negativen Aspekten des Fleischkonsums zu schützen. Ich vermute, das ist es, was auch Kathrin meint. (Auch bei Biofleisch, wenn es nicht gerade der Freilandhof einer Freundin ist, kann man sich ja nie über Antibiotika- und Schadstoff-Werte sicher sein. Und es gibt ja wie gesagt auch noch andere Gründe auf Fleisch und/oder tierische Produkte zu verzichten.)
    Du hast übrigens auch bei den Signalen des Körpers das Verlangen nach „süß“ (frisch, saftig?) gekonnt übergangen. Ich denke gerade das kennt jeder und trotzdem sollte man dem nicht immer nachgeben, insbesondere bei Kindern. Das sehen wir sehr ähnlich wie ihr, aber eben für Zucker und Fleisch.
    Was passiert, wenn das Kind alt genug ist um diese Entscheidung selbst zu treffen, bzw. wann ich ihm das als Elternteil zugestehe, da bin ich aber auch überfragt. Ich denke, da werde ich dann auch auf mein Bauchgefühl hören.

    Grüße
    Kathi

    Hi Kathi,

    das ist gut und auch in uns drin, dass wir die wichtigen, guten und richtigen Entscheidungen für unsere kleinen Knutschkugeln übernehmen. Auch hinsichtlich der Ernährung.

    Fleisch und Zucker möchte aber trotzdem nicht in den gleichen Topf werfen. Auch wenn ich deine Argumente nachvollziehen kann, teilen kann ich sie nicht zu 100%. Was ich aber auch gut für den generellen Austausch über das Thema finde. In einem Punkt sind wir uns aber glaube ich schon einig: Zucker ist der kulinarische Antichrist!

    Danke auf jeden Fall für eure Beiträge und Ansichten. Das ist wirklich spannend, wie dieses Thema in anderen Familien behandelt wird.

    LG in die alma mater. 😉

    Habe soeben den Artikel gefunden. Sehr interessant. Fleisch mochte ich noch nie so gerne, gegessen immer nur auswärts, da ich die Zubereitung eklig fand. Irgendwann ging der Konsum gegen Null. Die Qualität hat stetig abgenommen.
    Seit meine Babymaus auf der Welt ist, kann ich kein Fleisch mehr essen. Ich find’s nur noch widerlich. Wie ich das mit meiner Babymaus mache, bzgl. Erziehung mit/ohne Fleisch, das weiß ich noch nicht.
    Was ich aber viel schlimmer noch finde als Fleisch zu essen, dass sich in sämtlichen Lebensmitteln Schlachtabfälle (Gelatine) befinden.
    Wie kann es sein, dass man sowas in Joghurt, Frischkäse, Käse, Süßigkeiten etc zufügt. Ich achte nun ganz genau auf die Zutatenliste. Vermeintlich harmlose Produkte werden mit tierischen Schlachtabfällen versetzt. Pfui
    Frage mich, ob die sogenannten Vegetarier überhaupt auf soetwas achten. In vielen Gesprächen stellte sich heraus, NEIN. Habe in so manche erstaunte Gesichter geblickt. Alleine nur auf Fleisch zu verzichten ist nicht zielführend.
    Es ist mir nunmehr wichtiger meine Babymaus über das Gepansche in der Lebensmittelindustrie zu sensibilisieren, als ihr Fleisch vorzuenthalten/anzubieten.

    Hallo Sonse,

    das ist wirklich ein wichtiger Punkt, vielen Dank für diese Ergänzung.

    Vielleicht interessiert Dich auch mein neuerer Artikel zum Thema: 6 Gründe, als Familie kein Fleisch zu essen

    Ich finde auch, mit Kindern ist das wirklich schwierig. Denn natürlich hat die Lebensmittelindustrie ein Überangebot an gezuckerten und mit Geschmacksverstärkern versetzen Lebensmitteln, wie Du schon richtig sagst. Schon für uns ist es schwer, da einen Überblick zu haben – wie sollen wir es unseren Kindern beibringen?

    Ich denke, hier ist die Lösung, wie so oft, ein Mittelweg. So gut es eben geht, aber nicht an den eigenen Ansprüchen scheitern. Je weniger „Gepansche“ sie essen und je bewusster sie sich darüber sind, desto besser.

    Ich wünsch euch alles Liebe,
    Hanna

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