Fremdbetreuung für mein Baby? Kita in Berlin und andere Gedanken


Neulich war eine Frau vom Gesundheitsamt Mitte bei uns. Angeblich besuchen sie alle Familien in Berlin, aber uns ist seit längerem der Verdacht überkommen, dass das vor allem im Wedding so ist. Um zu kontrollieren, ob sie uns unser Kind wegnehmen müssen. Immerhin gibt es hier nach wie vor viele sozial schwache Familien. Ich hoffe, ich konnte die Frau überzeugen, dass wir würdige Eltern sind – zumindest habe ich seitdem nichts mehr gehört. Allerdings werden uns unaufgefordert sog. Elternbriefe zugeschickt, die uns erklären, wie wir mit unserem Baby umgehen. Sogar eine DVD ist dabei. Naja, solange wir ihn behalten dürfen…

Unter anderem hat die Gute mich aber auch sehr freundlich aufgeklärt, wie das ist mit dem KiTa-Gutschein in Berlin. Den muss ich beim Jugendamt meines Bezirks beantragen, allerdings frühestens 9 Monate vor Betreuungsbeginn. Je nach unserem Einkommen muss ich dann mindestens 40€ selbst beitragen. (Nähere Infos für alle Berliner gibt es hier.) Sobald der Rubbelbatz 1 Jahr alt ist, habe ich auch als „Hausfrau“ Anspruch auf bis zu 5 Stunden Fremdbetreuung.

Diese Informationen haben bei mir eine Reihe Fragen aufgeworfen: Wann ist der richtige Zeitpunkt, mein Baby in fremde Hände zu geben? Wie lange soll ich ihn jeden Tag in Fremdbetreuung geben? Ist eine Tagesmutter besser für uns oder doch eine Kita? Welche Kita ist die richtige? Wann muss ich mich darum kümmern?

Bevor ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, sah meine Vorstellung immer so aus: Wenn ich nach einem Jahr das Gefühl habe, er genießt die Zeit mit anderen Kindern, dann kann er schon mal ein paar Stunden am Tag in die Kita gehen. Wenn nicht warten wir, bis er 2 Jahre alt wird. Grundsätzlich finde ich es schon wichtig, dass er Kontakt zu gleichaltrigen Kindern hat. Zunächst soll er nur 3-4 Stunden, später dann schon etwas mehr, sodass ich irgendwann wieder arbeiten kann. So weit so gut.

Im Rahmen dieses Beitrages habe ich mich in den letzten Tagen näher mit der Thematik auseinandergesetzt und musste ich allerdings feststellen, dass es hier, wie bei so vielen Erziehungsfragen, sehr konträre Meinungen gibt. Wenn ihr ein paar weitere Meinungen und Erfahrungen zu dem Thema lesen wollt, findet ihr auf dem Blog von Wiebke eine Liste anderer Blogbeiträge zum Thema Fremdbetreuung.

Fremdbetreuung in Berlin

In Bayern, wie wahrscheinlich in den meisten alten Bundesländern, beginnt das „Kindergartenalter“ mit drei Jahren. Dementsprechend dünn ist auch das Angebot an Fremdbetreuung vor diesem Alter. Mütter sind oft zu Hause, bis die Kinder in der Schule sind oder auch länger. Als ich klein war, musste ich nur in den Kindergarten, wenn ich wirklich wollte. Meistens wollte ich lieber zu Hause bleiben und das war in Ordnung, meine Mama war ja da. Nun gibt es in Berlin und in den neuen Bundesländern eine etwas andere Kultur der Fremdbetreuung. Schon früh wurden und werden Kinder hier in die Fremdbetreuung in der Kita oder manchmal auch bei einer Tagesmutter gegeben. Entsprechend groß ist auch das Angebot, aus dem es die beste Kita am besten schon vor der Geburt des Kindes auszuwählen gilt. Denn die meisten haben Wartelisten, so hört man zumindest. Scheinbar an jeder Ecke gibt es eine Kita oder einen sog. Kinderladen, das ist eine Kita, die von einem freien Träger oder einer Elterninitiative betrieben wird. Der Kita-Gutschein gilt auch für die Kinderläden oder eine beim Jugendamt registrierte Tagesmutter. Aus meiner Zeit in Berlin, als ich noch gearbeitet habe (lang scheint es her) weiß ich, dass sehr viele Berliner Mütter dieses Angebot auch nutzen.

Alles Rabenmütter? Studien haben ergeben, dass diese frühe Fremdbetreuung Kindern nicht schadet. Scheinbar sind diese Kinder in der kognitiven Entwicklung sogar bis zu 9 Monate weiter als ihre zu Hause betreuten Altersgenossen. Eine Entwicklung, die sich allerdings bis zum Schulalter wieder angleicht. Vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien profitieren demnach von der Fremdbetreuung durch eine gute Einrichtung. Auf die Qualität kommt es nämlich an.

Gegen die Fremdbetreuung

Na dann, könnte man meinen, spricht ja nichts gegen meinen ursprünglichen Plan! Leider gibt es aber auch genau die gegenteilige Meinung in der Entwicklungspsychologie und regelrechte Kita-Gegener.  Demnach schadet die frühe Fremdbetreuung den Kindern erheblich. Kinder unter 2 bzw. 3 Jahren können die längere Abwesenheit ihrer Bezugsperson (meistens der Mutter) nicht verstehen und dadurch auch schlecht verarbeiten. Sie machen frühe Trennungserfahrungen durch und werden in ihrem Grundvertrauen verunsichert. „Beweisen“ lässt sich das durch einen erhöhten Spiegel des Stresshormons Cortisol im Blut von kleinen Kindern, die über mehrere Stunden von den Eltern getrennt waren. Dabei gilt: je länger die Trennung und je jünger das Kind, desto mehr Stress.

Klingt auch irgendwie logisch und diese Erkenntnis hat mich meine ursprüngliche Meinung nochmal überdenken lassen.

Was also jetzt?

Grundsätzlich denke ich nach wie vor, ob die Fremdbetreuung einem Kind schadet oder nicht hängt sehr stark von der individuellen Persönlichkeit des Kindes und von der Sicherheit, die es im bisherigen Leben erfahren hat. Ein sicher gebundenes Kind ist vielleicht relativ früh schon daran interessiert, für ein paar Stunden täglich „allein“ zu sein. Es weiß, dass die Bezugspersonen da sind, wenn es sie braucht und möchte die Welt erkunden. Ein anderes Kind ist vielleicht, trotz sicherer Mutter-Kind-Bindung, etwas vorsichtiger und braucht noch mehr Zeit im „Nest“ der Familie. Leider scheint es auch hier kein allgemeingültiges, eindeutiges „besser“ oder „schlechter“ für das Kind zu geben. Wir müssen, wie so oft, unsere eigene Entscheidung treffen und sehen, ob sie unserem Kind gut tut.

Für eine Entscheidung muss man sich immer erst einmal ein Bild der Situation machen. Und genau das werden wir tun. Angefangen mit dem Montessori-Kinderladen um die Ecke werden wir uns ein paar Kitas in der Nähe ansehen, mit Erzieherinnen sprechen, uns beraten lassen. Natürlich spielt auch die entsprechende Warteliste immer eine Rolle. Die meisten Plätze sind immer im August/September verfügbar, da ist der Rubbelbatz schon 14 Monate alt. Wenn unser Eindruck gut ist und wir ein gutes Gefühl dabei haben, werden wir ihn dann für ein paar Stunden eingewöhnen und genau beobachten, ob er sich mit der neuen Situation wohl fühlt. Wenn nicht, warten wir lieber noch ein Jahr.

Wie habt ihr das gemacht bzw. vor? Hat jemand Erfahrung mit Fremdbetreuung ab einem Jahr? Hat es euren Kindern geschadet oder gut getan?

Alle Kommentare (8)

    Mein Kind müsste nicht in die Kita. Ich bin zu Hause. Ich wollte es aber dennoch, weil ich die Erfahrung vor Schuleintritt wichtig finde. Andere Autoritäten kennen zu lernen, mit anderen Kindern zu agieren, soziale Kontakte und Konflikflösung. Lösung von den Eltern und mehr eigenständiges Handeln. Natürlich kann ich ihm das alles auch zu Hause vermitteln, aber es ist dennoch anders. Mein Sohn geht jetzt seit einem Jahr und ich merke viele Veränderungen an ihm. Es war die richtige Entscheidung, vor allem, weil er das einzige Kind in der gesamten Familie ist und somit ziemlich viel Aufmerksamkeit erhält.
    Ich bin mit ihm viel in Krabbel, Spiel, Musik- und Turngruppen gegangen, um ihm den wichtigen Kontakt zu anderen Kindern zu ermöglichen, aber dadurch, dass ich immer dabei war, war es nie so ganz das, was er brauchte. Dementsprechend schwer war auch der Anfang in der Kita dann…

    Bezüglich Kita kann ich nur raten mir so bald wie möglich eine zu Suchen. Die Plätze sind rar und wir wurden schon ausgelacht, als wir drei Jahre vorher kamen. Warum wir so knapp kämen.
    Und es ist tatsächlich so, dass das Jugend- bzw. das Gesundheitsamt die Familie in den ersten Monaten besucht. Aber eben zur Aufklärung. Ich hab damals auch erstmal nen ordentlichen Schreck bekommen ^^

    Du hast sicher recht: das hängt stark vom Kind ab.
    Mia ist mit zwanzig Monaten in die Kinderstube gegangen. Für sie war das zu früh, aber sie ist auch ein sehr anhängliches, sensibles Kind. Anders wäre es bei uns aber gar nicht möglich gewesen: ich wollte/ sollte/ musste nach Ablauf der Karenz (in Ö nach spätestens zwei Jahren) wieder halbtags arbeiten gehen.
    Was ich heute anders machen würde? Ich würde darauf achten, dass die Eingewöhnungszeit länger und mit mehr elterlicher Beteiligung abläuft. Das hätte unserer Maus die Sache sicher erleichtert.
    Ich habe aber auch viele positive Veränderungen an ihr feststellen können – sie ist so viel selbständiger geworden! Und der Kontakt zu gleichaltrigen Kindern ist wichtig – so, wie Kinder untereinander spielen, können wir Erwachsene gar nicht (mehr) spielen. Ausserdem lernen sie im Kindergarten wie man Konflikte selbst löst.

    Ich finde eure Herangehensweise sehr vernünftig – so könnt ihr zur Zeit abschätzen, was für euren Kleinen am besten ist.

    Alles Rabenmütter, die die Herdprämie das verbotene Betreuungsgeld nicht nehmen und ihr Kind betreuen lassen. Was für ein Quatsch!
    Kinder und Eltern sind nicht pauschalisierbar. Es gibt Eltern Kinder, die nicht loslassen können und andere, die im Kindergarten glücklich sind.
    Auf keinen Fall darf man die Sozialkompetenz vernachlässigen, die in einer Kindergruppe entsteht. Diese können Eltern bei allen Bemühungen nicht leisten bzw. vermitteln.
    Zoe war ab 2 einmal die Woche in einer Krabbelgruppe. Anfangs mit, aber recht bald ohne Mama. Sie hatte nicht nur Spaß daran, es hat auch die Eingewöhnungszeit im Kindergarten wesentlich einfacher gemacht.
    Genau dabei sind aber alle(!) Planungen fehl am Platz, denn jedes Kind hat seinen eigenen Rythmus. Ich musste feststellen, dass es eher meist die Eltern sind, die nicht loslassen und ihren Kindern die selbst gewünschte Freiheit geben können. „Zunächst soll er nur 3-4 Stunden…“ – und was machst Du, wenn er darum bettelt, auch noch das Mittagessen mitzunehmen und danach mit seinen Freunden spielen zu können?

    Ich bin vor 8 Jahren in die Schweiz ausgewandert. Hier ist es so, dass man zwischen 14 und 16 Wochen Mutterschutz (ab Geburt) hat und danach wieder arbeiten muss. Da ich im Moment der Hauptverdiener bin, blieb mir kaum andere Wahl nach der Geburt unserer Tochter. Ich habe mir noch meinen Jahresurlaub (4 Wochen) im Anschluss genommen und mein Mann nach mir. Mit 5.5 Monaten wurde unsere Tochter dann in der Krippe eingewöhnt (mittlerweile ist sie 2.5 J). Ihr hat es von Anfang an sehr gefallen. Natürlich gibt es auch immer wieder Momente wo es ihr Morgens schwer fällt los zu lassen, aber im meistens findet sie es toll. Am Anfang ist sie 3, mittlerweile geht sie 4 Tage die Woche. Manchmal will sie sogar Sonntags Morgens schon in die Krippe und ist traurig wenn sie ihre Freunde nicht sehen kann.

    Ich muss dazu sagen, das das Betreuungsangebot hier in der Schweiz meistens ab 3 Monaten anfängt und bis zum 3. bzw. 4. Lebensjahr geht. Erst danach fängt der offizielle Kindergarten an, der eher einer Vorschule gleicht und obligatorisch ist. Natürlich sind die Preise auch enorm (gut man Verdient auch mehr hier). Man muss zwischen 110 und 150 CHF pro Ganztag einplanen. Da kommt ganz schön was zusammen. Dafür ist der Betreuungsschlüssel auch um einiges besser als in Deutschland. Alles hat also Vor- und Nachteile.

    Mein Fazit ist, das ich meine Tochter gerne etwas länger zu Hause gehabt hätte (mind. 6 Monate). Ich finde es jedoch auch sehr wichtig, dass sie Kontakt zu anderen Kindern hat. Ihre Sozialkompetenz ist wirklich beeindruckend. Auf der anderen Seite war der erste Winter sehr hart. Sie war rund 8 Monate immer wieder im 2 Wochen Rhythmus krank (Erkältungen, Magen-Darm, HFM). Das ist mittlerweile aber recht wenig geworden und sie steckt die meisten Krankheiten jetzt relativ locker weg. Ausserdem lernt sie jetzt gleichzeitig auch schwizerdütsch was auch nicht von Nachteil ist (ist im Kindergarten sogar vorgeschrieben).
    Ausserdem, was auch noch wichtig ist: Die Arbeit ist für mich (als sie kleiner war noch mehr) fast so was wie Freizeit vom Kind. Nicht falsch verstehen, ich liebe mein Kind, aber es ist einfach gut mal wieder was anderes zu machen.

    Danke, ihr Lieben, für diese interessanten Einblicke. Insgesamt entnehme ich den Kommentaren, dass Fremdbetreuung – wenn passend zum Charakter des Kindes – durchaus etwas Positives sein kann. Das bestärkt mich in meinem ursprünglichen „Plan“ (der, danke Sebastian für den Einwand gegen das Wort, natürlich flexibel bleiben muss), es doch nach 1-2 Jahren mit der Kita zu probieren!

    Ich finde das auch alles ziemlich schwierig.. und es ist sicherlich von Kind und (finanzieller) Situation abhängig zu machen. Unser Sohn ist nun 11 Monate alt und geht seit einer Woche zur Tagesmutter (Montessori und Pikler orientiert – und ich bin so glücklich mit denen). Er liebt es! Er ist aber auch ein echtes Spielekind und liebt andere Babys (diese manchmal sehr offensiv zur Schau gestellte Liebe stößt selten auf Gegenliebe, die meisten Babys fühlen sich bedrängt). Schon seit einigen Wochen habe ich das Gefühl, dass ihm zu Hause alleine mit Mama einfach meistens langweilig ist. Daher haben wir uns entschlossen ihn nun schon vor seinem ersten Geburtstag (wollte ich nie!!!) zur Tagesmutter zu geben. Die Eingewöhnung macht er so gut – wenn ich ihn hinbringe, kann ich ihm kaum „Tschüss“ sagen, so schnell ist er weg und am Spielen. Natürlich freut er sich (und ich mich auch), wenn wir uns dann nach spätestens einer Stunde wieder sehen. Ich bin gespannt, wie es weiter geht – kann mir aber kaum vorstellen, dass es ihm schaden könnte.

    Wir haben unsere Tochter mit 14 Monaten in die Kita gegeben. Ich selbst kenne es kaum anders aus unserem sozialen Umfeld und es wäre finanziell auch nicht möglich gewesen, über die Elterngeldzeit hinaus auf das zweite Einkommen zu verzichten.
    Die Eingewöhung hat wirklich gut geklappt, wobei ich dazu sagen muss, dass für mich von Anfang an klar war, dass der Papa diesen Part übernimmt. Ich habe voll und ganz hinter der Entscheidung für die Kita gestanden, glaube aber in unserem Fall, dass die Bindung zwischen Enna und mir nach den 12 Monaten Elternzeit zumindest von meiner Seite intensiver oder emotionaler war und ich war mir nicht sicher, ob ich dann in der Eingewöhnungsphase wirklich die Sicherheit für Enna hätte ausstrahlen können, dass das jetzt alles so richtig und gut ist. Der Papa hat das ganz toll gemacht und nach drei Wochen war Enna wirklich gut angekommen und ich bin wieder entspannt ins Arbeitsleben gestartet.
    Auch rückblickend (Enna wird jetzt 5) würde ich keine andere Entscheidung treffen. Enna hat sich toll entwickelt, unglaublich viel in der Kita gelernt, was wir ihr (so glaube ich) nicht in diesem Umfang hätten bieten können. Meine Erfahrung aus der Kita sind jedoch auch, dass es Kinder schwerer mit der Eingewöhnung haben, wenn die Eltern nicht wirklich hinter der Entscheidung stehen. Ganz unbewusst überträgt man seine Unsicherheit auf die Kleinen und das macht es dann natürlich ungemein schwer. Also folge vielleicht einfach Deinem Bauchgefühl … fühlt es sich für Euch als Familie wirklich richtig an, Euer Kind in die Kita zu geben oder wollt ihr die Dreisamkeit noch längert genießen (so finanziell möglich ;o)) Das was sich wirklich richtig anfühlt, ist dann auch richtig und nur wenn ihr soweit seid, ist es auch Euer Sohn.

    Hallo Janny,

    da sprichst du einen sehr wichtigen Punkt an, den wir auch beherzigen sollten: sind wir wirklich bereit für die Fremdbetreuung. Danke dafür!

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