Gedanken über die Ruhe


Es ist ruhig auf dem Blog

Vielleicht ist es Dir aufgefallen, es ist ruhig hier. Natürlich hat das mit dem Baby zu tun. Mit dem neuen Leben als Zweifachmama. Aber nicht nur. Denn, ehrlich gesagt, ich habe viel mehr Zeit und Energie als damals mit dem ersten Baby. Weil ich mehr Unterstützung habe. Weil dieses Baby mehr schläft. Weil es mir körperlich besser geht.

Tatsächlich gibt es noch einen anderen Grund, der mich hier weniger schreiben lässt. Ich hadere. Ich hadere mit dem ewigen Rechtfertigen.

Das Bloggen

Vor 5 Jahren habe ich angefangen, Menschen in mein Leben blicken zu lassen. Bisher habe ich es selben bereut. Denn oft kommen sehr positive Rückmeldungen. Von anderen, denen es weiterhilft. Die sich verstanden fühlen. Nicht so alleine, weil andere Familien ähnliche Herausforderungen und Probleme haben. Rückmeldung von anderen Schwangeren, die es beruhigt, dass auch bei mir der Bauch in der Schwangerschaft mal größer und mal kleiner ist, dass ich mit meiner Rolle als frisch gebackene Mama anfangs Schwierigkeiten hatte oder manchmal wütend und unfair zu meinem Mann bin. Von Leser/innen, die es inspiriert, wie ich mein Leben lebe und die Prioritäten immer neu setze. Kurzum, meist ist die Resonanz gut und ich habe deshalb nicht in Frage gestellt, was ich tue.

Die ewig Unzufriedenen

Und dann sind da die Nörgler. Die, die mit dem Finger zeigen. Die verurteilen. Beschimpfen. Schmähen. Die in der Anonymität des Internets Kommentare unter der Gürtellinie ablassen. Nur mit dem Ziel, zu verletzen. Ihre eigene Unsicherheit zu betäuben und ihren Weg zu rechtfertigen. Die wütend sind, wenn es andere einfacher haben. Oder sich einfacher machen. Die den eigenen Weg für richtig halten und andere nicht einmal denken möchten. Auch diese Menschen finden ihren Weg auf mein Blog und meine Social Media Kanäle.

Lange habe ich diese Menschen innerlich abgewehrt. Versucht, eine dicke Haut zu haben und sie nicht an mich heran kommen zu lassen. Die Kommentare mit Humor zu nehmen. Und vor allem als das zu sehen, was sie tatsächlich sind: Äußerungen, die nichts über mich aussagen, sondern über mein Gegenüber. Eine Manifestation deren Ängste, Unzufriedenheiten und Unsicherheiten bezüglich der Themen, die ich aufgreifen.

Zweifler die zu Zweifeln führen

Aber ganz egal, wie reflektiert ich damit umgehe, egal wie viel Humor ich walten lasse oder ob ich die Kommentare gar nicht erst freischalte, wie mein Mann es tun würde. ES. NERVT. Es nervt, weil ich die Botschaften trotzdem lese. Mich selbst auf eine Weise hinterfrage, die mir nicht gut tut. Darüber nachdenke, obwohl ich es nicht möchte.

Es nervt, weil ich Texte mittlerweile, bevor ich sie poste, auf ihre Angreifbarkeit hin prüfe. Als müsste ich mich rechtfertigen vor Menschen, die ich nicht kenne. Als wäre nicht meine Familie und enge Freunde IM ECHTEN LEBEN die einzigen, die das Recht und Interesse haben, mich auf mögliche Irrtümer oder in ihren Augen Fehler hinzuweisen.

Und so werden die Texte seltener und seltener. Mir liegt etwas auf dem Herzen, worüber ich gerne schreiben würde. Ich denke nach. Überprüfe innerlich, was alles an dummen Sprüchen kommen könnte. Ob ich Lust darauf habe. Und dann lasse ich es.

Irgendwie habe ich aus den Augen verloren, warum ich vor 5 Jahren mit so großer Begeisterung anfing zu schreiben. Es ist mehr zur Pflicht geworden, als zum Hobby.

Vielleicht lieber Ruhe?

Vielleicht aber ist diese momentane Zurückhaltung auch ein Spiegel meiner aktuellen Lebenssituation? Immerhin hat sich meine Lebenswelt – freiwillig – sehr stark verkleinert in den letzten Monaten. Wir leben jetzt auf dem Land, um uns herum nicht viele andere Menschen. Es ist friedlich und still draußen. Und ich genieße diese Ruhe. Ich habe keine Lust, sie von missgünstigen Menschen kaputt machen zu lassen. Nicht hier vor Ort und auch nicht online.

Vielleicht bin ich es einfach leid, mich zu behaupten. Stark zu sein. Trotzdem meinen Weg zu gehen. Wie ich ihn für richtig halten. Vielleicht habe ich langsam genug von Trotzdem. Will friedlich gehen, nur für mich. Und für uns. Ohne Gedanken daran, wer etwas dagegen haben kann.

Ich hoffe, dass sich diese Phase irgendwann legen wird. Ich wieder mehr Elan verspüre. Lieber wieder auf diejenigen hören, die gerne lesen. Die nicht schimpfen, nicht mit dem Finger zeigen und lieber vor der eigenen Tür kehren. Dass ich wieder schreibe für die Mutter, die sich wegen mir nicht mehr so allein fühlt in ihrem Alltag oder den Vater, der sich ein wenig mehr in die Lage seiner Frau versetzen kann. Dass ich mein Fell wieder ein wenig dicker werden lasse. Und dass mein Job wieder zum Hobby wird.

Aber momentan, da brauche ich die Ruhe.

Ich wünsche jedem von Euch ein wunderschönes 2020 und hoffe, ihr seid alle gut gestartet!

6 Kommentare zu „Gedanken über die Ruhe“

  1. Liebe Hanna, ich kann deine Gedanken gut verstehen. Ich bin eigentlich gern auf Blogs und Insta unterwegs und suche mir dann die Sachen raus die ich gern lesen möchte, die mich inspirieren und vielleicht auch manchmal herausfordern. Aber die mir gut tun. Ich kann es absolut nicht verstehen, warum manche Menschen so fies und gemein sein müssen und Kommentare ablassen, die jenseits von Gut und Böse sind. Jeder kann doch das lesen was er mag, niemand wird gezwungen. Warum kann man den andere Meinungen nicht stehen lassen oder konstruktiv miteinander in den Austausch kommen. Mir tun Blogger wie du immer sehr sehr Leid, ihr steckt Haufen Arbeit und Herzblut hinein. Ich glaube durch die Einblicke in so viele verschiedene Leben ist bei manchen der Neid riesengroß geworden. Ich wünsche mir wieder mehr Respekt im Umgang miteinander und das Liebe letztendlich siegt. Davin können wir alle nur profitieren. Mit hast du jedenfalls oft genug Mut gemacht. Danke dafür!

  2. Liebe Hanna,
    auch ich möchte dir von Herzen danken. Deinen Blog habe ich damals per Zufall entdeckt, in der Zeit wo ich verzweifelt nach gründen gesucht habe, wieso mein kleiner Schatz so ist wie er ist. Ich glaube, ich habe alle deine Einträge in so einer kurzen Zeit gelesen, da ich so dankbar war, dass es da draußen noch jemanden gibt die mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen hatte wie ich damals. Von Herzen danke, ich durfte so viel für mich, mein kleines high need Baby und für meine Familie mitnehmen und lernen. Lass dich bitte nicht von anderen von deiner Mission abhalten. Lieben Gruß Kathrin

    1. Liebe Kathrin,

      genau für Menschen wie Dich schreibe ich die Texte. Vielen Dank für’s Erinnern!!!

      Ich hoffe, dass auch Dein kleiner Mensch phasenweise etwas weniger energieintensiv ist und ihr einen guten Weg gefunden habt.

      Viele liebe Grüße,
      Hanna

  3. Liebe Hanna,
    auch ich möchte mich den vorigen Kommentaren anschließen. Vielen Dank für die Kraft, die du mir gegeben hast und danke, dass ich ein Stück in deine Welt sehen durfte. Tu nur das, was dir gut tut! Es ist stark für sich selbst und seine Gefühle einzustehen.
    Viele Grüße,
    Ilka

    1. Vielen Dank, liebe Ilka, für diese tolle Rückmeldung!

      Ich hoffe, der Weg geht noch etwas weiter und mich packt der Elan bald wieder.

      Liebe Grüße,
      Hanna

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