So lernen meine Kinder den gesunden Umgang mit Zucker – von Anfang an


 

 *Ein Gastbeitrag von Alice Hubert, Kochbuchautorin und zweifache Mutter*


„Mein Baby bekommt im ersten Jahr keinen Zucker – das ist doch klar!“

„Und was ist danach?“

Wenn ich diese Frage stelle, werde ich oft fragend angeschaut.

„Na, dann werden wir mal sehen“, ist meist die Antwort. Oder auch, „Naja, spätestens wenn er/sie in die Krippe kommt, hat man es ja eh nicht mehr in der Hand.“

Also wie handhabt man es denn nun am Besten? Verzichten, in Maßen oder einfach gar nicht drüber nachdenken?

Zu viel Zucker ist ungesund

GemüsestangenDass zu viel Zucker ungesund ist, weiß mittlerweile jeder. Zucker ist einer der Hauptgründe für Übergewicht bei Groß und Klein sowie eine der Hauptursachen für Karies. Und dennoch werde ich immer wieder belächelt, weil ich bei unserem Baby auf Industriezucker verzichte, für uns generell frisch und ohne Fix-Produkte koche und keine Kinderprodukte wie Fruchtzwerge, Kinderschokolade und Co. kaufe.

Warum ist das so? Ich denke, dass vielen Eltern gar nicht bewusst ist, dass quasi in jedem industriell hergestellten Lebensmittel zusätzlicher Zucker enthalten ist. Denn damit die Kleinsten „ihre“ Produkte auch gerne essen, sind diese meist mit einer Extraportion Zucker versehen. Und da kommt auf den Tag verteilt eine ganze Menge zusammen – das Kindermüsli zum Frühstück, das Fertigpulver für die Hackfleischsoße zum Mittag und die Pommes mit Ketchup zum Abendessen. Dazu kommen die Snacks zwischendurch: Kinderkekse und Co. haben meist mehr Zucker als ein ganz normaler Keks aus dem Süßigkeitenregal.

Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts leiden 15% der Kinder zwischen 3 und 15 Jahren an Übergewicht. Das sind hierzulande 1,9 Millionen Kinder und Jugendliche.

 

Eine tägliche Herausforderung unseres Alltags ist es daher, sich Gedanken darüber zu machen, was wir einkaufen und unseren Kindern auf den Tisch stellen. Unsere Lebensmittel enthalten leider nicht nur die gesunden Bestandteile, die die Fotos auf den Packungen versprechen – ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe ist deshalb Pflicht. Das Fundament für einen gesunden Umgang mit dem Thema Ernährung legen wir Eltern ab dem Moment, in dem unsere Babys etwas anderes als Muttermilch oder Pre-Nahrung bekommen.

Wie ernähre ich meine Kinder gesund?

Eigentlich ist es ganz einfach. Wir verzichten nicht komplett auf Zucker. Denn egal ob Weiß-, Rohr- oder Fruchtzucker, er liefert notwendige Energie zum Toben, Denken und Wachsen. Aber es darf eben nicht mehr sein als der kleine Körper verbraucht. Dazu lohnt es, sich Gedanken zu machen, wo überall Zucker drin ist. Alleine durch Obst nehmen bereits die Kleinsten jede Menge Fruchtzucker zu sich. Wenn dazu noch die oben aufgezählten Fertig-Lebensmittel häufiger oder gar täglich auf den Tisch kommen, ist es ganz logisch, dass es schnell zu viel werden kann. Und wie bei allem im Leben gilt: die Menge macht das Gift.

In meiner Familie kochen wir frisch, mit viel Gemüse und ohne Fertigprodukte. Morgens und Nachmittags steht ein Obstteller auf dem Tisch, so wird der Hunger nach Süßem gestillt. Abends steht ein leckerer Gemüseteller bereit und alle greifen ganz automatisch zu. Wir essen Naturjoghurt mit Obst, backen süße Brötchen nur mit der Süße aus Apfel oder Banane und machen leckere Früchteriegel selber. So haben wir für zwischendurch immer einen gesunden Snack im Haus. Und Wasser ist ganz natürlich unser Getränk der Wahl.

Was ist der Unterschied zwischen Industriezucker und natürlich vorkommendem Zucker?

In der chemischen Formel unterscheiden sich industrieller Zucker und in Obst vorkommender Zucker wenig. Genau genommen ist Fruchtzucker (in seiner puren Form!) sogar ungesünder, als Haushaltszucker, weil er vom Körper schlechter verwertet werden kann und in der Leber als Fremdstoff abgebaut werden muss. Der Unterschied liegt vielmehr in der Darreichungsform: Denn während Industriezucker in seiner puren, extrahierten Form zur Verfügung steht, enthält Obst auch noch viele Nähr- und Ballaststoffe. Der weiße Zucker ist somit für den Körper sofort und vollständig verfügbar und führt zu einem rasanten Ansteigen des Blutzuckerspiegels. Den Zucker aus Obst muss sich der Körper erst „erarbeiten“ – er ist also nur in kleinen Dosen verfügbar .

Süßigkeiten sind erlaubt

Und trotzdem: Unser Großer ist jetzt Dreieinhalb. Er darf natürlich naschen und greift mehrmals die Woche in die Süßigkeitenschüssel für ein kleines Stück Schokolade. Er trinkt auch mal ein Glas Apfelschorle, wenn die Oma zu Besuch ist oder wir bestellen ab und an eine Pizza. Und wenn es endlich wärmer wird, freuen wir uns schon auf ein leckeres Softeis!

Weil wir grundsätzlich gesund, frisch und abwechslungsreich kochen, süße Snacks selber backen und wir hauptsächlich Wasser trinken, ist Naschen ab und an oder die süßen Snacks in der Kita und bei Freunden für uns kein Problem. Wichtig ist mir, dass man seine alten, eingefahrenen Essgewohnheiten eben nicht auch auf seine Kinder überträgt. Ich würde mich freuen, wenn sich mehr Familien Gedanken darüber machen, wieviel Zucker ihre Kleinen verkraften können und einen neuen Weg gehen – weg von Fertigprodukten hin zu mehr gesunder, frischer Küche. Diese muss weder aufwendig noch teuer oder geschmacklich fad sein.

Warum ich Kochbücher schreibe

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich deshalb mit gesunder Baby- und Kleinkindküche ab der Beikostreife und habe dabei bereits vielen Mamis und Papis mit einfachen, leckeren und gesunden Rezepten geholfen. Dazu habe ich zwei Kochbücher entwickelt, die vor allem für Kochanfänger bestens geeignet sind.

Gerade für Familien, die sich für den Baby-Led-Weaning-Beikostweg entscheiden, ist ein gesunder und frischer Familientisch eine Grundvoraussetzung. Denn nur, wenn wir unseren Babys von Anfang an einen gesunden und natürlichen Umgang mit Lebensmitteln vorleben und dazu noch einen Weg finden, den wir auch über das erste Lebensjahr hinaus weitergehen können, haben unsere Kinder die Chance, sich bestmöglich zu entwickeln.


Über Alice Hubert

Wenn ihr nun Lust bekommen habt, mehr über Alice Hubert zu erfahren oder eine ihrer Rezeptesammlungen zu erwerben, dann schaut doch mal auf ihrer Homepage vorbei. Für regelmäßige Updates und Inspirationen könnt ihr ihr außerdem auf Facebook folgen.

Mich hat das Treffen mit Alice und ihrem süßen Sohn jedenfalls inspiriert und ich werde sicherlich einige ihrer Rezepte ausprobieren.

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