Medikamente für mein Baby? Ungern…


Warum wir Medikamenten gegenüber skeptisch sind

Medikamente waren nie wirklich ein Thema für mich. Ich war in meinem Leben nie schwer krank. Also so akut krank meine ich. Zwischen meiner Geburt und der des Rubbelbatz war ich nie im Krankenhaus, hatte keine Knochenbrüche, keine OP, keine Wunden. Bis auf dieses eine Mal, 2009 in Schottland, als ich plötzlich eine Mandelentzündung hatte. Für mich ein einschneidendes Erlebnis, so „richtig“ krank zu sein. Ich dachte ehrlich, ich würde sterben, in Schottland, bei meiner Freundin, bei der ich in der Küche übernachtete. Ich machte mir schon Gedanken, wie unangenehm das für sie sein würde, sich um alles zu kümmern, meine Angehörigen zu informieren usw. Doch zum Glück kam alles anders. Wir suchten eine Ärztin auf und sie verschrieb mir ein Antibiotikum, Penicillin. Die Entzündung wurde mit Einnahme schlagartig besser und ich konnte eine Woche später meine Reise fortsetzen.

Und ja, in diesem Fall war ich sehr froh über den medikamentösen Eingriff und über die schnelle Besserung. In solchen Fällen wäre Skepsis tatsächlich unangebracht.

Warum ich trotzdem ungern Medikamente nehme

Das hat im Prinzip Gründe: Erstens wird leider nicht nur in schlimmen Fällen wie bei mir mit Medikamenten wie Antibiotika behandelt. Viel zu oft wird bei einer Erkältung oder anderen Krankheiten, die der Körper selbst besiegen könnte, gleich die antibiotische Keule ausgepackt. Das führt auf lange Sicht zu einem Heranwachsen multiresistenter Keime, d.h. die Bakterien, die auf das Antibiotikum reagieren, sterben und mutierte, unempfindliche Bakterien können sich ungehindert vermehren und sind so auf dem Vormarsch. So, und da erzähle ich euch wahrscheinlich nichts Neues, kann es passieren, dass es für bestimmte Erkrankungen kein geeignetes Antibiotikum mehr gibt oder dass viele verschiedene durchgetestet werden müssen, bis die Keime abgetötet werden.

Zum anderen, und das ist mehr eine persönliche Ansicht und weniger stringent wissenschaftlich bewiesen, bin ich der Meinung, dass jede Medikamenteneinnahme einen Eingriff in das an sich nahezu perfekte System des Körpers darstellt und den Organismus irgendwie durcheinander bringt oder schädigt. Nur wenige Monate nach der oben beschriebenen Antibiotika-Behandlung wurde ich krank. Lange habe ich keine Verbindung hergestellt, rückblickend ist es aber gut möglich, dass die Einnahme des Antibiotikums – das erste Mal in meinem ganzen Leben – mit verantwortlich war für das Entstehen meiner Histaminintoleranz. Natürlich ist ein Leben mit dieser Enzymschwäche immer noch besser, als in Schottland an einer Mandelentzündung zu sterben, keine Frage! Aber bei jeder weniger schlimmen Krankheit hätte und habe ich bisher die Einnahme verweigert. Meiner Meinung nach ist unser Körper ein empfindliches und für uns oft unverständliches Gleichgewicht, das sich in den allermeisten Fällen selbst reguliert. Wenn dieses Gleichgewicht allerdings kippt, z.B. durch Medikamente oder einen entsprechend ungesunden Lebensstil, ist es schwer und langwierig, dieses wieder herzustellen. Bei mir hat es Jahre gedauert, wieder einigermaßen fit zu sein, manchen gelingt das nie.

Zurück zum Baby. Der Organismus eines Säuglings ist gerade erst dabei, sich auszubilden. Die Balance bildet sich und das Baby bringt alles mit, was es dafür braucht. Wie alle Mütter möchte ich, dass mein Sohn gesund aufwächst und eines Tages ein starker Mann wird. In meinen Augen ist alles, was wir dafür tun müssen, ihn zu lassen. Ihm und seinem Körper Zeit geben, alle Abwehrkräfte zu bilden, die er braucht und sein Gleichgewicht herzustellen und zu stärken. Jeder Eingriff durch Medikamente birgt für das Baby die Gefahr, dieses Gleichgewicht schon so früh auszuhebeln.

Medikamente gegen Erkältung beim Baby

Natürlich suchen wir trotzdem einen Arzt auf, wenn es unserem Kleinen nicht gut geht. Trotz einer gewissen Skepsis bin ich auch froh, dass es die Medizin gibt. Für schlimme Fälle wie eine Mandelentzündung. Als wir mit unserem Rubbelbatz bei der U4 waren, hat die Ärztin uns verschiedene Medikamente für unser Baby verschrieben, weil er starke Hautprobleme hatte. Während wir die Pflegecreme (ohne Wirkstoff) und die lila Tinktur zur Beruhigung und zum Trocknen der Falten durchaus eingesetzt haben, liegt die antibiotische Salbe immer noch ungeöffnet bei uns zu Hause. Wir hatten sie geholt, für den Fall dass die Probleme anders nicht in den Griff zu bekommen sind, uns dann aber dagegen entschieden. Der Erfolg gibt uns Recht. Mittlerweile sind alle Falten einigermaßen abgeheilt. Auch ohne die antibiotische Keule.

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So sieht er aus, der mundbetriebene Nasensauger „Colibri“

Vor Kurzem hatte der Rubbelbatz außerdem seinen ersten Schnupfen. Bei Babys sehr unangenehm, weil sie ja noch nicht schnauben können und dann schnell keine Luft mehr bekommen. Vor allem nachts wurde er teilweise wach, weil er nicht atmen konnte. Alleine schon dieses schwere Röcheln zu hören, hat mir in der Seele weh getan, weil ich wusste, wie unangenehm das für ihn sein muss. Anstatt mit irgendwelchen Nasenspülungen oder ähnlichem zu experimentieren, sind wir dem Rat einer Freundin gefolgt und haben hier Babix Inhalat N online geordert. Es wirkt ähnlich wie die Inhalate für Erwachsene, d.h. durch ätherische Öle (Eucalyptusöl und Fichtennadelöl). Hier ist kein Menthol enthalten, das würde den Kleinen nicht nur in den Augen brennen, sondern kann auch zu lebensgefährlichen Atemstörungen führen! Beim nächsten Mal haben wir ihm davon nachts einen Tropfen auf den Schlafsack in Kopfnähe gegeben und es hat wirklich innerhalb von Minuten gewirkt. Selbst ich konnte besser atmen. Weil wir hier von einem vergleichsweise kleinen Schnupfen reden und wir natürlich auch mal damit rechnen müssen, dass das Näschen schlimmer verstopft, haben wir außerdem einen neuen Nasensauger bestellt. Der manuelle Nasensauger, den wir kurz nach der Geburt geholt hatten, funktioniert nämlich gar nicht. Jetzt haben wir schon öfter gehört, dass es Nasensauger gibt, die mit dem Mund oder dem Staubsauger betrieben werden. Wir haben das Modell „Colibri“ von nosiboo bestellt und sind mal gespannt, ob der seine Versprechen hält.

Das heißt nicht, dass wir unserem Baby nie Medikamente geben würden. Grundsätzlich sind wir, wie gesagt, sehr froh über die Möglichkeiten der modernen Medizin – bei ernsthaften Erkrankungen. Wir würden unserem Baby also nie wichtige Medikamente vorenthalten, aber bei kleinen Wehwehchen werden wir versuchen, möglichst lange hinzukommen, ohne künstlich einzugreifen.



Alle Kommentare (4)

    Zusätzlich zu Babix Tropfen nehme ich tagsüber gerne Engelwurzbalsam für die Nase und Creme Rücken und Brust mit Thymian-Myrte-Balsam ein. Nasensauger ist auch super- zumindest in der Zeit wo meine Tochter ihn toleriert hat ?

    Vielen Dank für den Tip. Das werden uns auf jeden Fall mal merken. Zum Glück gehts dem Kleinen schon wieder besser aber bei dem aktuellen Wetter, kann es ja schnell wieder anders sein.

    LG Rubbelpapa

    Liebe Rubbelmama,

    deinen Beitrag über Medikamente lese ich mit Skepsis. Ich stimme zu, dass man sich oft, und vor Allem in Bezug auf die eigenen Kinder, fragt wann der Einsatz von Antibiotika sinnvoll und richtig ist. Natürlich stellt die Einnahme eines Antibiotikums eine Belastung für die Bakterienflora des Menschen dar, die ja auch von den Wirkungsmechanismen des Mittels betroffen ist. Und wie ihr beschreibt, hat euer Junge sich auch ohne den Einsatz vom Antibiotikum von seinen Hautproblemem erholt.
    Ich widerspreche dir aber mit Nachdruck in der Annahme, dass der (menschliche) Organismus in sich ein nahezu perfektes System ist! Dem ist nach allen Erkenntnissen der Wissenschaft nicht so! Die Natur funktioniert nach dem Prinzip „try and error“. Sie bringt eine Vielzahl an Individuen hervor, die alle im einzelnen ganz und gar nicht perfekt sind.
    Diese Erkenntnis und die Schlüsse, die man daraus gezogen hat sorgen doch erst dafür, dass wir in unseren dreißigern die ersten Kinder bekommen, gemütlich dasitzen, Elternblogs lesen, schreiben, kommentieren, während in anderen Teilen der Welt Menschen an den banalsten Krankheiten sterben und keine Zeit haben, sich Gedanken zu machen, warum der erstbeste Erreger eigentlich ihr nahezu perfektes System über den Haufen geworfen hat.
    Du schreibst, dass der Körper ein oft unverständliches Gleichgewicht hat. Ich höre sowas oft und als Mikrobiologe und Immunologe frage ich mich dann oft: Warum habe ich eigentlich studiert?
    Ein Vergleich: ein Maurer behauptet, man habe immer noch nicht verstanden, wie eigentlich Autos fahren können, während der KFZ-Mechaniker daneben steht und es jedem, der sich genauer informieren möchte, erklären könnte.
    Und da möchte ich nochmal auf deine Theorie mit dem perfekten System zu sprechen kommen. Beispiel Immunsystem: Das Immunsystem eines Individuums ist spezialisiert. Manche Menschen sind z.B. anfälliger für Erkältungen, andere nehmen jeden Magen-Darm-Infekt mit. Die Pest hat im Mittelalter viele dahingerafft, aber eben nicht alle, denn einige hatten auf den Pesterreger die perfekte Antwort, wären aber vielleicht bei einer anderen Epidemie gestorben. So erkennt man das System dahinter: der Einzelne ist für die Population nicht wichtig! Er muss nicht perfekt sein, er ist eben nur eine Variante.
    Diese Idee haben wir mit der modernen Medizin ausgehebelt. Ob oder in wie weit das sinnvoll ist, sei dahingestellt. Auch möchte ich nicht behaupten, dass Mediziner alle im Bilde sind, was sie da eigentlich tun. Und ich verstehe, warum die Menschen verunsichert sind, gerade weil es doch um ihre Gesundheit und die ihrer Kinder geht…

    Oh, ist ja doch ein etwas längerer Kommentar geworden…

    also zum Ende noch schöne Grüße ;)!

    Hallo Henning,

    wow, was für ein Kommentar! Vielen Dank dafür, dass du wirklich mit Fakten und Argumenten deinen Standpunkt schilderst.

    Wir verfolgen einfach die Annahme, dass wir von Grund auf vorbereitet sind, für verschiedene Szenarien, die unser Körper aushalten und überwinden muss und musste.Warum wir zum Teil auch lieber daran festhalten möchten, liegt zum Beispiel daran, dass wir glauben, dass die moderne Medizin sehr schnell Symptome bekämpft, aber weniger die Ursachen. Grade unsere Abneigung gegen Antibiotika ist der Rubbelmamas Erfahrung geschuldet, dass sich bei ihr im Laufe der Zeit eine Histaminintoleranz entwickelt hat, die zeitlich gesehen, mit der Einnahme von Antibiotika einhergeht.

    Jetzt möchte ich aber auch kein falsches Bild von uns erzeugen. Wenn unser Kleiner wirklich ernsthaft krank ist, würden wir alles daran setzen, dass es ihm besser geht. Auch wenn dies heißen würde, dass zu Antibiotika statt Brennnesseltee gegriffen werden muss.

    Trotzdem finde ich deinen Standpunkt durchaus nachvollziehbar!

    LG Rubbelpapa

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