Mein Kind wurde gebissen


Bisher war ja mein Baby immer so der Rambo unter den Kleinkindern. Einmal ist er auf dem Spielplatz mit einem mindestens 3-jährigen in eine Röhre gekrochen – der 3-jährige kam weinend raus. Auch in unserem engeren Umfeld war bisher ich diejenige, die aufpassen musste, dass die anderen Kinder keine Angst vor dem Rubbelbatz bekommen. Heute hat sich die Lage geändert. Denn heute wurde mein Kind gebissen.

Was war passiert, dass mein Kind gebissen wurde?

Es war ein ganz normaler Nachmittag. Eine Freundin kam mit ihrer 14 Monate alten Tochter vorbei, kurz darauf eine Nachbarin mit ihrem 1-jährigen Sohn. Der Rubbelbatz war happy: endlich was los in der Bude. Die drei spielten schön und ich hatte die Gelegenheit, einen gestern erworbenen Spiele-Teppich für unsere Loggia anzupassen. Doch dann steckte unser Kleiner seinen Finger in den Mund des Mädchens – und sie biss zu. Und zwar richtig. Mein Kleiner brüllte vor schmerzen und ließ sich nur schwer, also nur durch meine Brust, beruhigen. Die Zahnabdrücke waren deutlich auf seinem kleinen, speckigen Zeigefinger zu sehen. Auch die Kleine brüllte wie am Spieß, verängstigt durch sein Geschrei. Sie verstand natürlich nicht so richtig, was los war, immerhin hatte sie nicht willentlich gebissen. Da wussten wir noch nicht, dass sie das nur wenig später nachholen würde. Die beiden hatten sich gerade wieder beruhigt, da biss sie ihn in die Hand. Einfach so. Und wieder recht fest. Neues Gebrüll auf beiden Seiten. Beide Mütter waren nun alarmiert. Doch hatten wir nicht mit dem dritten in der Runde gerechnet – denn auch der kann beißen. Und tat dies nur kurz später, nun in den Ringfinger. Wieder Gebrüll beim Rubbelbatz und dem kleinen Mädchen, wieder fast unberuhigbar.

Gebissen: Auswirkungen auf mein Baby

War er nach dem zweiten Biss schon merklich eingeschüchtert und weinerlich – was sonst so gar nicht seine Art ist, so war er spätestens nach dem dritten Biss wirklich verstört. Bisher war er auf alle Kinder völlig furchtlos zugegangen. Selbst, wenn ihn mal jemand zu fest in die Backe gekniffen hatte oder geschubst, war er danach wieder absolut vertrauensvoll auf das Kind zugegangen und hatte weiter gespielt. Das hatte sich nun schlagartig geändert. Sobald ihm eines der Kinder auch nur zu nahe kam, weinte er bitterlich. Er hatte sichtlich Angst vor ihnen. Auch ganz banale Streitigkeiten um einen Quetschbeutel Apfelmus wurden mit angstvollem Weinen beendet.

Wie ich als Mama über die Bisse denke

Und spätestens beim dritten Biss war auch mir wirklich zum Weinen zu Mute. War das wirklich der Punkt, an dem mein Baby lernen musste, dass man vor manchen Dingen Angst haben sollte? Dass nicht alle Kinder immer lieb sind, sondern auch Angst machen können, ihm weh tun können? Natürlich war mir klar, dass der Punkt kommen würde. Aber ich hatte gehofft, dass er noch ein wenig länger in diesem absoluten Grundvertrauen in alles und jeden um ihn herum leben könnte. Denn ihn dabei zu beobachten, wie er so mutig, furchtlos und so absolut vertrauensvoll diese Welt erkundet, ist einfach zu schön.



Alle Kommentare (5)

    Puh, schwierig. Aber wie du sagst unvermeidbar, vor allem, wenn man mit älteren Kindern zusammen spielt. Ich bin ja im Grunde in dem Moment immer froh, dass es nicht mein Kind ist, dass einem anderen weh getan hat, aber man muss dann halt irgendwie eine Lösung finden, vielleicht sich mit in das Spiel einbeziehen und dem Kind zeigen, dass man miteinander spielen kann, auch nach so einem Erlebnis, aber dass es halt Grenzen gibt. Ich weiß auch nicht…

    Solche Situationen sind wohl unvermeidbar. Ich bin froh, dass unser kleiner Superheld noch in keine größere „Prügelei“ geraten ist. Na gut, mit seinen 10 Monaten wurde er von seinen etwas älteren Spielkameraden zwar schon mal etwas ruppig angefasst, aber zum Glück noch nicht so arg, wie du es beschreibst. Aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Und bei allem Mitleid für den Rubbelbatz: Ein leichtes Lachen konnte ich mir beim Lesen nicht verkneifen 😉

    Hi!
    Meine Tochter wurde im Kindergarten in den letzten 15 Monaten sieben mal von drei verschiedenen Kindern gebissen!
    Die ersten Male war ich total geschockt, verunsichert, was soll sie mit ihren 20 Monaten gemacht haben dass sich die anderen Kinder nur mit Beißen zu wehren wissen?
    Gleichzeitig mein Unverständnis, dass die Erzieherinnen es nicht verhindern konnten!
    Inzwischen weiß ich, dass sie so lebhaft und schnell ist, dass es die beiden ersten Beißern einfach überfordert hat.
    Die dritte Beißende wollte schlicht ein Spielzeug verteidigen (bei ihr blieb es beim einmaligen Biss).
    Zwischendurch hatte meine Tochter sogar Angst, wenn mein Mann oder ich am Tisch den Mund geöffnet haben, als sie uns von ihrem Essen abbeißen lassen wollte. Das hat mich schon sehr belastet.
    Auch sie hatte nach den Bissen unruhige Nächte, aber inzwischen hat sich alles normalisiert, sie mag sogar jetzt das Mädchen welches sie zuletzt gebissen hat.
    Es ist einfach wichtig, das offene Gespräch mit den Erzieherinnen (die das Kind kennen und in der Situation dabei waren ) zu suchen, und auch dem Kind zuzuhören wenn es von dem Vorfall erzählt.
    Auch wenn uns gesagt wurde, dass gebissene Kinder oft später selbst beißen, ist dieser Fall bei unserer Tochter (33 Monate, die typische Beißphase dürfte also langsam vorbei sein) nicht eingetreten.

    Liebe Nicole,

    vielen Dank für das Teilen deiner Geschichte. Schön, dass deine Tochter trotzdem nicht beißt. Und du hast wahrscheinlich recht, Kinder vergessen zum Glück so schnell. Mittlerweile ist der Rubbelbatz 16 Monate alt und geht wieder mit großem Vertrauen auf andere Kinder zu. Gebissen hat er selbst noch nie.

    Liebe Grüße,
    Hanna

    Eine ganz typische Situation unter Kleinkindern. Die Kinder haben bemerkt „Oh das ist ja toll, damit kann ich aber einen riesen Terz auslösen“ Emphatie haben Kinder in dem Alter noch nicht. Sie verstehen nicht, dass sie dem anderen Kind weh tun. Dennoch kann man ihnen vermitteln, dass dieses Verhalten falsch ist z.B. durch ein bestimmtes „Nein“ mit intensivem Blickkontakt. Sowas wird seltener, wenn sich die Kinder sprachlich äußern können.

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