Rollenverteilung in der Familie – gibt es eine Gleichberechtigung für Väter und Mütter?


Als wir noch Kinder waren, war unsere Mama bei uns zu Hause und unser Papa ist jeden Tag zur Arbeit gegangen. Das war damals selbstverständlich. Auch heute ist dieses Modell häufiger, aber Alternativen nicht mehr undenkbar. Die Rollenverteilung in der Familie weicht langsam auf, aber von Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist nur selten die Rede. Haben Männer es nach wie vor leichter in unserer Gesellschaft? Oder gibt es mittlerweile vielleicht tatsächlich Bereiche, in denen die Männer benachteiligt sind?

Das traditionelle Eltern-Modell

Die Mama Unsere Mama war die längste Zeit meiner Kindheit und Jugend zu Hause. Und das war im Rückblick wirklich super für mich. Natürlich war einen großen Teil des Tages ohnehin unterwegs – sei es in der Schule oder nachmittags draußen zum Spielen mit Freunden oder meinen Brüdern. Trotzdem wusste ich, dass sie da ist, wenn ich nach Hause komme. Das hat mir als Kind, ohne mir darüber bewusst zu sein, ein Gefühl von Sicherheit und Konstanz gegeben.
Der Papa Mein Papa kam meistens erst gegen 18 Uhr nach Hause, teils erst nach dem Abendbrot. Für uns ein Highlight. Weil die Mama ohnehin den ganzen Tag da war, wollten wir unsere Gute-Nacht-Geschichte lieber von Papa vorgelesen bekommen und oft hat er sich die Zeit genommen, vorher noch ausgiebig im Elternbett mit uns herumzutollen. Da hatte Papa immer soooo viel mehr Kraft als Mama, um uns hochzuheben oder ausgiebig zu kitzeln.

Auch am Wochenende war es für mich wahnsinnig interessant, was der Papa so macht – meine Mama hatte ich ja die ganze Woche als Vorbild. Meistens hat er irgendwas gebaut oder geschraubt – und ich stand fasziniert daneben bzw. hatte die verantwortungsvolle Aufgabe, die Schrauben zu halten und einzeln weiterzureichen. Es hat mich viele Jahre gekostet, um zu verstehen, dass er das auch selbst könnte. Bis heute habe ich großen Spaß daran, Dinge selbst zu erledigen, zu bohren, schrauben, basteln und reparieren.

Klingt so, als hätte der männliche Part es einfacher gehabt, gut dazustehen? Das ist wahrscheinlich richtig. Aber: auch meine Mama ist bis heute ein Vorbild für mich geblieben. Die Konstanz, mit der sie alles wusste und immer eine Lösung finden konnte, ist für mich bis heute geblieben.

Neue Möglichkeiten der Rollenverteilung

Mittlerweile ist die Aufgabenverteilung in Beziehungen mit Kindern weit weniger festgefahren und traditionell. Von Vätern in der Elternzeit bis zu alleinerziehenden Vätern ist alles dabei. Auch bei uns kam die Frage, wie wir eines Tages die Erziehung und Betreuung unserer Kinder gestalten wollen, schon früh, lange vor dem Kinderwunsch, zur Sprache. Meine Meinung dazu war immer relativ eindeutig: er macht das, ich gehe arbeiten. Den Alltag mit Kind stellte ich mir einfach um vieles stressiger vor, als meinen Job. Und immerhin hatte ich schon einen Job, während er noch sein Studium zu Ende brachte. Sein Widerspruch war mäßig, also war für mich die Sache klar.

Als ich dann schwanger wurde, sah ich die Sache plötzlich ganz anders. Natürlich würde ich mindestens ein Jahr bei meinem Kleinen zu Hause bleiben. Ein Baby braucht doch schließlich seine Mama und ich wollte auf jeden Fall stillen! Und mittlerweile hat er ja einen Job. Auch hier kamen wenig Einwände, also war für mich die Sache wieder klar.

Ist das Gleichberechtigung?

Beim Nachdenken über das Thema, hier natürlich vereinfacht dargestellt, ist mir folgendes klar geworden: Natürlich gibt es viele Bereiche, in denen wir Frauen nach wie vor weit entfernt sind von einer Gleichberechtigung. Vor allem im Beruf kann man das sehr deutlich erleben. Familiengründung und Kindererziehung sind definitiv keines davon. Denn während es jetzt die Möglichkeit für die Frau gibt, auch nach der Geburt weiter zu arbeiten und mit ihm einen Kompromiss bezüglich der Kindererziehung auszuhandeln, liegt die Entscheidung letztlich bei uns. Der Partner kann nur reagieren und bei Plänen, die vom „normalen“ abweichen entweder zustimmen oder nicht. Ich habe noch von keinem Fall gehört, in dem der Mann darauf bestanden hat, zu Hause zu bleiben und die Frau dann notgedrungen arbeiten gehen musste. Umgekehrt passiert das schon. Was bleibt ihm denn an Argumenten auch übrig, der Fall, dass sie mehr verdient als er ist selten und das Baby stillen ist für ihn auch eher schwierig.

Hier spielt die Emanzipation uns also tatsächlich mal in die Karten. Auch der Meinung von Andrea, die dieses Thema auf ihrem Blog runzelfüßchen als Blogparade gestartet hat, kann ich mich nicht bedingungslos anschließen. Sie findet, dass Väter häufig für Dinge gelobt werden, die für Mütter als selbstverständlich angesehen werden. Arztbesuche, das Kind trösten, typische Mama-Tätigkeiten eben. Das ist sicherlich richtig. Aber werden Männer ständig dafür gelobt und bewundert, wenn sie den Müll rausbringen, die schweren Getränkekisten nach dem Einkauf nach drinnen tragen oder den Gartenzaun reparieren? Wahrscheinlich eher nicht. Das sind eben die typischen Papa-Aufgaben. Werden Frauen dafür bewundert, wenn sie die Rolle des Ernährers übernehmen und jede Woche mindestens 40 Stunden zur Arbeit gehen? Wahrscheinlich schon.

Sobald jemand den Mut beweist, aus den traditionellen Mustern und Aufgaben auszubrechen und einen Schritt in Richtung „Gleichberechtigung“ geht, hat er diese Anerkennung meiner Meinung nach auch verdient. Während in den meisten Fällen wir Frauen entscheiden können, ob wir das möchten, sind Männer immer von ihren Partnerinnen abhängig, um das tun zu können.

 

2 Kommentare zu „Rollenverteilung in der Familie – gibt es eine Gleichberechtigung für Väter und Mütter?“

  1. Hallo Hanna,
    mein Freund hat darauf bestanden, dass er mindestens 7 Monate Elternzeit bekommt, den Rest durfte ich mir aussuchen. (Es gibt solche Männer!) Letztendlich haben wir es 3 zu 11 aufgeteilt.
    Unterstützt wurde ich bei dieser Aufteilung von genau zwei Menschen, meiner Schwester und meiner Hebamme. Von allen anderen bekam ich mehr oder weniger deutlich zu hören, wenn das Kind erstmal da ist, würde ich es bereuen, oder gleich einer Variante von ich sei eine Rabenmutter.
    Mein Freund war der Superdaddy schlechthin und hat nur zwei negative Kommentare bekommen.
    Wie andere mit unserer Entscheidung umgegangen sind, hat mich sehr wütend gemacht, wobei es mich mittlerweile amüsiert, wie unterschiedlich die Wahrnehmung unserer Entscheidung ist, je nachdem, ob gerade mein Freund oder ich der Angesprochene ist. Letztendlich ist es dieselbe Entscheidung und sollte gleich behandelt werden. Der Zeitpunkt, zu dem diesbezüglich Männer und Frauen gleich behandelt werden, werde ich wohl nicht mehr erleben, aber vielleicht können wir einigen der kommenden Generation Vorbild sein, wie wir uns Menschen gegenüber verhalten, die unser eigenes Weltbild durch ihre Lebensweise in Frage stellen.
    Nebenbei zum Thema Stillen: Wir haben in Deutschland ein tolles Mutterschutzgesetz, welches einer stillenden Mutter umfangreiche Stillpausen einräumt. Somit war die Entscheidung zu Arbeiten keine Entscheidung gegen das Stillen.

    1. Hallo Anne,
      mein Mann und ich haben ja auch über legt, ob er zu Hause bleibt, haben uns dann aber dagegen entschieden, weil er so mehr Berufserfahrung sammeln die ich schon habe. Ich finde es toll, wenn auch Männer Verantwortung für das Baby übernehmen.
      Das mit den Stillpausen wusste ich. Allerdings verstehe ich nicht wie du das dann genau machst. Ich meine das Kind muss ja dann in deiner nähe sein während du arbeitest, um stillen zu können, oder?

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