Sport für Kinder – Freude statt Förderwahn

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Ein Gastbeitrag von Tanja Conrad

Ist Sport für Kinder sinnvoll?

Hättest du mich das als Kind gefragt, hätte ich dir eine klare Absage erteilt. Als 12-Jährige war für mich Bewegung jeder Art pure Folter. Ein einschneidendes Erlebnis hat mich meine Einstellung überdenken lassen. Was geschehen ist und welchen Einfluss meine Erkenntnisse auf die sportlichen Aktivitäten meines Sohnes haben? Das erfährst du im Artikel neben vielen Experten-Tipps rund um den Kindersport.

Kinder & Sport: Ein Muss oder Bonus?

„Heute hab‘ ich keine Lust auf Reiten. Ich möchte lieber spielen!“

Das höre ich nicht selten, nachdem ich die Sporttasche gepackt und die Trinkflasche gefüllt habe. Der Sohn möchte jetzt lieber ein Ninja sein und mich hinterrücks überfallen. Tja, Kinderpläne ändern sich.
Ich überlege kurz, frage noch einmal nach. Zwingen würde ich unseren Sohn nicht zum Sport, denn ich weiß, wie sich so etwas anfühlt.

Für mich war der Sportunterricht in der Schule ein perfektes Trainingscamp – allerdings nicht für meine Muskeln. Dort lernte ich, welche Ausreden unter welchen Umständen zünden. Das einzige, was ich mochte, war tanzen. Und wer zur damaligen Zeit nicht in einer Waldorf- oder Montessori-Schule war, konnte davon bloß träumen.

Mit 21 Jahren änderte ein wochenlanger Krankenhausaufenthalt meine Perspektive. Ich hatte Magengeschwüre ohne ursächlichen Befund. Mir war ständig schlecht, ich litt unter Müdigkeit und Magenschmerzen. Ich entschied mich für eine Ernährungsberatung. Die bieten fast alle Krankenkassen kostenlos an. „Ihnen hilft nur noch Sport, um ihre Energie zu kanalisieren!“, sagte die Ernährungs-Expertin kopfschüttelnd. Ich war ideal gewichtig – allerdings nur äußerlich. Irgendetwas musste sich ändern in meinem Leben. Ich meldete mich im Fitnessstudio an, begann zu joggen und kaufte mir eine Yogamatte und ein Buch über Meditation. Ernährung war plötzlich ein Thema und eine Therapie war sowieso längst fällig.

Expertenwissen – Von Anfang an alles richtig machen

Sport für Kinder bereits im Mutterleib

Für mich war Sport nur Mittel zum Zweck. Die Liebe zur Bewegung kam erst viel später. Für meinen Sohn wünschte ich mir eine andere Reihenfolge. Ich überließ seine Lust auf Bewegung nicht dem Zufall. Bereits während der Schwangerschaft turnte, tanzte und steppte ich mich durch Sportkurse für werdende Mütter. Laut Experten wirkt sich das auf die spätere Sportlichkeit des Kindes aus.

Ab wann Sport für Kinder Sinn macht

Babys und Kleinkinder lieben Bewegung von Natur aus. Sportmediziner haben herausgefunden: Wenn wir unsere Kinder in ihrer Bewegungsfreude so früh wie möglich unterstützen, profitieren sie davon ein Leben lang.

Warum Sport für Kinder wichtig ist und was es zu beachten gilt

Dabei machen Sportangebote für Kinder in Gruppen weit mehr als nur „Muckis“. Im Teamsport geht es um Zusammenspiel, individuelle strategische Überlegungen und abwechslungsreiche Bewegungsabläufe. Das gilt vor allem für die ganzheitliche Gesundheitsförderung im Kindergarten- und Vorschulalter. Wichtig scheint es zu sein, Klein- und Vorschulkindern ein möglichst breit gefächertes, wenig spezifisches Sportangebot zu machen. Besonders Eltern-Kind-Turnen, Ball- und Sportspiele für Kinder eignen sich hervorragend.

Sport für Kinder ist Geschmacksache

Mit der Zeit finden Kinder über solche „unspezifischen Sportarten“ heraus, was ihnen wirklich Freude macht. Und genau darum geht es uns: Was magst du? Was berührt dich? Was macht dich glücklich? So entdeckte auch unser Sohn die Liebe zum Fußball beim Kinderturnen und die zum Wasser auf der Insel Spiekeroog. Wir haben viel und oft über diese Vorlieben gesprochen und ihre Machbarkeit überprüft. Schließlich sollen lange Fahrtwege nicht für Stress und Frust innerhalb der Familie sorgen. Hilfreich ist es auch, sich mit anderen Eltern zusammenzutun. So eine Fahrgemeinschaft spart Zeit und Energie.

Wie genau fördert Sport die Kleinen?

Auch wenn Sport die kindliche Entwicklung relevanten Studien zufolge signifikant unterstützt, steht der Förder-Aspekt für uns nicht im Mittelpunkt. Wir wollen unserem Kind in erster Linie eine Umgebung schaffen, in der es seine angeborenen Fähigkeiten entfalten kann.

Positive Effekte von Kindersport können sein:

  • Stärkt das Immunsystem
  • unterstützt den Aufbau des Selbstbewusstseins
  • fördert motorische und kognitive Entwicklung
  • stärkt die Eltern-Kind-Bindung
  • hilft Durchhaltevermögen aufzubauen
  • wirkt Stress entgegen
  • fördert gute Stimmung
  • geringe Verletzungsgefahr durch eine starke Muskulatur
  • fördert das Sozialverhalten (Teamsportarten)
  • unterstützt ein natürliches Körpergefühl
  • hilft, Übergewicht bei Kindern vorzubeugen
  • hilft, ggf., Übergewicht entgegenzuwirken

Die besten Sportarten für Kinder

Folgende Kindersportarten eignen sich für ein ganzheitliches Training:

• Kinderturnen
• Ballsportarten
• Baby- und Kinderschwimmen
• Kampfsport für Kinder
• Leichtathletik
• Ballett / Kunstturnen / rhythmische Sportgymnastik
• Mutter-Kind-Sport / Eltern-Kind-Turnen

Regelmäßig statt unbedingt

Wir finden, dass die Freude an sportlicher Bewegung im Fokus stehen muss. Die Wissenschaft gibt uns da recht. Nur wenn wir Menschen etwas freiwillig, aus innerem Antrieb tun, wird es nachhaltig Wirkung zeigen. Das gilt für klassische Lerninhalte genauso wie für Kinder Sport. Ist es euch dennoch wichtig, dass euer Kind regelmäßig Sport macht? Dann schickt es gemeinsam mit einem Freund zum Training. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder einen Sport langfristig betreiben. Außerdem machen gemeinsame Aktivitäten mit Freund*innen großen Spaß.

Der Muskel wächst in den Pausen

Ich verlasse mich oft auf das Körpergefühl meines Vorschulkindes. Nach einem Tag im Naturkindergarten braucht es manchmal Pausen. Dann darf sich der Sohn seine Bücher anschauen, am Tablet spielen oder an seiner Lego-Eisenbahn weiterbauen. Ganz egal, ob die Sonne scheint oder ein Training ansteht.

Sport für Kinder aus medizinischer Sicht

Viele Kinder hätten heute Probleme mit dem Aufbau der Rückenmuskulatur, erklärt mir der Physiotherapeut Peter Schirmbrand. Um diesem Trend entgegenzuwirken, empfiehlt er, zwei bis dreimal in der Woche Sport für Kinder. Das könne zum Beispiel montags, mittwochs und freitags sein. So hätten die Kinder genug Zeit, sich zu erholen. Dabei mache es keinen Unterschied, ob sie verschiedene Sportarten betreiben oder sich nur für eine einzige interessieren. Besonders Schwimmen und Ballsportarten sollen ideale Kindersportarten sein. Sie trainieren die Rumpfmuskulatur und der Spaß am Sport steht im Vordergrund.

Leistungssport für Kinder – Vorsicht vor Überforderung

Da Leistungssport Kinder physisch wie psychisch schnell überfordern kann, raten die meisten Sportmediziner*innen davon ab. Nur wenn sich abzeichnet, dass ein Kind großes Talent und Interesse für eine Sportart entwickelt, könnte professionell betreuter Leistungssport für Kinder ein Thema sein.

Ausgleichssportarten bei Leistungssport

In der Wachstumsphase darf kein hohes Gewicht auf Knochen und Gelenke wirken. Das kann die Epiphysenfugen, die Wachstumsfugen, nachhaltig schädigen: Der Knochen hört auf zu wachsen oder wächst nicht richtig. Ein verkürztes Bein könnte zum Beispiel die Folge sein.

Wenn Kinder Leistungssport betreiben, sind vor allem sogenannte Ausgleichssportarten wichtig. Sie verhinderten, dass Muskeln, Sehnen und Bänder einseitig gefordert und damit Schaden nehmen würden.

Unser Ziel: Sport für die ganze Familie

Es ist mit dem Kindersport wie mit dem „Danke“ sagen und dem Sinn für Ordnung: Kinder lernen all das mit der Zeit durch Vorbild. Damit Sport für Kinder zum beständigen Teil ihres Lebens wird, brauchen sie Eltern, die selbst sportlich sind. Uns war das von Anfang an bewusst. Mit drei Monaten erlebte unser Sohn seine erste große Wanderung – in der Trage. Später haben wir uns für eine Kraxe und mehrtägige Touren durch die Alpen entschieden. Diesen Sommer haben wir mit GEO-Caching begonnen. Schließlich soll Wandern Spaß machen und nicht zur elterlich angeordneten Pflichtveranstaltung werden. Ich erinnere mich gut an die für mich end- und sinnlosen Waldspaziergänge, zu denen mich meine Eltern ungefragt mitnahmen.

Unser Fazit – wie wichtig ist Sport für Kinder?

Sport ist für Kinder ein Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Er bietet nicht nur Spiel-, sondern auch Entwicklungsfelder, auf denen Kinder ihre Neigungen, Stärken und Schwächen spielerisch kennenlernen und anpassen. Wenn wir ihnen erlauben, sich ohne Bewertung auszuprobieren und Niederlagen als Chancen zu sehen, ist Sport weit mehr als Körpertraining. Kinder lernen in erster Linie durch Spielen. Das beschreibt André Stern in seinem Buch „Spielen, um zu leben, zu lernen und zu wachsen“ auf eindrückliche Weise. Gemeinsames Fußballspielen, Kinderturnen oder Tanzen zu lateinamerikanischen Klängen (Capoeira, Zumba) ist nicht nur eine Zutat für eine gelungene Kindheit. Es kann ein wichtiger Beitrag zu einem langen, erfüllten und glücklichen Erwachsenenleben sein.

Mein Sohn hat heute wieder eine Gürtelprüfung. Seit er drei Jahre alt war, geht er zum Karate für Kinder. Manchmal findet er die Technik „ziemlich langweilig und anstrengend“. Gleichzeitig hat er gelernt, dass das eben dazu gehört.
„Mein“ Junge dreht sich noch kurz um. Er hält den neuen Gürtel in die Luft, winkt mir zu und läuft singend zum Auto. Jetzt geht’s endlich zum Spielen mit dem Karate-Kumpel.


Wenn Dir dieser wunderbare Beitrag von Tanja weiter geholfen hat und Du, so wie ich, jetzt am liebsten sofort Dein Kind im Sportverein anmelden würdest, schau auch mal auf ihrem Blog, NoRiskNoMum vorbei!


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1 Kommentar zu „Sport für Kinder – Freude statt Förderwahn“

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag zum Thema Sport für Kinder. Mein Sohn hat kürzlich eine Verletzung bekommt und wird jetzt in einer Praxis Ergotherapie besuchen. Danach will ich aber für ihm eine passende Sportart finden. Dank diesen Beitrag werde ich mehr über Schwimmen recherchieren.

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