Zahnprobleme bei Kindern und warum Zähneputzen so wichtig ist


Wenn mein Kind lacht, geht bei mir die Sonne auf. Damit das auch so bleibt, putzen wir regelmäßig die Zähne. Allerdings ist das Zähneputzen nicht immer so einfach mit einem Kleinkind – und da ist unseres wohl kein Einzelfall. Heute möchte ich deshalb mal ein paar Themen der Mundhygiene und Kieferprobleme zusammenfassen, sowie berichten, wie wir unserem Kind die Zähne putzen.

Die drei häufigsten Zahnprobleme bei Kindern

1. Karies

Karies (Zahnfäule) gehörte in Deutschland über einen sehr langen Zeitraum hinweg zu den häufigsten Zahnerkrankungen bei Kindern und Erwachsenen und könnte sogar die häufigste Krankheit der gesamten Welt sein. Demnach waren noch in 2013 laut Statistik ca. 98% der Menschen in Deutschland von Karies befallen.

Was passiert im Verlauf einer Karieserkrankung?

a) Befall mit Mutans-Streptokokken

Karies entsteht durch Bakterien (Mutans-Streptokokken), die im Mund eines Babys ursprünglich nicht vorkommen. Doch schon kurz nach der Geburt eines Kindes siedeln sich Bakterien in der Mundflora an, wenn Eltern etwa den Schnuller ihrer Kleinen „sauberlecken“, sie auf den Mund küssen oder ihnen vorgekautes Essen geben.

b) Bakterien als „Resteverwerter“

Die Mutans-Streptokokken leben in bakteriellen Zahnbelägen (Plaques) und „ernähren“ sich von Kohlehydraten sowie Zucker aus Nahrungsresten. Als Abfallprodukte entstehen dabei Säuren wie Milchsäure.

c) Säuren lösen wichtige Mineralien aus den Zähnen

Im nächsten Schritt lösen die freigesetzten Säuren wichtige Mineralien wie Kalzium und Phosphat aus dem Zahnschmelz. Als Konsequenz daraus weicht der Zahnschmerz auf und es entstehen kleine Löcher. Da dort besonders leicht Essensreste verbleiben können, siedeln sich weitere Bakterien an und sorgen für Vertiefungen der Zahnlöcher. Spätestens mit dem Angriff auf das Zahnmark und die Zahnwurzel melden sich starke Schmerzen und der Zahn verfärbt sich gräulich-schwarz.

Welche Symptome kennzeichnen Karies?

Neben Zahnschmerzen und braun-gräulichen Zahnverfärbungen ist Karies noch durch weitere Symptome gekennzeichnet:

  • Starke Empfindlichkeit gegenüber Kälte oder Hitze am Zahn- Leicht fauliger Mundgeruch
  • Kreideartige Flecken auf den Zähnen (im Anfangsstadium)
  • Essensreste bleiben leichter zwischen den Zähnen stecken

Wie lässt sich Karies behandeln?

Erste Mineralmängel von Zähnen zeigen sich bei den Kindern vor allem durch weiße, kreideartige Flecken. In diesem Stadium ist es oft noch möglich, mit fluoridhaltigen Gelen oder einer Versiegelung der Zahnoberflächen (Fissurenversiegelung) Schlimmeres zu verhindern. Ist die Zahnfäule allerdings schon weiter fortgeschritten, müssen die löchrigen Stellen aufgebohrt und das kranke Gewebe restlos entfernt werden. In einem nächsten Schritt werden die Löcher aufgefüllt, damit sich dort künftig keine Essensreste und Bakterien mehr ansammeln können.

Was können Eltern und Kinder in punkto Vorsorge tun?

Vorbeugend gibt es drei Maßnahmen, die Eltern und Kinder gemeinsam ergreifen können: Zähneputzen, Vorsorge beim Zahnarzt und zuckerarme Ernährung.

So putzen wir die Zähne

Einem Kleinkind wie unserem sind die Folgen von fehlender Zahnhygiene noch ziemlich egal. Bei ihm hilft es wenig, zu erklären, dass seine Zähne dann weh tun und der Zahnarzt bohren muss. Er möchte oft einfach nicht, dass ich ihm im Mund herumfuhrwerke. Für alle, denen es ähnlich geht, probiert mal folgende Möglichkeiten aus:

  • Zahnputzreime
  • Zahputzlieder

  • Handspielpuppen putzen lassen
  • Kuscheltier oder Puppe auch die Zähne putzen
  • dem Kind parallel einem Kuscheltier die Zähne putzen lassen
  • dem Kind von Karius und Baktus erzählen, die man wegputzt, und von Baktus‘ Oma usw.
  • die Bürstenbewegungen zählen
  • Elektrische Zahnbürste
  • Fingerüberzug statt Zahnbürste
  • Zahnpasta mit Geschmack
  • etwas zum Spielen in die Hand geben
  • Gemeinsam mit Eltern und ggf. Geschwistern putzen
  • gegenseitig putzen, d.h. Kind parallel im Erwachsenenmund stochern lassen
  • Spiegel in die Hand geben
  • auf dem Smartphone ein Video schauen lassen

Die letzte Option ist die, die mir am wenigsten gefällt – und die wir zur Zeit leider nutzen. Denn sonst geht bei unserem Kind meist gar nichts in Sachen Zähneputzen und obwohl ich sehr skeptisch gegenüber Mediennutzung bei Kleinkindern bin, ist mir in diesem Fall die Zahnhygiene bei meinem Kind wichtiger.

2. Kieferfehlstellungen

Deutschlandweit gibt es mittlerweile über 3.000 niedergelassene Kieferorthopäden, die sich um Kieferfehlstellungen kümmern. Ein nicht zu unterschätzender Anteil an Patienten ist dabei im Kindesalter, wo sich Fehlstellungen durch das noch anstehende Wachstum besonders gut korrigieren lassen.

Welche Arten von Kieferfehlstellungen sind bei Kindern häufig zu finden?

Kieferfehlstellungen lassen sich grob in 3 große Gruppen einteilen:

a) Angeborene Fehlstellungen

Diese Kieferfehlstellungen sind genetisch bedingt und lassen sich somit kaum durch bestimmtes Verhalten vermeiden. Dazu gehören:

  • Progenie (ausgeprägter und vorstehender Unterkiefer /Vorbiss)
  • Prognathie (vorstehender Oberkiefer /Deckbiss)
  • Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

Diese Art von Fehlstellungen sollte sofort nach ihrer Entdeckung von einem Kieferorthopäden behandelt werden, da eine frühe Korrektur die besten Erfolgschancen aufweist. Mitunter können diese Fehlstellungen auch gesundheitliche Probleme (Atemstörungen, erschwerte Nahrungsaufnahme und auch Sprachprobleme bei der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte) mit sich bringen. Während Progenie und Prognathie oft ab einem Alter von 10 Jahren mit Zahnspangen bekämpft werden, sind bei der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte oft chirurgische Eingriffe nötig.

b) Erworbene Kieferfehlstellungen

Erworbene Kieferfehlstellungen sind oft Folgen gewisser Verhaltensweisen, die Babys und Kleinkinder an den Tag legen. Darüber hinaus können sie jedoch auch die Konsequenz frühzeitiger Zahnkrankheiten darstellen. In diesem Zusammenhang sind vor allem zwei verschiedene Problematiken zu identifizieren:

  • Kieferprobleme durch Lutschen und Nuckeln:  Wenn Kinder länger als bis zum 2. oder 3. Lebensjahr am Daumen lutschen oder häufig ein Fläschchen mit Sauger nutzen, kann dies schwere Kieferfehlstellungen mit sich bringen. So stellt sich bei betroffenen Kindern oft ein Deckbiss ein, weil der Unterkiefer sich nach hinten verschiebt. Darüber hinaus können auch Verformungen der Kiefer auftreten, die zum sogenannten „lutschoffenen Biss“ beitragen.
  • Probleme durch frühen Milchzahnverlust: Karies an den Milchzähnen kann hierbei zu einem vorzeitigen Verlust führen, was sich wiederum auf die Stellung der Kiefer zueinander auswirkt. Durch eine zu starke Annäherung werden die oberen Schneidezähne durch die unteren Schneidezähne nach außen gedrückt.
c) Kieferfehlstellungen durch Platzmangel

Da die bleibenden Zähne nicht alle gleichzeitig aus dem Kiefer wachsen, kann dies bei den ersten Zähnen zu unverhältnismäßigem Platzbedarf kommen. Die später folgenden Zähne werden somit verdrängt und wachsen mitunter schief oder hinter anderen Zähnen. Dies kann wiederum zu Problemen führen, die ebenfalls von einem Kieferorthopäden untersucht und behandelt werden sollten.

Kieferfehlstellungen bei Kindern

3. Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH)

Bei der MIH handelt es sich um eine Zahnerkrankung, die erst in den letzten 20-30 Jahren überhaupt bei Kindern diagnostiziert wurde. Dies kann mitunter daran liegen, dass die Krankheit zunächst wie Karies aussieht, jedoch offenbar andere Ursachen hat. Da hierzulande mittlerweile mehr als 10% aller Kinder von der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation betroffen sind, dürfte es sich um eines der neuen großen Schlachtfelder der Zahnmedizin handeln.

Was passiert bei einer Erkrankung mit MIH?

Von MIH betroffene Zähne sind meistens durch einen wesentlich weicheren und poröseren Zahnschmelz gekennzeichnet.  Dazu kommen schon beim Eintritt in die Mundhöhle gelblich-bräunliche Verfärbungen auf den ersten bleibenden Backenzähnen. In weiteren Stadien kommt es neben einer besonderen Temperatur- und Schmerzempfindlichkeit der Zähne zu einem zunehmenden Substanzverlust. Am Ende zerbröckeln die Zähne im Mund der betroffenen Kinder und sind nicht mehr zu retten. Da es zudem auch zu einer erhöhten Kariesanfälligkeit kommt, sind die betroffenen Zähne besonders in Gefahr.

Welche Ursachen hat die Zahnerkrankung MIH?

Über die Ursachen der MIH wird auch unter Wissenschaftlern nach wie vor gerätselt. Aktuell stehen besonders folgende Theorien in der Diskussion:

  • Genetische Faktoren
  • Gabe von Antibiotika im Kleinkindalter
  • Infektionskrankheiten in der frühen Kindheit
  • Dioxine in der Muttermilch
  • Bisphenol A (Mittel zur Herstellung von Kunststoffen / in Lebensmittelverpackungen)

Wie wird MIH behandelt?

Die Behandlung von MIH ähnelt vor allem im Anfangsstadium der Kariesbehandlung. Mit einer Fissurenversiegelung und hochkonzentriertem Fluoridlack sollen die Zähne vor weiterem Mineralienverlust geschützt werden. Ist der Substanzverlust schon weiter fortgeschritten, können auch Füllungen zum Einsatz kommen. Im schlimmsten Fall muss der jeweilige Zahn komplett entfernt und entsprechend ersetzt werden. Für die Vorsorge bzw. Prävention von MIH gibt es derzeit keine speziellen Empfehlungen.

Es gibt noch viele weitere Zahnkrankheiten für Kinder. Auch wenn die oben beschriebenen Zahnerkrankungen die meisten Fälle abdecken, existieren natürlich noch weitere gesundheitliche Probleme im Bereich der Zähne. Entzündungen wie die Gingivitis (Zahnfleischentzündung), Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut) oder auch Aphten gehören ebenfalls zu typischen Beobachtungen in diesem Bereich. Wenn ihr als Eltern Unregelmäßigkeiten im Bereich der Zähne ihrer Kinder frühzeitig entdeckt, für eine gute Zahnpflege sorgt und regelmäßige Zahnarzttermine wahrnehmt, trefft ihr jedoch bereits eine sehr gute Prophylaxe für die Zahngesundheit eurer Kleinen.

Wann wart ihr mit eurem Kleinkind zum ersten Mal beim Zahnarzt?

Wie putzt ihr zu Hause die Zähne?



Alle Kommentare (2)

    Liebe Hanna,

    vielen Dank für diesen total ausführlichen Ratgeber! Die Zahnhygiene ist einfach unglaublich wichtig und die anfängliche Konsequenz zahlt sich ein Leben lang aus. Auch wenn es manchmal sehr anstrengend sein kann, wenn die Kleinen nicht mitmachen möchten. Danke für die vielen Tipps!

    Liebe Grüße
    Daniela

    Na ja, Karies ist uns bekannt! Wir sind doch Naschkatzen und mögen vor dem Schlafengehen Bonbons naschen. Wegen meiner Müdigkeit vergesse ich ab und zu von dem Prüfen des Zähneputzens. Danke für die Tipps!

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