Im September habe ich einen Artikel verfasst, den ich aus irgendeinem Grund nie veröffentlicht habe. Bis gerade eben. Ohne ihn noch einmal zu überarbeiten. Jetzt, ein halbes Jahr später, habe ich ihn nochmal gelesen und war irgendwie baff, wie viel seitdem passiert ist. Nicht in der tatsächlichen Lebenssituation, aber in meinem Inneren.
Die Mission
Relativ spontan habe ich mich letztes Jahr entschieden, im Januar eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin anzufangen. Sie dauert sechs Monate, das heiß, ich bin jetzt mittendrin. Und was soll ich sagen, da war sie plötzlich, meine Mission. Das, was ich in meiner zweiten Lebenshälfte tun möchte: Ich will dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen verstehen, wie Ernährung und Wohlbefinden zusammenhängen. Vom ersten Bissen an. Mit meiner Babyled-Weaning-Seite war ich in diese Richtung ja schon lange unterwegs, aber in Zukunft soll mehr dahinter stehen. Eine fundierte Ausbildung. Ein Konzept. Ein mutigeres Auftreten.
Denn mehr und mehr wird mir klar, wie grundlegend ernähungsfeindlich unsere Welt ist. Und wie breitflächig die Menschen darüber nicht nachdenken und keinerlei Bewusstsein herrscht. Dafür, wie nährstoffarm und schadstoffreich unsere „Lebensmittel“ im Supermarkt sein können. Darüber, dass es nicht normal ist, wie viele Menschen – und auch schon Kinder und Jugendliche – an Übergewicht, Adipositas, Diabetes, Herz-Kreislauf und Autoimmunerkrankungen leiden.
Und jeder, der jetzt bei sich denkt „da darf man nicht so extrem sein“: DOCH, MAN MUSS SOGAR SO EXTREM SEIN! Zumindest wenn extrem bedeutet, konsequent den Finger auf die Wunde zu legen und auszusprechen, was mittlerweile auch wissenschaftlich gut dokumentiert, aber von Politik und Lebensmittelindustrie gerne ignoriert wird. Das, was uns als „Nahrungsmittel“ angedreht wird, ist zu großen Teilen nicht nährend, sondern füllt nur den Bauch.
Mindestens 75% der Menschen fehlen wichtige Nährstoffe, wusstest Du das? Vor allem bei Kindern eine Katastrophe!
Wenn Du jetzt aber innerlich mit dem Kopf nickst und auch schon mit dem Gedanken spielst, in diese Richtung zu gehen, ich kann es von Herzen empfehlen. Zusammenhänge zu vermuten bzw. sich selbst zu erschließen oder sie dann von einer Fachperson noch einmal im Detail bestätigt zu bekommen, sind wirklich zwei ganz verschiedene Dinge.
Die Weiterbildung mache ich übrigens über die Paracelsus Schulen, ein anerkanntes Institut, das z.B. für ihre Heilpraktiker-Ausbildung bekannt ist, aber es gibt dort noch so viele andere interessante Fachausbildungen. Ich könnte danach direkt weitermachen, weil so Vieles so spannend klingt.
Solltest Du Dich am Ende für eine entscheiden, ich habe einen Code (eigentlich, um ihn über Instagram zu teilen, aber vielleicht könnt ihr ihn ja auch brauchen).
Der Rabattcode lautet BABY.
Proteinreiche Ernährung
Einer der größten Fehler in der Ernährung vieler Menschen ist die große Menge an Kohlenhydraten im Vergleich zu Proteinen, Fetten und Gemüse. Kein Wunder, denn seit Jahrzehnten macht uns die Ernährungspyramide weis, dass Kohlenhydrate die Basis unserer Ernährung wären. Das sind aber mittlerweile nicht mehr die Kohlenhydrate wie vor 50 Jahren, sondern hauptsächlich weißes Weizenmehl und Zucker verschiedener Art. Vor Fett dagegen wurde uns regelrecht Angst gemacht, das Sortiment an fettarmen Produkten im Supermarkt suggeriert, dass es irgendwie sinnvoll wäre, auf Fett zu verzichten.
In meiner allerersten Ausbildungsstunde habe ich Folgendes gelernt und es hat mich beeindruckt:
Es gibt essentielle Fettssäuren und essentielle Proteine. Aber es gibt keine essentiellen Kohlenhydrate.
Essentiell bedeutet, dass der Körper sie nicht selbst aus Bestandteilen anderer Nahrung herstellen kann. Das heißt, dass er ohne Zufuhr dieser Makronährstoffe einen (schweren) Mangel hat. Nicht haben kann, sondern hat!
Heißt in Kurzform: Ohne Kohlenhydrate kann man prächtig leben, ohne Fett und Proteine nicht!
Wusstest Du, dass die Amerikaner ihre Ernährungspyramide kürzlich geändert haben? Der Anteil an Eiweiß und Gemüse wurde stark erhöht und der von Kohlenhydraten runtergeschraubt. Denn auch Obst und Gemüse enthalten essentielle Nährstoffe, allen voran die Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe.
Meine Ernährung
Viele dieser Zusammenhänge waren mir natürlich auch vor dem Kurs bekannt. Meine Kinder bekommen seit Langem schon Eiweiß in Pulverform in einem Shake (ohne Süßungsmittel oder Zusätze, reines Eiweißpulver), weil sie sonst einfach nicht genug aufnehmen. Nudeln mit Parmesan lassen grüßen.
Jedenfalls habe ich bei den Kindern darauf geachtet, bei mir selbst weniger. Kurz vor Kursbeginn habe ich angefangen, das zu ändern. Ich achte jetzt zum Beispiel darauf, dass mein Frühstück möglichst proteinreich ist. Oft gibt es einen Protein-Wrap aus körnigem Frischkäse und Ei belegt mit Salat oder Gemüse, was ich halt so finde. Zum Glück jetzt auch schon Salat aus dem Garten.

Jedenfalls hat sich diese Umstellung schnell bemerkbar gemacht und dank meinem Kurs ist mir auch klar warum: Meine Hormone haben in den letzten 1-2 Jahren immer mehr nachgelassen. Ende letzten Jahres hatte ich einen 21-Tage-Zyklus und war die zwei Wochen vor der Periode dermaßen launisch und gereizt, dass ich mich zum Teil selbst nicht mehr mochte. Das heißt, im Prinzip war ich zwei von drei Wochen mies drauf und von der verbleibenden Woche hatte ich die Hälfte meine Tage. Grandios.
Und jetzt kommt’s: Hormone, Botenstoffe, Enzyme und so viele anderen wichtige Helferlein im Körper sind PROTEINE. Sie bestehen aus Aminosäuren, die der Körper aus unserer Nahrung gewinnt. Und ja, wenn man zu wenig Proteine isst, sind auch zu wenig da, um alles richtig zu bilden. Und weil die Sexualhormone natürlich vorübergehend besser entbehrlich sind als andere, hab ich es da als erstes gemerkt. In den letzten Monaten hat sich mein Zyklus schrittweise wieder verlängert und ich merke viel weniger starke Auswirkungen meines Zyklus. Nur durch Ernährung und Bewegung, ich nehme keinerlei Präparate ein. Über die Bewegung erzähle ich ein andermal.
Von Anfang an gesund ernähren
Zurück zum eigentlich Thema: Was ich vor habe mit meiner neuen Qualifikation (und wenn das kleinste Kind dann mal vormittags betreut ist). Ich sehe jeden Tag, wenn ich auf die Straße oder zum Einkaufen gehe, wenn ich meine Kinder in die Schule schicke, wenn Freunde hier sind, welche Ernährung hier als „normal“ gilt. Also normal im Sinne von am weitesten verbreitet. Und es gruselt mich. Mehr noch, seitdem ich mich intensiv damit beschäftige, aber auch vorher schon. Besucherkinder essen unsere Gerichte nicht, wenn sie Vollkorn enthalten. Der Anteil an Weizen und Süßigkeiten ist irre hoch.
Letzte Woche habe ich einen Vater, auf dessen Kind ich im Turnen aufgepasst habe, gebeten, keine ungesunden Sachen mitzugeben. Auf Rückfrage habe ich spezifiziert: Nichts, was Zucker, Transfette oder komische Zusatzstoffe (E-Nummern, künstliche Aromen, Farbstoffe) enthält. Er und auch die Kinder waren einigermaßen verzweifelt. Dabei weiß ich, dass der Vater sich schon Mühe gibt. Aber für die Kinder ist es völlig normal, Dinge aus Tüten zu essen, wenn sie Hunger haben.
Viele Menschen wissen es „eigentlich“, setzen es dann in der Praxis aber nicht um. Warum? Überwiegend natürlich eine Frage von Zeit und Stress, der mit der Zubereitung echter Nahrung verbunden ist. Und das schlechte Gefühl wird ganz schnell besser, wenn man sich umschaut und sich dann sagt, dass das ja alle so machen. Ist normal. Die Politik würde Lebensmittel ja wohl verbieten, wenn es so schädlich wäre. Ist also nicht so schlimm. Man darf nicht so extrem sein.
Und hier möchte ich in Zukunft den Leuten sagen: Doch, es ist so schlimm! Die Zahlen sprechen eine andere Sprache als die schlauen Sprüche in der Kommentarspalte oder die Ratschläge Deiner Schwiegermutter, was uns allen auch nicht geschadet hätte. (Die Arena unter diesem Artikel ist eröffnet, ich warte auf den ersten Kommentar in diese Richtung!)
Dabei ist die Realität: Die Erwachsenen, und immer mehr auch die Kinder, sind ungesund und krank, außen wie innen. Nicht nur der Körper leidet, auch das Gehirn, die Psyche. Und ich bin es leid, das nicht auszusprechen, um irgendwem nicht das Leben unbequem zu machen oder „ein schlechtes Gewissen zu machen“. (Denn das Gewissen hat schon jeder selbst, das mache nicht ich, indem ich Wahrheiten ausspreche.)
Der konkrete Plan
Meine Zielgruppe als Ernährungsberaterin werden aber nicht primär die Menschen sein, die schon leiden. Das sind übrigens die, die normalerweise zur Beratung kommen. Ich würde gerne arbeiten, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Idealerweise, bevor es überhaupt mobil genug ist, in irgendeinen Brunnen zu fallen. Das heißt, meine Zielgruppe werden Eltern sein, die durchaus gesund ernähren möchten, aber einfach unsicher sind, wie. Die Menschen, die Kinder bekommen, und die gesünder aufwachsen sehen möchten, als sie selbst es sich angewöhnt haben.
Ich werde darum etwas tun, was mir sehr schwer fällt und ich selbst erst lernen muss: Videos machen. Kurze Videoeinheiten zu grundlegenden Themen, die erst einmal ein Grundwissen vermitteln. Wenn jemand bei mir eine Beratung zum Familientisch bucht, bekommt er als erstes Zugang zu diesen Videos und darf erst einmal auf eigene Faust einige Wochen versuchen, es bestmöglich umzusetzen.
Danach findet eine persönliche Beratung anhand eines Fragebogens und eines Ernährungsprotokolls statt, um sicherzustellen, dass die Kinder (und im besten Fall auch die Erwachsenen) in Zukunft alle Nährstoffe bekommen, die sie brauchen, um gesund zu wachsen.


Hallo Hanna,
Sehr schön geschrieben und ein sehr wichtiges Thema. Danke für diesen Text! Leider muss ich mich da auch an der eigenen Nase fassen, was unsere Ernährung angeht bin ich leider sehr faul😕
Dein Konzept klingt nach einer sehr guten Idee und ich wünsche dir viel Erfolg 🍀
Herzliche Grüße und alles Gute!
Danke, liebe Vroni! Vor allem freut mich, dass Du das so sehen kannst. Viele reagieren eher mit Wut auf solche Themen. Weil halt einfacher und bequemer 😉 Also nimm das als großes Kompliment von mir.
Auch mir fällt es nicht immer leicht, vor allem mit den mäkeligen kleinen Essern zuhause. Aber das hindert mich nicht daran, es immer wieder zu versuchen.
Liebe Grüße,
Hanna