Was kommt nach den Kindern?

Mein jüngstes Kind wurde im August 3 Jahre alt. Jeden Tag merke ich ein bisschen mehr, wie er mich loslässt. Wie er selbstständiger wird, sich weiter von mir entfernt als bisher. Und gleichzeitig merke ich: Ich bin noch nicht so weit! Mein letztes Kind kann ich weniger gut loslassen, als die beiden großen Brüder. Warum ist das so? 

Das letzte Mal

Unsere Familienplanung ist abgeschlossen. Ich bin immer wieder fasziniert, wie man sich einer Sache so sicher sein kann. Ich wusste selten etwas so eindeutig, wie nach der Geburt meines zweiten Kindes: Ich brauche noch ein drittes Kind! Unmittelbar am nächsten Tag wäre ich am liebsten wieder schwanger geworden. Dass in diesem Bauch nie mehr ein Baby heranwachsen könnte, hat mich in traurige Panik versetzt. Und dann das Gefühl nach diesem dritten Kind, unmittelbar nach der Geburt: Das war’s. Ich brauche das nie wieder, ich bin fertig. Mein Bauch gehört jetzt wieder mir, nur mir. 

Dass mein kleines Nesthäkchen das auch bleiben wird, ist also sicher. (Ja, wir können sicher verhüten, da wird nix mehr passieren!) Und da wird mein Mamaherz irgendwie wehmütig. Alles, was wir mit unserem Jüngsten jetzt erleben, erleben wir mit ihm zum letzten Mal. Von Windeln haben wir uns ja schon sehr lange verabschiedet (er hat war nicht einmal 2), und auch stillen tun wir seit einigen Monaten nicht mehr. Abgesehen von kurzen Episoden, wo er es doch nochmal versuchen will, aber nach ein paar Zügen an jeder Seite aufgibt. Ein Baby haben wir also schon lange nicht mehr. Wenn wir eine „normale“ Familie wären, wäre er ja spätestens jetzt auch im Kindergarten (hier in Bayern fangen „normale“ Kinder im September an, in dem sie 3 Jahre alt sind). Ein Kindergartenkind also. Schon gar kein richtiges Kleinkind mehr. 

Ein bisschen noch…

Und während er natürlich sofort ja sagt, wenn er gefragt wird, ob er in den Kindergarten möchte, ist meine Antwort da etwas zögerlicher. Ihm geht es gut Zuhause, er steht jeden Morgen mit der unbeschwertesten Laune auf, die man sich vorstellen kann. Er strahlt übers ganze Gesicht. Und auch wir Erwachsenen freuen uns so über diesen kleinen Strahlemann. Ich genieße es, mit ihm zuhause zu sein und unseren eigenen kleinen Alltag zu haben, während die Großen in der Schule sind. 

Kurz gesagt: Ich bin noch nicht bereit, ihn am Vormittag abzugeben. Und die ganzen schönen Momente, die damit verbunden sind, jemand anderem zu überlassen. Jemandem, der ihn gar nicht so wertschätzen kann wie wir, weil da noch 23 andere Kinder in der Gruppe sind. Ähnliche Gefühle kenne ich noch von unserem zweiten, den wir dann schließlich aber doch geschickt haben, weil ihm etwas gefehlt hat. Aber das ist eine andere Geschichte. 

Was mich betrifft frage ich mich in den letzten Wochen immer häufiger: Was mache ich eigentlich, wenn ich wieder Zeit habe, zu arbeiten? Was wird aus mir, in welche Richtung möchte ich gehen? 

Das Unvermeidliche vermeiden?

Bin ich vielleicht auch darum noch so wenig bereit, das Leben mit kleinen Kindern gehen zu lassen? Weil ich dann Entscheidungen treffen muss über mein zukünftiges Leben? 

Denn bequem ist der Zeitpunkt aktuell nicht. Während mein Online-Business einige Jahre gut bis sehr gut gelaufen ist und uns ein bequemes Polster für ein Leben nach eigenem Maßstab gegeben hat, sind die Einnahmen seit einem Google-Update 2023 drastisch zurückgegangen. Was noch übrig ist, ist vielleicht ein Drittel vom Jahr vor dem Update. Immer noch ein Jahresgehalt, ja, aber ein ausbaufähiges, mit dem ich eigentlich nicht mehr zufrieden bin. 

Einfach wieder mehr an meinen Webseiten arbeiten wird da vielleicht nicht den gewünschten Erfolg bringen, die Rahmenbedingungen haben sich einfach zu sehr verändert und werden es weiterhin. Auch dank zahlreicher KI-Modelle, die Menschen wie mich in einigen (immer mehr) Bereichen überflüssig machen (werden). Statt zu viel Energie in Altes zu investieren, so sagt mir die Vernunft, sollte ich also lieber etwas Neues aufbauen. 

Und dann kommt diese Stimme in mir, die sich fragt, ob das vielleicht der Zeitpunkt ist, etwas völlig anderes zu machen. Etwas ohne Laptop. Ohne Internet. 

Ohne Internet?

Keine Sorge, meine Seiten würden natürlich weiterhin online bleiben. Und ich würde auch weiter schreiben, immerhin was das ja auch vor dem Online-Business schon da, die Leidenschaft für Texte. Aber theoretisch gibt es ja auch noch eine Welt außerhalb des World Wide Web, wo es viel zu tun gäbe. 

Ich könnte wieder zurück zum ganz alten Weg und mal als Lehrerin arbeiten. Auch nicht gerade zukunftsträchtig, wenn man sich die Geburtenraten anschaut, aber aktuell werden Lehrkräfte noch händeringend gesucht. Gleichzeitig würde ich auch gerne mal etwas ganz anderes machen. Etwas, das kein „Beruf“ ist, sondern eine Berufung. Was genau mir da vorschwebt? Das weiß ich selbst noch nicht. Und so schließt sich der Kreis. Denn solange ich noch hauptsächlich Mama bin, muss ich das nämlich auch gar nicht wissen. Gut, oder?

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