Der Post-Mama-Bauch

Weil es gerade so schön ist und ihr anscheinend immer noch Lust habt, meine Beiträge zu lesen, möchte ich euch heute nicht von Ernährung, sondern vom zweiten so wichtigen Baustein für unsere Gesundheit erzählen: Bewegung. 

Ich vor 40

Ich war schon immer ein Sportmuffel. In der Schule hatte ich blöderweise immer genau an dem Tag, an dem Sport war, Kopfschmerzen. Oder meine Sportsachen vergessen. Oder meine Tage. Und musste gemütlich auf der Bank sitzen. Vor allem in den höheren Klassen, als wir unsere Entschuldigungen selbst schreiben durften, nahmen diese Beschwerden rasant zu. Denn zum Einen bin ich nicht gerade begabt, was Bewegung und Koordination angeht, und zum Anderen ist Anstrengung so GAR NICHT meins.

Muskeltraining, Fitnesstudio, Radfahren, Schwimmen. Solche Sachen kann ich gut. Aber sobald es anstrengend wird, vergeht mir schlagartig die Lust am „Sport“. 

Macht auch nichts, denn den größten Teil meines Lebens war ich mit einer guten Figur und vor allem einem flachen Bauch gesegnet.

Nur während meines Studiums war ich mal plötzlich „dick“, d.h. ich hatte in Spitzenzeiten 73 kg bei 169 cm Körpergröße. Das sind mehr als 10 kg mehr als jetzt und ich habe mich mega unwohl gefühlt. Ich hatte eigentlich nicht mehr gegessen und verstand nicht, woher dieser dicke Bauch plötzlich kam und warum die Hosen nicht mehr passten. Mit der Lage abfinden kam nicht in Frage.

Da musste ich dann also Sport machen. Sogar mit Schwitzen. Innerhalb weniger Monate hatte ich die Kilos runtergestrampelt und war in Topform. Nicht lang danach wurde ich chronisch krank und ernährungsbedingt war Übergewicht seitdem nie wieder ein Thema. Eher eine Mangelernährung. 

[Hier kannst Du nachlesen, was damals passiert ist: Meine Erfahrung mit Histaminintoleranz: Plötzlich leben mit Krankheit

Übrigens verstehe ich heute die vermutlichen Zusammenhänge. Auch damals schon die Hormone. Das war der Versuch meines Körpers, ein Ungleichgewicht zu stabilisieren. Denn Fettzellen produzieren Hormone. Aber darum soll es jetzt nicht gehen. ]

Kurz gesagt, ich war fast immer unsportlich und relativ schlank. Das war vor den Kindern. 

Der neue Mama-Körper

Mit 29 wurde ich das erste Mal schwanger und nahm 17 kg zu – und danach wieder ab. Kein Problem. Eine zweite Schwangerschaft. Eine dritte mit 36. Gewichtsverlust danach ging immer von selbst. Was aber irgendwann zwischen dem ersten und dritten Kind blieb und je näher ich den 40 kam auch immer stärker wurde: Ein Bauch, der nicht mehr flach war. Weniger straffe Haut. Und schließlich dann auch nachlassende Hormone und alle damit verbundenen Launen und Symptome.

Aber im Vergleich zu damals im Studium hatte ich mit 3 Kindern einfach nicht die Zeit und Nerven, mich darum zu kümmern. Irgendwie fand ich mich diesmal damit ab. Auch mit der hormonellen Situation. Ich wurde insgesamt immer unzufriedener, je schwabbeliger, unförmiger und schlaffer ich mich fühlte. So ist das wohl, wenn man älter wird, sagte mir irgendeine doofe innere Stimme (der ich heute, einige Monat später, getost sage, dass sie die Fr… halten soll). 

Zeit für Muskeln: Die Liegestütz-Challenge

Und dann kam mein bester Freund mit dem Vorschlag, Liegestütz zu machen und zwar jeden Tag. Natürlich konnte ich anfangs nicht eine einzige, aber irgendwie konnte mein Kumpel mich motivieren. Ich fing mit Frauen-Liegestütz an (Knie auf den Boden). Nach 10 Stück waren meine Arme so müde, als hätte ich 3 Stunden intensiv trainiert (nicht, dass ich das jemals hätte). Wir blieben dran, jeder von uns machte jeden Tag möglichst viele. Ich fing an, drei richtige zu machen. Dann vier. Schließlich 10-15 am Stück. Manchmal mehrmals am Tag. Ich war stolz. 

Nach einigen Wochen kam dann ein unangenehmes Ziehen im Bauch. Ich hörte auf. Am nächsten Tag wieder.

Nach drei Rückbildungen war mir schnell klar: Das ist die Rektusdiastase, also die Bauchmuskulatur, die sich in der Mitte des Bauches nicht wieder richtig zusammengezogen hatte. Ich hörte auf mit Liegestütz und besorgten mir ein Physiotherapie-Rezept. Zehn Einheiten (à 20 Minuten) wurden mir verordnet. 

Ich hätte nicht erwartet, wie viel das bringen würde!

Der Physiotherapeut untersuchte meine Muskulatur und stellte in Aussicht, dass die Übungen vielleicht nicht den Spalt komplett schließen würden, aber wir es mit Sicherheit schaffen, die Muskulatur so weit zu stabilisieren, dass ich normal trainieren kann. Also machte ich die Übungen. Fast täglich. Und innerhalb kürzester Zeit, wirklich nur wenige Wochen, wurde mein Bauch so unfassbar viel besser. 

Anscheinend hatte ich irgendwo on the way meine Bauchspannung einfach aufgegeben. Das wurde mir klar, als sie wieder da war. Ich kannte das Gefühl von früher, hatte aber gar nicht gemerkt, dass es weg gewesen war. Jahrelang hatte ich meinen Bauch irgendwie „raushängen“ lassen, weil die Muskulatur einfach so schwach war. So als hätte meine Bauchmuskulatur irgendwann gedacht, „Ach, vielleicht muss ich das gar nicht mehr halten in Zukunft, die nächste Schwangerschaft kommt bestimmt und es gibt ja auch noch Haut, Bindegewebe und Co. – die sollen das mal halten in Zukunft.“

Sieht nicht schön aus und fühlt sich auch nicht schön an. 

Jetzt, wo die Grundspannung wieder da ist, fühlt es sich nicht nur so viel angenehmer an, es sieht natürlich auch viel besser aus. Ein angenehmer Nebeneffekt würde ich sagen, der mich natürlich motiviert, weiterzumachen. Ich habe jetzt Hanteln, eine Kettle Bell, Pezziball und sogar eine Klimmzugstange, an der ich Bauchübungen mache (bisher nur ein einzelner einfacher Klimmzug, also die Handflächen zu mir gedreht aber wer weiß). 

Zuhause trainieren kann ich, während mein 3-jähriger spielt. Ich kann zwischendurch, während der Teig geht oder das Wasser heiß wird, aus der Küche zur Stange. Ich trainiere sozusagen zwischendrin. Ich habe jetzt kein Zeitproblem und jetzt auch kein Motivationsproblem mehr. 

Bewegung und Hormone

So, und nun schließt sich der Kreis: Wer hätte das gedacht, dass Muskeltraining bei Frauen ab 40, spätestens 50, ungemein wichtig ist, um die Hormone in Balance zu halten? Es geht mir also nicht nur durch eine gesündere, proteinreiche Ernährung besser, sondern auch durch das Training. 

Anders herum kann natürlich die Stimmung auch die Hormonsituation beeinflussen. Wenn ich also in den Spiegel schaue und mich endlich, endlich wieder wohl in meinem Körper fühle, dann gibt das sozusagen einen zusätzlichen Hormon-Push. 

Innerhalb von nicht einmal 3 Monaten habe ich es also geschafft (und keine Angst, ich mache jetzt keinen Videokurs, WIE AUCH DU DAS SCHAFFEN KANNST), aus einem richtigen Tief herauszukommen und jeden Tag mit viel mehr Freude und Elan zu verbringen. 

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