Mama werden mit Hypnobirthing – Buchvorstellung


Immer mal wieder schaffe ich es, ein Buch zu lesen. Selten, das gebe ich zu, ich bin keine gute oder schnelle Leserin, aber manchmal finde ich Bücher ungemein wichtig und hilfreich. So zur Zeit im Rahmen meiner Geburtsvorbereitung. Nach „Meisterin der Geburt“ von Jobina Schenk, das ich jeder werdenden Mutter wärmstens empfehlen würde, habe ich nun das Buch „Mama werden mit HypnoBirthing“ von Bianca Maria Heinkel und Jhari Gerlind Kornetzky fertig gelesen. Was ich davon halte und warum ich jetzt abends immer mit Kopfhörern im Ohr einschlafe? Lies selbst.

Was ist Hypnobirthing?

Hypnobirthing ist eine Art der Geburtsvorbereitung, die die natürlichen Vorgänge im weiblichen Körper bei der Geburt unterstützen soll durch Achtsamkeit, Entspannung, Visualisierung, Selbsthypnose und Atmung. Diese Dinge im Hinblick auf die Geburt zu üben, erfordert Zeit und Regelmäßigkeit. Es handelt sich um ein komplettes Mindset, das die jeder Frau innewohnende Gebärkompetenz und damit eine angstfreie und schmerzarme Geburt unterstützen soll.

Dabei werden aktuelle Erkenntnisse aus der Neurobiologie, Hypnoseforschung und Achtsamkeitskonzepten mit einbezogen. Die Autorinnen greifen dabei auf eigene Erfahrungen sowie vielfältige Erfahrungsberichte zurück.

Klar sollte Dir allerdings sein, dass Hypnobirthing und schon gar nicht die alleinige Lektüre eines Buches keine Garantie sind für eine schmerzfreie Geburt, einen reibungslosen Geburtsverlauf oder die Unterstützung durch medizinisches Fachpersonal bei Komplikationen.

Hypnobirthing bei der ersten Geburt?

In meiner ersten Schwangerschaft hatte ich von Hypnobirthing gehört. Meine Schwägerin legte mir das Konzept wärmstens ans Herz. Ich ignorierte sie. Ich hatte das Gefühl, so einen „Hokuspokus“ nicht zu brauchen. Eine Geburt, so meine feste Meinung, sei eben anstrengend und extrem schmerzhaft, da könne man nicht viel machen. Ich hatte vor, ins Krankenhaus zu gehen und da würden mir die Hebammen schon sagen, was zu tun sei. Und immerhin hatte ich ja einen Geburtsvorbereitungskurs besucht.

Genauso verlief meine Geburt auch: Wenig selbstbestimmt, wenig selbstbewusst und sehr, sehr schmerzhaft. Die stundenlangen Dauerschmerzen, die ein Wehensturm bei mir ausgelöst hatte, überrollten mich förmlich. Es war mir egal, was die Hebamme mich anwies, zu tun. Alles, worauf ich mich konzentrieren konnte, war diesen Schmerz irgendwie auszuhalten.

Ob Hypnobirthing daran etwas geändert hätte? Ich weiß es nicht, ehrlich. Was etwas daran geändert hätte, das weiß ich heute, wäre die 1:1 Betreuung durch eine Hebamme gewesen. Denn dieser wäre der Wehensturm sofort aufgefallen und sie hätte mir wehenhemmende Medikamente verabreicht. Die Hebamme im Krankenhaus war heillos überlastet und bemerkte erst nach Stunden, was vor sich ging.

Hypnobirthing bei der zweiten Geburt?

Erst im Verlauf meiner zweiten Schwangerschaft habe ich angefangen, die Ereignisse der letzten Geburt aufzuarbeiten. Ich habe mich darüber informiert, was so ein Wehensturm eigentlich ist, wodurch er bei mir ausgelöst wurde und was ich unternehmen könnte, sollte so etwas wieder passieren. Neben den Medikamenten gibt es auch die Möglichkeit, dass der weibliche Körper den Oxytozin-Überschuss, der dafür verantwortlich ist, selbst herunterreguliert.

Das ist quasi nur möglich, wenn man es schafft, sich zu entspannen. Trotz Dauerwehen. Dazu muss man, stelle ich mir vor, seinen Körper und entsprechende Entspannungstechniken sehr gut kennen. Geübt haben. Und genau das macht man beim Hypnobirthing. Üben. Fokussieren. Visualisieren.

So, wie ich beim ersten Mal die schmerzhafte Klinikgeburt visualisiert habe, die dann auch eingetreten ist, will ich dieses Mal eine selbstbestimmte, bewusste Geburt erleben. Ich will nicht, wie beim ersten Mal, die Verantwortung für das, was passiert, in fremde Hände legen. Ich bin die Expertin für das, was in meinem Körper passiert. Ich will mich davon nicht mehr überrollen lassen.

Also übe ich, so wie im Buch beschrieben. Ich übe Entspannung, höre abends zum Einschlafen eine der Trancen, die es zum Download gibt. Ich beschäftige mich viel und bewusst mit dem Thema Geburt und Wehen. Und zu meiner eigenen Überraschung hat mich der traumatische Geburtsvorgang vom ersten Mal bis heute nicht eingeholt. Ich habe keine Angst vor der Geburt. Vor den Schmerzen. Ich freue mich darauf, es diesmal bewusst zu erleben. Hoffentlich selbstbestimmt und selbstbewusst, nicht gelenkt von Schmerzen und Klinikpersonal.

Mein Fazit zum Buch

Das Buch „Mama werden mit HypnoBirthing „, erschienen im Kösel-Verlag, ist dabei sicherlich ein guter Anfang. Es erklärt sehr einfach und verständlich, warum Du als werdende Mutter die beste Expertin für Deine Geburt bist und wie Schwangerschaft und Geburt abseits des medizinischen Teils gedacht werden kann.

Allerdings glaube ich, dass es sich für Erstgebärende besser eignet als für Frauen wie mich, die bereits eine Geburt hinter sich haben und sich tiefer mit der Thematik befassen wollen. Viele der „Erkenntnisse“ scheinen mir – vielleicht auch, weil ich schon zwei Bücher dieser Art hinter mir habe – recht selbstverständlich und wenig revolutionär formuliert.

Ich wünschte, ich hätte das Buch in meiner ersten Schwangerschaft gelesen, so wie von meiner Schwägerin empfohlen.

Auch etwas mehr erwartet hätte ich mir von den Audio-Downloads. Zunächst einmal waren diese wirklich schwer zu finden, ich hatte am Ende des Buches mit einer Anleitung zum Download und zur Nutzung der Dateien gerechnet, wurde dabei aber enttäuscht. Stattdessen findet man die Downloads auf den Internetseiten der Autorinnen: www. hypnobirthing-institut.de/downloads und www.hypnobirthing-suedbaden.de/downloads.

Alles in allem sicherlich ein hilfreiches, aber kein sehr tiefgehendes Buch zum Thema Hypnobirthing.


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