Schwanger in Thailand: Das absolute Grauen


Ziemlich genau zu Anfang meiner 3. Schwangerschaftswoche flogen wir von Bali nach Thailand. Phuket. Weil man in den ersten zwei Wochen nur rechnerisch, aber nicht tatsächlich schwanger ist, bin ich also genau seit Beginn meiner Schwangerschaft hier. Und ich muss sagen: Ich hatte keine Ahnung, wie schlimm ein Land wie dieses im ersten Trimester und mit Schwangerschaftsübelkeit sein kann!

Vielleicht hatte ich auch keine Vorstellung, dass ein Urlaubsziel überhaupt so furchtbar sein.

Die Gerüche

Von Anfang an fand ich die Geruchskulisse in Thailand nicht gerade angenehm. Überall roch es nach irgendwas. Abgase. Müll. Rohes Fleisch, das in der Sonne hing und verkauft werden sollte. Frittierte Würstchen und Thai-Food. Und egal, was man essen wollte, es war immer Fleisch, Fisch oder Seafood drin. ich bin Vegetarierin. Ich habe in meiner Zeit auf Phuket nicht einmal ein vegetarische Curry gesehen.

Und dann kam die Übelkeit. Die ersten Schwangerschaftssymptome begannen 1-2 Wochen nach unserer Ankunft. Ich fühlte mich krank, wollte nur schlafen und liegen, und mir war unheimlich übel. Nach draußen gehen war von da an ein Spießroutenlauf. Überall war ich konfrontiert mit diesen Gerüchen und vor allem dem Essen, vor dem ich mich unheimlich ekle. Natürlich musste ich aber essen, denn das ist das einzige, was die Übelkeit erträglich macht. Oft musste ich also vorbei an all den frittierten Würstchen, den Barbeque-Ständen und Fleischspießen auf dem Markt, um an irgendetwas vegetarisch-essbares zu kommen.

Je länger das andauerte, desto angewiederter war ich von all dem. Ich konnte meinen Sohn nicht umarmen oder gar küssen, wenn er gerade Thai-Food gegessen hatte. Ich wollte nicht einmal daran denken. Mich ekelt es mittlerweile vor fast allem hier.

Unseren Aufenthalt in Phuket haben wir abgebrochen. Das war für mich der schlimmste Ort, an dem ich jemals war. Schlimmer sogar als Marokko und dort hatten wir eine Unterkunft mit Bettwanzen. Koh Phangan ist auf jeden Fall besser. Es gibt hier vegetarische und vegane Restaurants, also Gerichte und sogar ganze Restaurants ohne Fleisch. Trotzdem wollte ich lange nicht außerhalb unserer Wohnung essen. Ernährte mich hauptsächlich von Pizza- und Pasta-Takeaways und Cornflakes.


Gefahren für Schwangere in Thailand

Woran ich weitaus weniger dachte, aber was natürlich auch erwähnt werden muss, sind die Gefahren durch Infektionen, die hier meinem Baby schaden könnten. Warum ich weniger daran dachte? Weil es mich wahnsinnig machen würde!

Mücken

So gibt es hier natürlich Tigermücken und Malariamücken. Zweitere übertragen, wie der Name schon sagt, Malaria. Zum Glück nicht sehr verbreitet hier. Tigermücken können Dengue-Fieber oder das Zika-Virus in sich tragen. Vor allem das Zika-Virus ist für Schwangere gefährlich, weil es zu schweren Fehlbildung durch eine Infektion kommen kann. Thailand gilt nicht als Hauptgebiet für Zika, das eher in Südamerika verbreitet ist, aber es kann natürlich vorkommen. Und dann überträgt die Tigermücke noch das Dengue-Fieber, eine an sich sehr schmerzhafte, aber in den seltensten Fällen tödliche Viruserkrankung. Es gibt wohl Hinweise, dass im Falle eine Dengue-Erstinfektion die Abort- und Frühgeburtsrate erhöht ist.

Lebensmittelhygiene

Lebensmittel sind hier nicht so sauber und keimfrei wie in Europa. Es kann viel leichter zu bakteriellen Infektionen durch verunreinigte Lebensmittel kommen. Auch solche, die sich auf das Baby übertragen wie Listeriose oder Toxoplasmose.

Wie ich mit der Situation umgehe

Mein erster Impuls – nicht wegen der Gefahren, sondern wegen der Sache mit der Übelkeit – war, dieses Land zu verlassen. Mit Einsetzen der Schwangerschaftshormone wollte ich nur noch eins: Heim zu meinen Eltern. Allerdings hatten die ja für Dezember Flüge gebucht, um uns hier in Thailand zu besuchen. Und nicht nur sie, auch mein kleiner Bruder wollte uns besuchen. Für mich kam es zu keinem Zeitpunkt in Frage, diese gemeinsame Erfahrung einfach abzusagen, „nur“ weil ich wieder schwanger bin.

Also heißt es durchhalten. Gerade schön wäre es mit der Übelkeit und den anderen Symptomen in Deutschland auch nicht gewesen. Hier können zumindest mein Mann und mein Sohn nach draußen und die Strände genießen. Für mich ist es gefühlt ein „Augen zu und durch“. Einfach die Decke über den Kopf und warten, bis es vorbei ist.

Bezüglich der Krankheiten habe ich beschlossen, mich nicht verrückt zu machen. Natürlich macht es mir Angst, wenn ich darüber nachdenke. Große Angst.

Aber eine Garantie auf ein gesundes Kind habe ich nirgends, auch nicht in Deutschland. Auch dort gibt es Risiken, mögliche Behinderungen, Bakterien und Viren. Ob alles gut gegangen ist, werde ich erst wissen, wenn ich mein (hoffenlich gesundes!) Baby im Arm halte. Bis dahin hilft mir tatsächlich so eine Art beten. Ich bin nicht wirklich gläubig, aber irgendeine Macht da draußen bitte ich innerlich, dass alles gut gehen möge. Ich versuche, darauf zu vertrauen. Mit aller Zuversicht, die ich habe.

Und wie so oft in meinem Leben weigere ich mich, es von Angst bestimmen zu lassen. Das bedeutet nicht, dass ich keine Angst habe. Aber ich habe mich entschlossen, mit dem Fakt zu leben, dass es Gefahren für mich und besonders für meine Kinder gibt auf dieser Welt. Zu glauben, man könnte sie alle ausschalten, ist eine Illusion.


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Alle Kommentare (5)

    Hallo Hanna,

    Erstmal herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft! Ich kann dich soooooo gut verstehen, mir ging es genau so bei meiner ersten Schwangerschaft. Da waren wir gerade in Vietnam unterwegs…das ist jetzt fast 4 Jahre her. Mir war ständig von allen Gerüchen übel und ich hab mich zum Schluss geweigert, auch nur einen Fuß auf die Straße zusetzen. Schon beim Gedanken daran wurde mir schlecht. Fisch und Fleisch konnte ich auch nicht essen, ebenso wie sämtliche Kräuter und Gewürze der vietnamesischen Küche…wir haben dann tatsächlich unsere Flüge umgebucht und sind wieder zurück nach Deutschland. Ich hab einen riesen Respekt dass du dich entschieden hast, trotzdem dort zu bleiben! Und vielleicht wird es ja bald besser mit der Übelkeit und du kannst der Insel nochmal eine Chance geben! Genießt eure Zeit zu dritt und falls doch irgendwas sein sollte… Man ist auch von dort in ein paar Stunden mit dem Flieger daheim 😉 das denk ich mir immer und relativiert Ängste und Sorgen!

    Hallo liebe Caro,
    vielen Dank für Deine aufmunternden Worte. Wir hätten noch nicht einmal umbuchen müssen, weil wir noch keine Rückflüge haben. Aber meine Familie hat alles gebucht und auch das Ferienhaus für Dezember ist bezahlt. Ich würde mich schrecklich fühlen, ihnen diesen lang geplanten Urlaub wegzunehmen. Das ist der einzige Grund, warum wir bleiben.

    Ansonsten halte ich mich einfach an der Vorfreude auf das neue Jahr fest, wenn es dann tatsächlich zurück geht 😉

    Liebe Grüße,
    Hanna

    Hallo, unter diesen Umständen würde ich nach Hause zurück kehren… Es ist doch sicher ganz beschwerlich für Dich!? Ich habe auch schon einmal mit meinem Weinen nur 3 wöchigen Urlaib früher abgebrochen, weiblich mich schwanger im fremden Land sehr unwohl gefühlt habe, die Tage, die wir dann zu Hause hatten waren alle Stornokosten und Flugumbuchungsgebühren wert…

    Das ist ja komplett lächerlich. Du bist ja nicht das erste Mal schwanger und weißt grob was dich erwarten kann. Warum lässt man es dann in so einem Land darauf ankommen schwanger zu werden. Dann braucht auch hinterher nicht rumheulen. Unverantwortlich gegenüber dem Ungeborenen, sehr naiv.

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