Zweites Kind: Ein Schritt nach vorn?


Wer uns auf Instagram folgt, hat es vielleicht mitbekommen: Ein negativer Schwangerschaftstest. Wie negativ von uns recht positiv aufgenommen wurde und wie der Test trotzdem etwas verändert hat, möchte ich euch heute erzählen.

Geburtstrauma

Nach der Geburt unseres Sohnes war einer der ersten Sätze, die ich von meinem Mann zu hören bekam: „Das zweite Kind adoptieren wir. Sowas mach ich nicht nochmal.“ Und tatsächlich waren wir beide wie traumatisiert, brauchten viele Wochen und Monate, um uns von den körperlichen und psychischen Strapazen zu erholen. Wir überlegten, zu adoptieren oder kein zweites Kind zu bekommen, wenn eines Tages der Wunsch nach einem Geschwisterchen aufkommen sollte. Eine Freundin von uns ist sich ja sicher, dass wir irgendwo aus Indien oder Indonesien ein Kind mitbringen.

Bis vor 3 Monaten wurde mein Mann regelrecht panisch beim Gedanken daran, ich könnte wieder schwanger werden wollen. Nicht, dass ich je den Wunsch geäußert oder verspürt hätte, aber bei jeder Unterhaltung, die man in diese Richtung hätte interpretieren können, musste er sich gleich rückversichern, dass ich so etwas keinesfalls jetzt schon möchte. Er wäre zufrieden mit dem einen Kind und fände, das würde für uns durchaus reichen. Und zwar für längere Zeit. Wenn nicht sogar für immer.

Der Test

Dann kam der Tag, an dem ich zum ersten Mal vermutete, da könnte etwas „schief gegangen“ sein in Sachen Verhütung (die genaueren Umstände darüber, wie das passiert sein könnte, möchte ich hier einfach mal ganz dreist verschweigen). Ich hatte im Abstand von ein paar Tagen immer so ein Ziehen im Unterleib, aber die Regel blieb aus. Weil wir unterwegs in Bayern waren und Freunde besuchten, konnte ich auch nicht sicher sagen, wann es so weit sein müsste. Der Zettel, der dies verraten hätte, lag zu Hause. Also machte ich nach ein paar Tagen einen Test. Nach ein paar Tagen, in denen ich mit der Möglichkeit gelebt hatte, wieder schwanger sein zu können.

Ich saß da also auf der Toilette unserer Ferienwohnung und sah zu, wie zuerst das erste Feld, dann das zweite rosa anliefen.

Zwei Striche bedeuten SCHWANGER!

 

Vor meinem inneren Auge liefen Bilder ab. Ein ganz bestimmtes Bauchgefühl machte sich breit. Eins, dass ich kannte. Von vor fast drei Jahren. Ich lief zu meinem Mann, ohne den Test länger zu beobachten. Er saß ganz ruhig da, sah zuerst mich an, dann auf den Schwangerschaftstest.

Der Test war negativ. Nicht schwanger. Das erste Feld war wieder weiß und im zweiten hatte sich ein klarer roter Strich gebildet. Das war das Ergebnis, auf das wir gehofft hatten.

Erstes Trimester

Doch der Test verriet noch etwas ganz anderes: Sowohl er, als auch ich waren viel weniger panisch bei dem Gedanken an eine zweite Schwangerschaft als noch vor 3 Monaten. An einem Abend fragte ich ihn sogar, ob er sich nicht vielleicht ein zweites Kind wünschte, weil er auf mich einen so entspannten Eindruck machte. Und, weil mich die Situation irgendwie so sehr an das erste Mal erinnerte. Als niemand zugeben wollte, dass er eigentlich ein Kind möchte. Auch damals saß ich auf der Toilette und während die laute Stimme in mir sagte: „Bitte nicht, bitte nicht, eine Schwangerschaft passt jetzt gar nicht!“, sagte ein ganz leises Stimmchen in mir:

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Ein Kind ist, was uns noch fehlt!

 

Nach diesem Moment in der Ferienwohnung war mir eines klar: Auch meine Haltung zu einem zweiten Kind hat sich die letzten Monate geändert.  Das, was an Negativ-Gedanken hauptsächlich in meinem Kopf schwirrte, war:

Mist, dann müssten wir ja wieder alle Pläne über den Haufen werfen.

 

Denn laut Geburtsterminrechner wäre der Geburtstermin dann Mitte Mai gewesen. Das heißt, wenn wir überhaupt einmal unsere Reise beginnen, wäre ich schon im 5. Monat gewesen! Aus unserem Traum vom Leben im Ausland wäre da schnell nur ein längerer Urlaub geworden. Oder auch überhaupt keine Reise.

Und noch viel überraschender war: Die ganz, ganz leise Stimme, ganz ganz tief in mir drin war wieder da und wünschte sich sogar, dass der Test zwei Striche anzeigen würde. Zwar ist dieser Wunsch so klein und leise, dass ich ihn fast gar nicht zu äußern wage, aber es bleibt die Tatsache, dass da nicht nur Enttäuschung, Verzweiflung und Angst gewesen wäre, sondern auch ein klitzekleines bisschen Freude.

Wie kann das sein?

Was hat sich geändert?

In den letzten drei Monaten hat sich unser Leben stark verändert. Wir sind vorübergehend zu meinen Eltern aufs Land gezogen. Kurz nach unserer Ankunft hat der Rubbelbatz seinen 2. Geburtstag gefeiert. Er und ich sind immer hier, sein Papa fährt noch wochenweise nach Berlin, um zu arbeiten. Der Sommer mit Garten und so viel freier Natur drumherum ist herrlich. Der Kleine verbringt die meiste Zeit draußen und wird abwechselnd von uns oder seinen Großeltern betreut. Für uns als Eltern hat sich die Situation dadurch total entspannt. Wenn wir sonst oft an unseren nervlichen oder körperlichen (Schlafmangel lässt grüßen) Grenzen angelangt waren, verteilt sich jetzt alles auf vier oder fünf, statt auf zwei Köpfe. Hier kann ich zum ersten Mal, seit ich Mama wurde, auch wirklich Zeit für mich genießen. Mal ausschlafen, zwischendurch ausruhen, nichts tun. In Berlin musste ich dafür immer entweder meinen Mann einspannen, eine Freundin, oder mein Kind in der Kita abgeben. Hier bei den Großeltern weiß ich, dass es niemanden belastet, auf ihn aufzupassen. Im Gegenteil ist er hier nicht nur in guten Händen, sondern wirklich willkommen. So wie er ist. Ohne, als anstrengend oder belastend empfunden zu werden.

Ich denke, diese Situation hat dazu geführt, dass wir überhaupt – ohne in Panik zu verfallen – über ein zweites Kind nachdenken können. Auch wenn aktuell noch vordergründig bleibt: JETZT NOCH NICHT!



Alle Kommentare (1)

    Hallo Hanna,

    Ja, dieser „Schock“, wenn man denkt man wäre bereits schwanger, der lenkt plötzlich das Nachdenken über einer weitere Schwangerschaft in ganz andere Richtungen.
    Oft verliert mit dem Gedanken, das man es sowieso nicht mehr ändern kann, vieles seinen Schrecken.

    Am schönsten finde ich jedoch, dass du aktuell so viel Unterstützung hast. Ich muss auch klar sagen, ohne meine Eltern in der Nähe wäre uns die Entscheidung für 4 Kinder schwerer gefallen.

    Viele Grüße
    Mama Maus

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