Absage Kindergartenplatz – Ein Erfahrungsbericht


Fremdbetreuung ade – ein Aufbautext für alle diejenigen, die keinen Betreuungsplatz ergattert haben von Gastautorin Nicole.

Eine Kindergartenplatz Absage nach der anderen

Der Waldkindergarten bedauert es sehr, aber er kann meiner Tochter Madeleine (geb.2016) für September d. J. keinen Platz anbieten. So stand es schwarz auf weiß in der ersten Absage, die Madeleine in ihrem Leben erhielt. Die zweite Absage ihres 3 Jahre und 7 Monate jungen irdischen Daseins außerhalb des Mamabauches erhielt sie am selben Tag telefonisch. Der Montessori-Kindergarten hatte ebenfalls keine Kapazitäten mehr frei. Die Angestellte des Montessorihauses, die diese Nachricht via Telefon überbrachte, war erstaunt, dass ich recht gelassen reagierte und nicht in Tränen ausbrach.

Irgendwie hatte ich das schon geahnt, dass in den Wunschkindergärten kein Platz frei sein würde. Da half es auch nicht, bei den Vorstellungsgesprächen zu betonen, dass Madeleine bereits prima Kaffee kochen konnte. Offenbar befanden sich keine eingefleischten KaffeetrinkerInnen unter dem Kindergartenpersonal.

Warum es vielleicht besser ist ohne Kindergarten

Irgendwie war ich auch niemandem böse, dass es mit dem Kindergarten nicht klappen sollte dieses Jahr. Im Gegenteil: So ersparte man Madeleine, schon früh in ein Hamsterrad gezwängt zu werden. Kein Antreiben in dem Sinne: Raus aus den Federn, schnell anziehen und zackig frühstücken, flott aufs Rad zum Kindergarten und am Mittag oder frühen Nachmittag wieder flott Retoure und Abends zeitig schlafen gehen, damit man morgens wieder fit fürs Hamsterradeln ist.

Seit ich 2016 Mama geworden bin, hat sich so einiges verändert. Als Schwangere war ich noch ganz stolz gewesen, einen guten Deal mit den Chefs ausgehandelt zu haben. Bezahlung der kompletten Kita-Kosten bis zum 7. Lebensjahr, schnelle Rückkehr zum Berufsalltag mit einem guten sicheren Gehalt. Alles geregelt, alles strukturiert und wohl durchdacht. Und dann? Dann kam Madeleine und eine neue Art des Denkens. Eine komplette andere Zeitrechnung!

Fremdbetreuung bevor sie sich überhaupt verständlich für alle äußern könnte? Undenkbar! Sein Kind Menschen anvertrauen, die man nicht kennt? Die aufgrund gleichzeitiger Betreuung von vielen unterschiedlichen Kindern naturgemäß auch mal bzw. vermutlich sogar öfters an ihre Grenzen stoßen?

Erlebnisse wie z.B. das erste Wort, die ersten Schritte oder das erste Klötzchen bauen und das erste Kunstwerk nur aufgrund einem Protokoll von der Betreuungsperson mitgeteilt bekommen? Ein No go! Zumindest für meine kleine Familie.

Kindergartenplatz erst mit 5 Jahren

Aus Plan A wurde Plan B: Den Nachwuchs bis zum 4. Geburtstag zu Hause zu betreuen und dann ein paar Stunden in den Kindergarten geben. Die Betreuung haben sich mein Mann und ich dann geteilt. Aus Plan B wird nun Plan C, nachdem es für Madeleine keinen Platz in unseren Wunschkindergärten gibt. Also ein weiteres Jahr zuhause bei Mama bzw. Papa und dem kleinen Schwesterchen.

Ist das denn rechtlich erlaubt?

Ja! In Deutschland gibt es anders als die Schulpflicht derzeit noch keine Kindergartenpflicht.

Zwar wird es immer wieder fleißig diskutiert, aber noch nicht umgesetzt. Der oder die Erziehungsberechtigte/n sind also rechtlich gesehen frei in der Entscheidung, wie ihr/e Kind/er betreut werden.

Seit 01.08.2013 hat jedes Kind ab einem Jahr (tlw. unter gewissen Voraussetzungen auch unter einem Jahr) einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung. Der Träger, also die Kommune, muss Deinem Kind einen Betreuungsplatz bieten können. Ausgeschlossen von dieser Pflicht sind Einrichtungen wie Montessori und Waldorf, da sie als Vereine organisiert sind.

Was ist mit den sozialen Kontakten bei kitafrei?

Wenn Dein Kind ein Einzelkind ist und Du es zuhause einsperrst und ihm nur das Essen kommentarlos servierst, dann ist es in der Tat sozial arm dran und eher ein Fall für das Jugendamt. Aber ich gehe davon aus, dass Du eher nicht zu dieser Gruppe Mensch gehörst. Sofern Du Dich mit Deinem Kind beschäftigst, ein normales soziales Leben führst, also z.B. Verwandte und/oder Bekannte triffst, hat Dein Kind auch soziale Kontakte.

Wie ist das mit Gleichaltrigen?

Für ein Baby/Kleinkind sind in erster Linie feste Bezugspersonen wichtig. An anderen Babys/Kleinkindern hatte zumindest meine große Tochter wenig Interesse. Während meine jüngste Tochter (geb. 2019) durchaus auch sehr gerne beobachtet, was die große Schwester so treibt oder eben auch mal anderen Kindern beim Spielen zuschaut.

Anderen Kindern begegnest Du und Dein Nachwuchs nicht nur im Kindergarten! Sie tummeln sich auch auf dem Spielplatz, in Spielgruppen oder im Bekanntenkreis.

Pädagogische Förderung

Das, was ausgebildetes Fachpersonal im Kindergarten so leistet, das kann ich meinem Kind zuhause nicht bieten.

Ernsthaft? Du bist bereits einige Jahre auf diesem Planeten, hast Dich erfolgreich bis heute durchgeschlagen und traust Dir nicht zu Dein eigen Fleisch und Blut weiterhin untertags zu betreuen? Du hast ja wahrscheinlich auch keine Ausbildung als Ernährungscoach, Logopädin, Managerin und/oder Psychologin und Deine Familie lebt noch, Du kannst kommunizieren und hast einen halbwegs geregelten Alltag? Wo bleibt Dein Selbstvertrauen?

Ich persönlich nehme es oft mit dem Satz von Pippi Langstrumpf:

„Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe!“

Der Kindergarten fördert mein Kind fürs (Schul-/Berufs-Leben).

Auch hier solltest Du mehr Vertrauen in Dich haben, denn die Grundlagen und somit wichtigste Lebenszutaten sind: Liebe, Zuwendung und Geborgenheit. Insbesondere die Kleinsten brauchen davon doppelte Portionen.

Wechselndes Betreuungspersonal, das zudem noch für mehrere verschiedene Kinder zuständig ist, kann dies verständlicherweise nicht in dem Maße bieten, wie Mama/Papa.

Das Bundesministerium ist der Meinung, dass Kinder, die fremdbetreut werden, später mehr Chancen im Arbeitsleben haben. Dabei hatten die Wissenschaftler hauptsächlich Kinder mit Migrationshintergrund und sozial schwachen Familien im Blick.

Hierzu möchte ich allerdings noch anmerken, dass meiner Meinung nach auch ein Kind mit Eltern, die möglicherweise nicht deutsch mit dem Kind sprechen oder Eltern, die einen niederen IQ haben, dem Kind aber ein fürsorgliches Elternhaus bieten, wunderbare Geschöpfe groß ziehen, die später z.B. einfühlsam mit Senioren und Kranken umgehen.

Das Bundesministerium schreibt auf seiner Homepage, dass „das Aufwachsen der Kinder in Deutschland im Wesentlichen durch Merkmale ihrer familiären Herkunft bestimmt wird.“ Solange diese familiäre Herkunft nicht gerade gewalttätig und/oder drogenabhängig ist und das Kindswohl nicht gefährdet, finde ich daran nichts abzuändern. Es soll unverändert viele verschiedene Menschen geben und keine Einheitssoldaten.

Welche Fähigkeiten lernt der Nachwuchs u.a. im Kindergarten?

Ellenbogentaktik

Um sich durchzusetzen und auch das Spielzeug und/oder das Ohr der ErzieherIn als Erster zu bekommen. Für meinen Nachwuchs wünsche ich mir eher mit Herz und Verstand statt mit Ellen und Bogen seinen Mitmenschen zu begegnen.

Teamfähigkeit

Gemeinsam etwas zu gestalten und zu formen. Aber das ist doch zuhause im Alltag auch so. Mein Nachwuchs darf mir zuhause bei nahezu jeder Tätigkeit helfen und wir bilden auch durchaus ein gutes Team (auch ohne dass ich zur Basteltante mutiere).

Meine Familie kann sich das finanziell nicht leisten!

Es trifft zwar nicht für alle zu, aber mit ein bisschen Umgestaltung würden meiner Überzeugung nach viele Kinder überwiegend oder komplett zu Hause betreut werden können. Meine Familie gehört nicht zu den Reichsten, kommt aber trotzdem mit einem Verdienst aus.

Ohne, dass wir in die Schuldenfalle kommen, ohne auf Luxus wie Eigenheim und Auto verzichten zu müssen. Wir kaufen sogar überwiegend hochwertigeres Essen/Kosmetik ein. Sparmöglichkeiten gibt es viele. Z.B. Secondhandbekleidung statt neu, Bücher leihen statt kaufen, Stoffwindeln statt Wegwerfwindeln, Urlaub in der Region statt Fernreisen, ein Auto statt zwei.

Berufliche Nachteile für Mütter zuhause

Meine Karriere leidet darunter, die Ausbildung wäre dann ja umsonst gewesen!

Längeres Fehlen ist in meinem Beruf eher von Nachteil!

In meiner aktiven Zeit als Hospizhelferin habe ich nie jemanden sagen gehört: „Ich bereue, nicht mehr Zeit auf der Arbeit verbracht zu haben.“

Was ist mit Gleichberechtigung und dem „Gute-Kita-Gesetz“?

Zur Umsetzung der Gleichberechtigung und Erhaltung der Wirtschaft sollen Mamas bereits nach wenigen Wochen/Monaten nach der Geburt wieder arbeiten gehen. Haushalt, Kinderfreizeit und Ehe sollen sie natürlich ganz nebenbei auch noch weiterhin meistern. Selbst Politikerinnen, die auch Mamas sind, unterstützen dies. Werden damit nicht Familien eher auseinandergetrieben und unter Druck gesetzt? Die angeblich familienfreundliche Politik reißt die Familien doch damit auseinander. Der Alltag ähnelt eher einem sich schwindelerregend rotierendem Lauf im Hamsterrad.

Den Störfaktor bzw. das Karrierehindernis in Form von pflegebedürftigen Eltern hat die Gesellschaft dank Ausbau von Pflege- und Senioreneinrichtungen erfolgreich nahezu komplett outgesourct. Es ist ungewöhnlich, wenn jemand seine Eltern zuhause betreut.

Die weitere Karrierebarriere „Kind“ wird von Jahr zu Jahr immer mehr ausquartiert. Ganz abschaffen ist nicht gewünscht, da die Nachwuchsarbeitskraft auch geboren werden muss. Es gilt: Die Erzieherin kümmert sich um das Kind der Altenpflegerin, die in der Zwischenzeit den Vater der Erzieherin pflegt. Aber muss das wirklich sein?

Ist eine Geschäftsbeziehung, was eben das Verhältnis Erzieherin zu fremden Kind/Altenpflegerin zu fremden Pflegebedürftigen angeht, wirklich besser?

Mein Mann und ich haben selbst das Wagnis pflegebedürftiger Angehöriger und Eigenbetreuung des Babys/Kleinkindes ausprobiert. Wir kamen und kommen auch an unsere Grenzen, aber im Nachhinein betrachtet waren diese Schritte genau richtig. Kein Geld der Welt kann uns diese Momente der Nähe ersetzen.

So lebt meine kleine Familie etwas anders als die Mehrheit der Menschen. Mit etwas weniger auf dem Bankkonto, aber dafür um einiges mehr auf dem Wohlfühl-Zufriedenheits-Konto.

Man muss nicht immer im selben Fahrwasser fahren, nur weil es „Alle“ auch so handhaben oder es möglicherweise irgend ein schlauer Mensch so empfiehlt! Schlau muss übrigens auch nicht immer etwas mit menschlich zu tun haben.

Nicht immer hat mehrere Optionen, aber bei genauerem Hinsehen hat man doch immer noch eine Möglichkeit, eine andere Richtung einzuschlagen. Wichtig ist, auf sein Bauchgefühl zu hören!

In diesem Sinne: Handel nach Deinem Bauchgefühl und es wird das Richtige für Deine Familie sein!

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