Windelfrei, Tragen und Attachment Parenting


Was wurde eigentlich aus…

…Windelfrei?

Seit der Rubbelbatz ca. 8 Wochen alt ist, versuchen wir „Elimination Communication“, wie der Rubbelpapa das nennt. Windelfrei. In unserem Falle, eher Teilzeit-Windelfrei. Das heißt, es gibt Phasen, in denen der Rubbelbatz tatsächlich ohne Windel ist und ich ihn relativ häufig zum pinkeln abhalte. Allerdings klappt das eigentlich nur, wenn wir zu zweit sind und ich ihn nahe bei mir habe. Am besten im Tragetuch, alternativ noch direkt neben mir oder auf / an mir. Weil in allen anderen Situationen doch immer mal wieder was daneben geht, aus Erfahrung eine Stoffwindel um, wenn z.B. Besuch da ist oder er mal eine Weile im Laufstall strampelt. An manchen Tagen bleibt die aber komplett trocken. Wenn er z.B. müde ist oder viel weint (wegen eines Schubes oder seiner Hautprobleme zum Beipsiel) geht allerdings das meiste in die Windel.

Was immer gut klappt und fast nie daneben geht, ist sein großes Geschäft. Allein das ist eine große Entlastung. Wir brauchen daher kaum noch Feuchttücher, wir nutzen einfach Toilettenpapier oder Kosmetiktücher (die sind weicher). Auch Windelwäsche haben wir wenig, wenn doch mal Pipi in eine Mullwindel oder Einlage geht, kann man die trocknen und mehrfach verwenden. Gewaschen werden die dann einfach, wenn ich eh eine Maschine mit Kochwäsche voll habe.

Wenn wir länger nach draußen gehen, bekommt er meistens eine Wegwerf-Windel. Es wird langsam kalt und wir können und möchten ihn nicht überall in der Stadt abhalten. Außerdem möchte ich auch nicht, dass er längere Zeit mit nassem Popo im Tragetuch sitzt. Eine Öko-Windel bietet für uns da einen praktikablen Kompromiss.

Zu dem häufig geäußerten Einwand „Das wäre mir zu kompliziert!“ kann ich nur sagen: natürlich ziehe ich den Rubbelbatz häufiger an und aus als jemand, der sein Baby einfach in die Windel machen lässt. Aber wirklich aufwändig finde ich es nicht. Mit so einem kleinen Baby ist man doch ohnehin den ganzen Tag beschäftigt. Ich zumindest würde ihn so oder so nicht länger als ein paar Augenblicke unbeobachtet lassen, auch nicht im Laufstall oder auf dem Boden. Und ob ich ihn nun nur trage und mit ihm spiele, oder 1-2 Mal pro Stunde die Hose ausziehe und abhalte, macht in meinen Augen keinen großen Unterschied.

Außerdem lernt man eins schnell zu schätzen: einen Baby-Popo ohne Windelpaket. Das ist echt so süß und wir vermissen den kleinen Knack-Popo, wenn wieder eine Windel drüber ist!

Ein Problem allerdings konnten wir nach wie vor nicht lösen: Wie „zielt“ man, wenn der Kleine z.B. lang geschlafen hat und deshalb in hohem Bogen pinkelt?

…Tragen vs Kinderwagen?

An den Gedanken, dass unser Kinderwagen von ABC Design erstmal eine Fehlinvestition war, habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Es gibt wohl Babys – mittlerweile kenne ich auch eines – die mögen Kinderwägen. Der Rubbelbatz mag ihn auch, aber halt nie länger als 15-20 Minuten und nur, wenn er richtig gut gelaunt ist. Die restliche Zeit möchte er getragen werden. Am liebsten auf Papas Arm, kompromissweise noch im Tragetuch oder Tragehilfe.

Auch zu Hause ist unser Ring-Sling Tragetuch für mich ein beliebtes Hilfsmittel geworden. Wir laufen damit durch die Wohnung und ich kann aufräumen, bügeln, Wäsche aufhängen oder manchmal sogar kochen. Die meiste Zeit sitzt er still und sieht sich unsere Wohnung an. Nur, wenn wir zu lange am selben Fleck stehen, wird er manchmal quengelig. Sonst meldet er sich nur, wenn er Hunger hat oder abgehalten werden muss. Ich muss sagen, mittlerweile empfinde ich seine Anhänglichkeit nicht mehr als Belastung, sondern als etwas ganz Natürliches. Obwohl er sich mittlerweile auch etwas länger ablegen ließe und allein beschäftigt, kann ich das nun nur schwer. Auch für mich ist es zur Beruhigung geworden, ihn nah bei mir zu haben und in jedem Moment zu wissen, dass es ihm gut geht und er alles hat, was er braucht. So fällt es mir leichter, mich auch mal auf was anderes, z.B. das Schreiben, zu konzentrieren.

…Attachment Parenting?

So wie das Tragen sind auch die anderen „Grundpfeiler“ des Attachment Parenting für uns zur Selbstvertändlichkeit geworden. Wir Stillen nach Bedarf und versuchen, seinen Bedürfnissen bestmöglich nachzukommen. Er dankt es uns in der letzten Woche, seitdem auch die Hautprobleme ein wenig besser werden, (endlich!) mit ausgesprochener Fröhlichkeit. Wir brauchen oft nur mit ihm zu sprechen und er grinst schon über’s ganze Gesicht. Ein wenig fröhlichere Stimmlagen bringen ihn dann zum lachen und glucksen. Das ist so schön und entschädigt für die Wochen der totalen Anhänglichkeit!

Auch gemeinsames Schlafen ist für uns seit der ersten Nacht selbstverständlich. Bisher hat er meistens ganz dicht an mir geschlafen und obwohl ich oft darüber jammere, genieße ich das auch. Gestern Abend allerdings hat der Rubbelpapa verkündet, dass er heute die „Schlafschicht“, also das ganz eng am Rubbelbatz Schlafen, übernimmt. Eine tolle Sache, denn dadurch kann ich mich auf den restlichen 1,50 Metern des Bettes so richtig breit machen. Gleichzeitig habe ich aber auch gemerkt, dass mich der Gedanke zunächst verunsichert. So weit von ihm weg schlafen? Nach kurzem Zögern (der Rubbelpapa hat sich sehr über mich amüsiert) habe ich aber dann doch meinen Platz geräumt und die Nacht genossen!

…Geburtstrauma?

Anfangs viel es mir wirklich sehr schwer, über meine emotionalen Startschwierigkeiten und mein Geburtstrauma zu schreiben. Mir war es unangenehm, dass bei  mir nicht von Anfang an alles gut lief mit den Muttergefühlen. Mittlerweile bin ich aber sehr froh, darüber berichtet zu haben. Nicht nur weil hoffe, anderen Mamis, denen es vielleicht ähnlich geht, Mut zu machen. Auch mir hat es geholfen, das Ganze zu akzeptieren und langsam aufzuarbeiten. Die Tage, an denen mich dieses Gefühl der Hilflosigkeit und Überforderung einholt, sind mittlerweile sehr, sehr selten geworden. Weil der Kleine uns weiterhin nachts gut schlafen lässt, kann ich tagsüber die Zeit mit ihm genießen, mich freuen, wie toll er sich entwickelt und ihn einfach lieb haben. So, wie ich mir das immer vorgestellt hatte.

 

 

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