Lebenszeichen aus Bali


Ich sitze im Bett und warte, während mein Mann den Kleinen ins Bett bringt. Laptop, weiße Laken, klimatisiertes Zimmer. Der Vorhang ist nicht ganz zugezogen und ich kann von hier aus den Pool sehen. Draußen ist es heiß, etwa 30°C. Der Tag war sonnig und schwül. Es war unser erster richtiger Tag in Indonesien. Der erste von vielen.

Unsere Reise: 24 Stunden von Tür zu Tür

Am Donnerstag, 12.04. fuhren wir um etwa 10 Uhr los Richtung Flughafen. Erst einen kompletten Tag später, hier war es gegen 16 Uhr, kamen wir am Ziel, unserer „Villa Feel Good“ in South Kuta, südlich vom Flughafen in Denpasar, an. Aber nun mal von Anfang an.

Gepackt hatten wir wirklich sparsam. So wie unser Leben hier auch sein soll. Einen 120-Liter-Wanderrucksack hatten wir gefüllt mit dem nötigsten für uns drei. Der Rest war Handgepäck und zu 90% gefüllt mit Proviant und Büchern / Spielsachen für unseren 2,5-jährigen. Denn der Flug hierher ist tatsächlich kein Kinderspiel. Ohne über die Folgen nachzudenken, hatte ich auch noch einen Nachtflug gebucht. Das heißt, wir flogen einmal etwa 10 Stunden von München nach Bankok und mussten dort umsteigen. 3,5 Stunden Wartezeit etwa ab Mitternacht. Genau dann also, wenn normalerweise die Tiefschlafphase von Kindern stattfindet.

Im Nachhinein betrachtet war alles halb so schlimm, aber vorher haben wir uns viele Gedanken darum gemacht. Vor allem nach unserem letzten Flug nach Stockholm, auf dem er unberuhigbar gebrüllte hatte etwa die Hälfte des Fluges. Diesmal waren wir vorbereitet. Etwa um 18:30 Uhr nahm ich ihn in die Trage, suchte mir ein dunkles Ecklein (es war wirklich dunkel dort) und versuchte, ihn in den Schlaf zu wiegen. Mittags hatte er nur 35 Minuten geschlafen, also ein leichtes Spiel. Dachte ich. Nach etwa 1,5 Stunden abwechselnd Stille und Weinen äußerte er endlich, woran es lag: Er wollte bei Papa einschlafen! Dort klappte es innerhalb von 3 Minuten und wir legten ihn auf dem Sitz ab.

Für den Fußraum hatten wir eine aufblasbare Beinstütze (Amazon Affiliate Link). Die war wirklich ihr Geld wert, allerdings fing er nach etwa 30 Minuten an, sich herumzuwälzen und alle 10 Minuten zu weinen. Das führte dazu, dass sein Papa, der ohnehin den Sitz gewechselt hatte, um mir Platz zum Liegen zu machen, vor Unruhe kaum ein Auge zutat. Ich schlief insgesamt vielleicht drei Mal 30 Minuten. Dann gingen die Lichter wieder an (um 11 Uhr abends) und es wurde Frühstück serviert. Zum Landen musste ich mein Kind hinsetzen und anschnallen und wie erwartet war er wach. Mehr oder weniger für den Rest der Reise. Mit 4 Stunden Schlaf.

Weil wir so etwas schon vermutet hatten, hatten wir vorgesorgt: Die Sendung mit der Maus und Abschlepper Tom in Dauerschleife. Natürlich konnte er sich dafür begeistern und saß die nächsten 4 Stunden wie gebannt vor dem Smartphone. Für mich der Moment, noch mal eine Stunde zu schlafen. Erst, als wir das Telefon zur Landung wegpacken mussten, klappten dem Kleinen auch die Augen zu – und zwar wirklich innerhalb von Sekunden. Für etwa 30 Minuten.

Damit hatte er innerhalb der 24 Stunden Reisezeit ganze 5 Stunden geschlafen.

Am Flughafen wurden wir von einem Fahrer abgeholt und zu unserem Haus gebracht. Wir waren zum Umfallen müde. Alle.

Unsere Villa auf Bali

In unserem Zuhause für die nächsten 4 Wochen angekommen packten wir trotzdem erst einmal aus und die Jungs genossen den Pool. Der ist nicht nur exklusiv für uns, sondern auch nur so tief, dass der kleine Lord darin problemlos planschen kann. Ohne Schwimmflügel.

Außerdem sind auf dem ummauerten Gelände zwei Wohnräume: Ein Häuschen aus Holz, in klassisch-balinesischem Stil mit Veranda vorne dran. Darin steht ein Doppelbett und es hat ein eigenes Bad. Direkt daneben ist außen die Küche. Und gegenüber, am Pool, das zweite Schlafzimmer / Wohnzimmer, ebenfalls mit eigenem Bad. In dem ich gerade sitze. Es ist sehr hell gehalten, neu und westlichen Standards entsprechend mit indirektem Licht und Hotel-Atmosphäre.

Weil es direkt am Pool ist, sauberer wirkt als der Rest und mehr Platz bietet, haben wir uns spontan hier eingenistet. Ein großer Fehler. Denn beide Zimmer haben eine Klimaanlage, aber nur das „Küchenhaus“, wie unser Sohn es nennt, hat ein Mückennetz über dem Bett. Und obwohl hier kein Fenster offen ist, sondern die Klimaanlage läuft, hatte ich heute morgen sicherlich 5-7 Mückenstiche. Heute schlafen wir also im anderen Bett.

Das fremde Land

Eine Freundin von uns lebt mit ihrer Tochter in Ubud hier auf Bali. Sie schickte heute eine Sprachnachricht, die unter anderem sagte: Wenn ihr euch jetzt fragt „Ist das schon richtig, was wir hier tun!?!“, das ist ganz normal und geht vorbei. Und genau das trifft es. Wir sind überfordert und eingeschüchtert. Alles ist anders hier. Alles sieht anders aus, alles funktioniert anders. Wir verstehen die Sprache nicht, können vieles nicht lesen. Einen Tag lang waren wir nicht sicher, wie wir an Geld kommen sollen, weil die Geldautomaten und Shop-Besitzer unsere VISA-Card ablehnten. Im Mini-Markt um die Ecke gibt es insgesamt vielleicht fünf Lebensmittel, die wir so auch essen würden. Nichts davon ergibt insgesamt ein gesundes, essbares Gericht. Es gibt keine Kühlprodukte, kein Obst und Gemüse in diesem Laden, kein Olivenöl oder Tomaten aus der Dose.

Die Sauberkeitsstandards sind hier natürlich ganz andere. Heute war eine Reinigungskraft hier, danach sah alles aus wie vorher. Dafür roch es unheimlich nach Chlor – hat der Mann vielleicht alles einfach nur desinfiziert?

Die Umstellung und das Kleinkind

Gestern schliefen wir um 19 Uhr Ortszeit. Alle. Mit einer kurzen nächtlichen Unterbrechung bis heute Morgen um 9 Uhr. So lange hat dieses Kind glaube ich noch nie geschlafen. Nicht mal als Baby. Heute nachmittag dann nochmal 3-4 Stunden am Stück. Nachts wachte er auf und weinte, dass er zu seiner Katze und in das „Mama-Papa-Benni-Bett“ möchte. Ich hatte wirklich gehofft, dass es ihm geht wie beim letzten Umzug aus Berlin nach Bayern. Auch da dachte ich, dass er vieles vermissen würde, aber tatsächlich fragte er nie nach irgendjemandem. Aus den Augen aus dem Sinn. Das ist diesmal anders.

Er vermisst seine Großeltern und sein zu Hause. Und wenn ich ehrlich bin, ich auch! Ich weiß, dass das vorbei geht und dass wir uns hier sicherlich eingewöhnen werden. Das weiß er nicht. Natürlich ist sowas ein Stich in mein Mama-Herz und es kommen sofort Zweifel an den Plänen auf. Ich hoffe trotzdem, dass er sich bald umgewöhnt denn die schönen Momente hatten wir auch genügend heute.

 



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