Zwei Wochen Bali: So lebt es sich im neuen Land


Heute ist es schon zwei Wochen her, dass wir hier auf Bali ankamen. Viele sagten, es würde etwa zwei Wochen dauern, bis wir uns in dem fremden Land zurechtfinden. Deshalb will ich heute mal unsere ersten 14 Tage Revue passieren lassen.

Neuer Schlafrhythmus

Die Zeitverschiebung von 6 Stunden (d.h., hier ist es jetzt 10:30 Uhr, während es in Deutschland noch 4:30 Uhr ist) haben wir erstaunlich gut weggesteckt. Wahrscheinlich hing das auch damit zusammen, dass wir den Flug über kaum geschlafen haben, alle drei nicht. Bei der Ankunft am Nachmittag waren wir dann alle erst einmal zu aufgeregt, sodass wir erst abends todmüde ins Bett fielen – und 14 Stunden schliefen. Innerhalb der nächsten 5 Tage zog sich dann die Einschlafzeit sukkzessive von etwa Mitternacht (in Deutschland 18 Uhr) nach vorne auf etwa 20 Uhr (14 Uhr in Deutschland). Nächtliche Wachzeiten auf Seiten unseres Kleinkindes gab es kaum. Wenn dann wachte er nur kurz auf und schlief nach einer Weile wieder ein. Normales Schlafverhalten, so kenne ich es auch zu Hause.

Gleichzeitig mit der Zeitverschiebung schaffte er übrigens seinen Mittagsschlaf fast gänzlich ab. Und im Gegensatz zu früher schafft er es nun auch, bis abends mit meist guter Laune durchzuhalten. Also lassen wir ihn. Das hat den Vorteil, dass das Einschlafen nun ein wahres Kinderspiel ist. Wir lesen in unserem Bett ein oder zwei Bücher vor und dann kommt das Liederbuch. Manchmal dreht er sich schon beim zweiten Lied weg und schläft einfach ein, manchmal hört er es auch zu Ende und schläft dann recht zeitnah ein. Probleme wie früher, wo er oft mal 1-2 Stunden zum Einschlafen brauchte, gibt es nicht mehr. Pro Nacht schläft er dann 10-11 Stunden.

Ich mache meinen Mittagsschlaf übrigens meist trotzdem. Im Gegensatz zu ihm brauche ich diese Pause zwischendurch, um bis abends gut durchzuhalten. Hier wie auch in Deutschland.

Vieles ist anders

Einige Dinge habe ich in den ersten Wochen schon gelernt über Bali. Was für mich sehr ungewöhnlich ist bzw. sich stark von unserem Leben in Deutschland unterscheidet:

Ernährung

Am ersten Tag waren wir im Mini-Markt gegenüber. Vorausgesetzt, ich möchte mich nicht dauerhaft von Reis mit Zucker und Fertig-Asianudeln ernähren, gab es dort nichts, was uns bekannt vorkam. Allmählich fanden wir größere Supermärkte mit mehr Produkten. Doch wohin wir auch gehen, eine Kuriosität bleibt: Es ist günstiger, sich fertige Speisen in einem der Straßenstände zu kaufen, als Essen im Supermarkt. Ein Beispiel: Ich kann mir einen großen Becher Joghurt im Supermarkt holen oder zum gleichen Preis im Café gegenüber zwei Joghurt-Bowls mit frischen Früchten und Granola-Müsli.

Wenn ich für uns eine Nudel-Gemüse-Pfanne mache kostet das um einiges mehr, als wenn wir einfach zum „Warung“ nebenan gehen und alle drei essen und trinken. Wie genau das zustandekommt, habe ich noch nicht herausgefunden.

Ansonsten fällt es mir hier wirklich schwer, uns alle gesund und ausgewogen zu ernähren. Für mich gehören dazu viele Ballaststoffe aus Gemüse, Hülsenfrüchte, probiotische Nahrungsmittel. Hauptnahrungsmittel hier sind dagegen weißer Reis und weiße Nudeln. Die Gemüsemengen, die dafür mit angebraten werden, sind für meinen Geschmack sehr klein. Dafür gibt es wahnsinnig viel frisches Obst. Und den Rest kriegen wir auch noch hin.

Einstellung gegenüber Ausländern

Alle hier scheinen blonde Kinder zu lieben. Kinder generell. Neulich saßen wir vor einem Supermarkt und der Kleine aß Melonenstücke. Vor uns parkte ein Auto mit einer erwachsenen Frau und drei jugendlichen Mädchen drin. Die fuhren wirklich lange nicht los, sondern bewunderten unser Kind, als wäre er das achte Weltwunder. Wenn er dann mal hinsah, flippten sie fast aus vor Freude.

Anscheinend ist das mit den Kindern so: Wenn man ein Kind anspricht und es lacht, dann senden die Götter dir Glück. Wenn es weint, ist das nicht so gut. Das erklärt die Hartnäckigkeit, mit der die Balinesen oft versuchen, die Aufmerksamkeit unseres Kindes zu gewinnen, ihm in die Backe kneifen, ihn kitzeln und ansprechen. Leider ist der meist relativ gleichgültig, ich hoffe, die Menschen fühlen sich dadurch nicht beleidigt.

Auch sonst fühle ich ich hier wirklich willkommen. Natürlich sind wir hier in einer Touristenregion und die Leute verdienen mit uns ihr Geld. Aber das tun sie auf eine so angenehme und unaufdringliche Weise, die ich bisher nicht kannte. Es gibt an manchen Orten unterschiedliche Tarife für Ausländer und für Einheimische. Das finde ich auch okay.

Währung

In Bali bezahlt man in Indonesischen Rupien. Ein Euro sind etwa 17.000 Rupien. Hier ist man also bei jedem Mal Geld abheben Millionär. Für mich sind die ganzen Nullen total verwirrend, nach wie vor. Dadurch besteht natürlich die Gefahr, dass wir immer mal wieder übers Ohr gehauen werden – das passiert angeblich öfters mal. Denn wenn Du die Scheine noch nicht kennst, sieht ein 100.000 Schein schnell mal nach 10.000 aus.

Unter anderem diese Tatsache hat zu meiner generellen Überforderung in den ersten Tagen beigetragen. Mein Mann war da zum Glück mutiger, denn ich hab mich nicht mal getraut, um die Ecke eine Banane zu kaufen.

Transport

Anscheinend ist der absolute Traumberuf hier: Fahrer bzw. Guide. Von den zwei Balinesen, mit denen wir bisher länger gesprochen haben, waren zwei Fahrer oder wollen sich als solcher etablieren. Entsprechend hart ist der Wettbewerb. Wir nutzen für kurze Fahrten „Grab“, das ist so etwas wie das asiatische Pendant zu Uber. Uber wurde hier verboten bzw. von Grab aufgekauft. Die Preise sind etwa halb so hoch wie bei anderen Fahrern. Trotzdem verdienen Fahrer bis zu 2€ / Std. damit, das ist hier schon viel. Deshalb kommen auch viele Nicht-Balinesen, mieten Autos und bedienen die Nachfrage. Natürlich ärgerlich für die Einheimischen, die ihre hohen Preise bedroht sehen.

Bei einem unserer Ausflüge haben wir diese Konkurrenz am eigenen Leib zu spüren bekommen: Weil wir an den Strand mit Grab gekommen waren, wollten wir auf diese Weise auch wieder weg. Wir mussten schon ein ganzes Stück laufen, bis uns der Fahrer überhaupt abholte. Er erzählte uns, dass ihm schon einmal von ortsansässigen Fahrern, die etwa das Vierfache von ihm verlangten, das Auto zerschlagen wurde, weil er näher am Strand jemanden abgeholt hatte. Nach ein paar Minuten wurden wir trotzdem mit einer Straßensperre angehalten und mussten aussteigen. Den Fahrer ließen sie zum Glück heil weiter fahren.

Natürlich boten diese Menschen uns an, ihren Taxiservice zu nutzen. Doch da kommt in mir, trotz Kleinkind und Abenddämmerung, die Sturheit und der Stolz hoch. Wir liefen lieber die nächsten Kilometer zu Fuß, als in dieses Auto zu steigen. Zum Glück ist mein Mann nämlich genauso stur.

Verkehr

Selbst fahren kommt für uns aktuell noch nicht in Frage. Denn auch wenn der Verkehr eigentlich friedlicher ist als in Deutschland, ist einfach so verdammt viel los. Wir mussten zum Beispiel erst einmal lernen, die Straße zu überqueren. Man kann nicht, wie in Deutschland, warten, bis kein Auto mehr kommt. Wenn sich eine Gelegenheit bietet, muss man einfach losgehen, die anderen halten dann oder fahren um uns rum.

Klima

In den ersten Tagen hat unser Kleiner unheimlich viel geschwitzt und getunken. Mittlerweile hat sich das normalisiert.

Wir sind hier in den Tropen. Das heißt, unsereins geht nach draußen und schwitzt unmittelbar. Wir verbringen deshalb viel Zeit im klimatisierten Zimmer, vor allem in den ersten Tagen. Doch allmählich merke ich, dass wir die Klimaanlage schon wärmer stellen und es mir draußen nicht mehr so heiß vorkommt. Meist hat es etwa 31°C tagsüber. An bewölkten Tagen mit „nur“ 29°C kommt es mir manchmal schon ein wenig kühl vor. Man gewöhnt sich also daran.

Müll

Ein Bewusstsein für Müll oder Umwelt gibt es hier kaum. Der Plastikmüll liegt quasi überall und wird auch überall produziert. Mehrweg ist Fehlanzeige und im Supermarkt bekommt man für jedes kleine Teil eine Plastiktüte. Oft wird der herumliegende Müll dann, zusammen mit welken Blättern und Kokosnüssen, auf ein Häufchen gekehrt und einfach angezündet.

Leider landet viel davon nicht nur in der Luft, sondern auch im Meer. Das Video vom Taucher, der durch Müll schwimmt, ging ja in den letzten Wochen viel herum und auch der Strand sollte Aussagen zufolge voller Müll sein. Das kann ich zum Glück bisher nicht bestätigen. Unsere Strände waren soweit sauber. Bisher.

Wäsche

Ich glaube nicht, dass es hier viele Haushalte mit Waschmaschine gibt, wie es bei uns ganz normal ist. Stattdessen gibt es an jeder Ecke Wäschereien, wo man die Wäsche hinbringt. 1 kg Wäsche kostet 6000 IRP, das sind keine 50 Cent. Man bekommt sie dann gewaschen, gebügelt und zusammengelegt zurück. Schon sehr angenehm, ich persönlich habe vor etwa 3 Jahren aufgehört, zu bügeln.

Trinkwasser

Das Leitungswasser hier kann man nicht trinken, aber zumindest zum Zähneputzen benutzen. Viel davon ist, denke ich, Regenwasser. Ganz normales Wasser zum Trinken oder Kochen kommt aus großen Danone-Wasserspendern. Ein ganzer Kanister hiervon kostet umgerechnet einen Euro.

Spielplätze / Spielmöglichkeiten

Der Strand ist die einzige Möglichkeit, nach Herzenslust zu toben und zu buddeln.

Das vermisse ich hier tatsächlich: Orte, an die man mit Kindern gehen kann, an denen sie ohne Gefahr spielen und andere Kinder treffen können. Natürlich ist das ein Luxus, den sich die wenigsten Einheimischen leisten können. Die Kinder laufen zu Hause einfach mit, gehen später zur Schule oder spielen in der Nachbarschaft. Für uns ist es trotzdem ungewohnt, immerhin hatten wir in Bayern zuletzt ein großes Angebot an Bewegungsmöglichkeiten und Spielsachen für draußen.

Ausflüge

Bisher sind wir noch wenig unternehmungslustig. Zunächst, weil wir uns einfach nur etwas zurechtfinden wollten. Nun ist der Mann seit fünf Tagen von einer, nennen wir es mal bakterielle Gewöhnungsphase der Darms, betroffen und liegt die meiste Zeit. Ein paar Mal haben wir uns schon weiter weg gewagt und es gibt wirklich schöne Ecken hier!

Ein neuer Strand mit mehr Wellen und mehr Blau.
Der Cultural Park mit viel Platz zum Laufen und viel Kunst.

Arbeiten

Zum Arbeiten sind wir tatsächlich noch nicht groß gekommen. Theoretisch sollte es aber ganz gut klappen hier, denn in den meisten Cafés gibt es gutes W-Lan. Es gibt ein paar Coworking Spaces, allerdings sind die weit weg und auch nicht billig.

Das Kleinkind

Bis auf den Stress in den ersten Tagen, der wahrscheinlich eher von uns ausging, als von ihm, macht unser Sohn uns das Leben wirklich leicht. Er sagt zwar immer noch hin und wieder, dass er nach Hause zu Opa und Oma möchte, aber insgesamt hat er Spaß und ist meistens gut gelaunt. Am liebsten würde er den Großteil des Tages mit uns hier in der Villa rumhängen, mit seinen Autos und Zügen spielen oder seine geliebten TipToi-Bücher bespielen. Das ist schon sehr entspannt.

Kennst Du schon unseren ultimativen Guide für Bali mit Kindern? Lies gerne mal rein, wenn Dich das Leben hier auf Indonesien interessiert oder empfehle unseren Guide weiter.



Sag uns, was Du dazu denkst

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.