Was man als Ernährungberaterin lernt

„Na, was hast Du gestern gelernt?“, fragt meine Mama immer am Mittwoch. Fühlt sich ein bisschen an, wie in der Schulzeit, aber wirklich nur ein ganz klein bisschen. Denn im Gegensatz zu damals bin ich heute erwachsen. Ja, wirklich, ich fühle mich jetzt erwachsen. Mit 40 schon. Aber was lernt man denn nun tatsächlich? Ein Überblick. 

Was man als Ernährungsberaterin macht

Keine Sorge, ich fange jetzt hier nicht an mit Curriculum. Und auch nicht mit Kalorien und Grundumsatz. Denn tatsächlich ist es etwas komplexer und gleichzeitig simpler als das. Allem voran: Kalorienzählen ist sowas von 90er und macht man nicht mehr. Auch nicht als Ernährungsberaterin. Vielmehr beschäftigt man sich ganzheitlich mit dem Menschen, seiner Ernährung, seinem Lebensstil und seinen Beschwerde- bzw. Krankheitsbildern. Je nach Zielsetzung und Problemen findet dann eine Beratung statt, welche Lebensmittel in die Ernährung integriert und welche gestrichen werden sollten. Oft ist es eine Art intelligent guessing, also man hat einen Verdacht, wie es dem Gegenüber besser gehen könnte, der sich dann gegebenenfalls in der Praxis bestätigt. Wenn nicht, sucht man weiter. 

Ernährung ist alles – also zumindest viel

Was ich jeden Dienstag wieder faszinierend finde: Meiner Ausbilderin zuzuhören und dabei den Eindruck zu bekommen, dass sich fast alles durch Ernährung behandeln oder vermeiden lässt. Dass das Essen und Trinken, das wir zu uns nehmen, so gravierend über unser Wohlbefinden, Krankheitsverläufe, sogar über das Ausbrechen – oder eben Nicht-Ausbrechen – von genetisch verankerten Krankheitsbildern entscheidet. 

Sie ist wie ein Buch an Erfahrungsberichten, in welchen Situationen eine Ernährungsumstellung Menschen geholfen hat. Was sich alles bessern lässt, welche Autoimmunerkrankungen fast schubfrei verlaufen können, alles durch richtige Ernährung. Gleichzeitig kommen immer wieder wir Seminarteilnehmer zu Wort und haben meist recht einstimmig dasselbe zu berichten. Wir haben dort Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen, entnommener Schilddrüse oder Gallenblase, mit entzündlichen Darmerkrankungen oder starken hormonellen Beschwerden. Und so viele berichten dasselbe: Essen macht den Unterschied. 

Welches Essen macht den Unterschied? 

Und faszinierenderweise sind die Probleme bei sehr vielen Menschen dieselben. Wir essen

  • zu viele Kohlenhydrate (Zucker, Mehl, usw.) 
  • zu viele (hoch)verarbeitete Produkte und Transfette
  • zu wenig Proteine
  • zu wenig gesunde Fette
  • zu wenig Gemüse oder zu einseitig
  • und trinken zu viel Softdrinks und zuckerhaltige Getränke.

Vorausgesetzt, Du hast keine Lebensmittelallergie oder -unverträglichkeit, keinen chronisch entzündeten Darm, Leaky Gut oder andere Sonderfälle, ist die Lösung tatsächlich so einfach. Erhöhe die Menge an Eiweiß (Eier, Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Pilze, Nüsse) und iss genug gesunde Fettsäuren (Omega-3 aus Fisch bzw. Algen, pflanzliche Öle, Butter, Avocado, Nüsse und Samen). Lass dafür so viel wie möglich Weißmehl, Zucker, weißen Reis, vielleicht sogar generell Getreide, weg. Auch Gemüse, Hülsenfrüchte, Pseudogetreide (Buchweizen, Quinoa, Hirse, Amaranth) haben genug Kohlenhydrate. 

Wusstest Du übrigens, dass es zwar essentielle Fettsäuren und essentielle Aminosäuren (Bausteine der Proteine) gibt, die man über die Nahrung aufnehmen muss, aber keine essentiellen Kohlenhydrate? D.h. Du musst Dir nie Sorgen machen, ob Du genug Kohlenhydrate isst. Es sei denn, Du möchtest Ausdauersport auf Hochleistungsniveau machen. 

Ist das denn wirklich so wichtig?

Jetzt widerspricht das natürlich unserer „modernen“ westlichen Ernährungsweise. Und zwar sehr. An jeder Straßenecke, leider auch in jeder Schule, Kindergarten, Kantine und in jedem Restaurant locken uns zuckerhaltige Speisen und Getränke, und selbst Hauptspeisen bestehen fast immer aus sehr viel weißen Kohlenhydraten (deren Unterschied zu Zucker auf molekularer Ebene marginal ist). Wenn Du schon mal versucht hast, etwas „gesundes“ in einem Restaurant zu essen, also ein Gericht, das Proteine, gesunde Fette und Gemüse verbindet, ohne in Transfetten oder Weißmehl eingebettet zu sein, weißt Du vermutlich, wie schwierig das ist. 

Die Ursachen dazu zu erörtern würde schon fast in Richtung Verschwörungstheorie gehen. Leider ist es keine. Kurz gesagt machen wir Verbraucher das schon viel zu lange mit, auf Kosten unserer Gesundheit, und die Lebensmittelkonzerne lachen sich eins. Wenn ich durch einen normalen Supermarkt gehe und mir die Reihen über Reihen an „Lebensmitteln“ anschaue, die ich niemals kaufen oder essen würde, und ins Verhältnis zur Menge der Produkte setze, die ich für empfehlenswert halte, gruselt’s mich. Denn die stehen da ja nicht zum Spaß. Sondern, weil Menschen sie kaufen. Viele Menschen! Und  dann der Meinung sind, dass sie jetzt einfach Pech hatten, weil sich bei ihnen ein Diabetes, Bluthochdruck, eine Autoimmunkrankheit oder starkes Übergewicht entwickelt hat. 

Wenn Du Dich also fragst, ob es wirklich richtig sein kann, sich so gegen das „normale“ Essverhalten in unserer Gesellschaft zu stellen, solltest Du Dir selbst folgende Frage beantworten: Möchtest Du, dass Dein Gesundheitszustand normal ist, wenn normal bedeutet, unter verschiedensten Zivilisationskrankheiten, Übergewicht (mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland) Mikronährstoffdefizite (bis zu 75% der Erwachsenen), chronischen Krankheiten (angeblich ca. 40% der Deutschen) und hormonellen Dysbalancen zu leiden? Nein? Komisch.

Der Zusammenhang fehlt

Mich gruselt’s auch, wenn ich mir dann statt der Lebensmittel die Menschen im Supermarkt ansehe. Übergewicht sieht man recht schnell und ohne Expertise. Aber auch ein Blick auf die Haut oder in die Augen zeigt häufig, ob diese Menschen gesund und fit sind. Selbst ohne die Geschichte dazu zu kennen, traue ich mich wetten, dass viele von ihnen unter Symptomen leiden, die vermeidbar wären. Und das Schlimmste daran – sie wissen es nicht. Denn was tun wir, wenn es uns nicht gut geht? Wir gehen zum Arzt. Und was macht der Arzt? Überprüft ein paar Blutwerte, checkt die Vitalwerte, schreibt ein bisschen was auf und stellt dann fest: Es ist alles normal. Vielleicht wird auch festgestellt, dass das Cholesterin erhöht ist oder der Blutdruck. Ein paar Pillen und das Risiko für Folgeerkrankungen wird gesenkt. Na Gott sei Dank. 

So gut wie kein Arzt fragt nach der Ernährung. Oder gibt den Patienten zumindest einen Hinweis darauf, dass er oder sie an dieser Stelle mal weiter recherchieren könnte. Oder gar zur Ernährungsberatung gehen. Denn wenn mehr Menschen verstehen würden, oder gar am eigenen Körper spüren würden, welchen Unterschied die Ernährung macht, könnten viele auch eigenverantwortlich handeln und bräuchten keine Tabletten. 

Das Problem ist meiner Meinung nach auch, dass man diesen merkwürdigen Zustand, die Müdigkeit, den Brain Fog, die Konzentrationsstörungen, die Glieder- oder Rückenschmerzen, die Blähungen, das allgemeine Unwohlsein irgendwann akzeptiert. Am Ende schon gar nicht mehr richtig bemerkt. Weil ja ständiger Begleiter, jeden Tag.

Am eigenen Leib erfahren

Ich weiß noch, wie bahnbrechend für mich damals der Punkt war, an dem die Symptome zum ersten Mal seit Langem wieder weg waren. Ich hatte ganz vergessen gehabt, wie es sich anfühlen kann. Wie leicht, wie fröhlich und belastbar. Die Menschen um mich herum machten sich Sorgen, weil ich mehr als eine Woche lang (wirklich!) ausschließlich blanken Reis und Kartoffeln aß. Nicht einmal Salz und Pfeffer. Ich verlor schnell noch mehr Gewicht. Aber mir ging es so unfassbar gut damit. Danach merkte ich den Unterschied wieder. Ich konnte den Finger drauf legen, wenn ich etwas nicht vertragen hatte. Wusste wieder den Unterschied zwischen mir und der Krankheit. Denn in den Jahren vorher war selbst für mich irgendwann nicht mehr klar, was jetzt eigentlich Erschöpfung und was einfach „keine Lust“ war. Vor allem mit einer Krankheit ohne Namen.

Was interessiert euch an dem Thema? Welche Stoffwechselgeschichten habt ihr, welche Krankheiten, welche Symptome? Oder seid ihr kerngesund? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!

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