Wofür brauche ich eine Hebamme?

wofür brauche ich eine hebamme

Mein Bild von Hebammen war bisher kein durchweg positives. Ich habe mir Hebammen immer ein bisschen vorgestellt, wie Prenzlauer-Berg-Familien: gebildet, wohlhabend, ausgeglichen, glückliche Familienmenschen und sich durchweg als perfekte Menschen fühlend. So perfekt, dass es für Außenstehende schwer zu ertragen ist. Vor allem als Schwangere hat man viele Ängste und Unsicherheiten und das letzte, was ich da brauchen kann, ist jemand, der nicht nur alles weiß, sondern mich das auch spüren lässt. Ganz nach dem Motto: „Egal, was du als Mama machst, so gut wie ich wirst du es niemals hinkriegen“.

Wozu brauche ich also eine Hebamme?

Es heißt ja, dass man ab der 15. SSW (für mich also: jetzt) eine suchen sollte. Die Hebamme macht dann Schwangerschaftsvorsorge – genau wie mein Arzt – hilft bei Beschwerden und Problemen in der Schwangerschaft und steht vor allem mit Rat und Tat zur Seite. Viele Frauen schildern, dass sie zu ihrer Hebamme großes Vertrauen aufbauen (möchten) und diese regelmäßig konsultieren. Hebammen bieten außerdem Geburtsvorbereitungskurse an sowie Rückbildungskurse nach der Entbindung. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus kommt die Hebamme regelmäßig, um nach Mutter und Kind zu sehen. Bei einer Klinik-, Geburtshaus- oder Hausgeburt kann sie ebenfalls dabei sein.

Das klingt ja alles gar nicht schlecht. Aber möchte ich dafür in Kauf nehmen, dass sich jemand in meine Schwangerschaft „einmischt“, und ich ständig das Gefühl habe, da sitzt mir jemand gegenüber, der es besser machen würde, als ich? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich noch zusätzlich jemanden brauche, dem ich mich in der Schwangerschaft anvertrauen möchte. Immerhin habe ich meinen Verlobten, der mir immer zur Seite steht und dem ich absolut vertraue. Dann ist da noch meine Mama, die nach vier Kindern wohl so einiges über Schwangerschaften weiß, sowie andere Freundinnen mit Kindern, die ich fragen kann. Und bisher hatte ich ehrlich gesagt nicht so viele Fragen. Die meisten beantwortet ja ohnehin das Internet recht zufriedenstellend.

 

Warum ich trotzdem eine Hebamme hatte

Weil das meine erste Schwangerschaft ist, und ich den Gedanken, dass nach der Geburt jemand kommt und mit fachmännischem Blick beurteilt, ob es meinem Baby gut geht, ich ja ohnehin einen Geburtsvorbereitungskurs wahrnehmen möchte und mein Gynäkologe praktischerweise jeden Mittwoch Vormittag einer Hebamme ein Zimmer in der Praxis zur Verfügung stellt für eine Schwangeren-Sprechstunde, habe ich trotzdem ein Gespräch bei der Hebamme vereinbart. Und wieder einmal im Leben habe ich gelernt, Vorurteile sind gut und wichtig, aber werden eben oft nicht bestätigt.

Das erste Gespräch mit unserer Hebamme

Uns gegenüber saß eine ganz normale Frau, tendentiell sogar etwas wortkarg und so gar nicht besserwisserisch. Nachdem wir uns gesetzt hatten, fragte sie, was sie für uns tun könne. „Hm, das wissen wir auch nicht so genau, was können Sie denn für uns tun, das ist meine erste Schwangerschaft?“ (sehr schlauer Spruch von mir). Daraufhin wurde kurz erläutert, welche Leistungen eine Betreuung beinhalten kann. Von uns wurde offensichtlich nicht erwartet, als gute Eltern auch nur eine davon wahrzunehmen. Wir sollten uns das einfach nur überlegen und Bescheid geben, wenn wir uns für etwas entschieden haben. Nach ca. 7 Minuten war das Gespräch vorbei. Den einzigen Rat, den wir mitbekommen haben war der, momentan alles locker anzugehen und es uns gut gehen zu lassen. Die Zeit, in der wir Dinge planen und erledigen müssen, würde noch kommen. Jetzt können wir aber noch weiter in den Tag hinein leben. Da war für mich klar: Das ist meine Hebamme!

Hebammenmangel in Schulferien

Es gibt eigentlich nur einen Haken: Unser Geburtstermin ist im Juli, wenn Kinder Schulferien haben. Die meisten Hebammen haben ebenfalls Kinder im Schulalter und daher in dieser Zeit Urlaub. Deshalb kann sie uns während der Geburtszeit und danach nicht betreuen, kann uns aber als Vertretung eine sehr erfahrene und kompetente Kollegin zusichern. Sollten wir das nicht wünschen, würde sie uns raten, schnellstmöglich nach einer Kollegin Ausschau zu halten, die keine Kinder hat. Damit sollten wir aber schnell anfangen, da wie gesagt die meisten Hebammen Kinder haben. Für mich natürlich viel zu viel Stress und die andere Lösung ist sowieso völlig in Ordnung für mich.

Allen Müttern, für die die persönliche Bindung und Betreuung durch eine Hebamme wichtiger ist, als mir, kann ich nur raten, sich früh genug darum zu kümmern und vor allem an das Problem in den Schulferien zu denken!

Weitere Infos findet ihr unter Anderem hier.


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4 Kommentare zu „Wofür brauche ich eine Hebamme?“

  1. Guten Morgen :).
    Ich habe mir auch bereits eine Hebamme gesucht. Bei uns herrscht neben dem Sommerproblem (Mein Entbindungstermin ist auch im Juli) zusätzlich noch ein Hebammenmangel. Ich fühle mich einfach sicherer, wenn ich weiß, da ist jemand den ich um Hilfe bitten kann. Mama hin oder her, ich finde es angenehm jemand unabhängiges an meiner Seite zu wissen :). Zudem hilft mir meine Hebamme jetzt auch schon bei Dingen wie Kopfschmerzen, die mich in den letzten zwei, drei Wochen regelmässig aufsuchen, gibt mir gute Tipps was homöopathische Mittelchen gegen so manches Wehwehchen angeht.
    Aber meine Schwägerin zum Beispiel hat auch eher schlechte Erfahrungen gemacht – ihre Hebamme kam dann einfach mal die ersten 10 Tage in denen sie täglich kommen sollte, wofür sie im Endeffekt auch das Geld der Krankenkasse bekommt, nur 2 Mal. War also eher unzuverlässig. Bisher bin icht mit meiner Hebamme sehr zufrieden. Sie ist nur marginal älter als ich, hat noch keine Kinder – was vielleicht manche abschrecken würde, allerdings ist sie unglaublich sympathisch und kompetent.

    Eine schöne Woche wünsche ich :).

    1. Hallo Klaudia,
      den Hebammen-Mangel gibt es bei uns angeblich auch, deshalb bin ich froh, dass mir diese Suche sozusagen abgenommen wurde und sie sich um einen Sommer-Ersatz kümmert.
      Ich denke, für viele Frauen ist es sehr wichtig, eine Hebamme zu haben, da hast du mit Sicherheit recht. Der Beruf ist auf jeden Fall eine gute, und ja auch jahrhundertealte Tradition.
      Ich hatte nach Ende der Extremen Übelkeit und Müdigkeit mit der ca. 11. SSW auch ein paar Wochen starke Kopfschmerzen. Das hat sich aber ganz von selbst auch wieder gelegt – ich hoffe, es hört bei dir auch bald auf!

  2. Ich hatte damals ehrlich gesagt auch überhaupt keine Lust mir eine Hebamme zu suchen… Nicht weil ich was gegen sie habe 😀 Ich wollte nur auch nicht unbedingt, dass sich jemand mehr als unbedingt notwendig einmischt 😀 Außerdem habe ich mir durchaus zugetraut, alleine (und mit Hilfe meiner Familie) mit unserem Baby zurecht zu kommen 🙂 Naja… Unser Kleiner musste nach der Geburt leider kurz auf die Intensiv, da er die Wärme nicht so gut halten konnte.. Da war ich schon froh, als eine Hebamme uns danach auch zuhause ab und an besucht hat, und gecheckt hat, ob alles in Ordnung ist 🙂 Aber eine richtig intensive Betreuung hab ich mir irgendwie nie richtig gewünscht.. Kam mir da schon seltsam vor, weil das bei den meisten Schwangeren ziemlich anders ist 😀

  3. Ich finde es unglaublich super, dass man von Hebammen genauso viel bekommen kann, wie man möchte.
    Mir persönlich ist eine Schwangerschaftsbetreuung zu viel. Aber im Wochenbett fande ich beim letzten Mal eine Hebamme super und werde sie dieses Mal auch wieder in Anspruch nehmen (habe die gleiche Hebamme wie beim letzten Mal)
    Ich möchte nicht andauernd ins Krankenhaus nach der Geburt fahren und das Gewicht checken lassen (ist bei uns ohne Hebamme nötig) und außerdem hat sie nützliche Tipps, wenn es Mal Probleme gibt und oft auch Produktproben von Pampers o.ä. falls am Wochenende Probleme mit den vorhandenen Windeln geben sollte.
    Des Weiteren haben Hebammen auch oft ein oder zwei Tragen zum ausprobieren, wenn man erstmal testen möchte, ob es überhaupt für einen in Frage kommt.

    Was ich an sich auch interessant finde, sind Tipps von Hebammen, wie man seine Wunschgeburt erreichen kann. Nur dafür muss man natürlich eine Hebamme suchen, die zu der Vorstellung passt, da nicht unbedingt jede Hebamme etwas von Globulies/geplanten Kaiserschnitt ohne Indikation/geplanter PDA/Hyponobirthing und was es sonst noch alles gibt, hält und sich damit auskennt.

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