Als Mann mit zum Frauenarzt: Die erste Vorsorgeuntersuchung als Papa


Berlin, 06.11.2014

Die Aufregung des Vorabends war immer noch da. Gestern haben wir schließlich nach längerem Zögern und Ignorierens der ersten Schwangerschaftsanzeichen den Schwangerschaftstest gemacht: Positiv, aber sowas von! Zu unserem Glück haben wir noch am selben Abend einen Termin beim Gynäkologen bekommen. Für mich war es ganz klar, dass ich mitgehen werde. Immerhin habe ich grad erfahren, dass ich möglicherweise Papa werde. Für meine Freundin war die Nachricht sicher ein größerer Schock als für mich. Um so mehr sollte ich jetzt für sie da sein und sie unterstützen. Fang ich doch morgen gleich an und begleite sie zum Frauenarzt. Sowas machen doch fürsorgliche Väter schließlich, oder nicht?

Die Stimmung des Vorabends war auch am nächsten Morgen sehr präsent. Ich denke mal, in unserer beiden Köpfe herrscht nun ein erster Anlauf von Umdenken. Das ganze würde ein Außenstehender sicherlich als Unsicherheit interpretieren, wenn er diesen Freitag mit uns gefrühstückt hätte. Wir haben uns ja beinahe nicht getraut, das Thema anzusprechen. Zu groß war irgendwie die Angst davor, ob man sich jetzt zu stark darauf verlässt, Eltern zu werden und es am Ende gar nicht soweit kommen wird. Bisher werden wir immer Indro und Hanna genannt. Aber kommen wir auch darauf klar, wenn uns so ein kleiner Stinker Mama und Papa um die Ohren wirft? Wir müssen es zumindest, denn die Entscheidung, dass wir das Kind kriegen werden, steht für uns fest: JA! Nun also Anziehen, Zähneputzen und kurz bevor wir das Haus verlassen, die bessere Hälfte noch einmal fragen, ob sie pinkeln muss? Ich bin sicher, ihr kennt die Antwort.

 

Darf ich als Freund überhaupt mit zum Frauenarzt?

Während wir zur Praxis gefahren sind, hab ich mir als Mann natürlich den Kopf zermatert, wie ich mich denn nun vor Ort verhalten muss? Es war ja schließlich mein erster Frauenarztbesuch. Einfach nur dabei sein und nett Lächeln ist wohl kaum drin. Und wenn ich es versuche, gratulieren die Hanna mit Sicherheit zu ihrem eloquenten Mitbringsel von Mann. Nee, Nee…ich pack das und mach die zukünftige Mami stolz.Rückendeckung bekam ich von Hanna sogar persönlich zugesprochen. Meine Frage: „Meinst du, der Frauenarzt schickt mich vielleicht einfach weg weil ich n Mann bin?“. Antwort: „Ach Quatsch, warum sollte er das denn tun? Du bist ja immerhin der Vater von dem Kind. Na los wir gehen da jetzt hoch.“

Abenteuer Schwangerschaft und die erste Untersuchung mit dem Partner

Rein in die Praxis und nett „Hallo“ gesagt. Blöd nur, dass das gar nicht von der Vorzimmerdame wahrgenommen wurde. Die hatte nämlich nur Augen und Worte für die werdende Mama. Dann wurden ihre Daten aufgenommen und spätestens bei der vierten Frage hieß es dann: „Er kann ja schon mal ins Wartezimmer gehen. Dann können wir den Rest hier unter Frauen klären“. Oh Gott, jetzt wirds sicherlich unangenehm beim Zuhören und sie will mir nur einen Gefallen tun und den Stress ersparen. Hanna meinte zwar noch, dass sie keine Geheimnisse vor mir habe und ich alles hören dürfe, aber das hat die Sprechstundenhilfe sichtbar unbeeindruckt gelassen. „Er“ solle doch jetzt bitte die Jacken aufhängen und im Wartezimmer warten. Muss ich eigtentlich erwähnen, dass mit „Er“ ich gemeint war und in der dritten Person von mir gesprochen wurde? Wird so etwa den Vätern der Respekt ausgesprochen, wenn sie ihre Frauen zum Frauenarzt begleiten? Ganz Majestätisch, in der dritten Person? Ich glaube kaum. Also nahm ich Platz im Wartezimmer. Netterweise kam die Sprechstundenhilfe dann zur Tür des Wartezimmer, schenkte mir endlich einen ihrer seltenen Blickkontakte und sagte: „Jetzt machen wir mal hier die Tür zu. Ein bisschen Diskretion bitte!“ Wir waren die einzigen Patienten in der Praxis und ausgerechnet gegen mich scheint die Vorzimmerdame etwas zu haben. Na hoffentlich müssen Hanna und mein Kind das nicht in Zukunft ausbaden.

Männer müssen bei diesem Gynäkologen leider draußen bleiben

Im Wartezimmer mussten wir beide zwar darüber schmunzeln, dass sich meine Befürchtung, ich sei hier unerwünscht, bittere Realität zu sein scheint. Jedoch ist es von großer Bedeutung, dass mit den Frauen ein kurzes Vier-Augen-Gespräch geführt wird, damit diese auch wahrheitsgetreu auf die Fragen antworten. Damit Ihr euch vorstellen könnt, zu welchem Kaliber diese Fragen gehören, hier mal ein paar Beispiele:

  1. „Waren sie schon einmal schwanger?“

  2. „Hatten sie schon einmal eine Abtreibung?“

  3. „Leiden sie unter psychischen Problemen?“

  4. „Nehmen sie Medikamente ein?“

Als der Frauenarzt nun ins Wartezimmer kam, um Hanna abzuholen, wurde ich endlich wahrgenommen und begrüßt. Die Freude hielt allerdings nicht lange, denn auch er betonte, dass er zuerst mit Hanna alleine reden möchte und mich später dann dazuholen würde. Okay, wieder zurück ins Wartezimmer und mit Absicht die Wartezimmertür offen gelassen, kurz bis fünf gezählt und schon war die Empfangsdame wieder zum Türenschließen da. Die hat wohl nicht mit meiner kurzen Aufmerksamkeitsspanne gerechnet. Nun hieß es wieder warten bis der Frauenarzt mich holen sollte.

Fragen, die der Frauenarzt stellt oder warum Männern nicht immer sofort mit rein in die Vorsorgeuntersuchung genommen werden

Endlich im Sprechzimmer angekommen, konnte ich nun an der weiteren Unterhaltung zwischen Arzt und Patientin teilnehmen. Die wichtigen o.g. Fragen waren soweit gestellt und geklärt. Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass Frauen in Anwesenheit ihrer Männer möglicherweise nicht zugeben würden, wenn sie schon einmal schwanger waren und der Mann davon nichts weiß und wissen soll. Von daher macht diese Vorgehensweise absolut Sinn. Aber bitte lasst mich da nicht so stehen, als wäre ich das Problem dieses Arztbesuches und hätte meiner Frau etwas schlimmes angetan! Wir erwarten immerhin ein Kind und ich freue mich schließlich darauf.

Der Moment, in dem ich das erste Mal mein Baby sah

Nun durfte ich also auch dabei sein, als das erste Ultraschall gemacht wurde und man war das aufregend! Mit ein wenig Vorstellungskraft konnte man das Herz erkennen und den Dottersack. Viel mehr gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu sehen, denn die Organe waren erst grade dabei, sich auszubilden. Es hat aber trotzdem gereicht, dass ich innerlich total gerührt war. Nun wurde es also Realität, meine Frau ist schwanger und ich werde Vater. Mir hats sogar ein bisschen die Stimme verschlagen und hätte man mir in diesem Moment eine Frage gestellt, ich hätte nicht antworten können.

Vielmehr dachte ich jetzt daran, wie wir nun eine Familie werden. Was ich sonst aus den Gesprächen noch mitgenommen habe, war, dass die Frau besonders jetzt in den ersten drei Monaten Folsäure zu sich nehmen soll, da dies die Zellenbildung unterstützt. Sehr gut, ich kenne nämlich eine Saftsorte, die Folsäure enthält und mit diesem Wissen, kann ich bestimmt punkten, wenn wir einkaufen. Samt Ultraschall und Infomaterial verließen wir dann die Arztpraxis mit der Gewissheit, dass wir schwanger sind. – Deshalb, liebe Sprechstundenhilfe, vergebe ich dir auch für deine unmögliches und unwillkomnes Verhalten mir Gegenüber!


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Alle Kommentare (3)

    Erstmal: Herzlichen Glückwunsch!
    Wow, so schlimm habe ich das noch nie erlebt. Natürlich steht die angehende Mama im Mittelpunkt und das ist auch vollkommen richtig, aber wie ein Hündchen draußen angebunden… meine Frau würde wohl den Arzt wechseln.
    Wenn Du bloggst und Dich mit so einem Wissen rühmst, dann ist es auch ganz schön, dieses zu teilen. Welchen Saft meinst Du? Allerdings gibt es in den ersten Monaten normalerweise Tabletten mit Folsäure und anderen wichtigen Bausteinen. Wundert mich, dass der Arzt Euch die nicht mitgegeben oder zumindest aufgeschrieben hat.

    Erstmal vielen Dank für deine Glückwünsche!
    Die beiden darauffolgenden Arzttermine waren dann auch nicht mehr so wild. Die Praxis ist neu und das Team findet sich da noch. Die Sprechstundenhilfe war wohl einfach überfordert und wollte alles richtig machen. Gegen unseren Frauenarzt allerdings lassen wir nichts kommen, seit er mit uns eine Ultraschall-Aufnahme gemacht hat, obwohl diese erst beim nächsten Termin hätte stattfinden sollen. Wir glauben, dass er es wegen mir gemacht hat, da sonst die Väter nur zum Ultraschall mitkommen. In dieser Hinsicht bin ich versöhnt. 😉
    Ach ja, wenn du das nächste Mal einkaufen gehst, halte Ausschau nach den Säften von Amecke. Ganz speziell nach diesem .

    Vielen Dank, dass du deine Erfahrungen über den Frauenarzt-Besuch geteilt hast! ich glaube vielen Männern geht es so, dass sie nicht wissen ob sie mit zu dem Frauenarzttermin gehen sollen oder nicht. Mein Bruder ist auf jeden Fall in dieser Situation, und redet schon ganz nervös von dem ersten besuch in einigen Tagen. Ich hoffe, dein Text wird ihm Mut geben!
    LG Laura

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