Was von der Hochzeit übrig blieb oder die Fortsetzung eines Krimis


Aus unserer Hochzeit wird nichts und unser Geld, das wir angezahlt haben, ist weg. Wir sind auf professionelle Betrüger hereingefallen, so die Polizei. Mit diesen Tatsachen hatten wir uns bereits abgefunden (nachzulesen hier). Bis es letzte Woche abends plötzlich an unserer Haustüre klingelte…

Überraschungsbesuch der anderen Art

Mein Mann und ich sahen uns verdutzt an. Keiner von uns erwartete jemanden. Der Rubbelbatz wachte sofort auf, weil die Tür zum Schlafzimmer offen stand. Während ich bei ihm im Schlafzimmer war, konnte ich hören, dass mein Mann mit jemandem sprach. Eine männliche Stimme, noch sehr jung. Als der Kleine wieder schlief, ging ich ins Wohnzimmer und traute meinen Augen nicht: da stand tatsächlich Mario*, der junge Kerl, mit dem wir nach unserem persönlichen Termin auf Schloss Reichenow kommuniziert hatten und der auch die Angebote für uns erstellt hatte. Keiner der Betreiber der Hochzeitslocation, „nur“ ein Angestellter.

Mein erster Impuls war, ihm in die Eier zu treten und irgendwas ganz gemeines zu sagen. Er war sichtlich nervös. Entgegen meiner aufgestauten Wut bat ich ihn, sich doch erst einmal zu setzten und nochmal von vorne anzufangen mit Erzählen. Er müsse uns mitteilen, dass die Hochzeit auf dem Schloss nicht stattfinden könne. Die Betreiber, für die er als Praktikant gearbeitet habe, hätten sich zerstritten, er wisse nicht warum. Er erzählte uns eine haarsträubende Geschichte davon, wie er von gar nichts gewusst habe und selbst am Ende kein Gehalt mehr ausgezahlt bekommen habe. Einer der Betreiber sei noch dort, aber zu ihm bestehe kein Kontakt (das Schloss steht tatsächlich leer). Ich glaubte nicht die Hälfte von dem, was er sagte, aber spielte brav mit.

Ich rechnete fest mit dem Punkt, an dem er mir erklärte, dass unser Geld weg sei. Und dann kam es: weil wir den Vertrag ja mit ihm (aha?!) geschlossen hätten und das Geld auf sein (privates!) Konto gegangen sei, würde er uns das gerne zurückgeben. Denn er hätte kein Interesse daran (jetzt nach 6 Monaten plötzlich nicht mehr?) und könne den Vertrag ja jetzt nicht mehr erfüllen. Ich war baff. Und es kam noch besser: Er hatte das Geld tatsächlich in bar dabei. Mehrere Tausend Euro! Und gleichzeitig ein Schreiben, das angeblich seine Anwältin verfasst hätte. Damit würden wir quittieren, das Geld bar erhalten zu haben und keinerlei zivilrechtliche Schritte einzuleiten. Das heißt, der geschlossene Vertrag wäre aufgelöst und wir würden von ihm nicht verlangen, dass er eine Hochzeit für uns ausrichtet. Als ob wir daran noch Interesse hätten… Das ist jetzt meine Übersetzung, denn von einer Anwältin war das Schreiben bestimmt nicht. Eher von jemandem, der gerne Jura studiert hätte, wenn es zum Schulabschluss gereicht hätte.

Bargeld gegen Unterschrift?

Während mein Mann das Geld genommen hätte, bimmelten bei mir alle Alarmglocken. Dieser nachweisliche Lügner (denn die Geschichte widerspricht sich an vielen Punkten) wollte so unbedingt diese Unterschrift und uns das Bargeld geben, dass ich es nicht nehmen wollte. Warum konnte er es nicht zurück überweisen? Was, wenn nachts jemand bei uns einbricht, um das Geld zurückzuholen? Was, wenn es Falschgeld ist oder Geld, das man aus einem anderen Grund nicht an dem Mann bringt. Nach den letzten Wochen rechnete ich mit allem. Und ich wollte nicht nochmal blauäugig einfach seinen Anweisungen folgen. Das war schon einmal gehörig schief gegangen.

Äußerlich spielte ich brav mit. Hinterfragte nicht, warum er uns im April ein neues Angebot geschickt hätte, wenn er laut eigener Aussage seit Jahresanfang nicht mehr dort sei. Warum das Geld auf sein privates Konto (als Praktikant!) gegangen sei, könne er sich auch nicht erklären. Ich stellte keine unangehmen Fragen. Ich fragte auch nicht, warum er im erst November käme. Zufällig eine Woche, nachdem wir bei der Polizei eine Anzeige gemacht hatten, die auch seine IBAN beinhaltete. Der Name des Empfängerkontos ist seit der Einführung von BIC und IBAN ja nebensächlich. Ich sagte nur, dass ich mich nicht wohl fühle mit so viel Bargeld und wir bei unserer Online-Bank keine Bar-Einzahlungen machen können. Er solle es bitte überweisen.

Während der Rubbelbatz nochmal aufwachte und ich ihn beruhigte, versuchte dieser Mensch nochmal mit allen Mitteln, den Rubbelpapa zur Unterschrift zu bewegen. Er wedelte sogar, mit zitternder Hand, mit dem Geldbündel vor ihm herum. Es half nichts, wir blieben hart.

Vier Tage später tauchte er tatsächlich wie verabredet wieder bei uns auf. Und überwies uns das Geld, während ich und ein Freund als Zeuge dabei saßen. Ich wollte es trotzdem erst glauben, wenn ich den Betrag auf unserem Konto sah. Und das war tatsächlich am nächsten Tag so weit. Natürlich habe ich ein Konto angegeben, das sonst mehr oder weniger brach liegt, mit dem also kein weiterer Unfug getrieben werden kann.

Was war wirklich passiert?

Das werden wir womöglich nie erfahren. Denn als ich den „armen Praktikanten“ im Nachhinein damit konfrontierte, dass wir nicht wirklich 1 und 1 nicht zusammenzählen könnten und er wenigstens jetzt ehrlich sein könnte, kam überraschenderweise keine Reaktion.

Meine Theorie lautet so: Gegen die Betreiber des Schlosses gibt es ja laut Zeitungsberichten einige Ermittlungen. Das sind auch nicht die ersten in deren Laufbahn. Seit Januar sind die wohl nicht mehr im Schloss, haben dort auch keine Miete mehr gezahlt und sind mehr oder weniger vom Erdboden verschluckt. Gleichzeitig muss Mario aber noch weiterhin Zugang zu den Emails gehabt haben. Als wir im April wieder Kontakt aufnahmen – unwissend, dass auf dem Schloss niemand mehr war – und ein neues Angebot anforderten, reagierte er. Ob er Geldnot hatte oder einfach die Gelegenheit nutzen wollte, weiß ich nicht. Wahrscheinlich hatte er gehofft, dass das ebenfalls auf die anderen zurückfallen würde, die ja eh schon „Dreck am Stecken“ haben. Also hat er seine IBAN angegeben (der Name muss bei Überweisungen ja mittlerweile nicht mehr übereinstimmen) und die Anzahlung erstmal eingesteckt.

Anzeige zurückziehen?

Nachdem dann die Polizei wahrscheinlich durch seine IBAN auf ihn gekommen ist und Nachfragen gestellt hat, hat er vermutlich doch kalte Füße bekommen. Und wer nicht viel von Straf- und Zivilrecht weiß, der könnte schnell mal denken, dass die Sache erledigt ist, wenn das Geld zurückgegeben und der Vertrag aufgelöst ist. Zwischendurch war ich auch tatsächlich am Überlegen, ob ich die Anzeige wegen Betrugs zurückziehe, wenn er uns das Geld zurückgibt und es ihm offensichtlich leid tut. Immerhin ist der Junge erst 22 Jahre als und ich habe nichts davon, wenn er bestraft wird. Von Reue war aber leider nichts zu merken. Im Gegenteil. Was den Termin angeht, war er noch – Entschuldigung für den Ausdruck – rotzfrech und meinte, abends wäre er schon zum Essen verabredet. „Kann ich nicht verschieben, sorry.“ Er hätte vorher den ganzen Tag Zeit und Lust, uns das Geld zu überweisen, wenn wir nicht können, kann er auch nix machen. Wortwörtlich. Und einfach überweisen würde er es nicht, er möchte zeitgleich bzw. vorher die Unterschrift sehen. Oder wir könnten ja vorher den Unterschriebenen Zettel per Post schicken, dann würde er danach überweisen. Geht’s noch!?!

Wer mich kennt weiß, wie ich innerlich gekocht habe. Trotzdem musste ich nach außen freundlich bleiben. Hauptsache, er überweist das Geld. Also habe ich es trotz Besuch beim Kinderarzt und der Notwendigkeit, Abendessen für mein Kind zu kochen, irgendwie möglich gemacht. Daran, die Anzeige zurückzuziehen, denke ich aber nicht mehr. Immerhin hat er uns trotzdem unsere Hochzeit vermiest, indem er mit uns einen Vertrag über etwas geschlossen hat, was schon längst nicht mehr möglich war.

Mein Fazit

Glück im Unglück: wir sind nicht von den „richtigen“ Betrügern über den Tisch gezogen worden, sondern von einem kleinen Trittbrettfahrer. Darum haben wir jetzt zumindest das Geld zurück. Die Lust und Möglichkeit, im August nächsten Jahres zu feiern, sind trotzdem weg. Vielleicht machen wir mit dem Geld stattdessen eine längere Reise, eine „Hochzeitsreise“ sozusagen…

Trotz meiner schlechten Erfahrung möchte ich in Zukunft nicht überskeptisch durch’s Leben gehen. Ich möchte nicht in jedem Veranstalter, jedem Vertragspartner einen potentiellen Betrüger sehen. Vor allem nicht, wenn ich diejenigen vorher schon kannte und Bekannte dort gute Erfahrungen gemacht haben. Etwas vorsichtiger werden wir aber bestimmt sein, aber die meisten Menschen, die ich in meinen bisherigen 31 Lebenjahren getroffen habe, waren zum Glück ehrlich und haben mein Vertrauen verdient.

Und lieber habe ich 99 positive Erlebnisse und 1 negatives, als mich in 100 % der Fälle zu stressen, um den einen Fall zu vermeiden. Weil am Ende siegt das Karma ja doch. Danke, Tina**.

*Name geändert, warum weiß ich auch nicht sicher.

** Tina hat uns wenige Tage danach den Karma-Brownie auf dem Bild gebacken und nach Hause gebracht, weil sie uns aufheitern wollte. Wir haben uns riesig gefreut.



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