Vergleich: Stoffwindeln gegen Wegwerfwindeln


Stoffwindeln gewinnen gegen Wegwerfwindeln

Ja, auch wir haben Pampers – hier mal stellvertretend zu sehen für alle Wegwerfwindeln (WWW), egal welchen Herstellers (ein Stilmittel namens Metonymie, wenn ich mich an meinen Deutschunterricht richtig erinnere) – zu Hause. Und wir benutzen sie. Fast jeden Tag. Und jeden Tag habe ich ein schlechtes Gewissen dabei. Warum wir es trotzdem tun? Wir haben wirklich viel probiert, aber egal welche unserer Stoffwindeln, egal mit welcher Einlage und egal, wie oft gewechselt, früher oder später liegt er nachts in seiner eigenen Pipi.  Und unterwegs, wenn er im Tragetuch oder -sack steckt, möchte ich auch nicht, dass er sich in einer für ihn spürbar nassen Windel unwohl fühlt. (Das kann unter anderem daran liegen, dass die Stoffwindeln noch nicht ganz perfekt sitzen oder die neuen Einlagen noch nicht oft genug gewaschen wurden, um ihre volle Saugkraft auszuschöpfen.) Also geben wir ihm eine Wegwerfwindel.

Warum ich aber so ein schlechtes Gefühl dabei habe? Dafür gibt es drei gute Gründe:

  1. Die Haut meines Babys
    Es gibt einen Grund dafür, dass fast jedes Baby während seiner Wickelzeit mindestens einmal Probleme mit der Haut hat: Wegwerf-Windeln sind weniger atmungsaktiv, voller Chemie bzw. Lotion und erzeugen eine bis zu 3°C höhere Temperatur als Stoffwindeln oder keine Windel. Dass sich in einem feuchtwarmen Milieu vermehrt Bakterien bilden, klingt logisch. Dass zusätzlich durch die Lotion die Haut dünner wird (dafür gepflegt aussieht und sich gut anfühlt), ermöglicht es sowohl diesen Bakterien, als auch chemischen Stoffen und dem in der Lotion enthaltenen Erdöl-Abbauprodukt, die Hautbarriere zu passieren. Ich habe mal gehört, dass der sog. Superabsorber, der die Windel so enorm saugfähig macht, auch die bereits angegriffene Haut des Babys austrocknet, also Feuchtigkeit auch von dort absorbiert. Alles zusammen kein schöner Gedanke.
  2. Die Umwelt
    Anfangs haben wir nur Pampers verwendet. Wie schnell sich eine Mülltüte mit diesen gefüllt hat, war wirklich beachtlich. Vor allem, weil der Rubbelbatz eine wirklich rege Verdauung hat, mussten wir die Windeln teils im Minutentakt wechseln – und wegwerfen. Die Müllberge, die dadurch entstehen, sind enorm. Von etwa einer Tonne pro Kind ist die Rede. Eine Tonne Müll! Und zwar biologisch nicht abbaubarer Müll mit Babykacke dran.
  3. Unser Geldbeutel
    Stoffwindeln sind teuer. Ein Komplettpaket kostet bei einigen Herstellern ca. 500€ (viele Hersteller von Stoffwindeln bieten aber auch ein Testpaket an, von dem auch wir z.T. Gebrauch machten). Dagegen kostet ein Päckchen Pampers nicht mal 10€.  Dass sich das aber im Laufe der Jahre, je nachdem, wann das Kind trocken ist, auch kummuliert, bedenken viele nicht. Für Pampers geben wir daher bis zu 1400€ aus bis das Kind trocken ist. Da lohnen sich Stoffwindeln dann doch. Außerdem haben viele Stoffwindeln einen verhältnismäßig hohen Wiederverkaufswert. Stoffwindeln der Windelmanufaktur z.B. erzielen gebraucht immerhin noch fast bis zu 70% des Einkaufswertes.

Unsere Stoffwindeln-Erfahrungen

Wer nicht komplett windelfrei leben möchte oder kann, ist aber natürlich trotzdem auf Windeln angewiesen. Stoffwindeln sind da meiner Meinung nach schon eine gute und auch lohnenswerte Alternative. Viele denken jetzt sofort an Mullwindeln, mit einem Windelhöschen befestigt. Genau so wurden meine Brüder und ich als Kinder auch gewickelt. Wie meine Mama das geschafft hat? Keine Ahnung! Wir haben es insgesamt zweimal ausprobiert und jedes Mal hat der Rubbelbatz innerhalb weniger Minuten direkt durch die Windel auf mein T-shirt gepinkelt. Der Versuch wurde also schnell wieder eingestellt und sorgte vor allem beim Rubbelpapa für Skepsis. Zum Glück hat der sich dann im Internet schlau gemacht und herausgefunden, dass es mittlerweile wirklich zahlreiche tolle Alternativen aus Stoff gibt. Die sind nicht nur leichter anzuziehen, sondern sehen zum Teil auch richtig hübsch aus.

Weil wir zunächst den Anspruch hatten, dass eine Stoffwindel möglichst lange „halten“ soll, haben wir uns eine Reihe verschiedener Systeme zum Testen angeschafft. (Wie die bei uns abgeschnitten haben, wollen wir in einigen Wochen in einem separaten Beitrag berichten.) Erst nach meiner Lektüre des Windelfrei-Buches und unseren ersten semi-windelfreien Tagen hat bei mir ein Umdenken stattgefunden. Eine Windel sollte in meinen Augen nicht dazu dienen,

die Ausscheidungen eines Kindes möglichst lange am Hintern zu halten,

sondern

Kleidung, Möbel und Wohnung im ersten Moment vor Pipi und Bumbum zu schützen!!!

Dann sollte die Windel ohnehin gewechselt werden und der Po wieder trocken . Und ja, das ist natürlich mehr Arbeit als alle 4 Stunden die Pampers zu wechseln, aber in meinen Augen die fairste Möglichkeit, die die größte Hygiene verspricht … für das Kind!!!

Natürlich gibt es aber auch einen Grund, warum so viele eben keine Stoffwindeln verwenden möchten. Niemand verschmutzt gern die Umwelt oder hat Spaß daran, der Haut des eigenen Babys Schaden zuzufügen und zahlt dabei noch drauf. Leider sind Stoffwindeln eben auch mit ein wenig mehr Aufwand verbunden. Man kann die volle Windel eben nicht einfach wegwerfen, sie muss in die Wäsche. Das macht Arbeit. Zudem ist die Gefahr, dass mal was ausläuft, eben viel größer, wie wir selbst schon feststellen mussten. Auch das ist vielen unangenehm.

Momentan ist für uns eine Mischung am praktikabelsten: nachts und unterwegs Pampers, zu Hause entweder gar keine Windel (also windelfrei) oder eine Stoffwindel, die sofort gewechselt wird, wenn sie nass ist. Wenn wir achtsam sind und der Rubbelbatz gut gelaunt und ausgeschlafen, klappt windelfrei nämlich wirklich super wie wir an unserem ersten Familienwochenende feststellen durften. So schaffen wir es oft ganze Vormittage ohne Windel und ohne jeden Unfall.

Kompromisslösung Ökowindel statt Stoffwindeln?

Wir kommen also um die Wegwerf-Windeln nicht rum. Jedenfalls noch nicht ganz. Eine befreundete, ebenfalls sehr problembewusste Weddinger Mami (Maria), hat mich vor kurzem auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, Ökowindeln zu verwenden. Von verschiedenen Herstellern, z.B. Naty, Moltex oder Beaming Baby, gibt es Windeln, die aus natürlichen Materialien hergestellt sind, größtenteils biologisch abbaubar und zudem atmungsaktiv. Sie kommen fast gänzlich ohne Stoffe aus, die bei Babys Allergien hervorrufen oder die Haut reizen können. Chemiefrei. Damit sind zwei der drei oben angeführten Punkte, die gegen Pampers sprechen, ausgeschalten – zu Lasten des dritten. Denn erheblich teurer No-Name-Produkte aus der Drogerie sind die Ökowindel auf jeden Fall. Da wir maximal 2-4 pro Tag verwenden, werden wir sie demnächst trotzdem mal ausprobieren.



Alle Kommentare (1)

    Großen Respekt für die Rubbelbatzeltern, dass sie sich dem Geduldsthema Windelfrei angenommen haben. Nach unserer mittlerweile angesammelten Windelerfahrung bzw. Chemiehöschenerfahrung werden wir es spätestens beim 2. Kind ebenfalls probieren. Wie bereits im Beitrag erwähnt, bin ich mittlerweile bei Ökowindeln gelandet, aber auch hier ist Ökowindel nicht gleich Ökowindel. Zum Beispiel vertreibt auch dm eine Ökologische Windeleigenmarke, mein Fazit (Größe 4): stinkt noch schlimmer nach Chemie als die Nichtökowindel von dm. Das kommt daher, dass auch die Ökowindeln nicht auf SAP verzichten können, denn irgendwas muss ja nun für die werbetechnisch wichtige Saugfähigkeit sorgen. Eine „gute“ Ökowindel erkennt man also nicht am chlorfrei gebleichten Zellstoff oder daran, dass sie aus Mais ist, sondern daran wieviel SAP bei der Herstellung verwendet wird. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit der schwedischen Marke Naty und der schweizer Marke Pingo gemacht. Der deutsche Markt scheint es bisher noch nicht raus zu haben, eine bezahlbare (!) gute ökologische Windel anzubieten. Es gibt welche, aber die Preise sind für den mittelständischen Elterngeldempfänger extrem happig.
    Ich habe oft gehört, dass die Ökowindeln Naty & Co. ständig auslaufen, ich kann dies nicht bestätigen. Ein einziges Mal ist uns ein Malheur passiert, aber da hat unsere Kleine auch binnen Minuten ganz Arbeit geleistet 😉
    Ansonsten lässt man ja auch keine Windel, wie in der Werbung so angepriesen, 12 Std. am Popo des kleinen Schatzes, wir wickeln tagsüber alle 3-4 Std und Nachts (ihre Nacht geht von 19-8Uhr) einmal wenn sie eh auch gefüttert wird. Das wenige SAP bringt es also auch.

    LG Maria

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