Meine Montessori Schul-Erfahrungen: Besser als Regelschule?

Viele Eltern sind mit dem staatlichen Schulsystem unzufrieden und suchen deshalb Alternativen wie Montessori Schulen. Was genau man sich darunter Vorstellen kann, weiß ich aus eigenen Montessori Schul-Erfahrungen in meiner Grundschulzeit.

Montessori-Pädagogik einfach erklärt

Was ist eine Montessori Schule?

Eine Montessori Schule ist eine alternative, privat finanzierte aber anerkannte Schule, in der nach den Prinzipien der Montessori-Pädagogik gearbeitet wird. Das bedeutet, dass es dort keine festen Schulstunden oder Unterricht als Frontalunterricht gibt, sondern eine sogenannte vorbereitete Umgebung mit Lernmaterialien, die die Schulkinder selbständig nutzen können. Die Lehrkräfte, eine Haupt- und eine Nebenkraft, unterstützen die Kinder dabei mit pädagogischem Feingespür. Das Klima ist geprägt von einem hohen Maß an Selbstbestimmung, freiem Lernen und Wertschätzung den Bedürfnissen des Kindes gegenüber.

Es gibt an Montessori Schulen keine traditionellen Noten, sondern ein sehr differenziertes, individuelles Bewertungssystem, um dem Kind und seinen Eltern Rückmeldung über die schulische und soziale Entwicklung zu geben. An einer Montessori Schule können Kinder trotzdem auf alle gängigen Schulabschlüsse wie Mittlere Reife oder Abitur vorbereitet werden. Die Prüfungen müssen allerdings extern an offiziellen, staatlichen Schulen abgelegt werden.

Hausaufgaben sind in der Montessori Schule möglich, aber immer freiwillig. Genau wie jede andere Art von lernen.

Als private Schule wird die Montessori Schule nur zum Teil staatlich finanziert. In der Regel fällt ein Schulgeld von ca. 150€ pro Kind an, das die Eltern aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Deutschlandweit gibt es etwa 400 Montessori Schulen, weltweit ca. 40.000.

Wie Kinder lernen – Montessori-Pädagogik

“Hilf mir es selbst zu tun”, ist wohl das berühmteste Zitat von Maria Montessori (1879 – 1952), nach deren Pädagogik die heutigen Montessori-Kindergärten und Montessori-Schulen arbeiten. Ich möchte keine Zusammenfassung dieser Ansätze liefern, die findet ihr zu Hauf im Internet. Z.B. hier oder auf Wikipedia. Ich möchte versuchen, mit eigenen Worten kurz zusammenzufassen, was meiner Erfahrung mit Kindern bzw. mir als Kind entspricht.

Babys kommen zur Welt und lernen. Das ist ihr hauptsächliches Bestreben. Sie wollen wachsen, lernen, sich entwickeln. Unser Baby weinte sogar hin und wieder, weil er Dinge noch nicht konnte, aber so gerne machen würde (sich auf dem Bauch fortbewegen etc.). Dann werden die Kinder größer, sehen uns zu, wie wir Dinge tun – und wollen es auch machen. Selbst machen! Die Mädchen, bei denen ich als Aupair gearbeitet habe (ca. 3 Jahre alt, verschiedene Familien), sind manchmal komplett ausgeflippt, wenn ich ihnen ein Glas aus dem Schrank genommen und Saft eingegossen habe. Oder sie nehmen wollte und auf den Stuhl setzen. Sie wollten es selbst machen.

Kinder haben diesen Trieb zu lernen, zu imitieren, sich Dinge anzueignen, die sie sehen. Und dafür reicht es nicht, wenn ich ein paar Meter von ihnen entfernt stehe und ihnen erkläre, wie das Saft eingießen funktioniert. Sie möchten das Glas und den Saftkarton in der Hand halten und es selbst tun. Kinder lernen laut Maria Montessori am besten, wenn sie die Dinge “begreifen” können, also mit der Hand erleben, anfassen. Deshalb lernen Kinder am besten in einer sog. vorbereiteten Umgebung, d.h. es werden zahlreiche verschiedene Lernmaterialien angeboten, die immer “begreifbar” sind, und das Kind kann sich das aussuchen, was es momentan am meisten anspricht.

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Nicht jedes Kind ist gleich. Jedes Kind lernt verschiedene Dinge verschieden gern und zu einer Zeit, die man nicht vorhersehen kann, am besten. Diese “Grundregel” gilt ab dem Tag der Geburt. Es lässt sich kein Schema erstellen, wann ein Kind krabbeln, laufen, sprechen lernt. Aber jedes Kind lernt es irgendwann. Während das eine Kind vielleicht mit etwas Unterstützung schon durch die Wohnung stiefeln kann und so langsam die Fähigkeit verbessert, wird ein anderes damit vollkommen überfordert sein, frustriert, und vielleicht länger keine eigenen Versuche mehr unternehmen. Es war einfach noch nicht so weit. Maria Montessori begründet das mit sog. “Sensiblen Phasen” oder Lernfenstern. Die Abfolge ist relativ ähnlich, aber Zeitpunkt und Länge bei jedem Kind individuell.

Lernen ist also etwas ganz Natürliches. Wir müssen nicht viel “lehren”, Kinder tun das von selbst und haben großen Spaß dabei. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass das alles ist, was Kinder tun. Lernen. Den ganzen Tag. Wenn sie Hilfe brauchen, fragen sie.

“Du lernst für das Leben, nicht für die Schule”?

Nun kommt der Punkt, an dem die Kleinen in die Schule gehen sollen. Um dort mehr zu lernen. Gelehrt zu bekommen. Vorne steht eine Lehrkraft und erzählt, zeigt Dinge. Allen Kindern dieselben Dinge. Merkt ihr was?

Richtig, da fehlt sowohl das selber machen, das selbst entdecken, als auch die Individualität. Was ist mit den Kindern, die die entsprechende sensible Phase noch nicht erreicht haben? Sie werden überfordert sein. Was ist mit den Kindern, die das längst können und hinter sich haben? Sie werden sich langweilen und nach Ablenkung suchen. Und was ist mit dem natürlichen Lerntrieb? Dem Bedürfnis, sich selbst etwas zu suchen und ausgiebig damit zu beschäftigen? Ja, der wird im Keim erstickt! Schlimmer noch, ins Gegenteil verkehrt. Denn zusätzlich zur möglicherweise falschen Stoffwahl für das individuelle Kind wird hier auch noch mit Belohnung und Bestrafung gearbeitet. Auch bekannt als Schulnoten. Allmählich wird das Kind lernen, nur noch für Belohnungen zu lernen und um Bestrafung zu vermeiden. Der natürliche Mechanismus tritt mehr und mehr in den Hintergrund. Wir lernen nicht mehr, wie eigentlich, für’s Leben sondern nur für die Schule.

Meine Montessori Schul-Erfahrungen

Wie also besser machen? Meine Eltern hatten bei meiner Einschulung großen Mut. Trotz entsprechender Vorurteile (nein, es handelt sich dabei nicht um eine Sonderschule, sondern eine Privatschule, für die man Geld bezahlt und nein, das ist nicht das, wo man morgens seinen Namen tanzt) schickten sie mich, und später auch meine beiden jüngeren Brüder, auf eine Montessori-Grundschule. In den ersten beiden Schuljahren gab es wohl Momente, in denen sie das anfingen, zu bereuen. Denn ich lernte absolut nichts! Zumindest nichts, was nach akademischen Maßstäben von irgendeinem Wert war. Und während mein großer Bruder auf einer “normalen” Schule in diesem Alter längst Lesen und Schreiben gelernt hatte, spielte ich immer noch mit Murmeln und Holzklötzen. Die Bücher interessierten mich schon, aber eben nur, um sie vorgelesen zu bekommen.

Ein ähnliches Erlebnis hatte meine Didaktik-Lehrerin, die ich an der Uni kennenlernte. Sie hospitierte in einer Montessori Schule und konnte dort Tag für Tag einem Kind zusehen, wie es den ganzen Schultag lang einen Turm aus bunten Holzklötzen aufbaute und dann wieder umwarf. Wieder aufbaute, wieder umwarf. Nach über drei Wochen ging sie zur Lehrerin vor Ort, um sie auf den vermeintlichen Missstand aufmerksam zu machen. Sie müsse doch dafür sorgen, dass das Kind etwas lernt. Er könne den Turm jetzt schon zur Perfektion bauen. Die Antwort der Lehrerin:

“Er hört schon von alleine auf, wenn er so weit ist.”

Nochmal eine Woche später räumte das Kind den Turm beiseite und würdigte ihn niemals wieder eines Blickes. Wir können also als Außenstehende nicht entscheiden, was und in welchem Tempo Kinder in der Lage sind, zu lernen.

 

Als ich in der zweiten Klasse der Montessori Schule war, wollte ich Lesen lernen. Meine Mama las mir zwar geduldig abends Bücher vor, weigerte sich aber, mir Comics vorzulesen. Und das, obwohl mein großer Bruder alle Bände der “Lustigen Taschenbücher” besaß. Ich wollte sie auch lesen können! Also ging ich zu meiner Lehrerin und sie zeigte mir, mit welchen Materialien ich arbeiten könne, um zunächst die Buchstaben und deren Lautung, und dann zusammenhängende Wörter zu verstehen. Innerhalb weniger Wochen konnte ich lesen und schreiben.

Mein Wechsel von der Montessori Grundschule auf die Regelschule

An meine Grundschulzeit auf der Montessori Schule erinnere ich mich gerne zurück. Ich ging gern zur Schule, verspürte keinen Druck und hatte immer das Gefühl, die Dinge freiwillig zu lernen. Mich hat nie jemand aufgefordert, irgendwas zu tun. “Und nach der Grundschule? Das reicht doch niemals für eine weiterführende, normale Schule!” werden jetzt viele denken.

Doch! In der Tat reichte diese Grundlage für meinen Abiturschnitt von 1,5. Auch für das Gymnasium habe ich mich selbst entschieden. Weil ich mitbekam, dass ein paar Kinder in der Klasse eine extra Lerngruppe gebildet hatten, in der es mehr zu lernen und andere Materialien gab, wollte ich auch mitmachen (weil es auf der Montessori Schule keine Noten gibt, müssen Kinder für’s Gymnasium eine Aufnahmeprüfung machen). Die Prüfung habe ich ohne Probleme bestanden. Tatsächlich wechseln wollte ich aber erst ein Jahr später, weil meine beste Freundin auch wechselte.

Das ist doch unmöglich für ein Kind aus der Montessori Schule, plötzlich still zu sitzen und den Regeln zu folgen!

Im Gegenteil! Ich war in den ersten Jahren das fleißigste und lernfreudigste Kind, das ihr euch vorstellen könnt. Für mich gab es nichts Bequemeres, als den Stoff frontal vermittelt zu bekommen. Ich musste mir nichts selbst suchen, einfach nur zuhören und merken. Hausaufgaben waren bisher freiwillig gewesen, niemand hatte sie kontrolliert. Und plötzlich interessierte es, was ich nachmittags zu Hause machte, wenn ich Glück hatte, durfte ich sogar vor der ganzen Klasse zeigen, wie gut ich den Stoff der letzten Stunde im Kopf hatte. In der ersten Gymnasialklasse war ich Klassenbeste. Allmählich änderte sich dann meine Einstellung. Ich verstand, dass lernen für die Schule Druck macht, dass es passieren kann, dass man schlechte Noten bekommt, wenn man mal keine Zeit oder Lust hat. Dass der Lehrer der “Gegner” ist und man lieber einfach nur faul rumhängen würde, als was für die Schule zu tun. So ging es übrigens auch anderen Kindern, die gewechselt waren.

Auch eine andere unschöne Sache lernte ich dort schnell: wie man andere Kinder ausschließt, mobbt, nicht mag. Das gab es auf der Montessori Schule nicht. Natürlich gab es auch dort unbeliebte Kinder. Aber sie wurden einfach in Ruhe gelassen. Man wollte nicht mit ihnen spielen, aber niemand hatte Interesse daran, sie zu hänseln. Es war außerdem kein Problem, dass ein beliebtes Kind (das ich zum Glück war) mit dem unbeliebtesten und merkwürdigsten Kind der Klasse befreundet war. Darüber hat sich niemand Gedanken gemacht.

Für wen ist die Montessori Schule geeignet?

Wenn mich also jemand fragen würde, ob eine Montessori Schule die richtige Schulform ist, wäre meine Antwort immer JA. Es gibt kein Kind, für das diese Schulart von Natur aus ungeeignet ist. Ich würde sie uneingeschränkt empfehlen für Kinder jeden Alters und jedes Intellekts. Auch Inklusion ist auf der Montessori Schule problemlos möglich.

Aber: es ist wichtig, sich auch als Eltern entsprechend zu verhalten. Wenn der Druck, die Belohnung und Bestrafung, die im Montessori-System fehlt, von zu Hause kommt, kann man sich das Ganze auch sparen. Wenn schon im Vorschulalter die natürliche Freude am Lernen und Neugier von Kindern auf irgendeine Weise kaputt gegangen ist oder gelitten hat. wird es auch auf dieser Schule schwierig werden.

Negative Erfahrungen mit Montessori

So habe ich in meiner Grundschulzeit natürlich auch Kinder gesehen, die dort schlechte Erfahrungen machen mussten. Wenn ein Kind aus einem Umfeld kommt, wo sehr viel Kontrolle, Zwang und Erziehung stattfindet, kann es in der Montessori Schule mitunter schwierig werden. Wir hatten zum Beispiel ein Kind in der Klasse, das sich kaum selbständig mit etwas beschäftigt hat. Die meiste Zeit hat er damit verbracht, andere zu stören oder zu streiten, ja sogar zu schlagen oder zu schubsen. Natürlich war mir damals nicht klar, dass hinter solchen Verhaltensauffälligkeiten vermutlich große Probleme in der Familie stecken. Vor den daraus resultierenden schulischen Problemen kann keine Schulform, auch nicht die Montessori Schule, schützen.

Unterschied zwischen Montessori und Waldorf Schule

Im Alltag wird eine Montessori Schule sehr häufig mit Waldorf Schulen verwechselt. So wurde ich häufig spöttisch gefragt, ob wir dort morgens unseren Namen tanzen würden. Hinter einer Waldorf Schule steckt ein ganz anderes Konzept und eine Auffassung vom Menschen und vom Kindsein, die auf die den Gründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner, zurück geht. Das beinhaltet so viel mehr als nur die Art, wie Kinder lernen und sich entwickeln. Die Waldorf Schule ist nur eine Ausprägung der Anthroposophie. Montessori dagegen bezieht sich lediglich auf den pädagogischen Aspekt, beschäftigt sich mit dem Lernprozess von Kindern.

Montessori Schule – Kritik berechtigt?

Genauso wie diese Verwechslung mit der Waldorf-Schule, der anderen großen alternativen Schulform, die wir kennen, habe ich in meinem Leben auch viel Kritik an der Montessori Schule gehört. Folgende Punkte höre ich immer wieder:

  • Kinder in der Montessori Schule lernen doch nichts, wenn alles freiwillig ist. Die Kinder spielen dort doch nur.
  • Kinder in einer Montessori Schule würden bestimmte Fachbereiche vernachlässigen, weil sie nur ihren Vorlieben nachgehen.
  • Das Konzept würde zu wenig Struktur und Vorgaben beinhalten, die Kinder aber dringend bräuchten.
  • Kinder würden nicht gezielt in ihren Stärken gefördert.
  • Vor allem Kinder mit Lernbehinderung oder ADHS wären in der Montessori-Schule schlecht aufgehoben.
  • Montessori Schulen seien eigentlich nur Privatschulen für Kinder, die sonst auf der Förderschule landen würden.
  • Die Montessori Schule würde nicht aufs echte Leben vorbereiten, weil es dort keine Noten, keinen Konkurrenzdruck gibt.
  • Beim Übertritt in andere Schulformen oder eine Ausbildung ergeben sich automatisch Probleme.

Solche kritischen Stimmen kommen meiner Erfahrung nach vor allem von Erwachsenen, die sich nie eingehend mit dem Konzept von Maria Montessori beschäftigt haben bzw. nie miterlebt haben, wie der Alltag in der Montessori Schule abläuft. Viele Menschen kennen einfach nur das traditionelle Konzept von Schule mit Frontalunterricht, Noten und Hausaufgaben. Sie können und wollen sich nicht vorstellen, dass es auch so viel einfacher und spielerischer geht.

Dabei wissen wir heute längst, dass unser allgemeines Schulsystem veraltet und überholt ist. Nicht zuletzt die Ergebnisse der regelmäßig durchgeführten PISA-Studie belegen, dass in Ländern, in denen mehr nach Montessori gearbeitet wird, die Kinder besser abschneiden. Unser Regelschulsystem geht dagegen auf das Preußische System von vor über 100 Jahren zurück. Damals war das Ziel der Schullaufbahn, gehorsame Soldaten und fleißige Arbeiter zu erziehen. Menschen, die nicht viel nachfragen und sich ins System eingliedern. Das war damals überlebensnotwendig für alle. Heute dagegen sind im späteren Leben ganz andere Qualitäten gefragt. Menschen müssen querdenken, hinterfragen, kreativ sein und neue Wege gehen. Reines Fachwissen wird uns in der nahen Zukunft nicht mehr weiter bringen.

 

 

 

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Alle Kommentare (14)

    Was für ein aufschlussreicher Bericht! Vielen Dank dafür. Die Frage der Schulwahl kommt auch auf uns bald zu und wir ziehen verschiedene Schulformen in Betracht. Da sind solche Berichte natürlich umso spannender!

    Mich würde interessieren wie deine Brüder die Schulzeit an der Montessorischule empfunden haben bzw.wie dort der Wechsel an die weiterführende Schule funktioniert hat.?Da ich einen Sohn habe würde mich auch eine männliche Sichtweise interessieren. Danke 🙂

    Liebe Mari,

    meine beiden jüngeren Geschwister waren ebenfalls auf derselben Montessori-Schule. Beide haben danach das Gymnasium erfolgreich durchlaufen. Einer war unter den besten 3 seines Jahrgangs, der andere hat ein “normales” bis gutes Abitur. Beide hatten keine nennenswerten Probleme in ihrer Schullaufbahn, zumindest nichts, was mit der Montessori-Schule in Verbindung stehen könnte. In der Pubertät waren sie natürlich trotzdem 😉

    Ich sollte allerdings dazu sagen, dass auch mein äterer Bruder ein gutes Abitur hat, man kann natürlich nicht nur die Montessorischule dafür verantwortlich machen. Er war auf einer normalen Grundschule und hatte auch keine Probleme.

    Ich denke der Unterschied liegt vielleicht gar nicht so sehr in der schulischen Laufbahn, sondern in der Qualität der Grundschulzeit. Während mein älterer Bruder Hausaufgaben zu erledigen hatte und in der Schule stillsitzen musste, Noten mit nach Hause brachte und Erwartungen erfüllt hat, haben wir am Vormittag wie Nachmittag selbstbestimmt gespielt und unsere Kindheit gelebt. Das klingt jetzt vielleicht etwas pathetisch, ich empfinde es aber so.

    Ich denke nicht, dass es große Unterschiede für Jungs oder Mädchen gibt, alle Kinder lernen auf ähnliche Weise. Allerdings können sich Mädchen oft besser an eine “normale” Schulform anpassen, weil sie oft ruhiger sind. Jungs dagegen haben einen großen Bewegungs- und Entdeckerdrang (tendentiell, natürlich nicht alle) und werden in gängigen Systemen dann schnell als “hyperaktiv” oder ADHS-Kinder abgestempelt und irgendwie ruhig gestellt. In einer Montessorischule gibt es diese Probleme selten. Die Kinder, egal ob Junge oder Mädchen, können frei nach ihren Bedürfnissen entscheiden.

    Hallo,
    Ich bin von der 1. Bis zur 10. Klasse an die Schkola gegangen, welche ein ähnliches Konzept hat. Gemischte jahrgänge bis damals noch zur 7. Klasse und kaum Frontalunterricht – höchstens zu einer Einführung in ein neues Thema, wo wir zusammen im Kreis saßen. Ich habe diese Zeit als entspannt und aufregend erlebt und Lerndruck gab es einfach nicht. Auch wir hatten keine Noten und ich bin der Meinung, dass diese auch nicht wichtig sind, denn sie sagen nichts über die Persönlichkeit aus. Wir hatten jedoch mehr Vorgaben sage ich mal, als an der Montessori, denn bei uns gab es die Wochenpläne. Aufgaben, die für diese Woche gedacht waren, aber auch später absolviert werden können, wenn man es nicht schafft. Ich fühlte mich aber auch durch diese nicht unter Druck gesetzt. Ich absolvierte die 10. Klasse mit einem Durchschnitt von 1,6 und begann anschließend meine Ausbildung als Gesundheits-u. Krankenpflegerin. Die schulische Ausbildung war grauenvoll. Versteht mich nicht falsch, ich kam gut zurecht, hatte keine Probleme mit dem “Umstieg”, aber die Lehrer waren größtenteils unmotiviert und die Schulstunden bestanden daraus, etwas abzuschreiben und zuzuhören. Für viele ging es oft zu schnell. Mir fehlte das “selber machen”. Gelernt wurde für Arbeiten, die teilweise 2 Tage vorher angekündigt wurden. Auch die Gemeinschaft war an der Schkola größer, in der Ausbildungszeit dachte jeder nur daran, wie er seinen eigenen A.. an die Wand bringt, auf Deutsch gesagt. An der Schkola haben wir mit- und voneinander gelernt. Es war normal, dass Schüler die Dinge nicht gleich begriffen mit denen gearbeitet haben, die schneller verstanden und es erkläten konnten. Ich hatte auch hier wieder den gleichen Durchschnitt. Ich habe immer gern gelernt, bin liebend gerne zur Schule gegangen, war aber heilfroh, als die Ausbildungszeit vorbei war. Meine Kinder werde ich auf jeden Fall an eine freie Schule schicken! Sorry, etwas lang geworde n. Liebe Grüße, Paula

    Hallo liebe Paula,

    vielen Dank für diese ausführliche Schilderung. Ich habe von einer Schkola noch nie was gehört. Ich finde es schön, dass immer mehr Schulen auf alternative Konzepte und freies Lernen setzen. Vielleicht kann so eines Tages ein allmähliches Umdenken bezüglich Kindern und Schule einsetzen. Denn auch wenn ich mit dem “normalen” Gymnasium super zurecht kam, kann ich mir gut vorstellen, dass es für viele Kinder eine totale Prozedur ist. Und wirklich gelernt, also nachhaltig und für’s Leben, habe ich ehrlich gesagt wenig…

    Liebe Grüße,
    Hanna

    Eine spannend erzählte Geschichte, also quasi eine einzige wahre Geschichte schlüssig erzählt, ohne jeglichen kleinsten Makel dient also den Meisten schon als blind zu folgende Vorlage.
    Klasse!
    Da kommen mir als völlig freien und selbständig denkenden Menschen solche Zweifel auf, wie sonst nur bei den tollen Stories, wie sie beispielsweise von Scientologen kommen können….

    Sorry, gute Werbung einer wahrscheinlich dort selbst tätigen Lehrerin…. Mehr nehme ich nicht ab.

    Hallo Jens,

    vielleicht interessiert es dich, dass es die Schule dort heute nicht mehr gibt – für andere war sie wohl nicht ganz so perfekt 😉

    Ich selbst habe tatsächlich Lehramt studiert, meinen Beruf aber nach dem Studium nie ausgeübt.

    Viele Grüße,
    Hanna

    Als einer der besagten jüngeren Brüder kann ich den Erfahrungen meiner Schwester nur zustimmen. Perfekt ist natürlich nichts und ein bisschen gesunde Skepsis immer angebracht. Aber man sollte sich die Schule vielleicht einfach mal anschauen und sehen, ob das für die eigenen Kinder passen kann. Mit “Scientologen” hat das Ganze jedenfalls nichts zu tun.
    Ich fand den Wechsel von der Montessori-Schule und insbesondere die dafür erforderliche Aufnahmeprüfung übrigens schon etwas schwierig (die Prüfung war notwendig, weil es keine Noten gab). Ich habe dafür einige Zeit wirklich viel gelernt und hatte Angst, dass ich es trotzdem nicht schaffen würde. Das war aber wohl letztlich eher meine subjektive Einschätzung, weil ich die Prüfung selbst dann mit guten bzw. sehr guten Ergebnissen bestand. Diese Vorbereitungszeit hätte ich mir gerne sparen können, aber ansonsten kann ich den Besuch der Montessori-Schule uneingeschränkt empfehlen. Erfolgs- und Lerndruck kommen im Leben noch früh genug.

    Vielen Dank für den tollen Blogartikel. Wir sind am überlegen was wir mit unserem jüngsten machen sollen. Rechnen und Zahlen hat er schon im “Fahrwasser” der älteren Geschwister gelernt, lesen mag er auch lernen nur beim schreiben bockt er.

    In einer Regelschule wird es da wahrscheinlich Probleme geben und wir überlegen uns nicht eine alternative Schulform für ihn besser wäre. Unsere Hauptangst ist was nach den 4 Jahren Grunschule ist aber dein Artikel hat uns ein bisschen die Angst genommen.

    Vielen Dank für den Artikel. Wir überlegen gerade unsere Tochter von der 5. Klasse des Gymnasiums auf eine freie Schule zu geben. Sie hat in der Grundschule immer gerne gelernt und war gut, sodass sie eine Empfehlung für das Gymnasium bekam. Aber jetzt ist ihr jegliche Lernlust abhanden gekommen. Ich habe die Hoffnung dass sie sie auf der freien Schule wiederfinden könnte. Kennt ihr Leute die diesen Schritt gewagt haben oder könnt ihr dazu etwas sagen?
    Vielen lieben Dank, Cornelie

    Hallo Cornelie,

    leider habe ich damit nicht viel Erfahrung. Eine Freundin von damals ist ebenfalls aufs Gymnasium gewechselt und hatte dort Probleme mit der Autorität der Lehrer. Ihr viel es ungemein schwer, etwas vorgegeben zu bekommen von Menschen, die sie nicht respektierte. Das hat sie mir vor kurzem erst erzählt, vorher wusste ich von keinem Fall mit solchen Problemen. Allerdings waren wir uns in dem Gespräch auch beide einig, dass das weniger daran lag, dass sie vorher eine Montessorischule besucht hat, sondern an ihrem Charakter und Temperament. Wäre sie auf eine Regel-Grundschule gegangen, hätte sie wahrscheinlich schon früher Probleme mit der Schule bekommen.
    Angenommen, Deine Tochter wäre auch so ein Fall, könnte ich mir gut vorstellen, dass sie den Weg zurück findet und am selbstbestimmten Lernen Spaß hat. Ich an eurer Stelle würde es ausprobieren. Denn wenn sie sich quält, sind die Jahre auf dem Gymnasium hart. Zum Glück haben wir in Deutschland ein Bildungssystem, in dem sie ein Abitur jederzeit nachholen kann, wenn sie es aus eigenem Antrieb möchte.

    Alles Gute für euch,
    viele Grüße,
    Hanna

    Vielen Dank für die interessante Artikel!
    Wir haben zurzeit gerade die Überlegung ob wir unseren erste Sohn zu ein freie Schule Schelm. Da wir eine ausländische Familie sind, habe ich bisschen bedenken dass unsere Sohn dort sein Deutsch nicht schnell verbessern könnte. Was meinst du, Hanna? Wäre das auch ein Problem sein in ein Montessori Schule? Kannst du dich vorstellen?
    Viele Grüße,
    Joyce

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