Vom Eltern werden: 3 1/2 Generationen an einem Tisch


Vom Eltern werden

Plötzlich sind wir nicht mehr einfach nur ein Paar, die ihr Leben und ihre Beziehung genießen. Jetzt sind wir werdende Eltern, bald Mann und Frau und müssen Verantwortung übernehmen, uns um viele Dinge kümmern. Das ändert nicht nur die Sichtweise auf das eigene Leben, sondern irgendwie auch auf die eigene Familie. Während es in der Jugend und oft lange darüber hinaus darum ging, sich von der Familie abzugrenzen, einen eigenen Weg zu gehen, habe ich jetzt das Gefühl, wieder näher zusammen zu rücken. Und das, obwohl wir vor kurzem ca. 600 km zwischen uns und meine Familie gesetzt haben. Es gibt jetzt so vieles, was ich von meinen Eltern wissen möchte. Wie haben sie das nur geschafft, vier gesunde Kinder groß zu ziehen, nebenbei zwei Häuser zu bauen und beruflich wie privat nicht auf der Strecke zu bleiben. Was früher selbstverständlich schien, wird mir erst jetzt als große Leistung bewusst. Aber viel wichtiger sind für mich natürlich momentan die ganz alltäglichen Dinge – die meine Mama ja viermal gut gemeistert hat: hat sie in der Schwangerschaft Käse gegessen, wie konnte sie drei gute Jungs-Namen finden (für uns ein Ding der Unmöglichkeit) und warum hatte sie vier Geburten ohne PDA? Ich ertappe mich selbst dabei, wie ich mindestens 5 Mal / Woche zu Hause anrufe – früher standen Telefonate mit den Eltern nur am Wochenende an und wie ich innerlich bei bestimmten Entscheidungen denke „da frag ich erstmal meine Eltern, wie die das gemacht haben“.

Vom Großeltern werden

Seit mein großer Bruder und ich soweit erwachsen sind, also seit über 10 Jahren, hoffen meine Eltern insgeheim auf Enkelkinder. In der Zwischenzeit hatten sie sich bereits damit abgefunden und eine Reihe von Patenschaften für Kinder aus ihrem Freundeskreis übernommen. Aber eigene Enkelkinder zu haben, ist wahrscheinlich doch noch mal etwas anderes. Dementsprechend groß war natürlich da die Freude über meinen Anruf vor 3 Monaten mit den Worten „Mama, ich bin schwanger.“ Die nur wenige Wochen später folgende Nachricht, dass wir im Februar heiraten werden, stieß ebenso auf Zustimmung – weniger die Tatsache, dass ich meinen Namen ablegen werde. Immerhin hatte meine Mama damals energisch und letztlich erfolgreich darum gekämpft. Auch dass wir jetzt so weit weg sind, ist für sie natürlich nicht ideal – aber verschmerzbar, wenn dafür ein Enkelkind rausspringt. Meine Mama ist sich übrigens ganz sicher, dass es ein Mädchen wird.

Vom Urgroßeltern werden

Für meine Großeltern wird unser Kleines das zweite Ur-Enkelkind sein. Wobei das erste auch nur wenige Monate zuvor erwartet wird. (Praktisch für uns – wenn das Geschlecht stimmt, können wir ein paar Strampler etc. in der Familie durchreichen.) Natürlich freuen auch sie sich wahnsinnig auf das neue Mitglied in der Familie, aber das „Ur“ vor dem Opa zu haben ist, so kann ich mir vorstellen, doch etwas beängstigend. Ich kannte noch eine Uroma und bin darüber sehr froh. In meiner Kindheit war sie sehr wichtig und ich denke gerne an die Nächte zurück, die ich bei ihr bzw. meinen Großeltern verbracht habe.

Alle in Berlin

Meinen Großeltern war es jedenfalls wichtig genug, zu sehen, wie es mir hier in Berlin und schwanger ergeht, um die große Reise auf sich zu nehmen. Zusammen mit meinen Eltern haben sie daher die 6-Stunden-Fahrt angetreten und sich für zwei Tage hier im Hotel an der Ecke eingemietet. Und ich muss sagen, das ist schon ein irres Erlebnis, zu 6 1/2 an einem Tisch zu sitzen und sich gemeinsam zu freuen, auf alles, was da kommt. Ich kann jedem nur wünschen, eine so tolle Familie zu haben!

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