Das bedeutet für uns Erziehung


 Gleichberechtigung ist etwas Schönes. „Unsere Kinder sind gleichberechtigt“ hört sich modern und aufgeklärt an. Bei genauerem Hinsehen für mich allerdings gar nicht mehr so toll. Denn auch wenn mein Sohn für mich gleichwertig ist, gleichberechtigt ist er nicht.

Was ich als wichtig für unser Kind empfinde

Von strenger Erziehung halte ich nichts. Ich habe selbst keine strenge Erziehung genossen (und aus mir ist trotzdem „was geworden“) und mir waren strenge Erwachsene immer irgendwie suspekt. Deshalb haben wir kein strenges Konzept von dem, wozu wir unseren Sohn erziehen möchten. Natürlich muss er lernen, sich an ein paar Regeln zu halten und verstehen, wie die Gesellschaft funktioniert. Erziehen im eigentlichen Wortsinn, also ihn „zu etwas bzw. jemandem machen“, möchte ich nicht. Er soll sein dürfen, wie er ist, jeder Teil von ihm, jeder Charakterzug ist berechtigt und richtig. Allerdings soll er lernen, auf andere Rücksicht zu nehmen und in gewissen Situationen eben nicht alles auszuleben.

Unser Alltag als Familie ist jeden Tag anders und immer flexibel – je nachdem, wie es uns einzelnen Mitgliedern dieser Familie geht. Genauso flexibel muss also auch unsere „Erziehung“ sein.

Keine strengen Regeln

Und dazu gehört dann auch mal ein bisschen Inkonsequenz. Manchmal hab ich einfach keinen Bock auf Regeln, die ich selbst vielleicht mal aufgestellt habe. Vor allem habe ich keine Lust auf künstliche Grenzen nur um der konsequenten „Erziehung“ willen. Was haben wir davon, unser Kind jeden Tag starr zur selben Zeit ins Bett zu bringen, uns abzuquälen, damit er einschläft, auch wenn er nicht müde ist? Was lernt er daraus? Welchen Schaden nimmt er, wenn er nochmal kurz aufstehen darf, wenn ihm das wichtig ist, und dann wieder ins Bett kommt?

Wenn wir etwas vorgeben und strikt durchsetzen, dann muss das einen angemessenen Grund haben, z.B. eigene Bedürfnisse, die wir nicht zurückstellen möchten oder ein potentieller Schaden für unser Kind. Strenge Erziehung ist also nicht so unser Ding.

Vorbildlich fehlerhaft – dafür authentisch

Aber immer bedürfnisorientiert ehrlich gesagt auch nicht. Natürlich ist für uns ein achtsamer und respektvoller Umgang mit unserem Kind sehr wichtig. Er ist kein Familienmitglied 2. Klasse. Trotzdem bin ich manchmal schrecklich ungerecht zu ihm, einfach weil ich müde bin oder wütend und stur. Dann kann ich nicht immer alles „richtig“ machen.

Auch zu meinem Mann kann ich streckenweise richtig fies und launisch sein. Das ist dann eben so, ich kann nicht aus meiner Haut. Wir sind eben nicht perfekt und es macht keinen Sinn, so zu tun als ob. Niemand muss sich verbiegen, um eine perfekte Familie zu schaffen, auch schlechte Laune gehört dazu. Und Fehler.

Denn Fehler gehören zum Leben. Also auch zu Eltern. Wichtig ist, dass wir weitermachen, das beste daraus machen. Dass auch wir als Eltern unser Leben genießen, Spaß haben in unserem Alltag, im Hier und Jetzt leben. Auch dadurch sind wir Vorbild für unser Kind.

Mein Kind ist nicht gleichberechtigt

Er ist gleichwertig, ja. Seine Bedürfnisse zählen genauso wie unsere, manchmal sogar mehr. Aber er darf nicht alles entscheiden und er muss auch nicht alles nachvollziehen können, was wir tun oder nicht tun. Er ist ein Kind, kein kleiner Erwachsener, der nur körperlich noch etwas wachsen muss.

Unser Familienleben ist kein starrer, rationaler Ablauf. Es ist ein Zusammenspiel aus allen Beteiligten und damit nicht immer planbar und erklärbar. Auch Erziehung, wenn man es so nennen mag, kann dadurch kein starres Konzept sein, sondern passt sich immer der Situation an. Authentisch, intuitiv. Ein Kind kann das nicht immer richtig einschätzen und verstehen. Wir als Erwachsene in manchmal schon.

Es geht nicht um Perfektion, oder Macht und Kontrolle, sondern um uns. Um ein Miteinander, Familie, Rückhalt. Ich möchte, dass mein Sohn in dem Wissen aufwächst, dass er gut ist, so wie er ist. Nicht fehlerfrei, aber perfekt und genau richtig.

Ich möchte, dass er sich frei und ohne Angst entwickeln kann. Ich möchte seinen Entdeckertrieb nicht einschränken oder formen, nur um aus ihm ein perfektes Mitglied der Gesellschaft zu machen. Er muss auch kein perfektes Attachment-Parenting-Kind sein und auch nicht unerzogen. Er muss nicht besser in der Schule sein, weil er im Familienbett schlafen durfte oder weniger Probleme in der Pubertät machen, weil er lange gestillt wurde.

Er soll einfach nur er selbst sein dürfen. Und wir auch.

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