Intuitive Erziehung: Muss ich mein Kind erziehen?


Wer verschiedene Blogs liest, der findet ein Thema zur Zeit überall: Selbstbestimmtes Schlafen. Das heißt, Eltern lassen die Kinder selbst entscheiden, wann sie müde sind und ins Bett gehen möchten. Für mich steht diese Frage in einem viel größeren Zusammenhang: Muss ich meine Kinder erziehen? Muss ich vorgeben, in welchen Rhythmus sie sich einfügen, wie sie in die Gesellschaft passen bzw. dass sie passen? Und wenn ja, wie viel Erziehung ist zu viel und wie viel muss sein?

Bedürfnisorientierte Erziehung, Attachment Parenting, Unerzogen, was denn nun?

Bedürfnisorientierte Erziehung und Attachment Parenting sind seit längerem auf dem Vormarsch. Moderne psychologische Erkenntnisse legen nahe, dass das auch richtig und gut so ist. Wer sich ein bisschen einliest, findet schnell heraus, dass schreien lassen eben nicht die Lunge kräftigt und noch keinem Kind geschadet hat, dass den Teller leer essen und die stille Treppe Humbug von gestern sind und dem Kind eher schaden, als es auf das spätere Leben vorzubereiten. Dass man sein Kind nicht für’s Leben „abhärten“ muss, sondern vor allem kleine Kinder und Babys ruhig verwöhnt werden dürfen, wird immer mehr zum Konsens. Denn entgegen früherer Weisheiten bereitet genau das sie auf ihr späteres Leben vor: eine sichere Bindung zu den Eltern, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und ein gesundes Selbstwertgefühl. All das lässt sich erreichen, indem wir auf unsere Kinder eingehen, ihnen zuhören und sie gleichzeitig selbständig Dinge erforschen und erfahren lassen. Selbständigkeit und Selbstwirksamkeit erfahren ist extrem wichtig für die kindliche Entwicklung.

Und dann gibt es da die Eltern, die ihren Erziehungsstil als „unerzogen“ bezeichnen. Das liegt von dem oben beschriebenen nicht so weit entfernt, geht aber noch einen Schritt weiter. Unerzogen bedeutet nicht, dass Kinder ungezogen sind. Es bedeutet nicht, dass sie keine Grenzen kennen und keinen Respekt vor anderen haben. Unerzogen bedeutet vielmehr, dass man seine Kinder als gleichwertige Mitglieder der Familie sieht und sie sich selbst entwickeln lässt, ohne zu viel einzugreifen. Es bedeutet auch, dass man nicht an den Kindern herum (er)zieht, sondern sie in ihrer Individualität liebt und respektiert. Zu dieser Richtung gehört auch selbstbestimmtes Schlafen. Die Kinder lernen, dadurch dass sie freie Entscheidungen treffen dürfen, sich selbst zu regulieren. Sie gehen nicht ins Bett, weil sie müssen, weil sie dazu erzogen werden, brav ins Bett zu gehen, sondern weil sie müde sind und gemerkt haben, dass Schlaf gut tut.

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Zuletzt aktualisiert am 12. December 2018 um 16:07 . Die hier angezeigten Preise können sich inzwischen geändert haben. Alle Angaben ohne Gewähr. Wir nutzen Affiliate-Links und markieren diese hier als WERBUNG / ANZEIGE.

Der „Klassiker“ von Eckehard von Braunmühl wurde vom Tologo-Verlag neu aufgelegt. Die Gedankengänge sind, auch wenn schon 1973 verfasst, immer noch brandaktuell und wirklich interessant. Allerdings ist das Buch eine wissenschaftliche Annäherung und für einfach nur pädagogisch interessierte doch recht trocken zu lesen.

Thematisch ist die Unerzogen-Strömung damit gar nicht weit entfernt von einem Trend der 70er-Jahre: der Antipädagogik. Was sich erst einmal sehr plakativ anhört, ist in Wirklichkeit schnell erklärt. Der „Gründer“ der antipädagogischen Bewegung, Ekkehard von Braunmühl, proklamiert in seinem Werk „Antipädagogik. Studien zur Abschaffung der Erziehung“ (1973) das Ende der Erziehung als Versuch, das Kind in irgendeiner Art zu formen, es zu erziehen. Demnach ist die Pädagogik, die Erziehung, wie ein „Krebsgeschwür“ und setzt einen sich Generation für Generation wiederholenden Mechanismus in Gang: an irgendeinem Punkt im Leben wird das Kind (das ist dann meist die sog. Pubertät) mehr oder weniger stark gegen die Erziehung und Formung der Eltern ankämpfen. Am Ende macht man es als Erwachsener aber doch genauso wie die eigenen Eltern bzw. kann sich vom Konzept der Erziehung nicht lösen.

 

Mit dem Erziehen aufzuhören, aus diesem Alptraum aufzuwachen, dieses Spiel ohne Ende von außen zu betrachten und zu beenden, ist deswegen eine so schwierige Aufgabe, weil es in unserem Kulturkreis kaum Menschen gibt, die sich mit den Regeln dieses Spiels nicht anfreunden mußten, die diesen Traum nicht mit dem Leben verwechseln, die nicht felsenfest davon überzeugt sind, es wäre nicht gut, einfach nett zu sein. […] Vielen von ihnen ist eine heute noch utopisch erscheinende Qualität des Lebens und Zusammenlebens zu ermöglichen, wenn es gelingt, ihnen erkennbar zu machen, daß kein rationaler Grund sie zwingt, in das Erziehungsspiel ihrerseits aktiv einzutreten.Braunmühl, Ekkehard von: Antipädagogik. Studien zur Abschaffung der Erziehung. Tologo Verlag, Leipzig 2006 (1975), S. 19

 

Ja, das klingt sehr radikal. Später hat sich die Strömung der Antipädagogik übrigens zerschlagen, jedoch erscheint mir das Thema im Licht der oben beschriebenen Trends brandaktuell.


Antipädagogik ist nicht antiautoritäre Erziehung!

Da das immer wieder verwechselt wird, möchte ich darauf kurz hinweisen: Antipädagogik hat nichts mit antiautoritärer Erziehung zu tun und ist auch nicht laissez-faire. Antiautoritäre Erziehung hat ja die „Erziehung“ schon im Namen – und tatsächlich kann man bei genauerem Hinsehen feststellen, dass auch hier Erwartungshaltungen und ein Erziehungsideal vorhanden sind. Das Kind soll lernen, keine Autoritäten zu akzeptieren, soll sich gegen Staat, Schule oder sonstige gesellschaftliche Normen auflehnen. Man „erzieht“ sozusagen einen Revoluzzer. Antipädagogik möchte zu gar nichts machen, zu gar nichts erziehen. Das Kind soll einfach nur das Kind sein.

Unser Konzept von Intuitiver Erziehung: Erziehung nach Bauchgefühl

Und irgendwo zwischen Antipädagogik, Bindungsorientierung und traditioneller Erziehung finden wir uns wieder. Eine kleine, dreiköpfige Familie mit einem 1-jährigen Rabauken, dessen Energie und Willenskraft kaum zu bändigen zu sein scheint. Anfangs dachten wir, wir „machen“ Attachment Parenting. Denn bei der Lektüre von Sears‘ gleichnamigem Buch konnte ich in mir hauptsächlich Zustimmung finden. Doch im Laufe der Monate wurde für uns immer deutlicher: darauf haben wir keine Lust. Auch Attachment Parenting ist uns zu konzeptionell, zu starr in eine Richtung gedacht. Es gibt für meinen Geschmack zu viele Regeln und zu viel, was man offensichtlich falsch machen kann bzw. wissen muss.

Intuitive Erziehung = Intuitive Elternschaft

Was wir eigentlich von Anfang an machen, möchte ich hier „Intuitive Elternschaft“ nennen. Denn die wenigsten Dinge, die wir im Bezug auf unser Baby praktiziert haben, mussten wir uns speziell anlesen, meistens kamen sie aus dem Bauch heraus und fühlten sich einfach richtig an. Unser Familienbett zum Beispiel ist nicht aus einer Lektüre oder irgendeiner Einsicht heraus entstanden oder aus einer Überzeugung, dass das das Beste sei. Im Gegenteil, das Beistellbettchen hatten wir ja bereits aufgebaut. Vielmehr fühlte es sich für mich gänzlich unmöglich an, meinen Neugeborenen in dieses Bett abzulegen. Erst später haben wir über die Vorteile des Familienbettes erfahren und was es auch der Entwicklung unseres Kindes für Vorteile bringt.

Natürlich bin ich sehr dankbar über all die pädagogischen Studien, Bücher und Ratgeber – allerdings habe ich in den allermeisten Fällen erst restrospektiv erfahren, dass das, was wir aus dem Bauch heraus tun, so schlecht nicht ist. Viel dankbarer als jedem Buch bin ich allerdings meinen Eltern. Denn davon bin ich überzeugt, das allermeiste lernen wir nicht durch Erziehung, sondern durch Vorbilder. Wenn es mir also möglich ist, intuitiv so viele (laut gängiger Literatur) richtige Entscheidungen zu treffen, dann haben meine Eltern mir das ermöglicht. Und genauso möchte ich „erziehen“: So wenig wie möglich, um dem Rubbelbatz so viel Raum wie möglich zu geben, um sich zu entwickeln und eine schöne Kindheit zu haben. Gleichzeitig soll er eines Tages, wenn er erwachsen ist, möglichst frei entscheiden können, was sich für ihn richtig anfühlt und was nicht.

Grenzen setzen

So wenig wie möglich erziehen bedeutet übrigens für uns auch so wenig wie möglich Stress und Nerven lassen. Es gibt trotzdem einige Grenzen, die wir setzen in unserem Familienalltag. Allerdings sind das keine Grenzen „um der Grenzen willen“, d.h. sie sind keinem Erziehungsauftrag dienlich, sondern ergeben sich ganz natürlich – entweder aus unseren eigenen Bedürfnissen und Grenzen, oder aus der Notwendigkeit, unser Kind vor Schaden zu bewahren. Ich denke, diese reichen aus, um das gängige Argument abzudecken, dass es für die Entwicklung eines Kindes notwendig sei, gewisse Grenzen kennen und akzeptieren zu lernen.

Gemeinsam Spaß haben

Am Ende des Tages gibt es für uns also eine Devise: Unser Baby soll eine schöne Kindheit haben. Unser Augenmerk liegt dabei nicht permanent auf seiner Zukunft und was mal tolles aus ihm werden soll. Er muss jetzt noch keine Frühförderung erhalten oder Mozart hören, damit sich sein Gehirn besser entwickeln kann. Aber wenn er Freude daran hat, im Schlamm zu spielen, dann soll es nicht an der dreckigen Kleidung scheitern. Er darf mit Essen spielen, die Wohnung in ein Chaos verwandeln und er muss nicht parieren, wenn wir das wollen. Ja, er muss verstehen, dass ein paar Dinge nicht gehen, weil sie gefährlich sind oder seine Eltern zu sehr belasten. Aber er muss keine Regeln um der Regeln willen lernen. Das kommt noch früh genug im Leben.

Kein Zurechtbiegen für soziale Anpassung

Ich betrachte die ganze Diskussion um Erziehung und Fremdregulierung hauptsächlich unter folgendem Gesichtspunkt: Wie viel von der sog. „Erziehung“ dreht sich hauptsächlich darum, das Kind für die Gesellschaft anzupassen? Ist es nicht ganz oft so, dass das Kind „wohlerzogen“ sein soll, damit für die Eltern (dem Kind ist das wohlgemerkt egal) keine peinlichen Situationen in der Öffentlichkeit entstehen? Zu Erziehung gehört so oft so viel Oberflächliches, was ein Kind gar nicht braucht für seine Entwicklung, bzw. erst viel später. Kinder sollen nicht laut sein, die Erwachsenen nicht unterbrechen, still sitzen, beim Essen nicht kleckern, nur zu festen Zeiten essen, essen was auf den Tisch kommt, zu festen Zeiten schlafen, aufräumen, andere Kinder nicht anfassen, die Liste ist endlos.

Diesen ganzen Teil von Erziehung empfinde ich persönlich als ein Zurechtbiegen des Kindes für gesellschaftliche Normen. Natürlich kommt der Tag, an dem mein Sohn diese Normen kennenlernen muss und das wird er auch, aber wann es ihm wichtig ist, sich daran zu halten, soll er selbst entscheiden. Und ja, das führt manchmal zu unangenehmen Situationen – für mich hauptsächlich und ich bin bereit, das auszuhalten. Denn auch jetzt lebe ich schon damit, dass seine Kleidung nicht fleckenfrei ist (genauso wenig wie meine), seine Fußsolen schwarz und er laut schreit, wenn er sich freut oder aufregt. Dafür darf er Kind sein, darf er ganz er selbst sein.

Respekt erleben

Dann gibt es da noch eine andere Ebene von Erziehung und da geht es viel um Respekt und Miteinander. Bei uns gibt es das Wort „Nein“. Neben gefährlichen Situationen wird es vor allem verwendet, wenn etwas mir oder anderen weh tut. Ich möchte, dass er lernt, meine Bedürfnisse und die von anderen Kindern und Erwachsenen zu erkennen und zu achten. Er soll kein Kind ohne Regeln werden, das achtlos durch die Welt läuft. Und wie kann man das am besten erreichen? Richtig, durch Vorbildfunktion. Nur, wenn wir selbst seine Bedürfnisse achten und ihn als gleichwertiges Mitglied unserer Familie akzeptieren, wird er das auch versuchen. Dazu muss ich keine Erziehungsratgeber lesen und keine Definitionen kennen. Intuition und das gute alte „Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem andern zu“ reichen in der Regel völlig aus.

Selbstbestimmtes Schlafen

Und wie ist das nun bei uns mit dem Schlafen und Selbstbestimmung? Immerhin lassen wir ihn schon ganz schön oft den Ton angeben in unserem Alltag. Auch da verfolgen wir einen strikten Kurs der Unbestimmtheit. Er geht dann ins Bett, wenn er müde ist. Allerdings ist er natürlich noch viel zu klein, um selbst ins Bett zu gehen und das wird vermutlich auch noch einige Jahre so bleiben. Darum ist es an uns, festzulegen, wann der Punkt erreicht ist.

So folgt seine Einschlafzeit keinem starren Muster, sondern richtet sich danach, wie er tagsüber geschlafen hat und wie er sich die 30 Minuten vorher verhält. Heißt konkret: oft geht er schon um 18 Uhr schlafen, mal aber auch erst um 20 Uhr. Das kommt nicht immer unserem Bedürfnis nach einem entspannten Abend zu zweit entgegen, aber verhindert auch stundenlange Kämpfe um’s Einschlafen. Wenn wir im Bett sind, und er noch nicht müde genug, dann kriecht er eben noch eine Weile auf unser herum, bis er schlafen kann und wenn er es alleine zu lange nicht schafft, zur Ruhe zu kommen und uns das auf die Nerven geht, helfen wir auch mal mit Tragen nach.



Alle Kommentare (5)

    Wieder mal ein schöner Text, der meinen Vorstellungen sehr entspricht. Wir handeln auch überwiegend intuitiv, was bisher gut klappt. Wir haben zwar unsere Routinen, aber sind bezüglich der Zeitpunkte flexibel (z.B. e nach Hungergefühl und Schlafbedürfnis). Dem Rubbelbatz nachträglich herzliche Glückwünsche und jetzt eine gute Nacht!

    Hallo 🙂
    Ich muss ehrlich sagen das ich das ganze Gerede um Erziehungsrstgeber und diese ganzen “ neu- oder altmodischen Methoden“ nicht nachvollziehen kann. Ich habe bisher nicht einen Erziehungsratgeber gelesen und werde es auch aller Wahrscheinlichkeit nicht tun.
    Wir erziehen, soweit ich das deinem Text entnehmen konnte, intuitiv. Dadurch das mein Mann und ich ja schon unterschiedlich erzogen wurden und wir teilweise unterschiedliche Ansichten haben (was Kleinigkeiten betrifft) würde ein Erziehungsprogramm (wie das schon klingt, regelrecht gruselig) das Chaos perfekt machen.
    Uns persönlich ist es wichtig, das unsere Kleine ( im übrigen ist sie zwei Wochen jünger als der Rubbelbatz) mit viel Fantasie, Freiraum für Entdeckungen und den Glauben an sich selbst aufwächst, damit sie ein Urvertrauen in sich selbst entwickelt. Damit sie sich von niemanden sagen lässt: Du kannst das nicht. Sie braucht Fantasie um sich zu entwickeln, um nicht starrsinnig, grau, gestresst, verzweifelt und mit Stock im Allerwertesten 😉 in der grauen Masse der Gesellschaft unterzugehen, mit irgendwelchen hirnrissigen Dogmas. Hier gibt es allerdings auch Regeln, ganz so wie in der Villa Kunterbunt ist es dann eben auch nicht. Das Wort “ nein“ spielt hierbei eine Rolle, auch wieder ähnlich, wie bei euch, Hanna. Es gibt Dinge die darf sie nicht um sich nicht zu gefährden, oder sie darf sie halt nicht um unseres Willen bzw. um das ihrer Mitmenschen ( heißt ich lasse nicht alles zu).
    Schlafenszeiten haben wir schon recht fixe, aber aus der Grundlage heraus, da sie meist zu den selben Tagrszeiten müde wird ( plus/ minus ne halbe Std) und dann lege ich sie halt auch hin ( wobei die Zeiten dich auch schon 2-3 mal verschoben haben, was ihre Regelmäßigkeit betrifft). Ansonsten wird alles andere die Zeit bringen.So viel hab ich in dem Jahr schon gelernt. Da vieles dann doch anders kommt als wir es uns vorgenommen haben. So z.B. das Thema Bett. Wir haben immer gesagt das wir die kleine nur in Ausnahmesituationen zwischen uns schlafen lassen, mittlerweile weiß ich schon gar nicht mehr wann wir das Bett mal für uns hatten.Aber ok, so ist es halt erstmal.
    Ich persönlich würde mir wünschen das sie relativ frei aufwächst, das sie Abitur macht ( erleichtert das Leben später ungemein), das sie sich nicht abhängig macht von den Meinungen anderer ( mach ich auch nicht, es gibt 2/3 Menschen deren Meinung ist mir wichtig, alleranderen höre ich mir an,sind mir aber gleich), das sie Fantasie/ Kreativität/ „Flügel“ in ihrem Leben hat. Das sie nicht zu leichtgläubig ist und das sie ihren Weg findet.
    Toll wäre auch, wenn sie nicht unbedingt mit 14 schwanger nach Hause kommt, aber das würde im umkehrschluss bedeuten das wir versagt haben. Ansonsten, kommt Zeit, kommt Rat 😉
    Achso, wir spielen auch im Matsch, sind mal dreckig durchs essen oder spielen, haben aber genug Wasser und Wechselwäsche, also alles kein Problem 😀
    Abschließend zu sagen ist nur noch eins, ich habe bisher und ich werde auch in Zukunft keine Erziehungsratgeber lesen, jeder Mensch hat einen anderen Ansatz, ich bin weder Verzweifelt, noch habe ich kein Urvertrauen in mich oder meinen Mann was das Thema Erziehung angeht, also benötigen wir auch keinen Rat diesbezüglich.
    Dennoch war der Artikel doch recht interessant, worüber sich die „Gesellschaft“ heute schon wieder das Hirn zermartert.

    Unsere Kids sind schon älter 3 und 5, wir leben nach dem Motto: Wir leben zusammen und erklären den Kids die Welt. Gerade mit dem „Großen“ kann man schon fast philosophische Gespräche über den Nutzen von Höflichkeit und Hilfsbereitschaft führen. Er liebt Gesellschaftsspiele mit komplexen Regeln (z. B. interessiert ihn Schach sehr) und achtet darauf, dass wir sie einhalten, wenn wir zusammen spielen und er achtet sehr darauf, dass seine kleine Schwester in den gleichen Situationen auch gleich behandelt wird, was wiederum zu spannenden Gesprächen mit ihm führt, wenn wir ihm erklären, dass wir ihn vor 2 Jahren auch so behandelt haben, wie jetzt seine kleine Schwester, weil sie es noch nur so kann und ihn ermuntern ihr die Welt mit uns zusammen zu erklären. In der Kita erleben beide, dass es ohne Regeln bei so vielen Kids zusammen auf einem Haufen sonst nicht geht. Sie erleben auch, dass auch wir Erwachsenen nicht immer völlig regellos leben, auch weil wir beide arbeiten (z. B. Morgens aus dem Haus müssen, an bestimmten Tagen länger arbeiten müssen, andere Anziesachen auf Arbeit tragen, als in der Freizeit, Termine umorganisieren müssen, wenn wir sie spontan wegen Krankheit zu Hause behalten usw.). Doch auch erleben sie, dass wir z. B. im Umgang mit Medien Regeln aufstellen, weil sie es selber noch gar nicht könnten. Diese erklären wir Ihnen aber auch. Dann klappt es auch meist ohne große Rebellion die Regeln einzuhalten. Was allerdings nicht heißt, dass wir nicht regelmäßig Wutanfälle, entwicklungsbedingt im Hause hätten ;-)! Doch auch dafür schimpfen wir sie sehr selten (manchmal gehen einem schon mal selbst die Nerven durch, beim 3. oder 4. Anfall am Tag). Wir versuchen dann heraus zu finden, was sie so geärgert hat und trösten… Auch wenn das echt hin und wieder ziemlich anstrengend für uns ist… Aber ohne Rebellion und kindliche Nervenzusammenbrüche scheint es nicht zu gehen (da hat man schon mal morgens die Milch falsch eingegossen?!?)… Ich finde es sehr schön, wenn so viele Blogs für ein friedliches Miteinander von Kindern und Eltern werben! Und ich erkläre auch allen, die uns verwundert anschauen, wenn wir mal wieder lang und breit erklären, dass wir nicht einfach schimpfen wollen!

    Hallo! Meine beiden sind auch schon etwas größer. 4 und knapp 6 Jahre alt. Ich lese ungern irgendwelche Ratgeber. 2-3 habe ich mir tatsächlich mal durchgelesen, weil wir gerade eine fiese Phase durchgemacht hatten. Aber geholfen haben diese Bücher meist nur dahingehend, dass sie mir das Gefühl vermittelten, dass eben alles normal ist.
    Ich würde unseren Erziehungsstil auch als „intuitiv“ bezeichnen. Meiner Meinung nach kann man keinen bestimmten Erziehungsstil auf alle Kinder anwenden. Jedes Kind ist anders. Jedes Kind braucht eine andere Erziehung. Es gibt Kinder, die brauchen einfach strenge Grenzen. Andere wiederum sind sensibler und können ganz anders an die Dinge herangeführt werden. Unsere Kinder sind im Großen und Ganzen eher ruhige und brave Kinder. Aber auch hier gibt es Regeln. Neue Spielsachen dürfen erst hergeräumt werden, wenn das andere Zeug aufgeräumt worden ist. Geschmatze und Herumgepantsche am Tisch geht gar nicht. Das heißt aber jetzt nicht, dass wir mit dem Rohrstock am Tisch sitzen, um es mal übertrieben auszudrücken. Anfangs haben wir das auch noch zugelassen. Da war es erst noch wichtiger, dass sie die Freude am Essen für sich entdecken. Aber irgendwann kann man ihnen dann schon mal die eine oder andere Benimmregel beibringen. Dabei geht es uns nicht darum, unsere Kinder zu Vorzeigekindern zu machen. Ich habe keine Lust, sie dauernd umzuziehen. Und Schmatzen oder Sprechen mit vollem Mund mag ich einfach nicht. Und ich sag‘ jetzt mal, das sind Kleinigkeiten, die meine Kinder bestimmt nicht einschränken. Auch müssen sie abends spätestens um 19:30 Uhr im Bett sein. Sie gehen beide in den Kindergarten und machen auch keinen Mittagsschlaf mehr. Der Große kommt tatsächlich schon recht häufig von alleine daher. Aber er wird jetzt bald 6. Die kleine Mistmatz würde am liebsten gar nicht schlafen. Selten, dass sie freiwillig ins Bett geht. Auch dann nicht, wenn es schon 22:00 Uhr ist. Am Spitznamen merkt man auch schon, dass sie es uns nicht gar so einfach macht. War der Große schon immer recht verständnisvoll, so ist sie jetzt schon ganz schön stur. Mit ihr müssen wir ganz anders umgehen, als mit ihrem großen Bruder. Sie landet tatsächlich öfter in ihrem Zimmer, wenn sie meint, sie muss wieder auf Rumpelstielzchen machen. Irgendwann hat sie sich dann wieder beruhigt, kommt vor, wir reden nochmal kurz drüber und es ist gut. Sowas habe ich beim Großen nie gebraucht. Bei ihr hilft das.
    Beim Durchlesen diverser Beiträge zu dem Thema, habe ich auch meist das Gefühl, dass es sich grundsätzlich eher um bravere Kinder handelt, oder dass die Kinder tatsächlich noch recht klein sind. Da kann man das schon noch so machen. Ich kenne aber Kinder, das sind kleine Terroristen. Und wenn die Eltern dann noch meinen, sie erziehen das Kind nicht … uff. Die werden dann später von anderen (Erziehern, Lehrern, Kindern) erzogen. Will ich das als Eltern?
    Also ich bin eben der Meinung, man sollte nicht irgendwelchen Ideologien hinterherlaufen, sondern einfach mal sein Kind kennenlernen und verstehen und dann entscheiden, wie man das am besten angeht. Ist nämlich schön, wenn man die „unerzogen“-Methode als schön und richtig empfindet, der eigene Nachwuchs sich aber leider als Tyrann herausstellt. Das wird dann nicht funktionieren.
    LG, Tina

    Liebe Tina,

    nicht nur ist jedes Kind anders, sondern auch jedes Elternteil. Manche Erziehungsmethoden passen vielleicht zum Kind, aber nicht zum Elternteil, weil es einfach nicht authentisch ist. Und sich selbst „die beste“ Erziehungsmethode aufzuzwingen wird immer nur bedingten Erfolg haben, weil es wahnsinnig viel Konzentration und Selbstkontrolle braucht, die in Stresssituationen nicht jeder aufbringen kann. Und ich denke, lieber weiß ein Kind, dass ein Elternteil etwas strenger ist, als dass er manchmal streng und manchmal bedürfnisorientiert-kommunikativ ist. Für ein Kind werden Situationen dadurch unberechenbar und unsicher. Lieber, so wie ihr, dem Bauchgefühl folgen und so sein, wie man es eben für richtig hält. Intuitiv.

    Über die Sache mit dem Tyrannen können wir in ein paar Jahren nochmal diskutieren. Falls du auch unser Kind mit „braver“ meinst, dann sei dir versichert, das ist er nicht. Allerdings passe ich sehr gut auf, welche seiner negativen Eigenschaften ich wie ins Internet stelle. Manchmal „muss“ es sein, weil es zum Einen thematisch nötig ist und ich zum anderen keinesfalls den Eindruck einer Bilderbuch-Familie erwecken möchte. Andererseits stelle ich mir auch vor, wie er eines Tages nachliest, wie er so war. Und dann möchte ich nicht durch dauerhaftes Wiederholen, wenn auch nur in Nebensätzen oder kleineren Formulierungen, das Gefühl erzeugen, dass er irgendwie falsch oder unerwünscht war. Denn das ist er nicht. Er ist unser Kind und für uns genau richtig so. Nur halt eben ein sehr wilder, willensstarker und bewegungsliebender Typ Mensch.

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