Das Leben ist ein Zuckerschlecken


So ist das Leben. Das Leben ist kein Ponyhof. Kein Wunschkonzert. Kein Zuckerschlecken.

Spätestens seit dem Studium habe ich beschlossen, dass mein Leben eben doch ein Zuckerschlecken ist. Dass mein Glas immer halb voll ist und ich immer auf der Sonnenseite des Lebens stehe. Das Leben ist Ansichtssache und was Du draus machst, würde ich heute sagen. Denn nein, immer war es nicht einfach, auch nicht für mich. Trotzdem habe ich nicht aufgehört, daran zu glauben, dass es besser wird. Nicht nur besser, sondern gut. Weitergesucht. Bis ich heute an dem Punkt bin, wo mein Leben ein Zuckerschlecken ist.

Sachen funktionieren, wenn man daran glaubt!

Wusstest Du, dass Du Dein Leben und was darin passiert selbst in der Hand hast? Ja? Wirklich? Ich war in der Pubertät, als mir zum ersten Mal aufgefallen ist, dass Dinge, wenn man sie wirklich, wirklich will und sie sich nur lange genug vorstellt und ausmalt, plötzlich wirklich passieren. Ich war fürchterlich verliebt in einen Jungen und aus heiterem Himmel fand er mich auch gut. Ich habe mir gewünscht, in der Schule zu einer bestimmten Clique zu gehören und schwupps, war ich drin. ich wollte meine Noten in einem Fach verbessern und das nächste Mal stand eine 1 auf meiner Schularbeit.

Ob ich das wirklich glaube? Nein. Was ich glaube ist, dass ich mir irgendwann angewöhnt habe, die Welt genau so zu sehen. Meine Aufmerksamkeit auf die Dinge zu richten, die tatsächlich funktionieren und passieren und die anderen einfach abzustempeln. Gleichzeitig verwendet man natürlich viel mehr Energie auf die Dinge, die man wirklich, wirklich will und deshalb klappen sie häufiger.

Das Leben ist einfach

Ich war schon immer der Meinung, dass Geld und Dinge nicht glücklich machen. Doch erst in den letzten Monaten habe ich gelernt, wie wenig man eigentlich wirklich braucht, damit das Leben einfach ist. Wir sind aus Deutschland losgezogen mit einem 100-Liter-Trekkingrucksack und einem Handgepäckskoffer. Unsere Wohnung haben wir ausgeräumt und möbliert an meinen Bruder übergeben. Alles, was wir besaßen, bis auf zwei Kisten voll wichtiger Dokumente und Erinnerungen sowie Babysachen haben wir aussortiert, verschenkt, verkauft.

Ganz schön wenig Gepäck für eine 3-köpfige Familie? Das dachte ich auch – doch in den letzten Monaten habe ich gelernt, dass das viel zu viel war! Seit wir hier sind, haben wir noch weiter aussortiert, verschenkt und weggegeben. In einem Land, in dem immer Sommer ist und wir von zu Hause aus arbeiten, braucht man wirklich fast nichts. Und hat trotzdem so viel.


Das Leben ist schön

Wenn ich hier morgens aufwache, höre ich die Vögel zwitschern, die Sonne scheint durch unser Schlafzimmerfenster (oder geht gerade hinter dem Vulkan auf, je nach Uhrzeit) und mein Sohn erzählt mir fröhlich Dinge vom Vortag und kuschelt noch einige Zeit mit mir im Bett. Wir haben keinen Zeitdruck. Irgendwann gehen wir ins Bad, danach spielt er in der geräumigen Wohnküche mit seinen Lokomotiven während ich Kaffee mache. Häufig singt er dabei.

Wenn ich hier morgens aufwache, freue ich mich auf den neuen Tag. Durch unseren Motorroller sind wir flexibel und es gibt gefühlt 1000 Orte, die wir erkunden oder noch mal besuchen wollen. Ich freue mich, weil ich weiß, dass mein Mann von zu Hause aus arbeitet und da ist, wenn ich mal fünf Minuten alleine auf der Toilette brauche. Dass er später mit uns gemeinsam frühstücken wird und am Mittag die Schlafrunde mit unserem Kind macht.

Wenn ich hier morgens aufwache, verspüre ich keinen Druck und keine Sorgen. Wir haben genug Geld zum Leben, keine unangenehmen Termine, niemand von uns muss zur Arbeit.

Lohnt es sich, auszuwandern?

Vor kurzem las ich einen Artikel von einer anderen Bloggerin, die ebenfalls mit ihren Kindern ausgewandert ist. Quintessenz war: Du bist in einem anderen Land kein anderer Mensch. Alle Sorgen, Zweifel und Probleme nimmst Du mit, denn sie gehören zu dir. Das ist so wahr und ich stimme voll zu. Allerdings habe ich in meinem Fall etwas zurückgelassen, was nicht zu mir gehörte. Nämlich alles, was mir gefühlt die deutsche Gesellschaft auferlegte. Das Streben nach Geld, nach beruflichem Erfolg, der Zwang, mein Kind gesellschaftskonform aufwachsen zu lassen.

Natürlich habe ich all meine Probleme mitgebracht. Doch es ist hier so viel einfacher, mit ihnen umzugehen oder sie zu lösen. Weil ich mehr Zeit habe, mehr Ruhe und mehr Freude. Weil ich umgeben bin von wohlwollenden, freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Weil ich so viel lernen kann, so viel neue Erfahrungen mache.

Viele „Probleme“, sofern sie nicht meine Persönlichkeit oder die eines unserer Familienmitglieder betreffen, bleiben einfach zu Hause. Treten vielleicht auf, wenn wir irgendwann nach Deutschland zurückgehen, aber hier gibt es sie nicht. Andere relativieren sich ganz schnell, denn das Leben in einem Dritte-Welt-Land rückt vieles in die richtige Perspektive. Manchmal denke ich, jeder sollte mal ein halbes Jahr im nicht-westlichen Ausland verbringen.

 

Morgen geht es für uns weiter. Wir verlassen Ubud, diesen wundersam-glücklichen Ort voller lieber Menschen. Unsere wundervolle Wohnung mit all dem Platz und der Ruhe. Auf zu neuen Ufern. Auf zu neuen Ponyhöfen.


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