Der wahre Grund, warum das Leben mit mehreren Generationen so schön ist


Während ich diesen Text tippe, sitzt mein Großer mit seinen Großeltern am Frühstückstisch. Es ist Samstag Vormittag. Gestern hat er dort übernachtet, wie jeden Freitag. Wir haben Exklusivzeit mit dem Baby, wie jede Woche um diese Zeit. Für alle Beteiligten ein schönes Arrangement. Das geht auch so problemlos und flexibel, weil wir nur im Haus gegenüber wohnen.

Vor zwei Jahren haben wir schon einmal angetestet und mit meinen Eltern auf engstem Raum im gleichen Haus gelebt. Danach sind wir zu dritt in die weite Welt hinaus gezogen und neun Monate später mit einem weiteren Familienmitglied unter dem Herzen wieder zurück gekommen. Diesmal für länger. Vielleicht für immer.

Wir renovieren mein Elternhaus und in absehbarer Zukunft wird es auch uns gehören. Meine Eltern haben gegenüber vor einigen Jahren ein neues gebaut, in dem sie nun wohnen.

Warum ausgerechnet mein Elternhaus? Natürlich wegen meiner Eltern!

Denn auch, wenn die Umgebung hier ebenfalls schön und kindgerecht ist, hier ist wirklich der Hund begraben. Stellt euch den Ort vor, wo Fuchs und Haas´ gute Nacht sagen. Dann fahrt noch ein paar Stunden querfeldein – et voilá, da steht unser Haus. Es braucht also schon gute Gründe, hier ans Ende der Welt zu ziehen. Die haben wir. Der eine hört wahlweise auf Mama oder Oma, der andere auf Papa oder Opa.

Warum genau ich das auch ein Jahr später noch eine Idee finde und was das genialste am Leben mit den eigenen Eltern ist? Lies selbst.

5 Gründe, warum das Leben mit Großeltern so schön ist

1. Ich liebe meine Eltern

Klingt ganz banal, aber ich mag meine Eltern. Sehr. Immer schon. Ja, zwischendurch war ich mal weit, weit weg. Aber das hatte nichts mit meinen Eltern zu tun, sondern mit meinem Bedürfnis, die Welt zu sehen. Abwechslung zu haben. Zu erleben und zu leben.

Unsere Rückkehr in mein Elternhaus gibt mir jetzt die Möglichkeit, wieder mehr Zeit mit meinen Eltern zu verbringen. Und nicht nur ich genieße die Gesellschaft, auch mein Mann versteht sich bestens mit ihnen.

2. „Synergieeffekte“

Als Eltern hat man irgendwie immer was im Haushalt zu tun. Wäsche waschen, kochen, putzen, einkaufen – und vor allem aufräumen fressen viel Zeit. Während wir alle in einem Haus lebten, konnten wir uns da super abwechseln. Nur halb so oft Bad putzen, staubsaugen, kochen und einkaufen. Jetzt, mit zwei Haushalten, muss zwar wieder jeder selbst putzen und die Wäsche waschen, aber einige Vorteile bleiben. So essen wir zum Beispiel jeden Abend gemeinsam. Ich koche also nur jeden zweiten Tag Abendessen, dann eben ein bisschen mehr. Aber das bisschen mehr macht ehrlich gesagt nicht so viel mehr Arbeit. Ich koche ja dann sowieso. An Tagen, an denen wir spät nach Hause kommen, weil wir zum Beispiel beim Kinderturnen sind, kocht einfach meine Mama – und anders herum. Auch mein Mann kocht einmal die Woche für alle.

3. Entlastung

Wahrscheinlich ist das der Vorteil, der den meisten als erstes in den Sinn kommt: Natürlich haben Oma und Opa immer mal wieder auch Zeit für ihre Enkelkinder. Vor allem mit dem Großen können sie schon richtig viel anfangen. Ausflüge, gemeinsam raus gehen, spielen oder ihn zum einkaufen mitnehmen. Auch mehrere Nächte waren sie schon gemeinsam unterwegs.

Dank meiner Eltern hatten wir vor der Geburt des zweiten immer mal wieder Zeit nur zu zweit. Ein Luxus für Eltern.

Aber auch im Alltag ist es eine unglaubliche Erleichterung. Mal kurz das Baby in gute Hände geben. Den Großen nicht mitnehmen zum Kinderarzt, wenn er nicht will, er kann einfach bei Opa bleiben.

Jetzt denkst Du vielleicht, das geht auch mit Großeltern, die nicht nebenan wohnen? Natürlich – aber der große Vorteil hier ist, dass meine Kinder trotzdem Zuhause sind. Es ist so einfach und kurzfristig möglich,

4. The more, the merrier

Bestimmt ist Dir das auch schon mal aufgefallen: Kinder fühlen sich in Gesellschaft besonders wohl. Während das Baby nur alleine mit Mama vielleicht unausgeglichen ist und meckert, ist es fröhlich und ausgeglichen, auch ohne aktive Bespaßung, sobald sich der Raum füllt. Diesen Effekt beobachten wir jedenfalls täglich.

5. Freude am eigenen Kind

Nun aber endlich zum dem Grund, warum das Zusammenleben mit meinen Eltern so bereichernd ist. Also der, mit dem Du vielleicht nicht gerechnet hättest bzw. den man erst versteht, wenn man es erlebt hat:

Wenn man so im Alltag mit den eigenen Kindern gefangen ist, fehlt oft etwas ganz essentielles: Die Freude am eigenen Kind. Wir sind gestresst, müde und überlastet. Theoretisch wissen wir schon, dass Kinder ein Geschenk sind und wir am besten rund um die Uhr dankbar und seelig darüber sein sollten. Nur klappt das eben im Alltag nicht und gerät auch schnell in Vergessenheit.

Wie gut, wenn es da Großeltern gibt. Mit ihren bewundernden Worten und Blicken. Zu sehen, wie viel Freude ihnen meine Kinder machen, macht jedes Mal so eine Mischung aus stolz und glücklich. Es klingt vielleicht doof, aber dadurch kann man das Elternsein um ein Vielfaches mehr genießen. Ich weiß, dass es meiner Schwägerin genauso geht, wenn sie hier ist.

Mein Papa zum Beispiel findet, dass unser Baby für irgendwas Werbung machen sollte oder auf jeden Fall modeln. Weil man so ein hübsches Baby so schnell nicht noch mal findet. Und diese Meinung verkündet er alle paar Tage.

Warum die meisten lieber nicht mit den Großeltern leben würden

Diese Vorteile leuchten eigentlich allen ein, mit denen ich spreche. Trotzdem fügen die meisten hinzu, könnten sie sich selbst so ein Zusammenleben nicht vorstellen. Warum eigentlich?

Räumliche Möglichkeiten

Natürlich haben wir bezüglich der Wohnmöglichkeiten großes Glück. Nicht jeder kann das einfach mal so ausprobieren und dann erst entscheiden. Für viele wäre der Schritt größer und würde vielleicht beinhalten, dass auch die Großeltern umziehen.

Auch die berufliche Situation lässt das nicht immer so zu. Also jeder kann nicht überall arbeiten.

Kompromisse eingehen

So oft höre ich, dass Eltern das sprichwörtliche Dorf vermissen. Viele wünschen sich eine Art von Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig unterstützt und gemeinsam mit den Kindern aller Zeit verbringt. Am Lagerfeuer sitzt. Sich abwechselt. Die Wahrheit ist, dass so ein modernes Dorf auch viele Kompromisse erfordern würde.

Auch das Leben auf einem Hof mit den eigenen Eltern bzw. Schwiegereltern erfordert Kompromisse. Manchmal mehr, manchmal weniger. Aber vielleicht immer noch weniger, als mit vollkommen fremden Menschen?

Hier jedenfalls ist es die beste aller denkbaren Möglichkeiten. Denn ich bin hier aufgewachsen und an die Lebensweise meiner Eltern gewöhnt. Mein Mann wiederum kennt, was und wie ich die Dinge tue – und findet es so schlecht wohl nicht, sonst hätte er mich nicht geheiratet.

Kommunikation

Doch egal, wie kompromissbereit man ist, so ein Zusammenleben erfordert auch und vor allem die Fähigkeit, zu kommunizieren. Niemand kann auf die Bedürfnisse anderer Rücksicht nehmen, wenn er sie nicht kennt!

Wie ist das bei Dir? Könntest Du Dir vorstellen, mit Deinen Eltern oder Schwiegereltern unter einem Dach zu leben? Woran könnte es scheitern? Ich bin gespannt auf Deinen Kommentar!

Alle Kommentare (1)

    Hi Hanna!

    Wir haben einige Jahre mit meinen Schwiegereltern im Haus gewohnt und sind auch jetzt für einige Monate im Jahr dort. Es ist wirklich schön.

    Unsere Kinder genießen es, nach einer langen Reise wieder Zeit mit Oma und Opa zu verbringen. Und diese erfreuen sich an ihren Enkelkindern.

    Uns Eltern kommt das ebenfalls gelegen. Denn alles ist irgendwie entspannter und wir haben auch mal Zeit für uns. So ein Leben mit mehreren Generationen im Haus kann ich nur befürworten, solange die Chemie stimmt.

    Es ist schade, dass wir nicht dauerhaft mit meinen Schwiegereltern unter einem Dach wohnen können.

    Ich wünsche euch viel Freude mit euren Eltern und Großeltern!

    Liebe Grüße
    Patrick

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