Fast ging mein Verlobungsantrag in die Hose

Verlobungsantrag

Wie mache ich ihr nur einen Antrag?

… habe ich mich die ganze Zeit gefragt, als ich noch in der Planung war. Schließlich sollen wir uns doch beide an diesen Tag glücklich zurückerinnern, der uns nun für unser zukünftiges Leben zusammenschweißen sollte. Das macht schon ein bissl Druck, wenn ich als Mann gefordert bin, diesen einen besonderen Tag möglichst unvergesslich zu machen. Aber jetzt erst einmal eines nach dem anderen.

Ich kenne meine Kleine nun seit über fünfeinhalb Jahren und das Thema Hochzeit und Verlobung ist zwar wie bei vielen anderen Paaren hin und wieder mal aufgetaucht, aber ich habe es meisterlich immer als unwichtig erscheinen lassen. Damals war es für mich schon ein gewaltiger Schritt, mit Ihr zusammen zuziehen. Aber bereut habe ich diese Entscheidung noch nie. Eine Hochzeit allerdings ist bei diesem Spiel der Zweisamkeit schon ein bisschen sowas wie der Endgegner für mich gewesen. Daher hab ich mir immer gesagt: „Wenn sie darüber reden will, lass sie ruhig. Du hast alle Zeit der Welt! Du bist dein eigener Herr und ein wildes Tier! Wilde Tiere lassen sich bekanntlich nicht so schnell und einfach fangen.“

Das Leben in der gemeinsamen Wohnung war für uns die Phase, in der wir erfahren wollten, ob wir als Paar auch in unseren eigenen vier Wänden funktionieren können. Nichts ist mehr mit: „Ich geh dann mal rüber zu mir in die WG“. Nun heißt es: „Komm mal klar hier und stell dich der Situation“. Was ich mir immer für einen innerlichen Stress gemacht habe. Unfassbar, wenn ich jetzt zurückblicke! Wir haben schließlich gut zusammen harmoniert, und zwar richtig gut! Zusammen in eine andere Stadt ziehen, sollte später dann eine neue Probe für unsere Beziehung werden. Vorher aber noch das Level „Fernbeziehung“ für 6 Monate durchgespielt und sogar den Kampf um eine schöne Wohnung in Berlin mit Bravur bestanden. „Was sollte denn nun eigentlich nicht von uns beiden gemeistert werden?“, fragt man sich da hin und wieder. Bisher haben wir immerhin alle Hürden erfolgreich genommen. Warum also nicht auch in Zukunft? Das war so ziemlich der Punkt, an dem das wilde Tier in mir zur Ruhe gekommen sein muss. „Könnte ich mir also etwa doch vorstellen, sie zu heiraten?“ Auf jeden Fall! Aber auf keinen Fall darf sie es jetzt schon wissen. Wie stehe ich denn sonst da, wenn ich über zwei Jahre das Thema abwinke? Egal, ob wir finanziell besser dastehen würden oder andere Privilegien hätten – ich wollte einfach nicht oportunistisch heiraten. Sie allerdings bekam wohl ein wenig Bammel, dass ich nie heiraten wollte. Das zeigten mir ihre Rückfragen, die in unregelmäßig regelmäßigen Abständen in mein Ohr gesäuselt wurden: „Wirst du mich irgendwann heiraten?“ – Mal schaun. Später dann schon etwas weniger euphorisch: „Wirst du mich überhaupt mal irgendwann heiraten?“ – Bestimmt! Bis hin zu: „Du willst mich ja nie heiraten!“ – Hast du ne Ahnung, Kleene!

So ein Vorhaben will gekonnt sein

So, die Weichen waren nun gestellt aber irgendwie konnte ich mich nie wirklich durchringen, jetzt Ernst zu machen. Überlegt habe ich schon sehr oft. Vor allem, wie ich denn den Verlobungsantrag machen will. Vor dem geistigen Auge spielen sich die unterschiedlichsten Szenarien ab. Als wir mit Freunden den Mauerpark im Sommer besucht hatten, fand dort das Open-Mic-Karaoke statt. Ein wirklich nettes Spektakel, trotz der Scharen an Touristen, die sich dort befanden. Könnte ich ihr hier in Zukunft einen Antrag machen? Vor einem unbekannten Publikum? Dazu noch der ganzen Welt zeigen, was für einen begnadeten Sänger sie an ihrer Seite hat, dem immerzu das Singen daheim verboten wird. Sie findet nämlich, ich singe falsch und schief und verhunze die Lieder. Und wenn ich dann sowas antworte wie „Reeeeeeeemix!“ lässt sie das völlig kalt. Also Karaoke ist vielleicht doch nicht der Hit. Obwohl der Überraschungseffekt, glaub ich, gewaltig wäre für sie. Aber andersrum erspar ich ihr die Schmach vielleicht lieber. Wochen vergingen und mir fiel immer noch nichts ein, was mich überzeugen konnte. Volle Kinosäale? Auf gar keinen Fall. Sowas wird dann nur noch von imitierten LipDub-Proposals getoppt, die nie…aber auch wirklich nie, einen wie den von Isaac übertreffen könnten!

Und weitere Wochen verstrichen, ohne dass mir nun der Geistesblitz gekommen ist, auf den ich doch schon so lange warte. In der Zwischenzeit ging es dann meiner Kleinen nicht mehr ganz so gut, was aber daran lag, dass die ersten Anzeichen ihrer Schwangerschaft deutlich wurden. Nachdem wir einen Schwangerschaftstest gemacht hatten und nun baldige Eltern sein werden, reifte der Heiratsgedanke in meinem Kopf nun aber ganz schnell. Was so eine Nachricht, Papa zu werden alles in Gang setzt! Nun war ich sicher, dass die zukünftige Mutter meiner Kinder, auch offiziell meine Frau sein sollte. Wieso also noch weiter warten? Ich grübelte weiter, wie ich ihr denn den Antrag machen könnte. Vielleicht wäre es ja eine schöne Idee, Ihr den Ring bei einem Dinner auf dem Fernsehturm an den Finger zu stecken? Daran erinnert man sich sicherlich gerne. So wie die anderen 897 Paare, die das gleiche an dem Tag gemacht haben. Die Idee fühlte sich einfach nicht nach uns an, je länger ich darüber nachdachte. Okay, alle Ideen für einen Verlobungsantrag scheitern irgendwie. Blöd, denn da gibt es ja auch noch das Problemchen mit dem Ring. Den musste ich ja auch noch besorgen.

ring

Das Problem mit dem Verlobungsring

Viele Männer haben Frauen an ihrer Seite, die Massen an Schmuck ihr Eigen nennen. So eine habe ich nicht und das mag ich auch so an ihr! Leider hilft mir das nicht weiter, wenn ich einen Verlobungsring kaufen will und ich gar nicht die Ringgröße meiner Freundin kenne. Ruf ich jetzt Ihre Mutter an? Nein, ich wecke erstmal keine schlafenden Hunde. Aber Ihre beste Freundin Antonia kann mir vielleicht weiter helfen. Alles klar, die beste Freundin war nun beauftragt unauffällig die Ringgröße herauszufinden und ich hatte wieder Zeit mir einen Verlobungsantrag zu überlegen. Und mir fiel endlich etwas ein, was total WIR sind!

Wir wollten nächste Woche nach Regensburg fahren und genau dort will ich Ihr sagen und zeigen, dass Sie die Frau ist, mit der ich alt werden will. Der Plan sah so aus, dass wir abends ankommen werden und mit Freunden essen gehen, die selbst grade schwanger sind. Denen können wir dann auch gleich von unserem Glück berichten und uns erste Tipps einholen. Im Anschluss wollte ich Hanna auf einen Spaziergang loseisen und mit ihr durch die Altstadt schlendern, die zur Winterjahreszeit einfach super romantisch ist. Dabei machen wir dann Halt an bestimmten Punkten in der Stadt, zu denen ich ein paar Worte über uns und diese Location erzähle. Ziel der kleinen Reise durch die Regensburger Altstadt sollte dann der Ort sein, an dem wir uns das aller erste Mal gesehen haben – die Pfarrergasse! Sie saß damals auf einem Stuhl, mit nem Bier bewaffnet in der Gasse und schaute, dass niemand die Möbel ihrer Freundin klaut, die grad beim Umziehen war. Genau dort würde sich also der Kreis schließen, wenn Sie mit JA antworten würde. Theorie und Praxis liegen aber weit auseinander, wie ich noch feststellen durfte. Außerdem brauche ich immer noch einen Ring, verdammt nochmal!

Leider konnte Antonia auch nichts über meine Freundin herausfinden und ich war genauso klug wie vorher. Wenn man nun im Internet sucht, wie andere in meiner Situation die Ringgröße herausgefunden haben, liest man von Aktionen wie „der Frau im Schlaf einen Kabelbinder um den Finger zu ziehen“. Keine Option für mich. Nachher strangulier ich den Finger noch. Außerdem würde sie doch sofort wach werden. Gleiches gilt für alle Sachen-um-den-Finger-wickeln-Ideen. „Zum Juwelier gehen und nur mal aus Spaß, Ringe testen“. Also bitte! Die Frau, die das nicht checkt, vergisst doch auch, sich den linken Schuh anzuziehen, während sie den  rechten schon am Fuß hat. Kann ich bei meiner nicht bringen!

Ich habe dann bei meiner weiteren Recherche herausgefunden, dass die Ringgröße 53 die meistverkaufte Ringgröße bei Frauen ist. Also entschied ich mich für diese, mit der Option, den Ring umtauschen zu können, wenn dieser nicht passt. Solange man keine Gravur oder Sonderwünsche hat, stellt dies überhaupt kein Problem für die meisten Händler dar. Jetzt musste ich mich nur noch für einen Ring entscheiden und alles ist geritzt. Wäre eigentlich zu schön, um wahr zu sein!

Verlobung auf Umwegen

ring2Wer schon einmal den Film „Verlobung auf Umwegen“ gesehen hat, der könnte meinen, dass höhere Mächte etwas gegen meine Verlobung hatten. Anders kann ich mir die Summe an Vorkommnissen fast nicht erklären. Nachdem ich den Ring nun bestellt hatte, ließ die als erstes die Lieferung auf sich warten. Ich dachte zuerst, das größte Problem sei, dass er ihr nicht gefällt oder nicht passt? Darauf war ich vorbereitet, aber dass er nicht pünktlich ankommt, bevor wir nach Regensburg fahren? Das hatte ich nicht auf dem Schirm und das hätte mir alles versaut. Es war nun Mittwoch und ich fragte telefonisch nach, wann der Ring ankommen wird. Sie schicken ihn morgen los (Donnerstag), sagte man mir. Das war mir zu knapp und die Gefahr zu groß, dass er nicht pünktlich ankommt. Also ließ ich ihn nach Regensburg schicken, in der Hoffnung, dass er dort am Freitag ankommen wird, ich ihn abhole und abends wie geplant, um die Hand meiner Freundin anhalte. Die Sendungsverfolgung hat mich dann aber eines Besseren belehrt und am Freitag während der Autofahrt verraten, dass das nichts mehr werden wird. Schade, sehr sehr schade! Jetzt ist alles umsonst gewesen.

Samstag früh fuhr Hanna wie besagt zum Geburtstag Ihrer besten Freundin und 2 Stunden später kam der Verlobungsring per Paketbote an. *Shit happens* Nun war mein Plan natürlich komplett durchkreuzt worden aber ich hatte nochei ne Chance: zum Glück kam Hanna Sonntag Vormittag wieder nach Regensburg, um mich abzuholen. Die Chance musste ich also wahrnehmen. In der Jackentasche hatte ich den Ring und den Vorsatz, heute Nägel mit Köpfen zu machen. Zwar nicht wie einst in meiner Vorstellung, aber egal!

Wir trafen uns bei gefühlten Minus 30°C. Egal; was muss, das muss! Also gingen wir „spazieren“. Vorbei am Andreasstadel, wo ich einst beim Heimspiel-Filmfest die Intro zu  Joe Wrights „Wer ist Hanna“  halten durfte, während meine Hanna in der ersten Reihe saß. Oder wo ich die Samstagabende bei HARD:LINE statt bei meiner Freundin verbracht habe. Weiter gings dann zum Bismarckplatz, wo wir gerne in den Sommerabenden damals gesessen sind. Unterbrochen wurde unser Spaziergang nur durch Hannas Wunsch zu Pinkeln. Leider gab es weit und breit keine Gelegenheit. Und jeder kennt Frauen, die Pinkeln müssen und keine Gelegenheit da ist, um Abhilfe zu schaffen: Total entspannte Wesen! Dann noch Minus 30°C und Hanna war happy … nicht! Sätze wie „Warum schleppst du mich hier durch die Kälte? Ich kenn die Stadt doch… was soll denn das?“ wurden im weiteren Verlauf ergänzt durch „Was bist du eigentlich fürn Mensch? Meine Freundin Petra würde sowas nie mit mir machen!“. Aber ich hatte nun mal meinen Plan, den ich umsetzen wollte. Noch ein Zwischenstopp bei meiner alten WG inklusive Klingelstreich, dann das Aufhelfen eines Betrunkenen, der leblos in einem Hauseingang lag, schlafend mit dem Gesicht auf dem Beton,  ging es dann weiter Richtung Gloria-Kino. Dabei immer schön das süße Fluchen über den Spaziergang in der Kälte durch meine Gute Laune und Geschichten von damals übertönen. Noch lief der Plan und ich war kurz vor dem Ziel. Jetzt rechts einbiegen in die Pfarrergasse und konzentrieren. So langsam wurden meine Sätze holpriger, ich ganz aufgeregt und hab dabei gemerkt, dass ich total vergessen habe, was und vor allem wie ich Ihr den Verlobungsantrag machen wollte. Keine Ahnung, was ich alles gestammelt habe bis zu dem Moment, in dem ich sie zu mir drehte, in die Augen sah und gefragt habe, ob sie gerne ihr restliches Leben als Frau Bose an meiner Seite verbringen möchte! An den Ring hab ich auch noch geschafft zu denken und zeigte ihr diesen. Sie antwortete mit JA und ich war sowas von glücklich und erleichtert. Alles nochmal gut gegangen. Besser noch: der Ring passt perfekt und gefällt ihr!

 

2 Kommentare zu „Fast ging mein Verlobungsantrag in die Hose“

  1. Michi und ich haben damals in der Pfarrergasse auch beim Möbel-Schleppen geholfen! Wie romantisch ::-)))
    Viel Glück euch beiden!

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