Firmenwagen im Mutterschutz? Anspruch und Realität

Firmenwagen im Mutterschutz

Mein Job die letzten Jahre vor der Schwangerschaft

Ich arbeite seit etwas mehr als drei Jahren bei meinem momentanen Arbeitgeber. Bis zu meiner Schwangerschaft war ich keinen einzigen Tag krank – und selbst wenn es mir mal nicht gut ging, bin ich trotzdem immer erschienen und habe meine Aufgaben erledigt. Ich war immer loyal. Obwohl ich regelmäßig Angebote von der Konkurrenz erhalten habe, habe ich mir diese nicht mal angehört. Auch finanzielle Tiefen, die es in den letzten Jahren gab und die für uns Mitarbeiter zu unangenehmen Situationen geführt haben, habe ich mit durchgestanden. Laut Rückmeldung meiner Vorgesetzten war meine Arbeitsleistung, Zuverlässigkeit und vor allem das Arbeitsergebnis immer zufriedenstellend bzw. überdurchschnittlich gut. Im Süden, wo ich bis Mai 2014 eingesetzt war, habe ich einen kompletten Geschäftszweig erfolgreich und alleine ausgebaut. Seit ich in Berlin tätig bin, bin ich zu einer der beiden Mitarbeiter geworden, die die Niederlassung und das Betriebsergebnis aufrecht erhalten.

Alles in allem könnte man sagen, ich war all die Jahre eine ziemlich gute Mitarbeiterin. Nun habe ich einen kleinen Haken: ich bin eine Frau. Und schwanger. Ich habe mich bis heute an meinem Arbeitsplatz immer wohl gefühlt und vor allem nie als Frau benachteiligt. Deshalb war es mir auch wichtig, trotz meiner Schwangerschaft das Team weiter zu unterstützen. Insgesamt bin ich während der letzten Monate genau zwei Wochen und zwei Tage durch Krankheit ausgefallen. Gestern war ich trotz Krankschreibung auf Arbeit, um meine neue Kollegin einzuarbeiten.

Das böse Erwachen: Kein Anspruch auf Firmenauto während Mutterschutz und Schwangerschaft

Und genau an diesem Tag bekomme ich folgende Nachricht: Meinen Dienstwagen, den ich auch privat nutzen darf, soll ich zum 31.05. (voraussichtlicher Geburtstermin ist der 06.07. und Ende meines Mutterschutzes Ende August) abgeben. Das würde in unserem Betrieb so gehandhabt. Leider wird es in unserem Betrieb – davon durfte ich mehrfach Zeuge werden – auch so gehandhabt, dass Mitarbeiter, die gekündigt wurden, weil ihre Arbeitsleistung schlecht war oder gekündigt haben, um zur Konkurrenz zu wechseln (!) während ihrer teilweise wochen- bis monatelanger Kündigungsfrist unter sofortiger Freistellung besagten Firmenwagen behalten durften. Sie konnten damit in den Urlaub fahren, Vorstellungsgespräche wahrnehmen oder mal schön auf Werbetour für ihre neue Firma gehen. Zurück kam der Firmenwagen dann meist mit Kratzern im Lack und Flecken auf den Sitzen. So wird das in unserem Betrieb gehandhabt.

Im Mutterschutz ist Firmenwagen wichtig für schwangere Arbeitnehmerin

Und so würde das bei mir gehandhabt, wenn ich dann schwanger den Firmenwagen abgeben soll: Ich darf dann ab Juni zu Arztbesuchen, Vorsorgeterminen und ins Krankenhaus zur Entbindung mit den öffentlichen fahren. Einkäufe bestelle ich besser online, da schwerer als 5 kg tragen momentan nicht drin ist. Nicht, dass das nicht zu schaffen wäre, aber es macht mich wirklich wütend. Bei was für einem Arbeitgeber bin ich denn, dass Mitarbeiterinnen, die der Firma jahrelang die Treue halten und dann eine Pause machen, weil sie ein Kind bekommen und im Mutterschutz sind – nicht, weil sie sich haben abwerben lassen und ohnehin schon seit Monaten unmotiviert gearbeitet haben – so wenig Entgegenkommen gezeigt wird?!?

Mich ärgert das. Wahrscheinlich würde das auf Arbeit niemand vermuten, weil ich dort immer sehr kooperativ und freundlich bin, aber ich bin ein Mensch, den das so sehr ärgert, dass ich darin einen Grund für einen Arbeitsplatzwechsel nach der Elternzeit sehe. Ja, so wird das nämlich bei mir gehandhabt. Dienstauto hin oder her!

Ich habe also meinen Gebietsleiter angerufen und ihn gebeten, diese Praxis nochmal zu überdenken und mir in diesem Punkt entgegen zu kommen. Er schien zumindest Verständnis zu haben und wird bis zum nächsten Tag noch einmal mit der Personalleiterin sprechen. Ich war wie immer sehr freundlich und habe nichts erwähnt von allem, was mich daran so unglaublich ärgert. In der Hoffnung, dass sich für mich die letzten Jahre ehrlicher und loyaler Arbeit doch noch bezahlt machen und mein Arbeitgeber mir hier entgegenkommt.

Rechtliche Aspekte in Bezug auf Dienstwagen während Mutterschutz

Rechtlich gesehen ist es nämlich so, dass ein Firmenwagen mit Privatnutzung während des Mutterschutzes weiter genutzt werden darf. D.h. der Arbeitgeber darf ihn während der Mutterschutzfrist (insgesamt 14 Wochen: 6 Wochen vor Entbindung und 8 Wochen nach der Geburt) nicht zurückfordern.Hierbei kann man sich auf den §14 MuSchG (Mutterschutzgesetz) stützen!

Diese rechtliche Regelung wird aber ausgehebelt, wenn im Arbeitsvertrag die Privatnutzung des Firmenwagens als freiwillige und jederzeit widerrufliche Leistung festgelegt ist. Tja, und das ist bei mir leider der Fall!

Nur leuchtet mir wie gesagt nicht ein, auf welcher Grundlage (ehemalige) Mitarbeiter den Wagen bis zum Ende der Kündigungsfrist behalten dürfen, bei werdenden Müttern im Mutterschutz aber sofort von diesem Widerrufsrecht durch meinen Arbeitgeber Gebrauch gemacht wird.

Expertenrat

 

Wenn ihr euch noch mal genauer über die rechtliche Situation mit einem Dienstwagen in Mutterschutz und Elternzeit sowie die Auswirkungen auf das Elterngeld erkundigen wollt, findet ihr bei Smartmama einen hilfreichen Artikel. Sie könnt ihr auch direkt per E-Mail um Rat fragen, wenn der Artikel eure Fragen nicht beantwortet hat.

Der Dienstwagen im Mutterschutz bleibt!

Nachdem ich also einen Tag lang wirklich sehr verärgert und enttäuscht war, dass mein Arbeitgeber mir den Dienstwagen im Mutterschutz nicht lassen wollte, hatte ich heute doch einen sehr erfreulichen Tag: gleich vormittags rief mein Gebietsleiter an, um mir mitzuteilen, dass ich das Auto bis zum Eintritt meiner Elternzeit behalten darf. Das heißt bis Ende August. Mir ist wirklich ein riesen Stein vom Herzen gefallen. Auch er ist Vater, das weiß ich. Er hat auch betont, dass es sich dabei um eine große Ausnahme handle, aber er meine Situation gut verstehen könne.

Mein Fazit: es lohnt sich also doch, konstant gut und zuverlässig zu arbeiten. Allerdings darf man sich auch nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und muss kommunizieren, wenn mal was nicht richtig läuft. Ich habe meinem Vorgesetzten heute (nachdem die Sache geklärt war) auch ehrlich gesagt, dass mich das persönlich sehr geärgert hätte und am Ende ist ein netter Plausch über Kindererziehung und die Rückkehr an den Arbeitsplatz rausgekommen.

 

2 Kommentare zu „Firmenwagen im Mutterschutz? Anspruch und Realität“

  1. Das ist nicht korrekt. Ich versteh deinen ärger. Es ist schade, dass man als schwangere „anders“ behandelt wird. Im negativen sinne. Mir ging es ähnlich vor der zeit des mutterschutzes, zwar nicht mit firmenwagen aber mir war auch schnell klar, dass ich mir nach der babypause einen anderen job suchen werde.

  2. Ich kann deinen Frust verstehen…. andererseits verstehe ich aber auch deinen AG. Vielleicht wird deine Stelle schon wieder durch eine neue Kollegin besetzt und sie sollte sicher auch in den Genuss eines Firmenfahrzeuges kommen. Letztendlich konntest du dich glücklich schätzen, noch so einen kulanten Chef zu haben…der seinen Mitarbeitern Fahrzeuge stellt. Da werde ich ja ganz neidisch. Und sicher 80% der arbeitenden Bevölkerung auch. Und ein Taxi ist doch heutzutage schnell bestellt. Und ich bin der festen Überzeugung…das dich dein Mann zur Entbindung begleitet. Lass den Kopf nicht hängen und kauf dir einen guten gebrauchten, den kann dir dann auch keiner wieder wegnehmen. Alles Gute für die Geburt. LG Susanne.

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