Kinderwunsch – Zweites Kind adoptieren?

zweites Kind

Ich komme aus einer Familie mit 4 Kindern (ich und drei Brüder) und habe das Leben in einer großen Familie immer sehr genossen. Für mich war eins deshalb immer klar: der Rubbelbatz soll kein Einzelkind bleiben.

Angst vor einer zweiten Geburt

Diese Sicherheit ist mit meiner Geburtserfahrung irgendwie ins Wanken geraten. Ich musste immerhin einige Zeit das Geburtstrauma verarbeiten. Oft stelle ich mir insgeheim die Frage, ob ich das Risiko, eine ähnliche oder schlimmere Erfahrung zu machen, tatsächlich nochmal eingehen möchte. Immerhin war der Rubbelbatz schon ein wahnsinnig großes Kind, und angeblich ist das zweite ja meist noch größer. Brauche ich dann einen Kaiserschnitt? Möchte ich dann einen Kaiserschnitt? Macht mein Beckenboden das noch ein zweites Mal mit? Immerhin hat der auch diesmal schon so gelitten, dass er auch nach fast 9 Monaten noch einiges an Übungen bräuchte. Ich hatte nach dieser einen Schwangerschaft großes Glück und mein Bauch ist wieder flach und hübsch. Das wäre beim zweiten Mal wohl auch anders. Ich erinnere mich noch zu gut an die Wochen nach der Geburt. Die Müdigkeit, die Erschöpfung, die emotionale und körperliche Überforderung. Und diesmal könnte ich mich nicht 2 Monate verkriechen und den Rubbelpapa den Rest machen lassen – immerhin ist da jetzt schon ein Kind, das mich braucht und zu Recht seine Mama fordern würde.

Ein-Kind-Familie bleiben?

Und so frage ich mich immer öfter, ob wir nicht auch mit einem Kind glücklich sein werden; ob wir nicht mit einem Kind glücklicher sein werden, als mit zwei oder drei. Denn da sind der Rubbelpapa und ich uns einig: wir können uns nicht vorstellen, wie wir mit zwei Kindern auch nur annähernd so sorgsam und bedürfnisorientiert umgehen können wie mit einem.

Wir wollen beide dem Rubbelbatz alles geben und alles bieten, damit er sich bestmöglich entwickeln kann und vor allem eine schöne Kindheit hat. Das verlangt uns momentan sehr viel ab und wir können uns nicht vorstellen, wie wir neben der Versorgung eines Babys auch noch einem Geschwisterkind gerecht werden sollen. Und ob wir das überhaupt wollen?

Natürlich, werden jetzt alle Eltern mit mehr als einem Kind sagen, das geht super. Beim zweiten Kind ist man ja schon routinierter, hat einen gefestigten Tagesablauf als Familie, die Kinder beschäftigen sich gegenseitig usw. Natürlich geht das. Haben ja schon so viele Mütter vor mir geschafft. Die Frage ist doch immer, ob ich das möchte? Ja, und dann ist da noch die Sache mit der Geburt. Ja, es gibt die Möglichkeit eines geplanten Kaiserschnittes – doch bei Rubbelbatz habe ich allergrößten Wert darauf gelegt, dass er natürlich zur Welt kommt. Selbst eine PDA oder andere Schmerzmittel habe ich selbst unter den größten Schmerzen, die ich je erlebt habe, ausgeschlagen. Das war ein großer Kraftakt, aber ich denke, es war das Richtige.

Hat ein zweites Kind nicht das Recht auf dieselbe Zuwendung und Sorgfalt? Oder kann ich einfach sagen, ich hab mich für deinen großen Bruder schon so angestrengt, bei dir wollte ich nicht mehr? Als der Rubbelbatz noch ganz klein war, haben wir unser komplettes Leben für ein paar Monate auf Eis gelegt und uns nach seinem Rhythmus gerichtet. Das ginge bei einem zweiten Kind nicht! Das fühlt sich irgendwie unfair an!

Adoption des zweiten Kindes als Alternative?

Das zweite Kind adoptieren wir. Sowas mach ich nicht nochmal!

 

Das war einer der ersten Sätze, die der Rubbelpapa nach der Geburt und einem ersten semi-erholsamen Schlaf zu mir sagte. Und damit hat er nicht nur seine eigenen Ängste und Hilflosigkeit gemeint, er wollte vor allem nicht noch einmal zulassen, dass es mir so schlecht geht. Ich hatte den Teil mit der Adoption anfangs als „Spaß“ verstanden – aber schnell stellte sich heraus, er meint das ernst! Für ihn wäre es tatsächlich kein Problem, ein ‚fremdes‘ Kind bei uns aufzunehmen und großzuziehen wie sein eigenes.

Warum will er ein zweites Kind adoptieren?

Ob er sich nicht lieber ein eigenes Kind wünsche, fragte ich.

– „Das habe ich doch jetzt!“ war die Antwort.

Stimmt schon.

 

Ob es ihm nichts ausmache, dass diese Kinder offenbar in ihrer Entwicklung benachteiligt sind und möglicherweise irgendwann Probleme bekommen?

Gerade weil das so ist, fände er es gut, wenn so ein Kind in eine stabile Familie wie unsere kommt.

Stimmt auch irgendwie. So kann man dem Kind wenigstens einen einigermaßen guten Start ins Leben schenken.

 

Also habe ich irgendwann angefangen, mich ebenfalls mit dem Thema Adoption auseinanderzusetzen. Ich erinnerte mich an meine Zeit als Au-pair. In England habe ich auch auf kleine Kinder aufgepasst, die Jüngste gerade 1 Jahr alt, die Ältere 3. Ich war dort lediglich für 10 Wochen – hätte man mir mitgeteilt, dass alle Verwandten bei einem Unfall ums Leben gekommen sind und niemand sich um die Kinder kümmern kann, ich hätte sie sofort mit nach Hause genommen. So lieb hatte ich die Kleinen.

Natürlich wären es nicht meine eigenen Kinder gewesen und mir sind bereits damals viele Dinge an ihrer Erziehung und ihrem Verhalten aufgefallen, die ich anders gemacht hätte. Trotzdem wäre ich bereit gewesen, ihnen eine möglichst gute Zukunft zu ermöglichen. Warum also nicht auch mit einem Adoptivkind?

Adoption in Deutschland?

Ja, die Hürden für Adoptiveltern in Deutschland sind hoch. Wenn wir tatsächlich ein Geschwisterchen für den Rubbelbatz adoptieren wollen, sollten wir 1-2 Jahre vorher anfangen mit dem Papierkram. Vielleicht würden wir ohnehin abgelehnt, weil unsere Wohnung zu klein ist? Oder wir zu wenig Geld haben? Immerhin sind wir schon mal verheiratet und noch nicht sooo alt, das erhöht die Chancen.

Mit diesen Hindernissen im Hinterkopf bin ich zu folgendem Ergebnis gekommen: Für mich ist eine Adoption nicht ausgeschlossen und ich weiß, dass wir als Familie jeden Weg meistern werden. Bis wir endgültig sicher sind, wird vielleicht noch einige Zeit ins Land ziehen – die sollten wir nicht ungenutzt verstreichen lassen. Denn „absagen“ kann man das Ganze immer noch. Beschleunigen nicht.

Was aber generell total krank an diesem bürokratischem System wirkt, ist der Fakt, dass es potentiellen Adoptiveltern auch sehr schwer gemacht wird, für eine Adoption überhaupt in Frage zu kommen. Die Kriterien sind wirklich nicht ohne. Wenn ich mir dann aber wieder vorstelle, dass im Gegenzug dazu jeder Mensch Kinder in die Welt setzen darf, dann fallen mir auch augenscheinlich Personen ein, die für ein Kind einfach nicht gemacht sind. (Das beziehe ich vor allem auf ihren kinderunfreundlichen Lebensstil oder extrem widrige Bedingungen, welche auf das unmittelbare Umfeld des Kindes wirken können.) In ihrer Obhut kann ich mir besten Willens keine schöne Kindheit vorstellen. Wenn ich mir dann wieder vorstelle, dass wir eventuell für eine Adoption aus wirtschaftlichen Gründen und  Beurteilungen nicht in Frage kommen, dann fehlen mir auch ein bisschen dir Worte.

Kein Wunder, dass man dann auch über eine Adoption im Ausland nachdenkt.

„Aber…“

Ja, natürlich ist da auch ein Aber. Denn natürlich ist auch der Gedanke schön, selbst noch eine zweite Schwangerschaft und Geburt zu durchleben. Immerhin wüsste ich diesmal schon, was auf mich zukommt und könnte es mehr genießen. Vermutlich. Und wer weiß, vielleicht hätte ich großes Glück und könnte diesmal eine komplikationslose natürliche Geburt erleben. Vielleicht sogar positiv erleben?

Außerdem hätte ich bei einem Adoptivkind auch große Angst, es irgendwie nicht richtig annehmen zu können. Also nicht so wie den Rubbelbatz. Neulich beim Kinderarzt habe ich mir mal bewusst andere Kinder angesehen und vorgestellt, das wäre ‚meins‘, auch wenn nicht von mir geboren. Das war schon ein seltsames Gefühl. Fremd. Vielleicht muss ich den Gedanken einfach noch eine Weile mit mir herumtragen, wer weiß.

21 Kommentare zu „Kinderwunsch – Zweites Kind adoptieren?“

  1. Liebe Runbelbatzeltern,
    wir haben die gleichen Gedanken zum Thema Adoption gehabt. Die Geburt unserer Tochter war teils auf ähnliche (Wehensturm) und teils auf ganz ganz andere Art und Weise (Notkaiserschnitt, kein Bonding) ein Erlebnis, welches wir so nie wieder erleben wollen, aber ein weiteres Kind wünschen wir uns in jedem Falle. Wir haben uns bereits vor der Schwangerschaft mit dem Thema beschäftigt, da das Schwangerwerden für uns ja nicht so ohne Weiteres möglich war. Die Kriterien sind wirklich „angsteinflößend“, aber ich kenne Paare, die adoptiert haben und weiß, dass letztendlich doch deine persönliche Eignung ausschlaggebend ist und nicht das liebe Geld.
    Und nun hier mein ABER: Im Zusammenhang mit unserer Recherche zum Thema Adoption sind wir ständig – und leider wirklich ständig – über den nicht seltenen Wunsch der leiblichen Eltern gestoßen, ihr Kind doch wieder haben zu wollen. Man erhält ein Baby oftmals schon, wenn es gerade mal 1 Tag alt ist. Aber frühestens nach der 8. Lebenswoche darf die leibliche Mutter beim Notar ihr Kind erst entgültig mit einer Unterschrift aufgeben. Viele überlegen sich es in diesem Zeitraum dann doch nochmal anders, „irgendwie schaffen sie es schon“ und sie haben ja nicht umsonst diesen Bedenkzeitraum.
    Und eben dieser besagte Bedenkzeitraum wäre unser persönliches Horrorszenario. Wie sollen wir es verkraften, wenn man uns „unser“ Baby nach 8 Wochen wieder wegnimmt? Ich fürchte, das kann man kaum.. Wir können „unser“ Kind nicht 8 Wochen lang erst „vorsichtig lieben“ und erst dann, wenn wir wissen, dass es bleibt, erst richtig die Elternrolle beginnen.
    Für uns bisher ein unüberwindbares Hindernis beim Thema Adoption.

    1. Hallo Maria,

      diesen Aspekt kannte ich bisher noch nicht. Und das Horrorszenario, das du beschreibst, lässt sich nicht anders nennen. Wenn man sich entschieden hat, emotional ein Kind als das eigene anzunehmen, wird es sich vermutlich auch genauso anfühlen, als würde einem das eigene Kind weggenommen. Wenn ich mir vorstelle, jemand hätte mir nach 8 Wochen meinen Kleinen wieder weggenommen, ich wäre wahnsinnig geworden! Andererseits kann man auch die Mutter verstehen, die das Baby 9 Monate lang im Bauch getragen hat und dann, wenn es weg ist, die Situation nicht aushält. Vielleicht kann man sich damit dann trösten, dass der/die Kleine immerhin bei der leiblichen Mutter aufwachsen darf und das hoffentlich das Beste für das geliebte Wesen ist?

      1. Es ist natürlich immer wünschenswert, wenn ein Kind bei seinen leiblichen Eltern aufwachsen darf und kann. Aber wie du auch in deinem eigenen Artikel erwähnst hast, es gibt Kinder, bei denen man das behütete Aufwachsen bei seinen Eltern leider nicht vermuten kann. Es gibt bestimmt einige nachvollziehbare Gründe, weshalb Eltern entscheiden ein Kind abzugeben, zb weil sie selbst noch Kinder sind oder weil es durch sexuelle Gewalt entstanden ist. Aber gleichzeitig gibt es die häufiger die anderen Gründe: Abhängigkeit, kein Interesse, zu spät für einen Abbruch.. Diese Gründe wären wohl in meinem Hinterkopf. Geht es dem Baby tatsächlich besser, wenn es wieder zurück kommt, zuück zu Personen, die es eigentlich nicht haben wollten. Personen, die dann eventuell doch wieder feststellen, dass das Zurückholen nicht die beste Idee war. Ich denke, das ist ein Thema über das man Stunden argumentieren könnte, mit vielen hätte, wenns und abers..
        Ich persönlich würde aber diesen Schmerz des Verlustes und auch die anschließende Angst, ob es dem Baby weiterhin so gut geht wie bei uns, kaum ertragen wollen. Wir wissen nun mittlerweile wie groß die Liebe vom ersten Moment an, die Verbindung und die Entwicklung nach 8 Wochen ist, es wäre unerträglich.

  2. Guten Morgen,
    Deine Unsicherheit wird deutlich: 2 Kinder, können wir beide gleich viel lieben, können wir beiden gerecht werden, können wir unsere Zeit fair aufteilen? Deine Schlussfolgerung: wir bekommen lieber kein eigenes Baby, sondern adoptieren eins aus schwierigen Verhältnissen.
    Nun, das scheint mir kein leichterer Weg. Schwangerschaft vs. Antragszeit: wäre eine bekanntere Situation evtl nicht doch einfacher als die Nervenaufreibende Ungewissheit?
    Und bei der Geburt: kannst du sie diesesmal etwas anders „planen“, da du weißt was dich erwartet und du manche Dinge anders entscheiden kannst?
    Und für die erste Zeit mit 2 Kindern: wenn der Papa nicht so viel Zeit hat für das Baby, dann hat er die doch auch nicht für das Adoptivkind?
    Ich habe 3 Kinder. Das 1. ist im Krankenhaus geboren, das 2. im Geburtshaus und das 3. zu Hause.
    Es macht definitiv einen Unterschied, wie und wo das Kind zur Welt kommt.
    Wenn du eine schwere Geburt aufarbeiten musst, dann kannst du auch in der Kinderwunschzeit dir eine Hebamme suchen und mit ihr an diesem Thema arbeiten.
    Und zum Thema gescheisterkinder kann ich dir sagen: du kannst alle deine Kinder lieben, tief und innig. Aber Unterschiede wird es in ihren Tagesabläufen immer geben. Das erste Kind hat ungeteilte Aufmerksamkeit von Mama und Papa. Wird immer beachtet, aber auch beobachtet, kontrolliert, ferngehalten und hat keine Kinder als Partner. Ist das immer ein Vorteil? Bei 3 Kindern ist es logisch, dass die 3. anders aufwächst als die 1. Ich kann ihr nicht stundenlang vorlesen, Türme bauen, Stifte reichen, singen oder Pferd spielen. Dafür kann sie Spielzeuge der größeren ausprobieren, Schätze entdecken, mit der großen Schwester Buden bauen und kuscheln, mit dem Bruder Lego bauen, Scheren testen, Schokolade klauen…
    Aber wenn du 3 Geschwister hast, kennst du all das ja schon.
    Ich frage mich nach deinem Artikel eher: wovor habt ihr Angst? Eure Alternative ist augenscheinlich nicht der leichtere Weg. Warum kommt er dann in Frage? Du hast die Thematik mit der „Fairness“ dem 2. Kind gegenüber sehr ausgiebig beschrieben und dem Thema „schwere Geburt“ weniger Platz in deinem Artikel eingeräumt. Ich würde aber vermuten, dass das der eigentliche Grund ist?.
    Ach Mensch, jetzt habe ich so viel geschrieben. Mich hat dein Artikel so sehr angesprochen, ich konnte nicht anders als so ausführlich zu antworten. Wenn es dir zu viel oder zu persönlich ist, musst du ihn hier nicht öffentlich stehen lassen.
    Liebe Grüße, Melanie

    1. Hallo Melanie,

      vielen Dank für die ausführliche Antwort auf einen ausführlichen Artikel – über die ich mich sehr freue, weil sie sozusagen nochmal neuen Input gibt. Vielleicht oder wahrscheinlich hast du Recht, wenn du vermutest, dass hinter den Adoptionsgedanken zum großen Teil eine riesen Angst vor einer zweiten Geburt steckt. Ohne dieses Erlebnis hätten wir uns mit dem Gedanken Adoption wahrscheinlich nicht auseinandergesetzt. Aber wäre es deshalb ein falscher Weg? Wir können einem eigenen wie auch einem adoptierten Kind stabile Verhältnisse und ein hoffentlich behütetes Aufwachsen ermöglichen – macht es da einen Unterschied, ob Angst eine treibende Kraft war?

      Und auch mit dem anderen Punkt hast du sicherlich recht – Geschwisterkinder können niemals gleichwertig aufwachsen. So hatte ich das noch gar nicht gesehen. Wir merken ja jetzt schon, wie sehr der Rubbelbatz sich über andere Kinder jeden Alters freut und mit ihnen spielen möchte. Da geht wirklich die Sonne auf, wenn wir das beobachten.

      Liebe Grüße und alles Gute für euch,

      Hanna

      1. Hallo Hanna,
        es macht natürlich keinen Unterschied, aus welchem Grund die Entscheidung für eine Adoption getroffen wird.
        Ich bin eigentlich auch nicht in der Position, dir dabei gute Ratschläge zu geben, da ich selbst nicht adoptiert habe und auch niemanden kenne, der es getan hat.
        Wenn du nur eine evtl. traumatische Geburt umgehen möchtest, wäre es eine gute alternative. Wenn ich aber deine anderen Argumente betrachte, denke ich, es wäre schwieriger. Eine Schwangerschaft bereitet dich auf ein Baby vor, schüttet Hormone aus. Eine Adoption stelle ich mir in der Hinsicht viel schwerer vor. Könnte ich es schaffen, die schwere Anfangszeit für alle Familienmitglieder fair zu überstehen? Tage und Nächte für ein evtl. traumatisiertes Kind da zu sein, alles auszuhalten und dabei trotzdem für meine Familie da sein und mich dabei auch nicht zu vergessen? Ich werde es wahrscheinlich nicht herausfinden – unsere Familie ist komplett.
        Und dann gäbe es ja noch die Möglichkeit, dass die Sehnsucht nach einem eigenen Baby auch nach der Adoption noch da ist. Diese Sehnsucht oder dieses Gefühl kann man nicht einfach abschalten – damit kenne ich mich gut aus. Wir hatten 2 Kinder, ich habe mich selbstständig gemacht und dann fing es an. Völlig verrückt. Ich habe im Oktober mein Geschäft eröffnet und im November habe ich von meinem fehlenden Mädchen geträumt. Jede verdammte Nacht! Es war schmerzlich. Mein Herz war traurig, mein Verstand sagte ganz klar NEIN! Es geht nicht, nicht jetzt. Im Januar bin ich dann schwanger geworden. Und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem es völlig unmöglich gewesen sein müsste. Meine Welt stand Kopf. Wie sollte das alles gehen? Und die Reaktion in meiner Familie erst! Aber es ging. Ich war bis 2 Tage vor der Geburt arbeiten und habe nach 3 Wochen wieder angefangen. Mein Mann konnte nicht zu Hause bleiben, da ich nur 300€ Elterngeld bekommen habe. Bis zum 1. Geburtstag war mein Mädchen immer mit im Geschäft. Jetzt ist sie 1,5 Jahre, geht in die KiTa und alles läuft gut. Unsere Familie fühlt sich komplett an.
        Aber diese Sehnsucht nach einem Baby hätte ich nicht länger ausgehalten. Sie war vorher nicht so stark. Aber mit der Selbstständigkeit war ein 3. Kind keine Option mehr und durch diese Endgültigkeit dann kam sie mit voller Wucht zurück. Vielleicht wäre also mit einer Adoption dein Problem gar nicht gelöst?
        Ich weiß gar nicht, was mich bewegt, dir diese Zeilen zu schreiben – ich kenne dich und deine Geschichte, Gedanken und Gefühle nicht. Trotzdem wollte ich dich an meinen Gedanken gerne teilhaben lassen. Vielleicht hilft es dir ein wenig.

        Beste Grüße, Melanie

        1. Hallo Melanie,

          die Sehnsucht nach einem Baby. Das hatte ich tatsächlich auch nicht bedacht bzw. so noch nicht gehört. Klingt aber logisch. Und eine wirklich schöne Geschichte, danke für’s Teilen! Austausch ist ja gerade das schöne an so einem Blog. Ich stelle meine Geschichte zur Verfügung und manchmal, wenn ich Glück habe, kommt etwas so ausführliches und gedanken-anregendes zurück wie von dir!

          Liebe Grüße,
          Hanna

  3. Hallo Hanna,

    ich weis nicht, ob du auf meinem Blog schon meine Geburtsgeschichten gelesen hast, wenn nicht kann ich sie dir als „Entscheidungshilfe“ nur ans Herz legen 😉 …
    Auch ich hatte eine sehr traumatische erste Geburt, die mit schlimmen Gewalterfahrungen einherging und dann letztendlich doch in einer Not-Sectio mit anschließender Kinderintensiv endete. Kein Bonding, aber dafür Todesangst.
    Ich habe eine professionelle Traumatherapie gebracht, um wieder bereit sein zu können für eine erneute Schwangerschaft. Es war und ist ein langer Weg. Ich konnte selbst 3 Monate vor der zweiten Schwangerschaft kein Baby auf dem Arm halten – es kam mir vor wie eine Bombe, die mich zerstören könnte. Sehr schlimme Gedanken, ich weiss. Aber dann machte es Klick in meinem Kopf und ich war bereit 2,5 Jahre nach der ersten Geburt. Also du siehst: lass dir Zeit. Manchmal dauert so ein Prozess an. Meine beste Entscheidung war im Nachhinein, wieder schwanger zu werden. ich habe mir selbst die Möglichkeit gegeben eine heilsame Geburt erleben zu dürfen. Es war mehr als wundervoll. Ich würde dir ebenso eine Erfahrung von Herzen wünschen.
    Mein Mann war übrigens auch traumarisiert, was immer wieder vergessen wird, leider. Deshalb hatte er viel Angst und Bedenken, als ich den vorsichtigen Wunsch nach dem Geburtshaus äußerte. Nach der letzen Geburt ist auch er befreit und kann sich ebenfalls nur noch eine Hausgeburt für uns vorstellen. <3

    Ach ja, ich habe mir auch im Vorfeld Gedanken darum gemacht, wie es wird mit zwei Kindern. Viele sogar, da ich als Einzelkind keine Vorbilder hatte. Und dann klappte es so wunderbar und natürlich, dass ich mich manchmal frage, warum ich mir eigentlich so einen Kopf gemacht habe 😉 ! Und weitere Kinder sind hier sehr erwünscht – diesmal ohne Angst vor Geburt und nur Vorfreude auf weitere Geschwister 🙂

    Liebe Grüße
    Mother Birth

    1. Hallo meine Liebe,

      ja, ich kenne deine Geschichte und natürlich wäre meine Hoffnung, falls ich eine zweite Schwangerschaft wage, etwas ähnlich Schönes zu erleben. Momentan überwiegt aber noch die Angst, etwas ähnlich Schlimmes wie beim ersten Mal zu erleben…danke trotzdem für die aufmunternden Worte!

  4. Berlin hat viele Pflegekinder, die in einer liebevollen Familie aufwachsen sollten. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dies eine Alternative für Euch sein könnte. Da sind Babies und Kleinkinder, die in einem Heim aufwachsen müssen. Die Kinder bleiben nicht nur in Kurzzeitpflege bei der Pflegefamilie, sondern sind oft bis zum 18. Lebensjahr in der Familie. Irgendwie bleiben sie auch danach ein Familienmitglied, weil sie Liebe und Fürsorge von Euch erfahren würden. Hier paar Links: https://www.pflegekinder-berlin.de/index.php?article_id=19 und die Aufwandsentschädigung wäre auch geregelt: https://pflegekinderrecht.wordpress.com/2010/07/26/pflegegeld-und-sonstige-finanzielle-leistungen/
    Ich könnte mir gut vorstellen, dass viele Babies oder Kleinkinder mit Migrationshintergrund oder unbegleitete Flüchtlinge (Kleinkinder) begleit- und schutzlos in Berlin angekommen sind (oder ihre Eltern / Familien auf der Flucht „verloren“ haben.

    Pflegeeltern- DaSein : eine mögliche Alternative zur Adoption?

    1. Hallo liebe Anita,

      nach deinem Kommentar haben der Rubbelpapa und ich gestern über das Thema Pflegekind gesprochen. Irgendwie kommt es für uns beide nicht in Frage, es fühlt sich wie eine Halb-Lösung an. Denn das Kind wäre zwar in unserer Familie und Teil davon, aber eben nicht ganz offiziell.

      Danke trotzdem für den hilfreichen Kommentar!

      Liebe Grüße,
      Hanna

  5. Ich kann eure Überlegungen absolut nachvollziehen! Allerdings wäre für mich eine Adoption einfach ein zu großer bürokratischer Aufwand und in meinem Alter wäre ich da wohl sowieso raus. Aber nachvollziehbar sind eure Argumente allemal. Haltet euch einfach eure Optionen offen und der Rest wird sich dann mit der Zeit vielleicht leichter entscheiden.

    LG!

  6. Liebe Rubbelmama,

    ich bin mit paar Pflegemamis befreundet. Ein Ehepaar wollte adoptieren, weil sie keine Kinder kriegen können. Aber die deutsche Bürokratie war furchtbar, obwohl sie alle Kriterien erfüllen. Sie waren mit den Nerven oft am Ende. Nach 1,5 Jahren hat das Jugendamt mit Ihnen über das Pflegeeltern-DaSein gesprochen. Das lief unter dem Begriff: Adoptionspflege dh. Ziel wäre Adoption für die Pflegeeltern. Sie haben dann ein süßes Mädchen als Pflegekind erhalten. Die Mutter war alleinerziehend und aus Serbien. Angehörige existieren nicht. Und in Deutschland ist sie an Krebs erkrankt. Das Mädchen war damals ein Jahr alt und die Gesundheitsprognose niederschmetternd. Die Mutter konnte ihr Kind nicht mehr alleine versorgen und ein Heim kam nicht in Frage. Das Jugendamt hat dann diese beide Parteien zusammengebracht. Die kleine Mia war zuerst Pflegekind (lebte bei der Pflegefamilie und sah ihre Mama einmal im Quartal) und wurde nach vier Jahren adoptiert. Ihre leibliche Mama war froh und glücklich zugleich, weil sie die Liebe und Fürsorge gespürt hatte. Sie ist mit einem Lächeln eingeschlafen. Und die Mütter haben ein freundschaftliches Verhältnis ind er Zeit aufbauen können. Das Jugendamt meinte, dass Pflegekinder (allgemein) mit 18 Jahren auch einen Adotionsantrag stellen können. Das passiert wohl oft in der Praxis. Aber da müsst Ihr Euch erstmal in Ruhe über alle Möglichkeiten informieren und dann entscheidet Ihr in Ruhe. Alles Liebe.

  7. Liebe Hanna,

    was für ein wundervoller Artikel! Ich kann deine Gedankengänge mehr als nachvollziehen und ich finde die Entscheidung, Euch alles offen zu halten richtig und sehr gut! Oftmals heilt die Zeit, doch alle Wunden und ihr denkt über dieses Thema in einem Jahr vielleicht ganz anders. Interessanterweise kam eine Adoption uns noch nicht in den Sinn, denn trotz der schwierigen Geburt, dem furchtbaren Wochenbett und der mehr als anstrengenden Zeit mit unserem Schmatzipuffer wollen wir eine Schwangerschaft und irgendwie auch eine Geburt wieder erleben. Ich habe den festen Glauben, dass meine zweite Geburt nicht in solch einem Gefühlschaos enden wird und hoffentlich auch ohne die körperlichen und seelischen Narben. Aber wer es nicht versucht, es nicht riskiert, kann auch nicht das Glück finden. Und diese Gedanken schenkten mir Hoffnung und die Kraft, mich für ein eigenes zweites Kind zu entscheiden.
    Ich drücke Euch Zwei ganz fest und wünsche Euch nur das Beste! Ihr seid so liebevolle, großartige Eltern und werdet Euren Weg zum zweiten Kind finden, da bin ich mir sicher!

    Liebe Grüße,
    Kathi

    1. Hallo Kathi,

      vielen Dank für diesen schönen Kommentar bzw. deine lieben Worte. Wer weiß, vielleicht schließe ich mich dir eines Tages an. Momentan steht auch der Gedanke bei mir im Vordergrund, dass gerade ein Baby, das vielleicht nicht von Anfang an gewünscht war und keine perfekte Schwangerschaft und Geburt durchleben durfte, bei uns in guten Händen wäre und es verdient hätte, zumindest irgendwie aufgefangen zu werden. Wir werden sehen.

      Liebe Grüße,
      Hanna

      P.S. Allen, die sich für das Thema „Zweites Kind“ interessieren, sei übrigens die Blogparade von Kathi auf https://geliebtes-kind-motzibacke.de/ empfohlen!

  8. Hallo,
    Ich finde es wunderbar, einem Kind eine Chance zu geben, das sonst wahrscheinlich keine hätte. Ich selbst habe 3 Kinder bekommen (bisher) und bisher immer Glück mit schnellen , einfachen Geburten gehabt. Ich wünsche mir auch noch ein 4. Kind, und würde, trotz tollen Geburten, auch eins adoptieren, wenn mein Mann es wollen würde. Das müssen aber beide wollen, genau wie alles, was man als paar entacheidet.
    Ich kenne ein paar, die keine Kinder bekommen konnten. Nach langem überlegen entschieden sie sich für eine Adoption, sie war bis zu dem Tag, an dem sie die Nachricht bekommen haben, dass ein Kind für Sie da ist, skeptisch. Lass uns ins Krankenhaus fahren und es anschauen, sagte ihr Mann. Kaum war sie da und sah das kleine Mädchen, war ihr Herz voller liebe und sie wollte keine Sekunde mehr überlegen. Sie sind Wunderbare Eltern, die Tochter hat echt das größte Glück der Welt gehabt, bei ihrer jugendlichen, süchtigen Mutter, wäre sie letztendlich in einem schlechten millieu aufgewachsen.
    Zum Thema Geschwister lieben und Aufmerksamkeit geben kann ich nur sagen: alle fordern Mamas und papas Aufmerksamkeit ein, immer mal muss einer zurück stecken und allen Gerecht werden ist eine riesige Herausforderung. Wir haben unsere Kinder recht früh bekommen und darüber bin ich froh , denn sie fordern viel Energie und sind dabei alle drei recht pflegeleicht. Wenn ihr ein eigenes oder ein Adoptivkind bekommt, wird es so oder so zeitintensiver, anstrengender und mit mehr zweifeln verbunden sein. Wer das für eigene Kinder auf sich nehmen kann, der kann es auch für ein fremdes Kind, das zum eigenen Kind wird.

    1. Liebe Mamasonja,

      vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar und die schöne Geschichte. Wir haben nach wie vor nicht endgültig entschieden, ob und auf welche Weise ein Geschwisterchen für den Rubbelbatz zu uns kommen soll.

      Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute und ein gesundes viertes Kind!

      Hanna

  9. Danke für deine Gedanken zu diesem Thema! Für mich war immer klar zwei Kinder will ich auf alle Fälle kriegen. Doch dann war die Schwangerschaft schlimm für mich und eine absolut dramatische Geburt kam dazu. Diese endete nach langen Qualen in einem Kaiserschnitt. Im Nachhinein wurde mir gesagt, unsere Maus hätte nicht natürlich zur Welt kommen können. Für mich war zuvor klar, ja ich will eine natürliche Geburt! Ich hatte Angst davor, aber wollte unser Baby zur Welt bringen und dieses einzigartige Erlebnis erleben. Dann kam ich nochmal mit einem Bluterguss in der Gebärmutter ins KH. Dort mehrfach Wehenmittel um den Bluterguss zu lösen. Das alles hatte zur Folge, dass ich starke Wochenbettdepressionen kriegte. Stillen funktionierte auch nicht richtig, 7 Wochen starke Schmerzen und dann wurde erkannt meine Tochter konnte nicht richtig trinken, weil durch den Kaiserschnitt ihre HWS verdreht wurde. Ich brauchte viel Zeit, Psychotherapie und dennoch kommen oft so Momente wieder hoch… Es steckt die Angst tief in mir und ich weiß auch nicht , ob mein Mann das alles nochmal durchleben möchte. Es dauerte sehr lang bis ich die
    Zeit mit meiner Tochter genießen konnte. Jetzt genieße ich sie voll und ganz und doch möchte ich gerne nochmal ein kleines Wesen mit auf diese Welt begleiten! Wenn nicht diese Angst in mir wäre ….

    1. Hallo liebe Leserin,

      das kann ich so gut verstehen. Mir wurde von verschiedenen Seiten als Lösung dieses Dilemmas ein Wunschkaiserschnitt nahe gelegt. Allerdings ist glaube ich meine Angst vor dem Aufgeschnitten-Werden noch größer als die Angst vor einer weiteren Geburt. Zum Glück habe ich auch schon von vielen Fällen gehört, in denen die Geburt des zweiten Kindes viel besser verlaufen ist und eine Art Heilung für die seelischen Wunden der ersten war.

      So ein Erlebnis wünsche ich dir und dass du trotz der Angst irgendwann eine zweite Schwangerschaft genießen kannst.

      Alles Liebe,
      Hanna

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