Plan B


Der Plan steht nun also. Wir fliegen im April nach Indonesien. Bali. Zu Recht stellen uns die meisten unserer Freunde und Verwandten die Frage, wie lang wir denn weg sind. Und was danach kommt. Wenn ich eins in meinem Leben gelernt habe, dann, dass Pläne dazu da sind, über den Haufen geworfen zu werden. Trotzdem gibt es natürlich verschiedene Szenarien, die ich im Kopf durchspiele. Möglichkeiten, die passieren könnten.

Plan A: Als Familie im Ausland leben

Der ursprüngliche Plan ist ja, als Familie im Ausland zu leben und zurück nach Deutschland zu kommen, bevor der Rubbelbatz zur Schule muss. Also irgendwann vor Anfang 2021. Denn auch wenn ein ortsunabhängiges Leben sicherlich viele Vorzüge hat, so bietet das Leben in Deutschland und innerhalb unserer Gesellschaft doch viele Vorzüge und Möglichkeiten für die Zukunft. Ich selbst durfte von diesen Vorteilen profitieren und möchte sie unserem Sohn ebenfalls nicht verwehren. Wo und wie er dann tatsächlich eines Tages leben möchte, darf er für sich entscheiden, wenn er erwachsen ist.

Wie lange wir konkret wegbleiben, haben wir bewusst nicht festgelegt. Denn ein Leben im asiatischen Ausland ist für uns so fremd und ungewohnt, dass es uns schwer fällt, konkrete Aussagen darüber zu treffen. Auch wissen wir nicht sicher, wie unser Kleinkind (dann schon 2 3/4 Jahre alt) auf all die Veränderungen reagieren wird. Vielleicht klappt es besser, als gedacht und wir wollen auch noch an anderen Orten der Welt leben und einige Jahre wegbleiben. Vielleicht fällt es ihm sehr schwer, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen, dann wird es wohl bei einem Wohnort im Ausland und der einen oder anderen Reise bleiben.

Zurück in Deutschland

Wenn wir zurück kommen, werden wir wohl für’s Erste wieder bei meinen Eltern unterkommen. Von hier aus können wir zum Beispiel Arbeit finden oder, wenn wir weiterhin nur selbständig arbeiten wollen, eine Wohnung. Weil der Großteil unserer Familie hier lebt, würden wir einen Ort in Bayern bevorzugen. Regensburg vielleicht, auch wenn die Immobilienpreise dort durch die Decke gehen, auch, weil dort die Tante vom Rubbelbatz lebt. Und weil wir dort studiert haben, uns kennengelernt und geheiratet.

Das tolle an unserer finanziellen Situation ist, dass mein Mann auch nach der Rückkehr weiter Anspruch auf Arbeitslosengeld I hat – vorausgesetzt, wir kommen innerhalb von vier Jahren zurück. Alles, was er tun muss, so die Aussage der Sachbearbeiterin im Arbeitsamt, ist sich abzumelden zu dem Tag, an dem wir Deutschland verlassen. Wenn wir zurück sind, muss er zunächst anrufen und sich zurück melden. Danach steht ein kurzer persönlicher Termin an, um seine tatsächliche Anwesenheit in Deutschland nachzuweisen. Dann läuft das Arbeitslosengeld weiter.

Zusätzlich haben wir auch ein Sparkonto mit einem gewissen Betrag ausgestattet, um uns zum Beispiel irgendwann neue Möbel zu kaufen oder eine Mietkaution zu zahlen. Denn Stand heute möchten wir dem geregelten Leben ja nicht für immer, sondern nur für einige Zeit abschwören.


Diese Gegebenheiten – die Wohnmöglichkeit bei meinen Eltern und das finanzielle Polster durch Arbeitslosengeld und Erspartes – geben uns in Sachen Rückkehr absolute Gedankenfreiheit.

Wovon wollen wir im Ausland leben…

Ich bin ja ein großer Freund von Transparenz in Sachen Finanzen. Seit über einem Jahr arbeite ich nun schon an der Selbständigkeit im Internet. In den letzten drei Monaten habe ich jeweils etwa 1400€ netto (davon geht am Jahresende noch die Lohnsteuer ab) eingenommen. Ab Januar kann mein Mann als Experte in Sachen SEO und Marketing meine Projekte noch unterstützen und eigene auf- und ausbauen. Tendenziell sollte das monatliche Einkommen also nicht weniger, sondern mehr werden.

Wir haben außerdem im letzten Jahr ein gutes Polster angespart für Monate, in denen es vielleicht einmal nicht so gut läuft. Und viele, die einen ähnlichen Weg schon gegangen sind, bestätigen immer wieder, dass sich der finanzielle Teil immer irgendwie ergibt. Ich bin gespannt.

Wenn es uns nicht gefällt…

Wir sind nicht naiv. Natürlich rechnen wir von Anfang an damit, dass das Leben auf Bali nicht so sein wird, wie wir es uns erhofft hatten. Dass einer von uns zum Beispiel das Klima nicht aushält oder gesundheitliche Probleme bekommt. Natürlich werden wir eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung abschließen. Aber wenn sich zum Beispiel die Neurodermitis vom Rubbelbatz verschlimmert oder meine Östrogendominanz, hilft uns das langfristig nicht weiter.

Nach der Zeit bei meinen Eltern schließe ich auch Heimweh nicht aus. Wir genießen es schon sehr, dass wir nun zu viert sind in der Betreuung und Erziehung und er nicht mehr in die Kita geht, sondern zu Hause von seinem Opa betreut wird.

Wenn wir also nicht täglich zufrieden am Strand liegen und unser Kind unter Palmen im Sand spielt, wenn wir keine Freude daran haben, wieder nur zu zweit zu sein und uns klar wird, dass dieses Leben doch nichts für uns ist, haben wir zwei Möglichkeiten:

  1. Plan A beschleunigen, d.h. einfach früher wieder nach Deutschland zurück kommen und uns einen schönen Ort zum Wohnen und Arbeiten suchen
  2. Einen Plan B schmieden.

Plan B: Landleben

Auch wenn da absolut nichts spruchreif ist, schließen wir mittlerweile auch ein Leben auf dem Land bei meinen Eltern nicht mehr aus. Denn sogar mein Mann, der früher felsenfest davon überzeugt war, dass er hier NIEMALS leben könnte, hat die Vorzüge zu schätzen gelernt. Sowohl die einer Mehr-Generationen-Familie, als auch die der Einöde. Zugegeben, es ist gewöhnungsbedürftig in manchen Aspekten und ich vermisse oft mein geliebtes Berlin. Trotzdem haben wir hier viele Möglichkeiten, die wir anderswo nicht haben:

  • ein eigenes Haus
  • genug Platz draußen
  • einen Badesee und Natur ringsherum
  • Unterstützung durch die Familie
  • viel Ruhe

Denn gegenüber von dem Haus, in dem ich gerade sitze, steht noch unser „altes“ Wohnhaus, das momentan vermietet ist. Auch wenn das ganze Haus für uns drei viel zu groß wäre, könnten wir doch einen Teil davon bewohnen und nach unseren Vorstellungen gestalten, während der Rest des Hauses weiterhin vermietet bleibt.

Dort hat unser Sohn Platz für alle Sandkästen, Fahrräder, Schaukeln und was er eben haben möchte. Wir haben die Gelegenheit, aus dem eigenen Gemüsegarten und Obstbäume zu ernten und im Garten zu entspannen, wenn wir nicht arbeiten.

Und das allerbeste daran wäre natürlich die Nähe zu den Großeltern. Der Rubbelbatz liebt Oma und Opa heiß und innig und sie ihn ebenso. Während er hier die Familie ordentlich aufmischt, sehen die beiden mit einer Engelsgeduld zu, wie er zum Beispiel Tag für Tag wieder die Schüssel voller Maiskörner auf dem Teppichboden und unter der Couch verteilt, um sie mit dem Mini-Bagger auf die Mini-Kipplaster aufzuladen. Wo mir längst keine Lust mehr habe, liest seine Oma das Buch auch ein fünftes Mal vor oder trinkt ihren Kaffee auf dem Boden, weil er möchte, dass sie zusieht.

Mein Papa arbeitet jetzt schon phasenweise halbtags und denkt langfristig über eine Altersteilzeit nach, bzw. erkundigt sich gerade nach den Voraussetzungen – vielleicht möchte er auch ganz aufhören, zu arbeiten. Dann würde er auch weiterhin als der beste „Babysitter“ für seinen Enkelsohn zur Verfügung stehen. Bis dahin könnten die beiden schon weitaus mehr unternehmen als Fahrradtouren in den Wald und Spritzfahrten mit dem alten Fendt-Traktor (die Marke ist mittlerweile extrem wichtig, ehrlich!).

Allerdings würde dieser Plan vermutlich voraussetzen, dass mein Mann nur noch auf selbständiger Basis in seinem bisherigen Job arbeitet – oder unter Umständen wie jetzt aus dem Home Office. Denn potentielle Arbeitgeber gibt es hier in der Gegend kaum. Eigentlich gibt es hier überhaupt nicht viel.

Hier ist sprichwörtlich, wo Hase und Fuchs sich Gute Nacht sagen!

Dadurch hätte es aber auch etwas vom ursprünglichen Plan erhalten: Wir drei könnten den ganzen Tag zusammen sein und würden unser Geld im Internet verdienen.



Alle Kommentare (2)

    Auch hier möchte ich kurz meinen Kommentar abgeben. Bin auf Bali schon öfter gewesen, auch beruflich. Ich habe dort mit einer Silberschmiede Schmuck entworfen, anfertigen lassen und über meine Tätigkeit in Deutschland verkauft. Dies ist allerdings schon etliche Jahre her. Bali ist eine der schönsten Inseln der Welt, heißt ja auch nicht ohne Grund „Insel der Götter“. Dort kann man es schon gut aushalten, allerdings zuletzt sehr touristisch überlaufen. Um dort länger zu leben (Visum gilt für 3 Monate, dann muss man erstmal das Land verlassen, kann aber gleich wieder neu einreisen) und eventuell Geld zum Leben zu verdienen, bietet sich natürlich die Tourismusbranche an, vielleicht als Reiseführer durch die Reisfelder für deutsche Touristen. Viel Glück
    Udo

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