Der Entbindungstermin ist heute

SSW 39

Die Faszination des Kugelbauchs

Woran man erkennt, dass der Babybauch (SSW 39) mittlerweile wirklich riesig ist (vor allem in Proportion zum Restkörper)?

Wenn fremde Menschen im Restaurant neben uns aufstehen, um zu gehen (und wir haben kein Wort vorher gewechselt) und sich von uns verabschieden und uns alles Gute wünschen; wenn die Kellnerin nach dem Bezahlen fragt, ob wir denn nun ein Kind oder zwei erwarten; wenn wir beim Bäcker zwei Quarkbällchen extra bekommen, eins für’s Baby und eins für die Mama; wenn die Klofrau kein Geld will, sondern viel Glück wünscht und nicht mal die etwas verwahrloste Frau in der U-Bahn ihre Obdachlosenzeitschrift verkaufen will, sondern wissen, wann es so weit ist.

Wenn sogar fremde Männer das dringende Bedürfnis haben, den Bauch entweder anzufassen oder zufrieden mit dem eigenen Bierbauch vergleichen, um festzustellen, dass es immer noch größer geht. Wenn die Freundin, die man seit 6 Tagen nicht gesehen hat, schockiert ist über den Größenzuwachs und wenn selbst an überfüllten Orten den Weg frei gemacht bekommt.

Es ist auf jeden Fall eine Zeit, in der mein Mann und ich oft schmunzeln oder uns freuen.

Das Warten angenehm machen

Wenn ich gestern gefragt wurde, wann es denn so weit sei und ganz locker-flockig geantwortet habe „Morgen“, wurden die Augen meistens groß. Ja, heute ist Termin und natürlich warten wir. Weil Geduld wahrlich nicht meine Stärke ist, versuchen wir, die Zeit noch bestmöglich zu nutzen. Indem ich vor allem die positiven Seiten des Noch-zu-zweit-Seins betone, fällt es mir weniger schwer, durchzuhalten. (Denn genau auf solche Ereignisse, die sich nicht fest vorhersagen lassen, kann ich ganz schlecht mit Geduld warten.)  Also schlafe ich jeden Morgen aus bzw. schlafe mittags nochmal ca. 2 Stunden. Tagsüber hänge ich faul zu Hause rum oder erledige in einem richtig gemütlichen Tempo kleinere Einkäufe.

Und Abends, sobald mein Mann Feierabend hat, kommt dann das Highlight: jeden Tag suchen wir uns ein schnuckeliges Restaurant oder einen abgefahrenen Imbiss, einen Biergarten oder eine Snackbar aus und probieren was Neues. Entweder im Stadtteil, in dem er arbeitet – was zufällig der Prenzlauer Berg und damit die Schwangeren-Hochburg Berlins ist – oder bei uns im Wedding.

So haben wir diese Woche superlecker Burger in der Burgerie gegessen, waren in der Hausbrauerei Eschenbräu, wo es nicht nur lecker Saisonbier und Apfelsaft gibt, sondern man sein Essen selbst mitbringen darf. Gemüsekebap und italienische Pasta durfte natürlich auch nicht fehlen. Besonders überrascht war ich von einem kleinen Feinkostladen bei uns um die Ecke, wo ich schon duzende Male vorbeigelaufen / -gefahren bin, den ich aber nie eines Blickes gewürdigt hatte: Das Mercatino. Hier fühlt man sich wirklich wie in Italien, das Team ist megafreundlich und das Essen sehr lecker.

Rauf auf den Berliner Fernsehturm – Schwanger Fahrstuhl fahren zu riskant?

Mein persönliches Highlight der kulinarischen Woche war unser Besuch im Berliner Fernsehturm-Restaurant. Seit einer Ewigkeit haben wir diese Gutscheine, die uns gute Freunde geschenkt haben, und warten auf „den richtigen Moment“.

Immerhin ist das einer unserer letzten Zu-Zweit-Momente. Weil diese Gelegenheiten in meinem Kopf aber nie einen Kinderwagen oder ein schreiendes Kind beinhalten, war es jetzt sozusagen letzte Eisenbahn. Also haben wir für Samstag mittag reserviert und sind den Weg mit der Bahn und über den affenheißen, überfüllten Alexanderplatz angetreten. Zum Glück hat man als Gast mit Reservierung VIP-Zugang. Leider war mir etwas mulmig bei dem Gedanken, schwanger den Aufzug zu benutzen. Dieser ist ja bekanntlich ganz schnell oben und es herrscht ein Druckunterschied, der mir nicht ganz geheuer ist mit Baby im Bauch. Aber andererseits ist mir nichts dergleichen bekannt. Also haben wir es einfach gemacht.

Und endlich waren wir ganz schnell schnell oben – wo es nämlich klimatisiert war! Vorher musste ich mir aber tatsächlich in einem ermahnenden Ton von der Frau an der Kasse anhören, dass es nicht erlaubt sei, dort oben ein Kind zu bekommen. Typisch deutsch, nichts darf man. Kinderwägen mitbringen übrigens auch nicht. Als die Dame uns später in die andere Richtung verabschiedete, war sie sichtlich erleichtert, dass ich mich als guter Gast an die Regeln des Hauses gehalten hatte.

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Oben hatten wir einen Fensterplatz und die Aussicht war wirklich Wahnsinn. Der perfekte Tag dafür. Draußen brütende Hitze und Sonnenschein, drinnen perfekt klimatisiert. Das Restaurant dreht sich innerhalb von 45 Minuten einmal um 360°, sodass die Aussicht immer spannend bleibt. Ich war wirklich begeistert, wie viel von Berlin ich schon kennengelernt habe und wie klein alles von oben aussieht. Auch das Essen war wirklich gut, wenn auch nicht gerade günstig.

Trotz allem „fit wie ein Turnschuh“

Sehr oft wurde ich diese Woche gefragt, wie es mir als Hochschwangere mit dieser Mörderhitze ergeht. Und ich muss sagen, zum Glück ziemlich gut! Wir haben eine sehr kühle Wohnung im Erdgeschoss (endlich macht sich die etwas geringe Belichtung bezahlt), sodass ich mich immer wieder erholen kann, nachdem ich draußen war. Außerdem versuche ich, vor allem abends nach draußen zu gehen, da ist es schon ein wenig kühler. Auch unabhängig davon scheint mein Körper sich an den schweren Bauch und alles schnell anzupassen. Manchmal fühle ich mich gar nicht wirklich schwanger, sondern ganz normal. Oft drehen wir abends unsere Runden im grünen Innenhof, so kann ich gut entscheiden, wie lange ich durchhalte und wann wir besser wieder nach drinnen gehen.

 

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