Unser Baby ist 2 Tage doofer als ich


Fünf Wochen haben wir jetzt unseren Kleinen. Fünf Wochen, in denen wir als Erstlingseltern nicht wenig überfordert waren. Fünf Wochen, in denen wir den Kleinen kennenlernen durften und fünf Wochen, in denen mir der kleine Mann fast jedes Mal gezeigt hat, dass er sich von mir nur maximal 2 Tage „verarschen“ lässt, wenn es darum geht, ihn möglichst gut beruhigen zu können.

Zwei Tage also, in denen ich Maßnahmen finde, die mir das Gefühl geben, endlich die richtigen Tasten auf der Fernbedienung fürs Kind zu drücken. Zwei Tage, in denen mir ernsthaft Worte durch den Kopf gehen wie „So schwer kann das ja gar nicht sein mit nem Kind“ oder „Man muss nur wissen wie“!

Und dann am dritten Tag: Game Over! Egal, was ich schon alles versucht habe, der Erfolg hält leider nur 2 Tage an. Mir ist es gestern Abend aufgefallen, als ich drüber nachgedacht habe, was bisher eigentlich alles bei bei dem Kleinen schon funktioniert hatte. Für 2 Tage.

Good Old „Wiegehaltung“

Woche Zwei: Die ersten Tage nach der Geburt hatten wir ja ein Familienzimmer in der Entbindungsklinik Maria Heimsuchung. Die Erlebnisse haben uns alle ziemlich viel Kraft gekostet, weshalb es erst in den Tagen daheim mehr oder weniger darauf ankam, den Lord zu besänftigen, sollte er seinen Unmut durch Geschrei kund tun. Zugegeben, das war noch die einfachste Möglichkeit, den Lord zu beschwichtigen. Einfach Kopf in meine Elle und ein bisschen Schaukeln haben es schon voll gebracht und ich konnte richtig beobachten, wie wohl er sich gefühlt hat, die Augen zufielen und das große Grunzen begann. So hatte ich schon mal Gelegenheit, wie es sich anfühlt, wenn Sohnemann vollstes Vertrauen zu mir entwickelt und in meinem Arm einnickt – und zwar 2 Tage!Danach kam er mir auf die Schliche!

„Drehn, Stehn oder Gehn“

Woche Drei: Danach funktionierte nämlich die Wiegehaltung nur noch in Kombination mit Drehen, Stehen oder Gehen. Und mit Kombination meine ich genau die Abfolge in besagter Reihenfolge. Was hab ich nicht an Kilometern runtergerissen in der Wohnung. In der Zeit entstand sogar ein Lied mit dem Titel „Drehn, Stehn oder Gehn„, was der kleine verwöhnte Rotzlöffel immer von mir zu hören bekam. So lange dies aber funktioniert hat, war ich King …  Aber nur bis er Lunte gerochen hatte. Auch hier konnte ich das Gefühl der psychologischen Überlegenheit nur wenige Tage auskosten. Dann hat er mich nämlich bis zur totalen Erschöpfung singen lassen und sich selbst in den Standby-Modus versetzt, was ich an seinem übermüdeten Schlitzauge erkennen konnte, mit dem er mich permanent beobachtete. So machte mir das Ganze jedenfalls keinen Spaß.

 

[gray_box]Lyrics zu

Drehn, Stehn oder Gehn

 

Drehn, Stehn oder Gehn?

Drehn, Stehn oder Gehn!

Drehn, Stehn oder Gehn?

Drehn, Stehn oder Gehn!

 

Chorus:

Drehn, Stehn oder Gehn?

Drehn, Stehn oder Gehn!

Drehn, Stehn oder Gehn?

Drehn, Stehn oder Gehn!

 

 

Drehn, Stehn oder Gehn?

Drehn, Stehn oder Gehn!

Drehn, Stehn oder Gehn?

Drehn, Stehn oder Gehn!

 

Notiz an Baumi: Wir wissen, dass sich bei dir die Melodie zum Song ins Hirn gebrannt hat und du diese beim Lesen mitsingst!

Fake-Schnuller

Woche vier: Als unsere Hebamme im Urlaub war, zeigte uns die Vertretungshebamme, dass wir den Kleinen auch an unserem kleinen Finger mal Nuckeln lassen könnten, damit er sich schneller von einer Schrei-Phase beruhigen kann. Wir haben uns ja bewusst bei der Schnuller-Frage dagegen entschieden, aber den Finger haben wir dann doch mal getestet. Überraschenderweise hat es sofort gezündet. Der Rubbelbatz hat gezutzelt und 3 Min später war er weg. Ich hatte also wieder einen Schlüssel zum Paradies der absoluten Ruhe. Vielleicht hab ich es aber auch etwas übertrieben, denn auch hier hielt der Erfolg nicht lange und der Rubbelbatz hat mir gefühlt mit Sicherheit die oberste Hautschicht am kleinen Finger weggezutzelt. Unglaublich wieviel Druck er ausübt, in dem er ein Vakuum mit seinem Mund erzeugt. Seit dem solidarisiere ich mit allen geschundenen Brustwarzen von stillenden Müttern. Ihr seid nicht allein!

2-Meter-Schulterblick

Getragen werden gehört auf jeden Fall in die Champions League der Beruhigungsspiele. Nachdem nun aber der Wiegehaltungsdrops gelutscht war, wollte Junior mehr und das auch noch höher und weiter! Wir müssen meiner Körpergröße von knapp 1,92 m danken, denn das scheint so in etwa die Höhenlage zu sein, in der er sich so richtig wohl fühlen kann. Kaum am obersten Punkt meiner Brust angedockt, konnte ich nun binnen einer Minute schlechte Laune und Geheule in zutrauensvolles Juchzen und Entspannung verwandeln. Kurz: Ich war wieder King! 🙂

Scheinbar lernt aber der Kleine im Schlaf und je sicherer ich mich mit meiner Taktik fühlte, desto näher rückte seine Immunität. Tag 3 brach an und er hatte mich im Sack. Er schlief nicht mehr ein, sondern hatte mich zu seinem leibeigenem Packesel und Lieblingschauffeur ernannt. Es dauerte aber eine Weile, bis ich die „Beförderung“ erkannte. Bis dahin hatte Junior nette Gelegenheiten, Sight-Seeing in unserer Wohnung und draußen zu betreiben.

 

Cockpit-Sitz

Tragen, Tragen, Tragen … mir brennt schon der Bizeps! Aber was tut man nicht alles als Erstlingspapa. Und unser inoffizielles Katz-und-Maus-Spiel ging auch in die nächste Runde. Bei einer der nächsten Momente als wir es wieder mit Furious Ben zu tun hatten, habe ich ihn mir einfach mal vor meine Brust gehalten und zwar so, dass er mit seinem Rücken an meiner Brust anliegt. Gestützt wurde er durch meine Hand unter seiner Baby-Kiste. Was soll ich sagen, es gefiel ihm. Und mich überkam wieder das verloren geglaubte Gefühl von Kontrolle und Glück (Scheiß Hormone, besonders du liebes Dopamin und Endorphin!). So müssen sich die Leute also wohl auf Koks fühlen. So wie ich, wenn ich meinen Jungen an seinen Arsch packe und ihn mir vor den Oberkörper halte! Verrückt!

Für Junior ist das glaube ich auch ein Spektakel. Er sitzt da drin wie in seinem Cockpit, überschaut die ganze Lage mit aller Ruhe und Selbstverständlichkeit und ich trage 6 Kilo, 90Minuten am Stück mit nur einer Hand. Anfangs fing ich noch an, immer laut „Cockpit“ zu rufen, in der Hoffnung, es könnte die gleichen Effekte haben wie beim Pavlovschen Hund. Es brachte leider nichts, außer komische Blicke von Passanten. Schon wieder!

Anyway, diesmal habe ich jedenfalls dazu gelernt und behalte mir den Cockpit-Sitz noch als Joker warm und verheize ihn nicht gleich wieder. So viel habe ich jedenfalls gelernt in den letzten Wochen. Und es ist echt unfassbar, wie schnell mein Kleiner meine opportunistischen Aktionen durchschaut und mir nen Strich durch die Rechnung macht. Es sind jedes Mal nur 2 Tage, die ich mich im Vorteil fühlen kann. Aber andererseits sind es eben auch 2 Tage, an denen er mich gut aussehen lässt und dafür bin ich dir dankbar, kleiner Mann!

Ich bin wirklich stolz auf ihn!!!



Alle Kommentare (2)

    Hihi, ja gerade wenn sie so klein sind, kommen die Phasen noch rasant schnell hinter einander. Das wird auch irgendwie immer so bleiben, obwohl die Pausen dazwischen irgendwann gefühlt doch ein kleines bisschen größer werden. Aber auch nach vier Jahren, immer wenn ich denke, jetzt habe ich die richtige Lösung für den Minihelden gefunden, ändert sich auf einmal alles wieder.

    Aber auch nach vier Jahren, immer wenn ich denke, jetzt habe ich die richtige Lösung für den Minihelden gefunden, ändert sich auf einmal alles wieder.

    Das erstickt meine Hoffnung mit einem Schlag im Keime! 😉

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