Warum ich wütend auf meinen Mann bin

Eltern werden ist eine große Umstellung. Für alle Beteiligten. Früher, also bevor ich schwanger war, habe ich immer gesagt, mein Mann soll zu Hause bleiben. Er ist so viel geduldiger und kreativer als ich und hat immerhin schon mal mitgeholfen, seinen kleinen Bruder großzuziehen. Er hat also Erfahrung mit kleinen Babys. Ich habe zwar auch schon als Aupair gearbeitet, aber die Babys waren immer mindestens ein Jahr alt. Und an meinem inneren Auge ist die Szene schon wie einen Film vorübergezogen: wie ich, völlig entnervt, übermüdet, mit zerzausten Haaren und vollgespuckter Kleidung zu Hause bei dem Balg sitze und mir wünsche, nie eins bekommen zu haben. Dem Nervenzusammenbruch nahe. Dann ein Cut und dieselbe Szene mit meinem Mann: tanzend und trällernd trägt er das Baby durch die Wohnung, die beiden lassen kein Späßchen aus. Das Baby juchzt vor Freude. Kein Wunder, dass ich da stinksauer werde.

Doch natürlich kam alles anders. Mit den Schwangerschaftshormonen setzte das hormonelle Brainwashing ein und eins war für mich so sicher wie das Amen in der Kirche: mein Baby braucht im ersten Jahr seine Mama wie niemand anderes und es kommt für mich nicht in Frage, es allein zu lassen. Karriere? Uninteressant! Angst davor, es nicht zu schaffen oder genervt zu sein? Nach wie vor vorhanden, aber völlig nebensächlich! Also haben wir entschieden, dass ich zu Hause bleibe und mein Mann weiter arbeiten gehen. Ich bin mir sicher, er hätte sich auch für die andere Variante begeistern lassen. Im Endeffekt war es also meine Entscheidung, einen auf Hausfrau und Mutter zu machen.

Der Rubbelpapa kann also eigentlich nichts dafür. Und wider erwarten bin ich auch gar nicht so unfähig und geduldlos als Mutter, wie ich angenommen hatte. Auch ich tanze singend mit ihm durch die Wohnung und ganz nebenbei gelingt es mir noch, die Wohnung auf einem relativ niedrigen Chaos-Niveau zu halten. Manchmal koche ich sogar Abendessen, wenn er nach Hause kommt. Und das, obwohl der Rubbelbatz sich niemals länger als 10 Minuten ablegen lässt, d.h. das alles mache ich mit ihm im Tragetuch. Läuft also als Mama würde ich sagen.

Trotzdem merke ich in den letzten Wochen immer wieder, dass ich wütend auf meinen Mann bin.

Wütend darüber, dass er jeden Morgen duschen kann, sich anziehen, das Haus verlassen und seinem Arbeitsalltag nachgehen.

Wütend darüber, dass er sich nicht um 19 Uhr mit dem Rubbelbatz ins Bett legen und maximal noch ein wenig mit dem Smartphone surfen kann.

Wütend, dass er stattdessen Bier trinken und Fußball kucken, mit seiner Schwester telefonieren oder sich mit Freunden treffen kann.

Am Wochenende bin ich wütend, dass er ausschläft, während ich mit dem Rubbelbatz aufstehe, weil ich ja ohnehin seit 10 Stunden schlafe.

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Ich bin wütend, wenn er im Bett quer und bequem auf dem Bauch liegt, während ich nur seitlich ganz nah am Kind liegen kann.

Ich bin sogar wütend, dass der kleine Kerl jetzt schon anfängt, wie ein Honigkuchenpferd zu strahlen und zu lachen, wenn sein Papa nach Hause kommt, während ich mich schon richtig ins Zeug legen muss, um ein Lachen zu ergattern. Ich bin ja eh den ganzen Tag da.

Ob das nicht ein bisschen unfair von mir ist? Ja, natürlich, diese Wut ist richtig unfair! Und objektiv betrachtet auch ungerechtfertigt. Schließlich ist es nicht seine Schuld, dass der Zwerg Tag und Nacht in meiner Nähe sein möchte; dass er nur schläft, wenn er mit den Füßchen meine Oberschenkel und mit Armen oder Kopf mein Gesicht spürt; dass er alle 2 Stunden Hunger hat oder einfach nur zur Beruhigung an die Brust möchte; und natürlich ist es nicht seine Schuld, dass ich mich dazu entschieden habe, bis auf Weiteres zu Hause zu bleiben. Aber es bleibt trotzdem: manchmal bin ich wütend.

Ob das schon ein bisschen unreif und wenig erwachsen ist? Ja, das ist es! Aber mal ganz ehrlich, ich bin, seit ich Mama bin, den ganzen Tag so wahnsinnig erwachsen, verantwortungsbewusst und vernünftig – was ist das so ein wenig unvernünftiger Ärger…

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Alle Kommentare (9)

    Das kennen wir glaube ich alle. Ich habe mir dann immer gesagt: Hey, der Mann geht dafür den ganzen Tag arbeiten, damit ich die Chance habe zu Hause zu bleiben und mein Kind mit all seinen Facetten zu genießen. Ändert natürlich nix daran, dass ich neidisch auf die Ruhe und die Abwechslung war, die er dagegen hatte, auch wenn er es eher Stress und Zeitnot, Arbeit und für’s Geld arbeiten nannte…das ist dann total unwichtig. Man tut ja dann auch alles. Man verzichtet auf’s Duschen, steht nachts gefühlte 100 Mal mit dem Baby auf…anstatt es vom Mann einzufordern. Schon komisch, oder? Und dennoch ist man am Ende irgendwie sauer oder gar enttäuscht, weil man einfach viel mehr Hilfe vom Mann erwartet…aber hey, wir sind dort in einer schwierigen Phase und da darf man auch mal irrational und unfair sein 😉

    Oh, ja, das kenne ich zur Genüge! Kann aber sagen: Es wird besser, wenn er älter wird – oder auch wieder schlimmer, je nachdem 😀

    Ich finde es total wichtig, “Regeln” aufzustellen oder auch Vereinbarungen zu treffen. Zum Beispiel “darf” ich am Wochenende (oder durfte, heute ist alles einfacher) für 1-2 Stunden GANZ ALLEINE vor die Tür. In den ersten Wochen und auch Monaten ist das eine unglaublich tolle Erfahrung und hat mir ungemein geholfen, dass ich nicht durchdrehe oder irgendwann meinem Freund an die Gurgel gehe, weil er sich so viele Freiheiten bewahrt hat.
    Dazu kam, dass wir ab dem 3. Monat beschlossen haben, dass der kleine Mann alleine ins Bett gehen muss. Studien haben gezeigt, dass Babys am allerbesten zwischen 18 und 19 Uhr einschlafen und daran haben wir uns dann orientiert und geübt und geübt und geübt, bis wir es geschafft hatten, dass er eingeschlafen war (vor allem auch mit Hilfe der 5S und dem allerbesten aller Schlafbücher “Das glücklichste Baby der Welt” von Dr. Harvey Karp!) und wir ihn alleine ablegen konnten. Erst hat er nur 2 Stunden durchgehalten, dann musste Mama noch mal Stillen, aber nach ca. 2 Wochen konnte er schon 4 Stunden und dann immer länger. Das beste aller Gefühle, das ich (völlig abgesehen von dem unglaublichen Glück mit diesem kleinen Mann) mit meinem Freund teilen konnte, war, wie wir unseren ersten Abend nach gefühlter Ewigkeit (ca. 12 Wochen) wieder “alleine” zu zweit auf der Couch sitzen konnten. Kurzfristige Ratlosigkeit à la: “Was machen wir jetzt nur?” inklusive.
    Und dann noch eine 3. Sache, die mir unglaublich geholfen hat. Nachdem wir also die Schlafzeit auf ca. 18:30 (Sommerzeit) verlegt hatten, ging der kleine Mann also ins Bett ohne seinen Papa abends noch einmal zu sehen. Dafür hat Papa dann morgens seine Zeit mit ihm. Papa steht also unter der Woche auf, wann immer, der kleine aufwacht (lange Zeit um 5 Uhr…) und Mama bleibt liegen. Auch ein ganz großartiges Gefühl!

    Diese 3 Dingen haben mich so unglaublich mit allem versöhnt, was mir so im Kopf herum geflogen war – auch damit, dass Papa immer (noch) das strahlendere Lächeln bekommt 😉

    Ganz liebe Grüße, Nora

    Uns bzw. mir ging es genauso. Ich hatte diese “Wut” auch irgendwie unbewusst aufgestaut und platzte dann meinen Mann überrumpelnd ca. 4 Monate nach der Geburt damit raus. Wir haben mittlerweile (Mathilde ist nun 6,5 Monate alt) einen sehr geregelten Alltag. Sie schläft zwischen 18 und 19 Uhr ein und die Abende gehören bis auf wenige Ausnahmen uns. Unter der Woche stehe ich nachts immer auf, meist so gegen 4 Uhr hat unsere Kleine wieder Hunger. Am Wochenende übernimmt mein Mann dann diese “Schicht”, wobei ich trotzdem aufwachen muss, denn zur Zeit bringe nur ich sie schnell wieder zum schlafen.
    Sobald die Aufmerksamkeit der Kleinen tagsüber nicht mehr nur auf Mama bezogen ist und dann Spielzeug und jeder andere Gegenstand interessant wird, bessert sich dieses Gefühl und meist wird das Erlebte dann im Schlaf verarbeitet und sie schlafen länger 🙂

    LG Maria

    Danke ihr Lieben für die aufmunternden Worte – ich warte darauf, dass es besser wird!

    @Nora: das hört sich wirklich gut und machbar an, ich habe schon angefangen, entsprechende Änderungswünsche vorzubringen. Er überlegt es sich…

    Oh Mann…. GENAU SO geht’s mir grade!! Ich weiß, dass ich manchmal unfair bin, einfach, weil ich so irre viel aufgebe und er nicht. Liegt in der Natur der Dinge. Eigentlich weiß ich das. Eigentlich…

    Aber er ist sich seiner Freiheiten so gar nicht bewusst und das ärgert mich dann noch viel mehr. Vermitteln lässt sich das allerdings kaum. Schade. Eigentlich. 🙂

    Ich mal wieder…

    Ich kann dich sehr gut verstehen. Besonders in den ersten Monaten habe ich sehr mit dem “Ungleichgewicht der Zuständigkeiten” gekämpft. Es ist aber auch kein Wunder, denn die Umstellung ist ja besonders für uns Mamas so enorm. Von der selbstbestimmten, unabhängigen und berufstätigen Lebefrau in ein neues Leben, dessen Rhythmus kaum man selbst bestimmt, wenn man sich denn so darauf einlässt, wie du es tust…
    Ich möchte nicht sagen, dass die Umstellung auf “Papa” nicht auch eine große Herausforderung ist, aber die Männer nehmen einen viel deutlich sichtbareren Teil des “alten” Lebens sehr schnell wieder auf. Und das ist vor allem am Anfang irgendwie ungerecht. Man will ja auch mal…
    Ich hab mich in dieser Zeit sehr danach gesehnt, frisch geduscht morgens zur Arbeit zu gehen. Und mein Mann und ich haben harte Monate, mit seeeehr ehrlichen Gesprächen hinter uns. Mittlerweile geht der Kleene zur Tagesmutter und ich muss (aus finanziellen Gründen) wieder jeden Tag zur Arbeit. Und kämpfe noch immer damit, da auch wir uns sehr am Attachment Parenting orientiert haben und “abgeben” da noch nicht reingepasst hat.
    Hier vielleicht noch ein paar Mutmacher (alles unter dem Aspekt, dass wir dem Kleinen nie was aufgezwungen haben):
    – das mit dem Schlafen abends wird besser, ehrlich
    – so um den ersten Geburtstag beginnt das Ablösen von Mama und das Hinwenden zum Papa (Hab ich zumindest oft beobachtet!) und das ist irgendwie traurig und wundervoll zugleich
    – irgendwann wird auch das mit dem Stillen weniger und diese unbedingte Abhängigkeit lockert sich etwas

    Das erste Jahr fordert ganz besonders (die nachfolgenden sicherlich auch, aber das liegt noch vor mir) und ein bisschen Wut gehört dazu, aber ich wette, ein “Du bist eine wundervolle Mama” vom Rubbelpapa und man ist etwas versöhnt.

    Hallo Sassi, mal wieder 🙂 Danke für’s Mut machen. Wir bekommen es meistens schon ganz gut hin, aber ca. alle 1-2 Wochen bricht es doch mal aus mir raus. Dann gibt er sich (wieder bzw. noch, das ist Ansichtssache) mehr Mühe und es läuft wieder besser. Ich dachte immer, nach 3 Monaten wird alles besser. Naja, hauptsache alles wird besser, irgendwann…

    Hallo zusammen,
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Artikel aktuell bleibt, auch wenn er schon etwas älter ist…
    Mittlerweile ist mein kleiner fast 2 1/2 aber ich erinnere mich noch unglaublich gut an die ersten Monate.
    Mir ging es nämlich genau so… und ich muss zugeben, manchmal fühle ich diese Wut heute noch.
    Für uns stand damals sofort fest, dass ich ein Jahr zuhause bleibe und dann auf 50% arbeiten gehe. Aber mir war das zu viel. Ich hatte lange ein schlechtes Gewissen weil es mir nicht “gereicht” hat “bloß” Hausfrau und Mutter zu sein. Ich habe alles vermisst. Gesellschaft von anderen Leuten, mal über was anderes reden als Babykotze und Beikost. Ich wollte einfach nicht auf das Mama sein reduziert werden. Da kam das schlechte Gewissen und es steigerte sich ins Unermessliche als ich versuchte mit anderen darüber zu reden und nur auf Unverständnis stieß. War ich so eine Rabenmutter?
    Und dann mein Mann… Er konnte mich nicht verstehen. Ich hätte es mir doch so ausgesucht, er wäre froh wenn er mal ein paar Tage mit seinem Sohn hätte ohne arbeiten zu müssen… Ja… ein paar Tage und dann? Dann wäre er wieder arbeiten gegangen, hätte was von der Außenwelt mitbekommen, nicht mit seinen Kumpels über Pampers reden müssen…
    Was soll ich sagen… seit ich arbeiten gehe ist es besser geworden, aber die Zeit, die wir als Familie haben wurde dadurch weniger, da mein Mann und ich uns einig waren, dass unser kleiner frühestens mit 2 Jahren in den Kindergarten gehen sollte. Da wir beide im Wechseldienst sind, und ja immer jemand zuhause sein musste, sind wir gegenläufig arbeiten gegangen.
    Macht mich das jetzt zur schlechten Mutter? Dass ich weniger Zeit zu dritt in Kauf nehme um ein besseres Selbstgefühl zu haben? Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß ist, dass ich meine Familie liebe und nie wieder missen möchte auch wenn ich mich mal ärger. Ich freu mich, wenn mein Sohn mir am Telefon sagt “Ich freu mich auf dich” und mir in die Arme läuft, wenn ich ihn aus dem Kindergarten abhole. Und ich weiß, dass ich längst nicht so gelassen sein könnte, wenn ich meinen Frust nicht auf der Arbeit vergessen und gut gelaunt nach Hause kommen könnte.
    Ich wünsche allen Mamas und Papas, die auch wütend sind, dass sie ein Ventil finden. Bei mir war es die Arbeit, ich hoffe bei euch ist es auch “so einfach” und ihr findet etwas, dass euch entspannter mit stressigen Situationen umgehen lässt…

    PS: Bei uns wurde das mit dem Schlafen zwar besser, aber er ruft nachts immer noch bloß nach mir wenn er Durst hat oder mal muss… auch wenn ich um 4 aufstehen muss… mein Mann dreht sich dann einfach um und schläft weiter… wenn er es überhaupt mitbekommt…. *grummel* ?

    Danke fürs Aussprechen.
    Die Wut kenne ich auch.
    Was mich auch heute noch stört: ich bin die Standard-Lösung. (Für unseren IT-Papa: die default-Lösung). Soll heißen, ich bin als Erstes mal zuständig. Bei den Kindern, bei meinem Mann. Der Papa kann nebendran sitzen, erstmal wird nach mir gebrüllt.
    Papa sagt : ich komme heute später. Mama muss fragen, ob sie zur Besprechung länger bleiben kann… Alle gehen davon aus, dass die Mama sich kümmert. Das stresst mich.

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