Was ich beruflich mache


Die nächsten Jahre wollen wir vor allem Zeit für uns als Familie haben und uns durch Dienstleistungen im Internet finanzieren. Aber es gab für mich auch ein Leben vor der Schwangerschaft. Und das ist beruflich ganz anders verlaufen, als man vielleicht vermuten würde. Was hättet ihr gedacht, was ich bis zur Elternzeit beruflich gemacht habe?

Frühe Berufswünsche oder was ich fast studiert hätte

Als Kind wollte ich immer Lehrerin werden. Als das Abitur näher rückte, hatte ich den Wunsch, Psychologie zu studieren. Numerus Clausus: 1,8. Also strengte ich mich an. Während der Abiturzeit blätterte ich zum ersten Mal in einer Studienbeschreibung und stellte fest, dass man in einem Psychologiestudium ganz schön viel trockenes Zeug lernt. Wie man anderen Menschen wirklich hilft, wird einem dort nicht beigebracht. Also entschied ich mich um: Medizin sollte es sein. Numerus Clausus: 1,4. Also strengte ich mich noch mehr an. Kurz nach dem Abitur, das ich am Ende mit 1,5 abschloss, hatte ich ein einschlägiges Erlebnis: Meine Mama hatte sich einen Holzsplitter unter den Daumennagel gerammt, ziemlich weit nach oben. Sie zog eine Nadel aus der Pinnwand und drückte sie mir in die Hand, streckte mir den Daumen entgegen und wollte, dass ich das Ding damit raushole. Uuuuuuh, ich konnte den Schmerz regelrecht fühlen und genau so reagierte ich auch. Halb panisch weigerte ich mich und fuhr sie ins Krankenhaus. Damit war der Traum vom Medizinstudium für mich ebenfalls gestorben. Mit Schmerzen anderer Menschen umgehen kann ich wohl doch nicht so gut. Einen Studienplatz hätte ich übrigens im Nachrückverfahren bekommen.

Mein Studium

Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits mehrer Jahre einen festen Freund und eine feste Vorstellung vom Leben. Also zurück zum ursprünglichen Plan: Lehrerin. Dann könnte ich in der Nähe meines Heimatortes verbeamtet werden, ein Haus bauen und Familie gründen. Ich entschied mich für Deutsch und Erdkunde in Regensburg, das nur 140km von zu Hause entfernt lag. Bei der Einschreibung musste ich feststellen, dass Erdkunde in diesem Semester abgeschafft worden war. Weil ich schon eine Wohnung angemietet hatte, entschied ich mich vor Ort um: Deutsch und Englisch sollte es sein. Nicht, dass mein Englisch damals außerordentlich gut gewesen wäre – oder heute ist – aber so viel Auswahl neben Sport, Religion und anderen Fächern die für mich niemals in Frage kämen, gab es da nicht mehr. Also war ich ein Anglist und Germanist.

Das Studium machte mir Spaß, vor allem der Teil, der nicht an der Uni stattfand. Ich trennte mich von meinem damaligen Freund und gegen Ende des Studiums zeichnete sich eines deutlich ab: Ich habe keinen Bock mehr auf Uni oder Schule. Also lehnte ich die mir angebotene Doktoranden-Stelle ab und meldete mich auch nicht für’s Referendariat an. Die meisten meiner Freunde und Bekannten waren geschockt. Was ich denn dann machen wolle, mit einem 1. Staatsexamen für’s Lehramt außer Lehramt? Meine Antwort war ganz einfach: „Na, ich such mir nen normalen Job. Einen, der mir Spaß macht und bei dem ich sauviel Geld verdiene.“

Der Job

Also bewarb ich mich quer Beet auf alles, was sich so anhörte, als könnte es Spaß machen und als würde man viel Geld verdienen. Schnell zeichnete sich ab, dass es einen Bereich gibt, der auf Leute wie mich geradezu wartet: Die Personaldienstleistung. Aber war Zeitarbeit nicht des Teufels rechte Hand? Um diese Frage zu klären, machte ich erst einmal einen Monat ein unbezahltes Praktikum. Schnell waren viele der gängigen Vorurteile widerlegt und ich nahm Gespräche wahr. Nach dem zweiten hatte ich meine erste richtige Arbeitsstelle: Ich war Personaldisponentin ‚Medical‘, d.h. im sozialen Bereich.

Ich bekam einen riesigen und schnellen Dienstwagen (zuerst ein Renault Megan, dann ein Audi A4) mit Tankkarte und Benzin-Flat im privaten Gebrauch, gute Bezahlung und ein Aufgabengebiet, das wirklich Spaß machte: Ich hatte ein Team aus anfänglich 7, am Ende 35 Mitarbeitern im sozialen Sektor (Krankenpfleger, Altenpfleger, Pflegehelfer, Reinigungskräfte, Rettungskräfte, Küchenhilfen, Köche, usw.), die meist langfristig in Einrichtungen arbeiteten. Alle paar Monate, teils Jahre, wechselten sie die Arbeitsstelle – das hieß für mich Arbeit. Oft wurden Mitarbeiter nach 6-12 Monaten in eine Festanstellung übernommen, ohne jemals in einer anderen Einrichtung gearbeitet zu haben. Daher war meine Hauptaufgabe, passende Mitarbeiter für die Unternehmen zu finden, die dann, wenn gut genug, übernommen wurden. Try-and-Hire also, keine Zeitarbeit. Die meisten der Mitarbeiter waren zufrieden, manche sogar zufriedener und besser bezahlt, als in einer direkten Anstellung beim Kunden. Hin und wieder kam es vor, dass Mitarbeiter es vorzogen, bei uns zu bleiben, statt ins Kundenunternehmen zu wechseln.


Kurzum: ich war zufrieden. Natürlich war das kein Um-17-Uhr-lass-ich-den-Stift-fallen-Job. Manchmal musste ich schon vor 6 Uhr vor Ort sein, manchmal kam ich erst um 20 Uhr nach Hause. In einem Bereich zu arbeiten, in dem es so viele Vorurteile und auch immer noch einige schwarze Schafe gibt, erfordert den Einsatz von viel Energie und viel Persönlichkeit, um glaubwürdig zu sein und seinen eigenen Standards gerecht zu werden. Prinzipien zu haben kann da schnell in Mehrarbeit enden.

Nach meinem firmeninternen Wechsel nach Berlin 2014 lernte ich auch den ‚Business‘-Bereich kennen: Bürokräfte, Call-Center-Agents, Buchhalter und vieles mehr. Auch das machte mir großen Spaß. Und dann wurde ich schwanger.

Warum ich in Zukunft etwas anderes machen möchte

Nach der Elternzeit, die voraussichtlich 3 Jahre dauern wird, möchte ich vermutlich in diesen Job nicht zurück. Mit dem Rubbelbatz haben sich viele meiner Prioritäten verschoben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei so einem Job noch genug Energie und Aufmerksamkeit für ein kleines Kind bleiben. Deshalb nutzen wir meine Elternzeit, um auf selbständiger Basis etwas aufzubauen. Wenn es nicht klappt, kann ich ja immer noch überlegen, ob zurückgehen eine Option wäre. Und wer weiß, vielleicht werde ich ja doch eines Tages noch Lehrerin…

 



Alle Kommentare (3)

    Schön zu lesen, dass es in dieser Branche auch weiße Schafe gibt! 😉 (Dir glaube ich das mal.)
    Leider hab ich beruflich oft mit den schwarzen zu tun …
    Aber ich gebe zu deine Berufe-Story hat mich überrascht!

    VG das schwarze Mutterschaf

    Ps.: Ich habe Psychologie studiert und ja, es ist extrem trocken, theoretisch und das „Leute helfen können“ erwirbt man sich höchstens durch (teure) Weiterbildungen danach.

    Ja, ich weiß, die Branche ist hart. Vielleicht schreib ich mal ein paar Zeilen dazu, mich ärgern nämlich oft die Vorurteile bzw. die Sichtweise, warum es die schwarzen Schafe gibt…

    Anglistin & Romanistin… alles durchgezogen & glückliche Lehrerin <3. Dachte ich zumindest. Nun ist da mein kleiner Mats, der meine Welt komplett auf den Kopf gestellt hat. Kann dich also sehr sehr gut verstehen und all das Geschriebene nachvollziehen.

    Liebe Grüße

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