Verbessert Abstillen die Vater-Kind-Beziehung?


Bekanntlich bin ich ein großer Verfechter der Natürlichen Säuglingspflege, wozu auch das Stillen nach Bedarf gehört. Auch dem Langzeitstillen stehe ich sehr positiv gegenüber. Hätte mich also spontan jemand gefragt, ob das Abstillen mit Papa’s Hilfe Sinn macht und ob das Stillen die Vater-Kind-Beziehung oder die Beziehung der Eltern belastet, hätte ich vehement dagegen argumentiert.

Wie sollte etwas so natürliches wie das Stillen eines Babys oder Kleinkindes negative Auswirkungen auf die Familie haben? Wenn ein Kind lieber zu seiner Mutter möchte und den Vater phasenweise ablehnt, dann hat das doch andere Gründe als die Milchbildung, oder? Und ein liebender Vater hat so viele andere Möglichkeiten, mit dem Kind in Beziehung zu treten, nicht wahr?

Vor kurzem wurde ich eines Besseren belehrt.

Das Problem mit unserer Stillbeziehung

Der Rubbelbatz war etwa 18 Monate alt, als sich die Situation für uns alle mehr und mehr zuspitzte. Eine Weile war er recht zufrieden gewesen, seltener gestillt zu werden, doch dann fing er an, wieder wegen jeder Kleinigkeit die Brust zu fordern. Mit dem Wort „Mu“ (Milch) war das jetzt ja auch denkbar einfach. Zusätzlich quengelte er an meinem Hosenbein oder zerrte an meinem T-shirt, wenn er es erreichen konnte. Wenn ich ihm die Brust verweigerte, wurde das mit schier ewigem und wiederholtem Gequengel quittiert. Oft gab ich irgendwann nach, manchmal wurde ich aber auch einfach immer genervter und abweisender ihm gegenüber.

Sein Papa stand hilflos daneben. Versuchte, ihn abzulenken, ihm Alternativangebote zu machen, mit ihm zu spielen, vorzulesen, zu toben. Nichts ging. Je nach Laune des kleinen Lords durfte er ihn nicht einmal anfassen. Das wurde mit einem schrillen Quietschen oder körperlicher Abwehr quittiert. Wenn er gestillt wurde oder bei mir auf dem Schoss saß und sein Papa sich uns näherte, gab es ebenso den schrillen Ton und er wurde richtig weggeschoben. Einmal, wir stillten gerade auf dem Wohnzimmerteppich, machte sich der Rubbelbatz sogar die Mühe, loszulassen und seinem Papa hinterherzukriechen, um ihn noch weiter von uns wegzuschieben.

Kurz gesagt, die Situation war für uns alle drei sehr belastend. Für den Rubbelbatz, weil er nicht alle Nase lang ein paar Schlücke Muttermilch bekam, für seinen Papa, weil der sich abgelehnt und hilflos fühlte und für mich, weil es einfach so extrem nervte! Ich habe kein Problem, ihn mit 20 Monaten noch zu stillen, aber wenn es nach ihm ginge, müsste die Brust eigentlich permanent verfügbar sein, sodass er zwischen dem Spielen immer mal wieder andocken kann. Mir ging dieser permanente Quengelton irgendwann enorm auf die Substanz. Das kann glaube ich nur verstehen, wer es selbst erlebt hat. Alles andere ist irgendwie erträglich. Schlafmangel, Anhänglichkeit, schlechte Laune – aber DIESER TON. Das ist wie psychische Folter.

Ist Abstillen mit Papa eine Lösung?

Ich dachte immer wieder darüber nach, ihn abzustillen. Obwohl ich das eigentlich gar nicht wollte. Denn für die kommende Zeit, den Umzug, den Auslandsaufenthalt und all die Aufregung, die damit verbunden ist, erscheint mir das Stillen eigentlich als sehr angenehm. Aber so konnte es definitiv nicht weitergehen.

Schon vor einiger Zeit hatten wir angefangen, ihm zwischendurch auch mal eine Flasche anzubieten, wenn er Milch wollte. Das akzeptierte er manchmal, vor allem natürlich, wenn ich nicht anwesend war. Als nun bei mir der Punkt erreicht war, an dem ich einfach nicht mehr wollte, beschlossen wir, dass ab jetzt nur noch einmal am Tag gestillt wird: Nämlich zum Mittagsschlaf. In der Kita war stillen die einzige Möglichkeit, ihm in den Schlaf zu helfen und ganz abstillen wollte ich, wie gesagt nicht. Immerhin wäre es ja gut möglich gewesen, dass das überhaupt keinen Unterschied in seinem Verhalten macht, dann hätte ich ihn auch wieder häufiger gestillt. Durch das Mittags-Stillen hielt ich mir sozusagen eine Tür zurück offen.

Der kleine Milch-Junkie fand die Umstellung natürlich gar nicht gut. Er wollte weiterhin seine „Mu“ aus Mamas Brust und das möglichst häufig. Als es das nun gar nicht mehr gab, führte das natürlich zunächst zu lautem Protest. Ich sagte ihm dann immer wieder, dass die Milch nun leer sei, die habe er mittags schon leer getrunken bzw. sei mittags erst wieder voll. Schnell hatte er die Tatsache erkannt und schließlich auch akzeptiert. „Mama, alle alle,“ hieß es dann von seiner Seite. Stattdessen boten wir ihm konsequent eine Flasche an, auch abends und nachts.

Weil die Flasche meistens der Papa macht, ist das nun die „Papa-Mu“ im Gegensatz zur „Mama-Mu“ aus der Brust. Nach der fragt er auch regelmäßig und sieht mich mit dem süßesten schelmischen Grinsen an, das er bieten kann. Ich sage dann, dass die alle ist, wir lachen beide und er spielt weiter. Anfangs verlangte er wahnsinnig häufig und viel nach der Flasche. Mittlerweile trinkt er nur noch abends und morgens, meist zwischen 4 und 6 Uhr, ein Fläschchen, manchmal auch zwei.

Nun aber zum wichtigsten Punkt: Hat das die Situation, auch für seinen Papa, verbessert? Ja, hat es! Spätestens mit den letzten Wochen, in denen ich fast gar nichts mehr tun konnte, weil ich mein Sprunggelenk verletzt habe, sind die beiden ein super Team geworden. Abends bringt ihn jetzt fast immer der Papa ins Bett, weil das problemloser und schneller geht, und auch sonst darf der Papa so vieles tun, was früher nicht ging. Für mich ist das eine riesen Entlastung. Endlich kann ich mal unbeteiligt zusehen, wie die beiden spielen oder vorlesen und dieser permanente Nörgelton hat aufgehört. Einfach aufgehört!


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