Blutungen in der Spätschwangerschaft – SSW 30


Es ist zwei Uhr morgens. Ich wache auf. Etwas fühlt sich komisch an. Blute ich? Schlaftrunken nehme ich die Taschenlampe und leuchte in meinen Slip. Mit einem Schlag bin ich hellwach. Blut. Hellrot. Und nicht zu wenig. Momente später bin ich nebenan auf der Toilette. Hoffe, dass nicht noch mehr kommt. Es kommt mehr. Die Schüssel ist rot. Das Toilettenpapier auch. Wieder und wieder. Ich atme einige Male tief durch. Dann wird mir klar: Ich muss ins Krankenhaus.

Blutungen seit der 18. Schwangerschaftswoche

Denn auch wenn es seit der 18. Schwangerschaftswoche immer wieder blutet und die Ärzte nie etwas bedrohliches feststellen konnten: So stark war es noch nie bisher. Letzte Woche war ich schon bei meiner Gynäkologin wegen einer Blutung. Sie hat mir ziemlich viel Angst gemacht bezüglich einer vorzeitigen Plazentalösung. Daran könnte mein Baby innerhalb kurzer Zeit sterben und ich binnen 30 Minuten verbluten. Solche Worte bleiben hängen.

Bisher konnte mir niemand so ganz detailliert beantworten, warum das immer wieder passiert, wie ich mich verhalten soll und wie hoch tatsächlich die Gefahr für mich ist, dass sich die Plazenta vollständig und plötzlich ablöst. Die einzig sinnvolle Handlungsanweisung stammt von meiner Hebamme: Wenn es periodenstark zu bluten anfängt, muss ich ins Krankenhaus. Unverzüglich. Meine Periode, das gebe ich zu, ist nicht sonderlich stark.

Und so wecke ich meinen Mann. „Ich denke, wir müssen ins Krankenhaus“. Er holt meine Mama, damit sie auf unseren Kleinen aufpasst. Der merkt zum Glück nichts und schläft einfach weiter. Ich bin überraschend ruhig. Mein Bauchgefühl sagt, eigentlich ist alles okay. Aber zur Sicherheit will ich ins Krankenhaus. Ich schnappe mir frische Unterwäsche, T-Shirts, Smartphone und Ladegerät. Mutterpass und Krankenkassenkarte sind immer in der Handtasche.

Mein Mann fährt. Das Krankenhaus ist in Österreich, etwa 12 km entfernt. Eine Strecke, die mit 19 Minuten Fahrzeit angegeben wird. Nach 9 Minuten sind wir da.

Mein Baby bewegt sich weniger als sonst. Aber er bewegt sich.

Ins Krankenhaus mit Blutungen in der 30. Schwangerschaftswoche

Das Krankenhaus sieht verlassen aus. Klar, es ist 2:15 Uhr morgens. Vom Empfang werden wir erst einmal weiter geschickt zur Anmeldung. Den Gang runter. In einer Seelenruhe nimmt der Pfleger die Daten auf. Fragt nach unseren Telefonnummern. Zuerst will ich mich nicht setzen. Bin kurz davor, nach einer sofortigen Untersuchung zu verlangen. Dann spüre ich, wie der Kleine im Bauch Schluckauf hat. „Wenn er Schluckauf hat, geht es ihm gut“, denke ich und setze mich.

Von der Anmeldung werden wir direkt in den Kreißsaal geschickt. Von da an fühlte ich mich gut aufgehoben. Eine Hebamme empfängt uns und schließt, ohne Zeit zu verlieren, das CTG an. Das sagt dasselbe, wie mein Bauch: Dem Baby geht es prächtig. Für die Blutung bekomme ich eine Einlage, es wird ein Zugang an meinem Arm gestochen und Blut abgenommen.

Auf die gynäkologische Untersuchung muss ich anschließend nicht lange warten. Ab jetzt werde ich nur noch mit einem Rollstuhl transportiert. Die Ärztin ist super lieb, hilfsbereit und vorsichtig. Auch um 3 Uhr morgens. Sie stellt ein kleines Hämatom an meiner Plazenta fest. Am unteren Rand. Daher kommt das Blut. Sie macht einen Abstrich und erklärt mir das weitere Vorgehen.

Ich werde zurück ans CTG gebracht, diesmal gleich in mein Krankenhausbett. Die nächsten Stunden wird das Baby noch per CTG überwacht. Zur Sicherheit. Es hat aufgehört, zu bluten. Mein Mann fährt nach Hause und versucht, noch etwas zu schlafen.

Um halb 8 Uhr morgens wird das CTG endlich abgenommen und ich werde in mein Zimmer geschoben. Frühstück. Gespräch mit einer Schwester. Visite. Wieder CTG. Ich habe relative Bettruhe. Das heißt, ich darf zur Toilette und duschen. Ansonsten muss ich im Bett bleiben.

Zum Mittagessen kommt meine Bettnachbarin. Mit Neugeborenem. Direkt aus dem Kreißsaal. Wir bewundern gemeinsam ihr kleines, schlafendes Wunder. Sie ist nett, denke ich. Und wie gut sie aussieht. Ich hoffe, nach meiner zweiten Geburt wird es mir auch so gut gehen.

Tiefsitzende Plazenta und die Folgen

Einen Tag lang blutet es noch weiter, danach hört es größtenteils auf. Es kommt noch etwas Blut, wenn ich zur Toilette gehe, aber die Einlage bleibt sauber. Zwei Tage und Nächte nach der Einlieferung habe ich meine gynäkologische Abschlussuntersuchung, bekomme einen Arztbrief mit nach Hause und darf das Krankenhaus verlassen.

Die Ärztin aus der ersten Nacht ist wieder da. Sie nimmt sich Zeit und erklärt mir die Zusammenhänge ganz genau:

Meine Plazenta ist sehr tief angewachsen. Keine Plazenta Praevia, aber nur etwas mehr als 1 cm vom Muttermund entfernt. Bis 3,5 cm gilt als sogenannte tiefsitzende Plazenta. Die Plazenta ist nicht direkt in der Fruchtblase, wo mein Baby ist, angewachsen, sondern von sogenannten Einhäuten umgeben. Auch zwischen Plazenta und Gebärmutter befinden sich verschiedene Gewebsschichten. Je näher am Muttermund, umso unterschiedlicher sind die Gewebsschichten. In bestimmten Situationen, z.B. wenn der Uterus stark wächst, können sich diese Gewebsschichten gegeneinander bewegen und sogenannte Scherkräfte entwickeln. Die Blutgefäße, die die Plazenta durch die Schichten hindurch mit der Gebärmutter und damit dem mütterlichen Blutkreislauf, verbinden, reißen dann am Rand der Plazenta. Man nennt das eine Randsinusblutung.

Eine Randsinusblutung an sich ist nicht gefährlich. Sie tut mir nicht weh und ich verliere nicht viel Blut. Das Baby bekommt überhaupt nichts davon mit und ist über die Plazenta weiterhin bestens versorgt. Allerdings kann es theoretisch dazu kommen, dass sich die Plazenta weiter löst, wenn sie schon einmal angefangen hat, zu bluten. Um das zu vermeiden, sollte ich Bettruhe halten und das Baby wurde drei mal täglich per CTG überprüft.

In meinem Fall wurde die Randsinusblutung wahrscheinlich von recht starken Übungswehen ausgelöst, die ich die Tage vorher hatte. Diese waren zwar hauptsächlich schmerzlos, aber merklich stark. Mein Bauch war überwiegend hart und fühlte sich unangenehm an. Übungswehen, das erklärte die Ärztin mir auch, sind an sich etwas gutes und wichtig. Denn je mehr man davon hat, desto mehr Rezeptoren werden gebildet und desto wirkungsvollere Geburtswehen kann ich später haben. Nur mit einer tiefsitzenden Plazenta kann es eben zu Blutungen kommen.

So starke Übungswehen können laut Ärztin auch von starken Kindsbewegungen ausgelöst werden. Wird der Gebärmuttermuskel stark nach außen gedehnt, folgt danach eine Kontraktion nach innen. Und starke Kindsbewegungen habe ich zur Zeit. Auf der Station im Krankenhaus war ich wohl schon bekannt als die Schwangere, bei der es so schwer ist, ein CTG zu schreiben. Jede Schwester, die neu kam, wusste das schon. In der 30. SSW hat der Kleine noch viel Platz da drin und durch das häufige Bewegen ging das Signal immer wieder verloren. Manchmal hat er sogar die Sensorknöpfe vom CTG so nach außen gekickt, dass die Schwester richtig erschrocken ist.

Muss ich jetzt liegen?

Die wichtigste Frage für mich war natürlich: Wie verhalte ich mich jetzt zu Hause? Muss ich liegen? Mich schonen? Aufpassen, dass der Rubbelbatz meinem Bauch nicht zu nahe kommt? In den letzten Wochen haben wir uns aus Verunsicherung in etwa so verhalten. Immerhin hatte mir meine Gynäkologin irgendwie das Gefühl gegeben, dass meine Schwangerschaft wirklich bedrohlich sei. Sogar das Wort Risikoschwangerschaft fiel.

Die Ärztin im Krankenhaus beruhigte mich dahingehend total. Solange es nicht blutet bzw. nur Schmierblutungen mit altem Blut auftreten, gibt es keinen Grund zur Sorge. Natürlich solle ich jetzt nicht mit Hochleistungssport beginnen, aber ich darf die ganz normalen Dinge tun. Mich bewegen. Das solle ich sogar, denn das Risiko einer Thrombose vom ständigen Liegen sei um ein Vielfaches höher, als dass sich meine Plazenta plötzlich ablöse (das Horror-Szenario meiner Frauenärztin). Tatsächlich ist das Risiko für eine vorzeitige Plazentaablösung laut Ärztin nicht höher als bei Frauen, die noch nie eine Blutung hatten – nicht jetzt und nicht bei der Geburt. Es gibt Risikofaktoren für eine vorzeitige Plazentaablösung, z.B. Praeklampsie oder Schwangerschaftsdiabetes – kein einziger trifft auf mich zu.

Ich bin also keine Risikoschwangere. Ich muss mir auch keine Sorgen machen, wenn mein Kind mit mir kuscheln möchte – selbst, wenn er hin und wieder mit seinem Knie in meinem Bauch knufft. Die Plazenta liegt an der Hinterwand und bekommt davon nichts mit. Auch Bewegung, oder andere ganz normale Tätigkeiten führen nicht zu so einer Randsinusblutung. Das sind Vorgänge, die ich nicht durch mein Verhalten beeinflussen kann.

Es lebe das Bauchgefühl

Seit gestern bin ich wieder zu Hause. Es blutet nicht. Auch keine Schmierblutungen. Ich bin gut gelaunt und super erleichtert. Denn meine Intuition sagt schon die ganze Zeit: Es ist alles gut. Ich spüre, dass es meinem Baby gut geht. Er wächst, er reagiert auf Geräusche von außen und ich bin glücklich, dass er da drin ist. Dieses Gefühl stand im groben Widerspruch zu dem Gefühl, das mir meine Gynäkologin vermittelt hat. Und so selbstbewusst ich auch bin, ein ungutes Gefühl bleibt trotzdem durch so etwas. Eine Art Restrisiko.

„Was, wenn sie doch recht hat?“

Diese leise, nagende Stimme im Kopf ist jetzt weg. Ich verstehe, was in meinem Körper passiert und weiß auch, wie ich handeln kann, um mein Baby möglichst vor Komplikationen zu schützen.

Solange es nicht wieder frisch blutet, genieße ich, sozusagen auf ärztliche Verordnung, meine Schwangerschaft. Ich achte auf mich und ruhe mich aus, wenn ich erschöpft bin. Aber wenn ich die Energie dazu habe, dann mache ich auch was aus meinem Tag.

Sollte es noch einmal bluten – und damit ist laut Ärzten durchaus zu rechnen, dann fahren wir wieder ins Krankenhaus. Nicht in Panik oder in der Annahme, dass es lebensbedrohlich sei. Sondern einfach nur, damit die Blutung gut wieder abheilen kann und nichts schlimmeres daraus wird.

Insgesamt war ich sehr positiv überrascht vom Krankenhaus. Ich war, bis auf die Geburt meines ersten Kindes, noch nie stationär in einem Krankenhaus. Ich habe mir das, vor allem während der Schwangerschaft, als Ort vorgestellt, wo ich noch mehr Verunsicherung erfahre. Überrollt werde von irgendwelchen medizinischen Tests und mich danach kränker fühle als vorher. Tatsächlich haben mir die zwei Tage aber sehr gut getan. Das Personal war super freundlich und fürsorglich und ich bin jetzt ruhiger als je zuvor.


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Alle Kommentare (2)

    Ohje. Bei diesen Blutungen wäre ich auch sofort ins Krankenhaus gerast. Da wird einem als Mama bestimmt panisch zu mute. Ich wünsche dir für die restliche Schwangerschaft alles Gute. Ich bin ungefähr genauso weit wie du in meiner jetzigen zweiten Schwangerschaft und kann diesen Post gut nachvollziehen.
    Liebe Grüße Bianca
    http://ladyandmum.blogspot.de

    Überraschenderweise war mir gar nicht panisch zumute. Ich wollte hauptsächlich ins Krankenhaus, weil mir klar war, dass ich zu Hause ins Grübeln komme und ohnehin kein Auge mehr zu machen könnte. Erst auf dem Weg ins Krankenhaus kamen mir schlimme Gedanken und ein mulmiges Gefühl, weil er sich einige Minuten nicht bewegt hat…

    Alles Gute Dir auch!

    Hanna

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