Kindergarten Eingewöhung mit Hindernissen


Heute morgen hat mein Papa seinen Enkel in den Kindergarten gebracht. Fröhlich und ohne Einwände zog der kleine Mensch mit seinem Opa los und ging selbständig und allein in den Gruppenraum. Das war nicht immer so. Genauer gesagt klappt es erst seit Kurzem – nach über einem Monat Eingewöhung und Stress. Wie wir es geschafft haben, dass er endlich gerne in den Kindergarten geht? Lies selbst.

Warum wir unser Kind in den Kindergarten schicken

Mein Mann und ich sind zu Hause. Auch mein Papa arbeitet momentan nur halbtags. Unser Kleinkind zu Hause zu betreuen wäre also kein Problem. Auch nicht sonderlich anstrengend in einer kindgerechten Umgebung wie hier auf dem Land. Genau wie in unserer Zeit im Ausland könnten wir uns abwechseln mit der Betreuung, sodass jeder seine Arbeits- / Freizeit einfordern kann.

Aber.

Hier gibt es kaum Kontakt zu anderen Kindern. Wir haben zwar zum Glück eine Nachbarin mit zwei Kindern – eins genau im selben Alter. Aber auch dieser ist vormittags im Kindergarten und nachmittags oft unterwegs. Und genauso ist es mit allen anderen potentiellen Spielkameraden. Sie sind im Kindergarten und haben nachmittags nicht immer Zeit und die Eltern Lust, hier fehlende Spielkameraden zu kompensieren.

Das war letztes Jahr noch nicht so problematisch, doch seit einigen Monaten merke ich sehr stark, dass unser 3-jähriger gerne Freunde hätte. Und zwar solche, die er regelmäßig sieht, nicht wie in Thailand einmal am Flughafen oder in einem Indoor-Spielplatz – und dann nie wieder.

Außerdem konnte er in Thailand bereits ein paar Wochen Kindergartenerfahrung sammeln und das hat ihm nicht nur super gefallen, sondern auch spürbar gut getan. Er war nachmittags sichtlich zufrieden und so gut gelaunt und ausgeglichen wie selten.

Naheliegend also, dass es auch hier in Deutschland klappen würde.

Oder?

Die ersten Tage im Kindergarten in Bayern

Wir meldeten ihn also an und am 4. Februar, einen halben Monat nach unserer Rückkehr nach Bayern, hatte er seinen ersten Tag. Wir alle hatten uns auf eine kurze Eingewöhung eingestellt, gingen aber davon aus, dass sein Papa mindestens den ersten Tag bei ihm bleiben würde.

Falsch gedacht. Während der Kleine begeistert mit all den neuen Sachen spielte, wurde sein Papa höflich hinausgebeten. Das Neu-Kindergartenkind ließ es zu und es schien alles in Ordnung. So auch an Tag zwei.

Doch schon am dritten Tag fing er an, der Papa solle bleiben und ihm gefalle es alleine nicht.

Wieder der Hinweis der Erzieherinnen, es wäre am besten, er würde einfach gehen. Also tat er, was man nie tun darf: Er ging, ohne sich ordentlich zu verabschieden. Der Kleine spielte zwar und zeigte in den Augen der Erzieherinnen keine Auffälligkeiten – aber zu Hause war er zu Recht wütend auf seinen Papa. Warum der ihn einfach dort gelassen hätte, wollte er wissen. Er hätte das nicht gewollt.

Am nächsten Tag weigerte er sich, in den Kindergarten zu gehen. Ja, überhaupt ins Auto zu steigen oder sich anziehen zu lassen. Und zwar so lange, bis wir ihm hoch und heilig versicherten, sein Papa würde nicht weggehen, bis es für ihn nicht okay wäre.

An Tag 4 ging mein Mann also mit in den Gruppenraum und verkündete, dass er so lange bleiben würde, bis sich der Sohn nicht mehr weigerte, wenn er sich verabschiedete. Es dauerte etwa 2 Stunden, dann durfte er gehen.

Und so ging es nun die nächsten Wochen. Manchmal schneller, manchmal langsamer, aber am Ende blieb er dort. Allerdings sagte er uns regelmäßig, ihm gefalle es dort nicht. Es seinen zu viele Kinder, der Raum zu klein, zu Hause sei es einfach schöner. Einmal flehte er abends seinen Papa an, ihn am nächsten Tag nicht mehr hinzubringen. Wir überlegten mehrfach, ihn wieder abzumelden.

Immerhin konnten wir ihn ja theoretisch auch zu Hause betreuen. Und wir hatten natürlich Angst, ihm irgendwie zu schaden. Seinem Vertrauen zu uns. Andererseits hatte er wohl immer Spaß, sobald sein Papa den Raum verlassen hatte. Wir konnten beobachten, wie er in Lichtgeschwindigkeit neue Fähigkeiten im Malen oder Basteln erwarb und in seiner Kommunikation viel deutlicher wurde. Er profitierte also von den Stunden dort.

Tiefpunkt und Durchbruch

Klappt es, klappt es nicht?

Nach einem Monat hin und her, am 27. Februar, kam schließlich der absolute Tiefpunkt: Unser Kind hatte schlecht geschlafen und weigerte sich, im Kindergarten zu bleiben. Nach einer Stunde beschloss der Papa, ihn wieder mit nach Hause zu nehmen. Es war klar, dass sich an seiner Weigerung auch nach 2 Stunden nichts ändern würde.

Da baten die Erzieher um ein Gespräch, zu dem sie sogar die Leitung dazu holten. Für meinen Mann höchst unangenehm, denn dank eines Arzttermins war er auch unter Zeitdruck. Ihm wurde erklärt, dass er sich schneller trennen müsse. Dass nicht das Kind das Problem sei, sondern er.

Für uns im ersten Moment natürlich völlig unverständlich und unverschämt.

Immerhin war es doch Job der Erzieher, dafür zu sorgen, dass unser Kind dort gerne hingeht. Und wäre mein Mann nicht jeden Tag so lange geblieben, würde der Kleine schon längst nicht mehr hingehen.

Mit Klarheit klappt es

Am Nachmittag hatte ich zufällig einen Termin (eigentlich bezüglich der bevorstehenden Geburt) mit einer Heilerin, die auch viel Erfahrung mit Kindern hat. Sie konnte für mich Klarheit in die Sache bringen.

Sie sagte, grundsätzlich sei unser Kind bereit für den Kindergarten und dieser tue ihm auch gut. Genau mein Gefühl. Also ein Teil davon. Allerdings sei es für ihn schwierig, sich ganz darauf einzulassen, weil er genau merke, dass wir nicht so überzeugt von der Institution Kindergarten sind. Dass wir das eben mal ausprobieren, weil es passen könnte. Genauso wie unser ganzes Leben momentan. Wir versuchen, uns in das geregelte bayerische Leben auf dem Land einzufügen – aber ganz überzeugt sind wir noch nicht.

Woher sie das wusste? Das frage ich mich jedes Mal 😉 aber Recht hat sie fast immer.

Am nächsten Tag folgte also ich ihren Empfehlungen und brachte ihn selbst in den Kindergarten. Ich erklärte ihm am Vortag und am selben Morgen einige Male ganz detailliert, wie alles ablaufen würde: Wie wir ihn morgens fertig machen, anziehen, seine Brotbox nehmen und zum Kindergarten fahren. Wie ich seine Brotbox an die richtige Stelle lege, seine Jacke aufhänge, seine Straßenschuhe gegen die Hausschuhe tausche. Wie wir uns danach kurz verabschieden, er alleine in den Gruppenraum geht und ich ihn zur vereinbarten Zeit wieder abhole. So hatte er Zeit, sich auf die neuen Abläufe einzustellen. Fragen zu stellen.

Ich fuhr ich ihn zum Kindergarten und alles lief genau wie besprochen. Keine Probleme. Er lief einfach hinein und spielte, bis ich ihn wieder abholte. Plötzlich machte für mich auch Sinn, was die Erzieher und zu erklären versucht hatten. Von klaren Abläufen und schneller Trennung.

Ich war froh.

Leider fing er schon am nächsten Morgen auch bei mir an, er wolle nicht hinein. Er wolle wieder mit nach Hause.

Ernüchterung machte sich breit.

Ich saß etwa eine Stunde mit ihm in der Garderobe. Alles, was ich bewirken konnte, war ein Gezeter und gelegentliches Weinen. Er ging nicht hinein. Schließlich wurde mir klar, dass das jetzt jeden Morgen so gehen würde. Darauf hatte ich keine Lust und ich kann es momentan auch körperlich nicht leisten. Also ließ ich ihn, in Rücksprache mit der Erzieherin, dort.

Ich konnte sein wütendes Weinen hören, als ich wegging. Aber für mich war klar: Wenn es wirklich so schlimm dort wäre und es nicht nur die Situation der Trennung wäre, dann würde er am nächsten Tag nicht mehr ins Auto steigen.

Doch er stieg ein.

Im Kindergarten wieder dasselbe Spektakel. Diesmal wollte er nicht einmal das Gebäude betreten, ich musste ihn tragen und bei der Erzieherin abgeben. Allerdings diesmal keine Wut, kaum Tränen.

Und am dritten Tag, ich war sehr überrascht, dass er überhaupt noch ins Auto stieg, dann die Überraschung:

„Heute gehe ich gleich rein, dann muss Claudia (die Erzieherin) mich nicht abholen.“

In der Garderobe musste ich ihn sogar zurückrufen, um ihm noch die Hausschuhe anzuziehen und mich zu verabschieden. Dann lief er freudestrahlend und zufrieden hinein.

So geht das seit diesem Tag jeden Morgen. Keine Beschwerden, keine Fragen. Nur Vorfreude. Wenn ich frage, ob er gerne in den Kindergarten geht, bekomme ich immer ein freudiges Ja. Wenn ich frage, wie sein Tag war, war der fast immer gut. Wenn ich ihn abhole, scheint er oft ein wenig widerwillig, weil er gerade in etwas vertieft ist. Claudia ist seiner Aussage nach „seine liebste Freundin“.

Auch mein zweifelndes Gefühl und das schlechte Gewissen, ihn „abzugeben“, sind komplett verschwunden.

Er ist jetzt ein Kindergartenkind.

Was also gefehlt hat für die erfolgreiche Eingewöhung war unsere Einstellung. Ich entschied mich, mir sicher zu sein. Mich nicht mehr selbst zu fragen, ob sie ihn dort gut behandeln würden. Ob wir ihn lieber zuhause lassen sollten. Und genauso verhielt ich mich auch. Ich machte ihm verbal und auch durch meine Handlungen klar, dass er dort gut aufgehoben ist. Dass er den Menschen vertrauen kann. Weil ich das auch tue.


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Alle Kommentare (2)

    Ja, das denke ich auch. Und mit ihr offenbar unser Kind.

    Aber wir Eltern tendieren natürlich dazu, erst einmal alles aus unserer (unerfahrenen) Sichtweise wahrzunehmen. Manchmal brauchen wir eben ein wenig, um loszulassen 😉

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