Die Schwangerschaft genießen – trotz Blutungen


Ich erinnere mich an eine Nacht aus meiner ersten Schwangerschaft, als wäre sie gestern gewesen. Ich wachte gegen Mitternacht auf. Mein Mann war noch nicht im Bett, er arbeitete im Wohnzimmer. Ich fühlte mich komisch. So, als würde irgendetwas nicht stimmen in meinem Bauch. Ich horchte in mich hinein. Stille. Keine Bewegung. Ich drehte mich. Ruckelte etwas am Bauch. Am Ende machte ich sogar im Bett eine Kerze in der Hoffnung, ihn aufzuwecken. Beruhigung zu bekommen. Nichts. Mir wurde übel. Den Tränen nahe lief ich zu meinem Mann ins Wohnzimmer. „Ich glaube, etwas stimmt nicht mit unserem Baby. Er bewegt sich nicht. Ich kann ihn nicht spüren.“

Mein Mann gab sich Mühe, mich zu beruhigen, aber ich wäre am liebsten sofort in die Notaufnahme gefahren. Ich war mir sicher, etwas ist mit meinem Baby.

Heute ist dieses ungeborene Baby von damals fast 4 Jahre alt und „arbeitet“ mit seiner Oma im Garten, während ich das hier schreibe. Etwa 30 Minuten später in dieser Nacht ist er aufgewacht und hat sich wie gewohnt bewegt. Meine Angst ist einfach nur mit mir durchgegangen. Er war und ist ein sehr gesundes, starkes Kind.

Die Angst vor der Totgeburt

„Genieße die Schwangerschaft“. Wie oft habe ich diesen gut gemeinten Ratschlag in meiner ersten, wie auch der zweiten Schwangerschaft schon gehört. Meine erste Schwangerschaft konnte ich nicht nur genießen. Obwohl es absolut keinen Grund dazu gab, war ich häufig in Sorge um das Baby da drin. Wie konnte ich wissen, dass es ihm gut geht, ohne ihn zu sehen?

Obwohl ich rational wusste, dass so etwas sehr selten ist, hatte ich ständig Angst, dass er da drin einfach aufhört, zu leben. Und ich es nicht merke. Woher diese Angst kommt? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Haben diese Angst viele Schwangere? Keine Ahnung.

Meine Hebamme versuchte oft, mir nahe zu bringen, etwas mehr Vertrauen in das Baby und meinen Körper zu haben. Mir nicht so viele Sorgen zu machen. Es half nichts. Die Gedanken waren einfach da.

Das zweite Mal alles besser machen

Fast vier Jahre später keimte in mir ganz leise ein echter Kinderwunsch auf. Anders, als beim ersten Mal. Es war nicht nur einfach okay, wenn ich jetzt schwanger werden würde – ich wünschte mir eine zweite Schwangerschaft. Ich fühlte mich bereit, diesmal. Die Schwangerschaft zu genießen. Ohne zu viele Sorgen. Bewusst.

Zunächst war mein Mann skeptisch. Er fühlte sich noch nicht bereit. Schließlich gab er nach. Beim ersten Versuch klappte es und ich war schwanger.

Doch die Schwangerschaft bewusst zu genießen ist auch diesmal nicht leicht. Jedoch aus anderen Gründen. Die ersten 15 Wochen wurde ich von extremer Übelkeit und Erschöpfung geplagt. Wir waren in Thailand – ein grauenvoller Ort für Schwangere, wie ich finde.

In der 18. Schwangerschaftswoche, in Kuala Lumpur, fingen die Blutungen an und mein schlimmster Albtraum aus der ersten Schwangerschaft stand plötzlich zur Debatte: Im Falle einer Plazentaablösung würde mein Baby im Mutterleib sterben. Das machten mir die Ärzte dort schnell klar. Nun habe ich sogar einen Krankenhausaufenthalt hinter mir.

Und trotzdem bin ich gerne schwanger

„Ich bewundere es, wie positiv du mit der Situation umgehst,“ schrieb gestern jemand auf Instagram. Das hat mich irgendwie nachdenklich gemacht. Ja, wie eigentlich? Wie kann es sein, dass ich diesmal trotzdem so viel lieber schwanger bin?

Ich bin nicht mehr derselbe Mensch wie vor vier Jahren. Ich habe viel über mich, meinen Körper, Intuition und die Entwicklung von Babys und Menschen gelernt. Ich setze ganz andere Prioritäten als früher. Bin weniger effektiv, dafür ruhiger und langsamer. Bewusster.

Ja, ich hatte Angst in den letzten Wochen. Das falsche zu tun, weil ich nicht sofort mit jeder kleiner Blutung ins Krankenhaus fuhr. Dass mit meinem Baby irgendwas passieren könnte. Allerdings waren das hauptsächlich Ängste, die von Ärzten, insbesondere meiner Gynäkologin hier vor Ort, geschürt wurden. Mein Bauchgefühl und auch das meines Mannes und meiner Eltern sagte immer: Es ist okay.

Irgendwann habe ich mich entschieden, umzudenken. Ich habe mir den schlimmsten Fall vorgestellt. Dass mein Baby nicht bis zur Entbindung gesund in meinem Bauch bleibt. Ein Fall, der sehr unwahrscheinlich ist und auf den ich keinen Einfluss habe. Das kann ich nicht entscheiden. Was ich aber entscheiden kann ist, wie ich die Zeit, in der er auf jeden Fall bei mir ist, der kleine Sonnenschein im Bauch, verbringe. Darauf habe ich Einfluss. Und ich mag es, dass er da drin ist. Auch, wenn ich ihn noch nicht auf dem Arm halte, ist er trotzdem mein Baby. Dieses Gefühl und diese Zeit mag ich mir nicht nehmen lassen. Wenn sie alles sein sollte, was ich habe, will ich sie trotzdem haben.

Seitdem fällt es mir leichter, die Situation so zu akzeptieren, wie sie ist. Denn am Ende des Tages ist die Wahrheit doch die: Niemand von uns, egal wie unauffällig die Schwangerschaft auch verlaufen mag oder wie viele Kontrolluntersuchungen wir wahrnehmen, hat eine Garantie, dass das Baby gesund zur Welt kommt und wir es aufwachsen sehen dürfen.

Es gibt im Leben immer ein Restrisiko. Ein Kleingedrucktes. Als ich mir gewünscht habe, schwanger zu werden, habe ich dieses Kleingedruckte sozusagen mit unterschrieben. Es ist Teil der Abmachung, wenn wir Eltern werden.

Statt mich darauf zu fokussieren, was alles passieren könnte, vertraue ich also lieber darauf, dass alles gut geht. Dass mein Körpergefühl richtig ist, wenn es mir sagt, dass es dem Baby in meinem Bauch gut geht – auch wenn er, wie sein großer Bruder, nachts manchmal richtig fest schläft und sich lange nicht bewegt. Ich vertraue darauf, dass er dafür am nächsten Tag wieder turnt wie ein wilder und gegen meine Hand knufft, wenn ich sie an den Bauch halte.

Sehr geholfen auf diesem Weg hat mir übrigens ein Buch, das ich an dieser Stelle nur jeder Schwangeren ans Herz legen kann:

Seit der Lektüre der „Meisterin der Geburt“ setze ich mich regelmäßig einfach in einen gemütlichen Sessel, lege die Hände auf meinen Bauch und spüre mein Baby. Es fühlt sich wirklich an, wie kommunizieren. Er reagiert darauf und bewegt sich, auch wenn er vorher still war.


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Alle Kommentare (3)

    Bei mir ist es anders..aber doch ähnlich.. Ich hätte gern ein zweites Kind. Meine einziger Grund (bzw. unser einiger Grund), der uns zweifeln läßt: Was ist wenn das Kind nicht gesund wird? Was wenn die Schwangerschaft nicht Komplikationslos verläuft und unsere erste Tochter (3 Jahre), die wirklich ein totales Mamakind ist auf die Mama verzichten muss, weil ich ins KKH komme.. allein diese Gedanken lassen uns eine mögliche zweite Schwangerschaft immer wieder überdenken und aufschieben.. Ein Umstand, der mich ganz irre macht.

    Dir wünsche ich von Herzen alles Gute und eine komplikationslose Schwangerschaft & Geburt!

    Ich bin mir sicher, es kommt irgendwann der Punkt, an dem der Wunsch größer wird als die Zweifel. Eine Garantie haben wir nie, dass unsere Kinder gesund zur Welt kommen und zu gesunden Erwachsenen werden. Aber die Hoffnung können wir immer haben und Vertrauen in uns selbst und unsere Liebsten.

    Heute sagte eine Freundin, es kann immer was passieren. Ein unachtsamer Moment und schon kann nichts mehr sein wie es war. Man kann versuchen sein Kind zu beschützen aber eine Garantie gibt es nie. In der Schwangerschaft sei es ähnlich man könne alles dafür tun, dass es dem Kind gut geht (Ernährung, Schonen etc.)) aber eine Garantie gibt es nicht.
    Ich denke sie hat Recht 🙂

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