Eine Wohltat für alle Eltern mit „anderen“ Kindern: „So viel Freude, so viel Wut“ von Nora Imlau


Mein Kind ist anders. Deins sicherlich auch. Jedes Kind ist etwas ganz Besonderes und Individuelles. Doch nicht jedes Kind passt aufgrund seiner Besonderheit gleich gut in unsere Gesellschaft. Manche Kinder ecken an. Scheinen schwieriger zu sein oder anspruchsvoller.

Immer wieder schreibe ich hier darüber, wie die Gesellschaft unseren kleinen, sehr aktiven und energiegeladenen Jungen aufnimmt. Warum ich mich weigere, ihn zu verbiegen, sodass er nicht mehr aneckt.

Damit bin ich nicht allein. Immer mehr Eltern in meiner Generation spüren, dass es ihren Kindern nicht gut tut, sich an eine Gesellschaft anzupassen, die laute und wilde Kinder als Störenfriede und deren Eltern als „erziehungsfaul“ ansieht.

Doch fühlen sich viele Eltern mit dieser neuen Sichtweise ihrer Kinder sehr allein. Weil viele noch an alten Erziehungsmuster von Druck und Strafe festhalten, fragen wir uns immer wieder, ob wir wirklich richtig sind.

Da hilft es, wenn jemand von außen sagt: Du bist nicht allein. Du bist eine von Vielen und hier sind die Gründe, warum Du es gut machst. Diese Stimmen brauchen wir. Von ganz normalen Eltern, von Bloggern, aber auch von Wissenschaftlern und Experten, deren Stimmen für Außenstehende manchmal mehr Gewicht zu haben scheinen.

So eine Mutter, Bloggerin und Expertin ist Nora Imlau. Sie hat mit ihrem neuen Buch „So viel Freude, so viel Wut“, eine Erklärung für alle Eltern, deren Kinder „gefühlsstark“ sind. Was genau das bedeutet, erkläre ich euch.


Die Grundaussage von Nora Imlau: Ihr seid nicht allein und eure Kinder sind gut so, wie sie sind!

Schon wieder ein Label für Kinder?

High Need, hochsensibel, Hyperaktiv, gefühlsstark? Brauchen wir wirklich noch ein Label für unsere Kinder, noch einen Stempel, den wir ihnen aufdrücken können? Ist gefühlsstark dann die neue Mode-Diagnose?

Ja, sagt Nora Imlau, wir brauchen das.

Denn mit der Bezeichnung gefühlsstark will sie keineswegs eine Diagnose schaffen und es gibt auch keine Fragebögen für „Betroffene“. Vielmehr soll das Wort ein positives Licht auf jene Kinder werfen, die sonst häufig mit negativen Attributen beschrieben werden. Es soll den Blick auf die wünschenswerten Eigenschaften von Kindern werfen, wo sonst häufig die unerwünschten im Vordergrund stehen. Es soll Eltern zusammenbringen, deren Kinder ähnlich ticken, die vor ähnlichen Problemen stehen.

Klingt utopisch? Keineswegs. In den USA hat das mit dem Begriff „Spirited Children“ bereits geklappt. Es gibt Elterngruppen und eine entsprechende Facebook-Gruppe, wo Eltern sich wohlwollend über ihre Kinder und die Probleme im Umgang austauschen. Das entsprechende Buch der Erziehungswissenschaftlerin Mary Sheedy Kurcinka „Raising Your Spirited Child“ erschien 1992.

Denn tatsächlich wird unsere Realität und unsere Wahrnehmung ganz stark von Wortwahl und Sprache bestimmt. Wenn wir also ein positiveres Wort, eine positive Herangehensweise an unsere Kinder wagen, dann verändert das wirklich unseren Alltag. Das funktioniert schon im ganz Kleinen. Hast Du schon mal versucht, eine Mutter in der Öffentlichkeit anzusprechen und etwas positives über ihr Kind zu sagen? Vielleicht war sie vorher gestresst vom „ungezogenen“ Verhalten. Und gleich, nachdem Du den Kleinen „so süß und sonnig“ genannt hast, beruhigt sich die Situation?

Also nochmal: Wenn Du feststellst, dass Du ein gefühlsstarkes Kind hast, dann ist das keine Diagnose, kein Fehler der Natur. Dann ist das ein Geschenk, ein wundervolles Kind, das mit ein paar Ecken und Kanten, dafür auch mit vielen positiven Eigenschaften Dein Leben bereichert.

Was sind gefühlsstarke Kinder?

Nun aber zum wichtigsten: Woran erkenne ich, dass ich ein gefühlsstarkes Kind habe? Auch wenn Nora Imlau acht typische Charaktereigenschaften aus dem Englischen übersetzt, ist es nicht wichtig, ob oder wie viel davon Du in Deinem Kind wiedererkennst. Es ist, wie gesagt, keine Diagnose, jeder darf, keiner muss dazugehören.

Ausschlaggebendes Merkmal gefühlsstarker Kinder ist, dass sie in den meisten Dingen nur Extreme kennen. Wenn Du Dir etwas als ein Spektrum vorstellst, wo sich die meisten irgendwo rund um die Mitte ansiedeln, so sind gefühlsstarke Kinder immer ganz weit links oder rechts. Und zwar beides im Wechsel. Quasi von himmelhochjauchzend zu zutode betrübt.

Hier nun aber die acht Merkmale, einfach zum Abgleichen und Nachdenken:

  1. Mein Kind erlebt Gefühle unglaublich intensiv.
  2. Mein Kind ist extrem ausdauernd und hartnäckig.
  3. Mein Kind ist überdurchschnittlich sensibel.
  4. Mein Kind ist außergewöhnlich offen für alle Eindrücke.
  5. Mein Kind kann Abweichungen von Routinen kaum aushalten.
    oder
    Mein Kind empfindet jede äußere Struktur als Freiheitsberaubung
  6. Mein Kind hat scheinbar niemals endende Energie.
  7. Mein Kind tut sich sehr schwer mit Veränderungen.
  8. Für mein Kind ist das Glas oft halbleer.

Ist mein Kind gefühlsstark?

Als ich das Buch von Nora zum ersten Mal in die Hand nahm, blätterte ich sofort zu diesen acht Merkmalen und stellte fest: Mein Kind ist nicht gefühlsstark. Erst, als eine Freundin, deren Kind recht ähnlich tickt wie meins, begeistert davon erzählte, nahm ich es wieder zur Hand. Sie sagte, auch ihr Kind sei der Definition nach nicht gefühlsstark. Aber trotzdem würde sie in dem Buch vieles wiederfinden, was auf ihren Sohn zutrifft und was ihr weiterhilft.

Und genau so ist es. Noras Buch ist eines dieser Bücher, das Dich Dein Kind in einem positiven Licht sehen lässt. Es hilft dabei, in schwierigen Situationen einen Schritt zurück zu gehen und nicht nur das Drama zu sehen, sondern die Gefühle des Kindes, die damit verbunden sind.

Mir hilft es dabei, dieses „Viel“ an Aktivität, an Freude, an Neugier und Bewegung, die unser Sohn phasenweise an den Tag legt, als etwas Schönes zu sehen. Das macht die konkrete Situation nicht weniger anstrengend. Trotzdem muss ich auf ihn und ggf. andere Menschen aufpassen, muss körperlich anwesend sein, weil er in seinem Enthusiasmus Worte oft nicht wahrnimmt. Aber das alles mache ich mit weniger Wut, weniger Frustration und weniger Unverständnis.

Wenn Du also das Gefühl hast, Dein Kind wird von Dir oder Deiner Umgebung irgendwie „falsch“ wahrgenommen, lege ich Dir dieses Buch auf jeden Fall ans Herz. Und wer weiß, welche gefühlsstarken Charakterzüge Dein Kind tatsächlich hat, ohne dass es Dir bisher klar war?


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