Eisprung oder schwanger in der Stillzeit?


Ich stille nun seit fast 12 Monaten. Seit etwa einer Woche fühle ich mich merkwürdig. Irgendwas stimmt nicht in meinem Körper. Warum ich mir die Frage stellte, ob ich den ersten Eisprung nach der Schwangerschaft habe oder in der Stillzeit schwanger bin – und was von beidem nun stimmt.

Die Hormone und ich…

…waren lange keine Freunde. Mit Anfang 20 begann bei mir allmählich eine hormonbedingte Nahrungsmittelunverträglichkeit. Histaminunverträglichkeit und Östrogendominanz, um es beim Namen zu nennen. Erst mit meiner ersten Schwangerschaft ging es mir wieder wirklich, wirklich gut. Ab der 12. Schwangerschaftswoche etwa und bis 14 Monate nach der Geburt. Denn so lange dauerte es, bis mein Zyklus zurück kam. Dauernuckeln sei Dank. Diese Umstellung habe ich zwar damals gemerkt, aber so schlimm wie vorher wurde es zum Glück nie wieder. Ich konnte alles essen und war mehr oder weniger belastbar.

Die zweite Schwangerschaft war körperlich viel anstrengender als die erste. Extreme Übelkeit, Kreislaufbeschwerden, häufige Blutungen. Dafür ging es mir mit den Stillhormonen diesmal richtig, richtig gut. Schlafmangel konnte ich problemlos wegstecken und manchmal fühlte ich mich trotz einer anstrengenden Nacht fit und unbesiegbar. Kurz: Die Stillhormone sind mein Freund. Auf jeden Fall. Deshalb bin ich auch diesmal froh, dass mein Baby mit einem Jahr immer noch stillt.

Abnehmende Stillfrequenz am Tag

Allerdings stillt der kleine Sonnenschein nicht so häufig und ununterbrochen wie der Große damals. Tatsächlich hat er tagsüber kaum Zeit bzw. Ruhe, um zu stillen. Er isst dafür bereits jetzt nennenswerte Mengen – und holt sich die fehlende Milch nachts. Er wacht meist alle zwei Stunden auf und trinkt dann richtig viel – um danach zufrieden und friedlich weiter zu schlafen. Das ist okay für mich. Aber ich habe mich schon mal gefragt, ob die fehlenden Stillmahlzeiten am Tag sich wohl auf meinen Zyklus auswirken würden.

Mein Körper verändert sich

Zunächst habe ich es gar nicht so bewusst bemerkt. Mir gedacht, mein Körper hätte mit einer Infektion zu kämpfen. Erst, als ich mich an einem Montag tagsüber kurz hinlegen musste, weil ich so ein starkes Ziehen im Unterleib hatte, machte ich mir Gedanken. Ich kannte dieses Gefühl bisher nur aus den Schwangerschaften – oder, wenn ich meine Tage bekomme. Hatte ich etwa wieder einen Zyklus, ohne es bemerkt zu haben, und die Regelblutung stand bevor?

Da ich seit Jahren mit NFP verhüte, wusste ich, wie ich das überprüfen konnte: Mein Gebärmutterhals. Der war butterweich, hoch und offen. Das bedeutete, ganz sicher keine Regelblutung. Aber ist der Gebärmutterhals in der Schwangerschaft nicht auch fest und verschlossen? Eigentlich schon. Ich befragte Google und fand schnell heraus, dass es immer wieder vorkommt, dass der Muttermund in der Frühschwangerschaft offen und weich ist. Es wäre also möglich.

Ich setzte mich hin und schrieb eine Liste. Mit Symptomen. Mit Veränderungen, die mein Körper in den letzten Tagen gezeigt hatte. Die Liste las sich wie eine Aufzählung früher Schwangerschaftsanzeichen:

  • bleierne Müdigkeit
  • leichte Rückenschmerzen
  • Ziehen im Unterleib
  • Morgenübelkeit
  • Gewichtszunahme
  • dicker Bauch
  • Blähungen
  • gesteigerte Milchbildung
  • empfindliche Brustwarzen

In den kommenden Tagen hatte ich immer mal wieder dieses unangenehme Ziehen, wenn auch nicht mehr so stark. Einmal, so bilde ich mir ein, hatte ich ganz wenig helles Blut am Toilettenpapier. Ich weiß ja, dass es einen Mittelschmerz gibt und auch, dass es eine Ovulationsblutung geben kann. Aber über so viele Tage? Wäre es wirklich denkbar, dass ich schwanger bin?

Schwangerschaft in der Stillzeit? Oder Eisprung?

Meine Gefühle spielten verrückt. 11 Monate nach der Geburt wieder schwanger? Das war doch viel zu früh. Und doch wäre es auch so schön. Ein drittes Kind. Ich weihte meinen Mann ein. Er blieb ruhig. Sagte, wenn es so wäre, würde er sich freuen. Obwohl es für ihn noch zu früh ist, das weiß ich. Auch mit meinen Eltern sprach ich. Ich vereinbarte einen Termin beim Gynäkologen.

Am Freitag war das Gefühl im Bauch immer noch nicht ganz verschwunden. Am Nachmittag machte ich also einen Schwangerschaftstest. Ich hoffte, dass er positiv wäre und gleichzeitig hoffte ich, dass er negativ wäre. Er war negativ. Bam. Nicht schwanger. Ich war irgendwie enttäuscht und erleichtert zugleich.

Und ernüchtert. Ich hatte in den letzten Monaten so viele unangenehme Begeleiterscheinungen meiner Östrogendominanz nicht erfahren müssen. Schon fast vergessen, um ehrlich zu sein. Wie gerne hätte ich an diesem Tag erfahren, dass nicht die Symptome zurück sind, sondern ein neuer Bauchbewohner einzieht. Gleichzeitig war ich etwas besorgt. Woher kam dann das Ziehen im Bauch? Hatte ich eine Zyste? Oder Schlimmeres? War irgendwas nicht in Ordnung?

Der erste Eisprung nach der Stillzeit

Der Frauenarzttermin am Montag brachte Klarheit. Ich bin nicht schwanger, ich hatte einfach meinen ersten Eisprung nach der Schwangerschaft. Das konnte der Gynäkologe per Ultraschall ganz klar sagen, sogar die Seite konnte er benennen.

Warum ich nach der zweiten Schwangerschaft plötzlich tagelang unter Mittelschmerz leide? Ich habe nicht die geringste Ahnung. Und hoffe, dass das nur die Hormonumstellung ist und beim nächsten Eisprung wieder alles so unspektakulär verläuft, wie sonst.

Drittes Baby?

Der Gedanke an eine neue Schwangerschaft lässt mich nun natürlich nicht los. Noch ist es zu früh, das spüre ich. Meine Muskulatur ist noch viel zu schwach, daran muss ich dringend arbeiten. Aber auch mental wäre es nicht an der Zeit. Ich fühle mich nicht so, als könnte ich so entspannt und im Einklang mit mir selbst und meinem Baby in eine Schwangerschaft gehen wie vor 21 Monaten.

Aber der Gedanke, zwei Kinder mit so geringem Altersabstand zu haben, ist schon ein sehr schöner. Ich geh dann mal weiter träumen.


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